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Umparken im Kopf: Warum Gemeinschaftsinitiativen zum Thema Vielfalt Schule machen

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Umparken im Kopf

Erstmals wurde in diesem Jahr von Opel und dem Filmfest M├╝nchen der Sophie-Opel-Preis vergeben. Aufgerufen waren Filmtalente deutscher Hochschulen, ihre Interpretation des Mottos ÔÇ×Umparken im Kopf" filmisch umzusetzen. Bei der Preisverleihung am 30. Juni wurde der Kurzfilm ÔÇ×Integration" von David Helmut mit dem neuen Nachwuchs-Filmpreis und einem Preisgeld von 12.000 Euro ausgezeichnet (die Filme der drei Erstplatzierten finden sich hier).

In der Jury waren Opel-Marketingchefin Tina M├╝ller, die Leiterin des Filmfest M├╝nchen Diana Iljine, Schauspieler Ken Duken, TV Spielfilm-Chefredakteur Lutz Carstens sowie Regisseur und Professor f├╝r Werbefilme Prof. Christian K├Âster von der HFF M├╝nchen.

Tina M├╝ller sagte bei der Preisverleihung im Audimax der Hochschule f├╝r Fernsehen und Film in M├╝nchen: ÔÇ×Der Kurzfilm von David Helmut zeigt auf beeindruckende und unterhaltsamen Weise, wie stark Vorurteile beim aktuellen Thema Integration eine Rolle spielen und regt damit hervorragend zum ÔÇÜUmparken im Kopf' an."

Mit dem Sonderwettbewerb ÔÇ×Sophie-Opel-Preis" im Rahmen des Filmfest M├╝nchen verfolgen Opel und das Filmfest M├╝nchen das Ziel, den Film-Nachwuchs an deutschen Hochschulen zu f├Ârdern und zu ermutigen, spannende Geschichten anspruchsvoll zu erz├Ąhlen. Die Einreichenden waren aufgefordert, ihre unverstellte Vision zum Thema ÔÇ×Umparken im Kopf" als Kurzfilm von 90 Sekunden bis drei Minuten L├Ąnge zu entwerfen, zu drehen und zu pr├Ąsentieren.

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Siegerfoto: Regisseur David Helmut und Hauptdarsteller Patrick Finger (rechts) mit den Jury-Mitgliedern Ken Duken (links) und Opel-Marketingchefin Tina M├╝ller.

Auf ein Wort

Die Opel-Preisverleihung ist Anlass, auch andere Initiativen zum Thema Vielfalt miteinander in Beziehung zu setzen:

Als am 1. Juni die Gemeinschaftsinitiative AUF EIN WORT von der Schauspielerin Valerie Niehaus gemeinsam mit der Fotografin Steffi Henn und Schauspielkollegin Christina Hecke gestartet wurde, um einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag zu mehr Inspiration, Kommunikation, ├ľffnung und Vertiefung des Miteinanders zu leisten, war noch nicht abzusehen, was sich alles daraus entwickeln w├╝rde.

Die Idee entstand im vergangenen Jahr, "um Pegida etwas Intelligentes entgegenzusetzen": ÔÇ× Wir suchen das Gespr├Ąch, die R├╝ckbesinnung auf Werte, die uns vereinen, statt uns auseinander zu treiben. Wir wollen anregen, neugierig machen, Gespr├Ąche er├Âffnen, zum Nachdenken bringen", so die Initiatorinnen.

Prominente wurden mit einem selbst gew├Ąhlten Begriff fotografiert (hier finden sich neben den Portr├Ąts auch viele Video-Statements), der einen f├╝r sie wichtigen demokratischen Wert darstellt.

Inzwischen sind auch Kinder und Jugendliche von diesem Ansatz begeistert und unterst├╝tzen ihn gern: Das Team von AUF EIN WORT besuchte am 30. Juni den Biesalski-Cup in der Biesalski-Schule, ein F├Ârderzentrum, eine Grundschule und eine Sek I-Schule f├╝r Sch├╝lerInnen mit den F├Ârderschwerpunkten ÔÇ×K├Ârperlich-motorische Entwicklung" im Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf.

Schirmfrau ist seit 2016 Claudia Roth, Vizepr├Ąsidentin des deutschen Bundestages, deren Anliegen der Schutz von Minderheiten, multikulturelles Zusammenleben und der Einsatz f├╝r Menschenrechte ist.

