BLOG

Recruiting: Viele Unternehmen sprechen Bewerber falsch an - was sich Kandidaten wünschen

31/07/2017 17:37 CEST | Aktualisiert 31/07/2017 17:38 CEST
Peopleimages via Getty Images

Die Mehrzahl der Unternehmen spricht potentielle Mitarbeiter falsch an. Zu diesem Ergebnis kommt der Report „Inside the Mind of Today's Candidate", dessen Vision der Economic Graph ist, ein globales Netzwerk von qualifizierten Fachkräften, das jedem Mitglied neue Karrierechancen eröffnen kann. LinkedIn hat insgesamt mehr als 500 Millionen Mitglieder. In Deutschland, Österreich und der Schweiz erreichte LinkedIn im Mai 2017 10 Millionen Mitglieder.

Die Umfrage fand im April 2017 unter 14.000 Arbeitnehmer in mehr als 20 Ländern weltweit statt, darunter 7.700, die in den vergangenen drei Monaten eine Stelle in einem neuen Unternehmen angetreten haben.

Die Studie zeigt, worauf Kandidaten bei der Ansprache durch Recruiter Wert legen:

Neun von zehn (91 Prozent) der deutschen Fach- und Führungskräfte sind offen für neue Jobangebote, 57 Prozent fühlen sich geschmeichelt, wenn sie angesprochen werden. Allerdings wollen Kandidaten nicht nur eine bloße Stellenbeschreibung erhalten, sondern auch Informationen über das Unternehmen. 74 Prozent der deutschen Befragten und damit mehr als der weltweite Durchschnitt (69%) legen hierauf besonderen Wert.

Grund dafür ist die gesellschaftliche Verantwortung, die heute verstärkt eine wesentliche Rolle für das Employer Branding (bei dem es vor allem darum geht, an der Außendarstellung des Unternehmens zu arbeiten, das innen mit einer Strategie beginnt) spielt, wie der Autor und Personalexperte Werner Neumüller in seinem Buch „Tun statt reden" nachgewiesen hat: Angesichts des zunehmenden Fach- und Führungskräftemangels müssen Arbeitgeber stärker als je zuvor um qualifizierte Arbeitnehmer werben - und dies auch kommunizieren.

Zukünftig werden nach Ansicht des HR-Experten auch alte Begriffe aus Ethik und Moral zunehmend an Bedeutung gewinnen - beispielsweise Vertrauen und die Einhaltung von „Inaussichtstellungen". Dies wird zu einer verstärkten Verbundenheit führen - „hin zum Employer Brand und Loyalität!" Nur auf diese Weise entsteht das glaubwürdige Image eines guten Arbeitgebers für Neueinstellungen, „der sich aber auch der Unterstützung seiner ‚Rentner' dauerhaft (z.B. in Teilzeit) sicher sein kann", so Neumüller im HuffPost-Interview „Warum Employer Branding heute neu bewertet werden muss".

2017-07-31-1501492044-5024687-GDN.PNG

Werner Neumüller gehört zu Deutschlands Gesichtern der Nachhaltigkeit und ist Geschäftsführer der Neumüller Ingenieurbüro GmbH & Neumüller Personalberatung (www.gesichter-der-nachhaltigkeit.de)

38 Prozent der in der Studie Befragten bezeichnen Einblicke in die Unternehmenskultur als „Muss" bei der Ansprache durch Recruiter. Auch Werner Neumüller bestätigt, dass sich Mitarbeiter mit klaren gelebten positiven Werten wohler fühlen, und sich stärker mit dem Unternehmen identifizieren - nachweislich bleiben sie länger im Unternehmen und sind zufriedener: „Bewerber betrachten ein solches Unternehmen sicher als attraktiver als Unternehmen ohne Authentizität, gemeinsame Werte oder gemeinsame Mission."

