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Richtungswechsel: Was passiert, wenn uns das Leben aus der Spur wirft

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MAN THINKING
Hinterhaus Productions via Getty Images
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Im Zeitalter der Globalisierung und Digitalisierung fehlt es vielen Menschen oft an einer klaren Richtung. Die Burgthanner Dialoge, die 2017 zum achten Mal stattfanden, zeigten viele positive Beispiele aus Wirtschaft und Sport für eine bessere Orientierung, für mehr Mut oder neuen Antrieb - auch in schwierigen Zeiten:

Was passiert mit einem Fanclub, wenn das Idol plötzlich nicht mehr greifbar ist, weil es das Schicksal aus der „Spur" warf? Wie reagierten Unternehmen während der Finanzkrise, und was haben sie daraus gelernt?

Welche Rolle spielen dabei Intuition und Strategie? Kann man auch über den zweiten Bildungsweg erfolgreich Karriere machen? Können die richtigen Netzwerke Schwierigkeiten abfedern? Was macht verantwortungsvolles Unternehmertum aus?

Diesen und weiteren Fragen widmete sich die nicht-kommerzielle Veranstaltung im Nürnberger Land, die unter der Schirmherrschaft des 1. Bürgermeisters Heinz Meyer steht und von der Gemeinde Burgthann organisiert wird.

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Elke Leser (l.) und das Organisationsteam

Reiner Ferling, der seit über 12 Jahren Mitglied im Michael Schumacher Fan-Club Kerpen ist und seit fünf Jahren dessen Vorsitzender, setzt sich seit dem schweren Unfall des siebenfachen Weltmeisters dafür ein, dass die Werte „Weiter kämpfen" und „Niemals aufgeben" („Keep fighting") fest in der Gesellschaft verankert sind.

Das Leben von Viola Klein, Geschäftsführerin der Saxonia Systems Holding und Mitglied im Kuratorium der Deutschen AIDS Stiftung, entspricht einer Zickzacklinie. Sie spricht sogar von zwei Leben: Ihr erstes begann in Dresden: Schule, dann Studium der Vorschulpädagogik, Arbeit als Kindergärtnerin, mit 25 Jahren als Leiterin - eine der jüngsten in der DDR.

Nach der Wende, im zweiten Leben, war sie zunächst arbeitslos, bis sie nach vielen Umwegen den Schritt in die Selbstständigkeit wagte. Gemeinsam mit ihrem Geschäftspartner baute sie ein Unternehmen zur Erwachsenenqualifizierung auf.

Sie spezialisierten sich auf Hochschulabsolventen mit Schwerpunkt Informatik und Management. Parallel machten sie ihre ersten Schritte im Bereich Softwareentwicklung. Schließlich bauten sie mit dem, was sie in der Bildung verdient haben, die IT-Gruppe Saxonia Systems auf.

Bis in die 2000-er Jahre boomte das Unternehmen, dann geriet es mit dem Platzen der IT-Blase und der Insolvenz von AGFA Foto in eine existenziell bedrohliche Situation. Auch als 2009/2010 mit dem Zusammenbruch der Chip-Industrie in Dresden erhebliche Umsatzeinbrüche zu verzeichnen waren, blieb sie ihrer Maxime treu: „Keine Chance ist eigentlich keine Option." Mit einer nachhaltig ausgerichteten agilen Managementstrategie brachte sie ihr Unternehmen, das neu erfunden wurde, wieder auf Kurs.

Viola Klein unterstützt als Organisatorin mit der jährlich stattfindenden HOPE-Gala in Dresden das AIDS-Hilfe-Projekt HOPE Kapstadt in Südafrika. In den vergangenen elf Jahren wurden im Rahmen der Benefizgala insgesamt 1,2 Millionen Euro Spendengelder gesammelt. Die Unternehmerin hat nie einen Bankkredit erhalten. Sie hat es auch so geschafft und würde sich jederzeit wieder selbstständig machen.

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Werner Neumüller, Viola Klein, Bürgermeister Heinz Meyer, Reiner Ferling, stellv. Bürgermeister Hermann Bloß, Dr. Alexandra Hildebrandt (Moderation)

Auch Werner Neumüller, Geschäftsführer der Neumüller Ingenieurbüro GmbH & Neumüller Personalberatung, sagt: „Ich bin geboren für die Selbstständigkeit." Er hat schon sehr früh Verantwortung übernehmen müssen. Dass er keinen Mentor hatte, entmutigte ihn nicht, sondern motivierte ihn, sein Leben so zu gestalten, dass er immer beweglich bleibt. Auch er hat ein ausgeprägtes Gespür dafür, wann er einen Schritt nach dem anderen setzen oder Ziele über Bord werfen muss, um eine neue Richtung einzuschlagen.

Nach der Schule, Berufsausbildung und Fachabitur studierte er zunächst Maschinenbau an der FH Regensburg. Nach einer ersten Anstellung bei der Jungheinrich AG Hamburg wechselte er zur Herberg Ingenieurbüro GmbH in die Personaldienstleistung. Nach weiteren fünf Jahren erfolgte die Gründung der ersten Unternehmungen der heutigen Neumüller Gruppe in Nürnberg, die an fünf Standorten tätig ist. Neben vielen sozialen Projekten unterstützt er die Reiner Meutsch Stiftung FLY & HELP, die gezielte und nachhaltig betreute Bildungsprojekte für Kinder in Entwicklungsländern finanziert.

2017-07-23-1500833626-3203653-DerHuffPostWhatsAppNewsletter6.pngDie wichtigsten News des Tages direkt aufs Handy - meldet euch hier an.

Für den Unternehmer gibt es keine Probleme, sondern Aufgaben, die es zu lösen gilt. Damit das Gehirn nicht in eingefahrenen Routinen steckenbleibt, braucht es immer wieder neue Herausforderungen, die im Gehirn eine emotionale Erregung auslösen. Um sich zu beruhigen, sucht es nach Lösungen.

Was Mutmacher in Bewegung verbindet

Allen gemeinsam ist das „S", die Schlängellinie des Lebens, die von drei Begriffen geprägt ist:

Sein: Sie sind sich ihrer Fertigkeiten, Werte und Ziele bewusst, verbiegen sich nicht, sind authentisch, konsequent und überzeugend in dem, was sie tun.

Schein: Sie haben ausgeprägte soziale Fähigkeiten, sind Kommunikationsprofis und können sich bzw. ihren Inhalt auch (öffentlich) präsentieren.

Schwein: Sie wissen das Glück und den Zufall, der den „vorbereiteten Geist" (Louis Pasteur) begünstigt, für sich zu nutzen.

• Bildung ist für alle ein wesentliches Fundament, um gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen.

• Ihre Richtung unterstreicht die langfristige Bedeutung des eigenen Handelns und ist der Leuchtturm in dunklen Phasen des Lebens.

• Sie gehen mutig voran, nehmen sich selbst dabei aber nicht so wichtig, sondern ihre Aufgabe.

• Leidenschaft und Engagement sind Grundpfeiler für ihren langfristigen Erfolg.

• Sie entscheiden, wie sie mit allen Reiseumständen beim Richtungswechsel umgehen.

• Sie sind überzeugte Netzwerker - allerdings fragen sie nicht sofort: „ ... und was habe ich davon?"

• Mutig machen ist für sie besser und nachhaltiger als zögerlich zu wollen.

Weitere Informationen:

Burgthanner Dialoge: Eine fränkische Gemeinde im Gespräch und Spiegel der Gemeinschaft. Hg. von Elke Leser, Heinz Meyer und Alexandra Hildebrandt. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.

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