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Schirmfrau Claudia Roth (Foto: Dr. Alexandra Hildebrandt)

Das inklusive Fu├čball- und Rollstuhlfu├čballturnier mit KinderPresseKonferenz bringt die unterschiedlichsten und vielf├Ąltigsten Kinder und Jugendlichen f├╝r Spiel, Spa├č und Wissen zusammen. Hier geht es um Erfolgserlebnisse, um die Erh├Âhung der Sozialkompetenz, um Wissensvermittlung, um die Entwicklung von Gemeinschaftsgef├╝hl und St├Ąrkung des Selbstwertgef├╝hls und Wertevermittlung.

Es geht aber auch darum, Geschlechterrollen zu thematisieren: So spielen Jungs und M├Ądchen gemischt, es gibt TrainerInnen und SchiedsrichterInnen, weil M├Ądchen und Frauen auch ÔÇ×Fu├čball k├Ânnen". Zudem wird Inklusion gelebt: z.B. spielen Kids mit und ohne Behinderung zusammen und gegeneinander. Es geht darum, Bewegungslust zu wecken und zu erhalten: Kids mit und ohne Gehbehinderungen haben beispielsweise die M├Âglichkeit, den Rollstuhl als Sportger├Ąt zu entdecken.

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Copyright: memo AG, Illustration: Philipp Katzenberger (den nachhaltigen Sch├╝lerkalender erhielten die Sch├╝ler_innen der Kinderpressekonferenz)

Aus diesen Erfahrungen heraus entstand die Idee, ein eigenes Turnier mit einem inklusiven Ansatz und individuellen Regeln zu entwickeln: den Biesalski-Cup.

Eingeladen werden F├Ârderschulen mit dem F├Ârderschwerpunkt ÔÇ×K├Ârperlich-motorische Entwicklung" aus Berlin und Brandenburg, erg├Ąnzt durch die Teilnahme einzelner Regelschulen.

ÔÇ×Um auch Sch├╝lerInnen mit einem Rollstuhl oder Rollator die Teilnahme am Turnier zu erm├Âglichen, gibt es begleitend zu den Turnieren der Unter- und Oberstufe ein Rollstuhlfu├čballturnier", sagt die Lehrerin und Diversity-Expertin Tanja Walther-Ahrens.

Neben den regul├Ąr angemeldeten Teams gibt es auch die M├Âglichkeit f├╝r ÔÇ×Fu├čg├Ąnger", in einem Mix-Team am Turnier teilzunehmen bzw. Rollstuhlfu├čball auszuprobieren, um selbst zu erfahren, wie anspruchsvoll Rollstuhlsport ist.

Seit 2012 ist die KidsPK ein fester Bestandteil des Cups, der ausschlie├člich den KinderreporterInnen vorbehalten ist: Die Organisation und Durchf├╝hrung liegt in den H├Ąnden der Sch├╝lerInnen.

Das Team von der Initiative AUF EIN WORT begleitete den diesj├Ąhrigen Biesalski Cup und fotografierte 25 Kinder mit ihren Begriffen, darunter waren Akzeptanz, Dankbarkeit, Entschleunigung, Familie, Freundschaft, Frieden, Inspiration oder Zuversicht.

Vielfalt und Respekt sind nicht nur Kernbegriffe der von Valerie Niehaus gegr├╝ndeten Initiative, sondern auch relevant f├╝r die Sch├╝ler_innen, die vorab in einer von ihnen initiierten AG unterschiedlichste Dimensionen von Vielfalt wie Alter, Geschlecht, Herkunft, Religion und sexuelle Orientierung thematisiert hatten.

Dar├╝ber hinaus gab es eine Projektwoche in allen Altersstufen zum Thema. Der Film ÔÇ×Vielfalt", der den Sch├╝lerwettbewerb zur kulturellen Vielfalt der Deutsche Bahn AG gewann, entstand als Kooperation der AG Vielfalt mit der Film AG.

Erster Schritt war die Erstellung einer Erkl├Ąrung ÔÇ×Respekt ey!", die von allen Sch├╝ler_innen sowie Mitarbeiter_innen der Schule im Sinne einer Selbstverpflichtungserkl├Ąrung unterschrieben wurde. Im eigenen ÔÇ×Biesalski-Vielfalt-Lied" hei├čt es:

ÔÇ×Mancher isst gesund mmh, ein anderer isst sich rund - das ist Vielfalt / Mancher quatscht viel rum, andere bleiben stumm - das ist Vielfalt / Mancher rechnet gut, andere hab'n Mut - das ist Vielfalt / Manche woll'n viel wissen, and're lieber k├╝ssen - das ist Vielfalt."