Andererseits geben 68 Prozent der Arbeitnehmer, die vor kurzem ihre Position gewechselt haben, in der Studie an, dass sie vor Antritt der Stelle sehr wenig oder gar nichts über ihren aktuellen Arbeitgeber gewusst hätten. Das bedeutet, „dass Unternehmen aus einem wesentlich größeren Talentpool schöpfen könnten, wenn sie die Unternehmensmarke strategischer bei potenziellen künftigen Mitarbeitern aufbauen würden."

Die Umfrage von LinkedIn benennt zudem die Hauptgründe, die Arbeitnehmer motivieren, sich nach einer neuen Beschäftigung umzusehen. Spitzenreiter sind schlechte Unternehmensführung bzw. -management mit 62 Prozent, gefolgt vom Wunsch nach einer besseren Vereinbarkeit mit den eigenen Interessen und Werten (53%). Erst auf Platz drei folgt mit 48 Prozent die Aussicht auf besseres Gehalt.

Die Studie ergab außerdem, dass etwa ein Fünftel (18 Prozent) der Personen auf Jobsuche vor der Bewerbung kein klares Bild davon haben, wie es wäre, in den betreffenden Unternehmen tätig zu sein. Sie wünschen sich darüber hinaus detailliertere Informationen über mögliche künftige Arbeitgeber.

„Mit einer aktuellen Arbeitslosenquote von weniger als sechs Prozent ist der Arbeitsmarkt derzeit stark auf die Bewerber fokussiert. Fach- und Führungskräfte können sich ihre Jobs aus einer Vielzahl von Angeboten aussuchen", sagt Barbara Wittmann, Direktorin für den Bereich Rekrutierungslösungen und Mitglied der Geschäftsleitung Deutschland, Österreich, Schweiz bei LinkedIn. „Der Kampf um Mitarbeiter wird dadurch natürlich härter. Die HR-Funktionen in Unternehmen müssen strategischer denken und arbeiten, um gefragte Mitarbeiter zu gewinnen. Die Ausrichtung der Arbeitgebermarke auf die wichtigsten Zielgruppen ist der Schlüssel zu einem erfolgreichen Recruiting."

Barbara Wittmann: Tipps für starkes Employer Branding

2017-07-31-1501491924-1156241-LinkedInBarbaraWittmann1.jpg

Barbara Wittmann (Copyright LinkedIn)

● Hören Sie nach innen: Um festzustellen, wie Ihr Unternehmen wahrgenommen wird, sprechen Sie zuerst mit Ihren Mitarbeitern, denn diese kennen die Marke bereits. Ist es das Bild, das sie auch nach außen vermitteln wollen oder müssen Sie Anpassungen vornehmen?

● Seien Sie transparent: Vermitteln Sie möglichen Kandidaten einen Blick in Ihr Unternehmen. Halten Sie beispielsweise Ihre Homepage immer aktuell, und füllen Sie diese mit den wichtigsten Informationen, die potenzielle Mitarbeiter benötigen könnten. Präsentieren Sie Ihr Unternehmen in sozialen Netzwerken und posten Sie regelmäßig Einblicke aus dem Arbeitsalltag.

● Verbinden Sie Recruiting und Marketing: Ihre Arbeitgebermarke ist eng verbunden mit der Gesamtmarke. Daher kann auch das Marketing-Team helfen, die Markenbotschaft an die richtige Zielgruppe zu bringen.

● Setzen Sie Mitarbeiter als Markenbotschafter ein: Niemand kann glaubwürdiger zeigen, warum gerade Ihr Unternehmen ein Top-Arbeitgeber ist als die Mitarbeiter. Ermutigen Sie sie, Ihre Erfahrungen mit ihrem Netzwerk zu teilen, um den Talentpool zu erweitern.

Weitere Informationen:

Werner Neumüller: Tun statt reden. Personalverantwortung 21.0 von A bis Z (mit Alexandra Hildebrandt). Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.

____

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die HuffPost ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.

Sponsored by Trentino