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Retten statt töten: Warum das Engagement für Kleines Großes bewirken kann

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SUSTAINABILITY
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„Klein heißt nicht: nicht wichtig. Nur mit dieser Haltung lässt sich auch im Großen Qualität und langfristiges Bestehen fördern." (Tina Teuchert und Dr. Hans-Dietrich Reckhaus)

Wenn sich global alles vernetzt, was ist dann noch der Wert scheinbar kleiner Dinge - beispielsweise der Wert eines Insekts? Fragen die Journalistin Tina Teuchert und der Unternehmer Dr. Hans-Dietrich Reckhaus in ihrem Buchbeitrag „Kleine Riesen - Von Insekten, Kunst und Respekt" beantworten. Er erschien im neuen Springer-Herausgeberband aus der Management-Reihe zum Thema Corporate Social Responsibility.

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Foto: Dr. Alexandra Hildebrandt

Alles ist auch hier mit allem verbunden, deshalb wird auch auf die kleinen „Dinge des Lebens im Zeitalter der Digitalisierung" (Beitrag von Claudia Silber und Alexandra Hildebrandt) nicht verzichtet, denn: „Die Faszination und Vorliebe für kleine Dinge und Details sind heute ein letzter Rest, der eine Gegenmacht zur Rationalisierung der Gesellschaft darstellt."

Zudem sind es oft die scheinbar kleinen Dinge, die Großes bewirken können. Für das Familienunternehmen Reckhaus war dies die Frage der Künstler Frank und Patrik Riklin, welchen Wert ein Insekt eigentlich hat.

Tina Teucher und Dr. Hans-Dietrich Reckhaus zeigen in ihrem Beitrag, wie die Brüder aus dem Atelier für Sonderaufgaben damit nicht nur eine künstlerische, sondern eine wirtschaftliche Sonderaufgabe schufen: den Biozid-Markt komplett zu hinterfragen: „Wie wäre es mit retten statt töten?" Diese Frage führte zur Aktion „Fliegen retten in Deppendorf".

Im Mittelpunkt stand der mit den Mitteln der Kunst geschärfte Blick auf die Insektenwelt. Mit diesem Perspektivwechsel ist es gelungen, einen Betrieb mit 60-jähriger Geschichte und starker Marktposition zum grundlegenden Nachdenken über Nachhaltigkeit zu bewegen.

Dieses Umdenken war die Voraussetzung, das neue Geschäftsmodell zu verwirklichen - mit dem 2012 lancierten Gütezeichen «Insect Respect» als „Kern der Transformation und vielen weiteren Aktivitäten, die das Kleine groß machen."

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Das weltweit erste Gütezeichen für einen bewussten Umgang mit Insekten will deshalb dazu beitragen, dass im Alltag weniger der kleinen Tiere vernichtet werden. Und wenn Insekten unbedingt bekämpft werden müssen, dann nur mit Mitteln, die möglichst naturverträglich wirken und die eine ökologische Kompensation sicherstellen.

Inzwischen schafft dieser Ansatz ein breiteres Bewusstsein für den Wert der kleinen Tiere in Gesellschaft und Wirtschaft. „Die vermeintlich absurde Idee der Kunst, die Welt einmal umzudrehen, ist Realität geworden", so die Autoren.

Am 20. Oktober 2017 erhielt der Unternehmer in Leipzig den Green Product Award 2017 für Innovation, Design und Nachhaltigkeit für das von ihm initiierte Gütezeichen Insect Respect als Beitrag zu nachhaltigen Lösungen.

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Dr. Hans-Dietrich Reckhaus, Initiator von Insect Respect, mit Nils Bader vom Green Product Award bei der Preisverleihung am 20.10.2017 in Leipzig, © Reinaldo Coddou

Die Firma Reckhaus ist seit 60 Jahren auf Biozide spezialisiert und setzt seit 2012 auf ein anderes Geschäftsmodell vom Hersteller chemischer Produkte zum Anbieter ökologischer Dienstleistungen.

Dafür werden zahlreiche Maßnahmen für mehr gesellschaftliches Bewusstsein über den Wert der Sechsbeiner umgesetzt und ein einmaliges Kompensationsmodell geboten.

Das Gütezeichen erhalten nur Produkte, die die Insektenbekämpfung durch die Anlage einer Ausgleichsfläche kompensieren oder die Insekten fördern und insektenfreundliche Lebensräume schaffen, denn es muss der Dramatik des Insektensterbens unternehmerisch verantwortungsvolles Handeln entgegensetzt werden, so Reckhaus, der auch Träger des Bertelsmann-Preises „Mein gutes Beispiel" ist.

Zwischen 1989 und 2016 sind laut einer neuen Studie im Magazin PLOS One 76 Prozent der Biomasse von Fluginsekten in den untersuchten Regionen zurückgegangen.

Reckhaus plädiert deshalb für ein Umdenken: „Wir dürfen als Menschen so nicht weitermachen und müssen weniger Biozide einsetzen, und wenn dann mit Kompensation". In Zusammenarbeit mit Biologen ließ er berechnen, wie Biozide die Insektenpopulation beeinträchtigen und wie dieser Einfluss mit Ausgleichsflächen zu kompensieren ist.

Reckhaus empfiehlt, Insektenbekämpfung zu vermeiden und zu reduzieren: „Um den Markt zurückzudrängen, brauchen wir vor allem ein Bewusstsein in der Gesellschaft, dass Insekten wichtig sind".

Deshalb setzt das Unternehmen auch verstärkt auf Publikationen wie das Buch „Warum jede Fliege zählt" oder eine Liste der 10 guten Gründe, Insekten zu respektieren sowie Ausstellungen, den Animationsfilm „Kleine Riesen" und kostenfreie Informationen zum Thema „Insekten fördern".

Am 9. November 2017 veranstaltet Insect Respect zusammen mit der Bertelsmann-Stiftung die Konferenz „Der Wert von Insekten" mit Impulsen u.a. von Prof. Dr. Klaus Töpfer (Bundesumweltminister a.D.) und Vertreter aus Politik, Naturschutz und Forschung. Ziel ist es, mittel- und langfristig die Branche „umzudrehen und weitere Sektoren für einen neuen Umgang mit Insekten inspirieren", so Reckhaus.

Weitere Informationen:

Tina Teucher und Hans-Dietrich Reckhaus: Kleine Riesen - Von Insekten, Kunst und Respekt.

Claudia Silber und Alexandra Hildebrandt: Dinge des Lebens im Zeitalter der Digitalisierung.

Beide in: CSR und Digitalisierung. Der digitale Wandel als Chance und Herausforderung für Wirtschaft und Gesellschaft. Hg. von Alexandra Hildebrandt und Werner Landhäußer. SpringerGabler Verlag, Heidelberg Berlin 2017.

Claudia Silber und Alexandra Hildebrandt: Gut zu wissen... wie es grüner geht: Die wichtigsten Tipps für ein bewusstes Leben. Amazon Media EU S.à r.l. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.

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