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Schwimmen für das Recht auf Wasser: Warum jeder Tropfen zählt

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In den Fluten des Rheins, zwischen PET-Flaschen, Waschmittelpackungen und anderem Plastikmüll, schwamm Mitte März 2017 der Wasserbotschafter und Expeditionsschwimmer Ernst Bromeis und machte damit auf die starke Verschmutzung des Flusses durch Mikroplastik aufmerksam.

Bromeis ist Preisträger des Schweizer Nachhaltigkeitspreises prix eco.ch in der Kategorie „Hoffnungsträger". Das Schweizer Forum für Nachhaltige Entwicklung, eco.ch, wird ihm den Preis am 31. März im Theater Basel überreichen. Mit dem prix eco.ch zeichnet der Verein das Engagement von Einzelpersonen und Organisationen für eine lebenswerte und nachhaltige Zukunft aus. Bisherige Preisträger waren Rebecca Clopath (2016), Sina (2015), Steff la Cheffe (2014), Endo Anaconda (2013), Simone Niggli-Luder (2012), Stress (2011) und Bertrand Piccard (2010).

International bekannt wurde Ernst Bromeis 2012, als er vom Oberalppass bis zur Nordsee schwimmen wollte und nach 400 Kilometern aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste. Das „Scheitern" war für ihn nur eine Momentaufnahme. Er war davon überzeugt, dass es weitergehen wird. Zwei Jahre versuchte er es erneut und erreichte nach 44 Tagen und 1'247 Kilometern bei Hoek van Holland die Nordsee. Der Davoser Bromeis betreibt seit 2007 das Projekt „Das blaue Wunder", in dessen Fokus das Wasser als Menschen- und Lebensrecht sowie als allgemeine Existenzgrundlage steht.

Die Frage ist für ihn nicht, ob wir es nutzen, sondern wie wir Wasser nutzen. Regelmäßig macht er mit Wasserexpeditionen und Aktionen auf das Menschenrecht auf Wasser aufmerksam. So auch im März 2017, als er sich in Basel bei der Klingental-Fähre in die Fluten des Rheins stürzte.

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Copyright: eco.ch

Der Rhein gehört zu den am stärksten belasteten Strömen weltweit. Etwa 30 Kilogramm Mikroplastik werden täglich von ihm in die Nordsee getragen. Das sind im Jahr etwa zehn Tonnen. Die Plastikteilchen treten als Zwischenprodukt bei der Kunststoffherstellung sowie als Granulat in Reinigungs- und Pflegeprodukten auf und entstehen bei der Zersetzung größerer Plastikteile in der Umwelt. In den Weltmeeren werden diese Partikel von zahlreichen Organismen aufgenommen.

Die Szenerie beschreibt auch der schwedische Schriftsteller in seinem letzten Buch und Vermächtnis „Treibsand": „Die größte Müllhalde der Welt befindet sich heute nicht an Land. Sie liegt im Stillen Ozean. Zwischen Hawaii und der kalifornischen Küste schwimmen Millionen Tonnen Müll im Meer."

Schon in jungen Jahren beobachtete er, dass zunächst vereinzelt, dann allerdings immer häufiger Plastikschwimmer eingekeilt zwischen den Steinen am Strand lagen. Irgendwann war auch der letzte Korkschwimmer an Land getrieben. Seitdem gab es nur noch Plastik, schließlich kamen Milchkartons und Plastikflaschen, die aber niemand einsammelte: „Das Plastik fühlte sich tot an, wenn man es in die Hand nahm, während Kork sich immer lebendig anfühlte."

Auch Ernst Bromeis bemerkt in seinem aktuellen Buch „Jeder Tropfen zählt", dass auf den Weltmeeren inzwischen Plastikabfallinseln von der Größe Mexikos schwimmen.

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Es ist kein Buch über Abenteuer und Grenzüberschreitungen, sondern über Grenzgänge im Leben, die die Welt im Großen und im Kleinen verbessern: durch kluges Denken und Handeln. Dabei muss nicht jeder in die Fluten des Rheins springen - Bromeis möchte uns lediglich bewegen, unseren eigenen Ideen und Wegen zu folgen und selbst mehr Verantwortung zu übernehmen: „Kann ich als einzelner Mensch mitgestalten oder bin ich nur ein Tropfen auf einem heißen Stein?"

Das Schwimmen ist seine Mission und Kunst, Poesie und Berufung. Er ist davon überzeugt, dass sein Tun in „seinem" Fluss das Leben seines Flusses „weiter unten" beeinflusst. Er schwimmt deshalb für das globale Recht auf Wasser - und für sein individuelles Recht auf Wasser. Denn auch er ist Teil vom großen blauen Wunder Erde.

Sein Ziel ist es, Menschen bewusst zu machen, wie wichtig es ist, sich gesellschaftlich zu engagieren und ihnen bewusst zu machen, dass sauberes Wasser nicht unendlich vorhanden ist: „Es darf nicht sein, dass rund 880 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben." Deshalb setzt er sich mit seinen Aktionen dafür ein, dies im Rahmen seiner Möglichkeiten zu ändern: Unter anderem durchquerte er 2008 zweihundert Seen im Kanton Graubünden, 2014 schwamm er rund 1200 Kilometer vom Lago di Dentro bis zur Mündung des Rheins in den Niederlanden.
Er glaubt an die Kraft von Geschichten und daran, dass das Wort die Welt verändern kann, wenn es mit konkretem Tun verbunden ist:

„Wenn wir wirken - ob schreibend, erzählend, berührend, mahnend, liebend -, verändern wir immer die Welt."

Weiterführende Literatur:

Ernst Bromeis: Jeder Tropfen zählt. Schwimmen für das Recht auf Wasser. rüffer & rub Sachbuchverlag GmbH, Zürich 2016.

Henning Mankell: Treibsand. Was es heißt, ein Mensch zu sein. Aus dem Schwedischen von Wolfgang Butt. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2015.

Claudia Silber und Alexandra Hildebrandt: Circular Thinking 21.0: Wie wir die Welt wieder rund machen. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.

Alexandra Hildebrandt: Mit kleinen Schritten die Welt verbessern: Nachhaltig denken und handeln von A bis Z. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2016.