Die Kids-Pressekonferenz stand unter dem Motto ÔÇ×Mit Vielfalt f├╝r Vielfalt". Unterst├╝tzt wurde sie durch (Sach)Spenden von Institutionen wie der DFB Stiftung Sepp Herberger und nachhaltig ausgerichteten Unternehmen wie der memo AG. Die hier f├╝r die Kommunikation verantwortliche Leiterin Claudia Silber betont ebenfalls die Bedeutung der Vielfalt, die f├╝r uns alle essentiell und lebensnotwendig ist:

ÔÇ×Wir k├Ânnen nicht nur ohne die biologische Vielfalt leben, sondern auch nicht ohne menschliche Vielfalt. Nicht umsonst sind wie Worte ÔÇÜVielfalt' und ÔÇÜEntfaltung' verwandt. Wir f├╝hlen uns erst dann menschlich, wenn wir Menschen unterschiedlichster Art, unterschiedlichen Charakters, Einstellung und Lebensart um uns herum haben und dadurch auch uns selbst erkennen."

Ihr pers├Ânliches Wort ist "Engagement", denn: ÔÇ×Wenn ich nicht engagiert bin, bin ich nicht motiviert, habe keine Ideen und bin nicht kreativ. Wenn mir Sachen egal sind, sind sie von Haus aus zum Scheitern verurteilt. Mein Engagement soll zu einem positiven Ende oder Ergebnis f├╝hren. Und daf├╝r ÔÇÜk├Ąmpfe' ich, wenn ich von etwas ├╝berzeugt bin."

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Teilnehmerin der Kinder-Pressekonferenz (Foto: Dr. Alexandra Hildebrandt)

Diese Aspekte waren f├╝r die Kinderreporter_innen zugleich ÔÇ×Ged├Ąchtnisst├╝tzen" w├Ąhrend der Kids-PK, in der neben Schirmfrau Claudia Roth die Schauspielerin Valerie Niehaus Fragen der Reporter_innen zu Politik, Kultur und die M├Âglichkeiten des Einzelnen beantwortete.

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Kinderpressekonferenz (Foto: Dr. Alexandra Hildebrandt)

Dazu geh├Ârten beispielsweise: Warum ist an einer Berliner U-Bahn noch kein Behindertenfahrstuhl, und warum werden Millionen f├╝r den Flughafen Sch├Ânefeld ausgegeben? Wie kann gesellschaftliche Verantwortung in der Fl├╝chtlingskrise gelingen? Wie k├Ânnen Kinder Schauspieler_innen werden? Warum sollten sich Prominente gesellschaftlich engagieren? Warum ist Vielfalt die Grundlage des Lebens? Was bringt Variantenreichtum statt Einheitlichkeit? Warum sollen wir denken, f├╝hlen und zweifeln? Wie lernen wir, eine Haltung zu haben? Warum l├Âst das Fremde so oft ├ängste aus? Wie k├Ânnen wir selbst Zeichen setzen und andere bewegen, etwas zu tun?

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Schauspielerin Valerie Niehaus und Moderator Dennis Mielke, 16 Jahre

Wenn Empathie (der pers├Ânliche AUF EIN WORT-Begriff von Valerie Niehaus) und Solidarit├Ąt erzeugt werden sollen, ist es wichtig, Hoffnung auf positive Ver├Ąnderungen zu vermitteln und nicht das Gef├╝hl der eigenen Verzweiflung und Machtlosigkeit zu n├Ąhren.

Claudia Roth sprach ├╝ber Vielfalt in der Lebensgestaltung, ├╝ber das Wesen der Demokratie, politische Debatten, Natur- und Klimaschutz. Gemeinsam mit Valerie Niehaus ermunterte sie zu mehr Engagement und Wagemut:

Fairness und Respekt k├Ânnen gelernt werden, wenn jede/r die Welt aus der Sicht anderer Menschen sieht. Es braucht Offenheit, damit sich Menschen und Gesellschaften weiterentwickeln k├Ânnen. Fremdenfeindlichkeit gedeiht vor allem dort, wo Gemeinschaften nicht intakt sind. Deshalb ist es wichtig, dass das demokratische Gemeinwesen durch Initiativen wie die hier vorgestellten gest├Ąrkt wird.

Den Umgang mit Vielfalt k├Ânnen alle lernen - Hauptsache, er wird pers├Ânlich genommen.

Weitere Informationen

AUF EIN WORT: Gemeinschaftsinitiative von Valerie Niehaus