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Recht auf Wasser - Recht auf Leben: Was jeder dafür tun kann

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WATER DRINKING
Imgorthand via Getty Images
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Die globale Wasserkrise

„Wir müssen das Wasser schützen, wenn wir das Leben bewahren wollen", sagt der Wasserbotschafter und Expeditionsschwimmer Ernst Bromeis. Er glaubt an die Kraft von Geschichten und daran, dass auch ein Wort die Welt verändern kann. Weil Zahlen nicht wirklich beeindrucken und rasch vergessen werden. Deshalb brauchen sie eine Seele, ein Gesicht und eine persönliche Geschichte, die ins Herz geht und dort bleibt. In seinem Buch „Jeder Tropfen zählt" widmet er sich seiner Geschichte. Er ist davon überzeugt: „Wenn wir wirken - ob schreibend, erzählend, berührend, mahnend, liebend -, verändern wir immer die Welt."

Wassermangel ist weltweit ein wachsendes Problem: 2040 werde voraussichtlich jedes vierte Kind auf der Welt in Regionen mit extrem knappen Wasserressourcen leben, warnte das UN-Kinderhilfswerk Unicef am 22. März 2017 anlässlich des Weltwassertags. Ein weiterer UN-Bericht rief wegen des steigenden Wasserbedarfs zur verstärkten Wiederaufbereitung von Abwässern auf. UN Water und Unesco riefen angesichts des weltweit steigenden Wasserbedarfs zur verstärkten Wiederaufbereitung von Abwässern auf. Demnach könnte die weltweite Nachfrage nach Frischwasser auch wegen der fortschreitenden Erderwärmung bis zum Jahr 2030 um 50 Prozent steigen.

Bislang sorgten sich die meisten Entscheidungsträger mehr um "die Bevorratung mit Wasser als um die Handhabung nach seiner Nutzung", sagte Richard Connor, der Hauptautor des Berichts. Beides sei jedoch "untrennbar" miteinander verbunden. Dem Bericht zufolge klären reiche Länder rund 70 Prozent ihrer Abwässer. Im weltweiten Durchschnitt würden allerdings 80 Prozent der Abwässer unbehandelt in die Umwelt geleitet, in einigen Ländern seien es sogar mehr als 90 Prozent. All das führt dazu, dass die Umwelt mit Bakterien, Nitraten, chemischen Lösungsmitteln und Wirkstoffen aus Medikamenten belastet wird.

Nachhaltige Lösungsansätze: Kläranlagen im Meer

Kläranlagen bis zu einer mittleren Größe können zukünftig im Meer gebaut werden. Laut Presseinformation der LURI.watersystems.GmbH für die Messe Wasser Berlin (21. März 2017) werden die Anlagen in wenigen hundert Metern Abstand zum Land direkt vor der Küste errichtet und an die im Meer endenden Abwasserrohre angekoppelt. Dadurch können Anlagen schneller und kostengünstiger umgesetzt werden. Die Einsparungen lassen sich einfach herleiten:

„Lange und kostenintensive Rohrleitungssysteme und Pumpwerke, die ansonsten beim Neubau von Kläranlagen an Land notwendig werden und oftmals 50% der Gesamtkosten ausmachen, entfallen."

Auch der Betrieb wird wesentlich günstiger sein: Hohe Energiekosten, die notwendig sind, um das Abwasser zu den Kläranlagen zu pumpen, sowie Reparaturkosten für die Abwasserrohre entfallen fast völlig.

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Copyright: LURI.watersystems.GmbH

Die Kläranlagen sind eine technische Neuentwicklung: Das gesamte System wird aus großformatigen Glasfaserrohren (Durchmesser 3 m) hergestellt. Damit können die Anlagen komplett in der Fabrik hergestellt und am Einsatzort nur noch endmontiert werden.

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Copyright: LURI.watersystems.GmbH

Warum wir neue Wege beschreiten müssen

90% der weltweiten Abwässer landen ungeklärt in Flüssen, Seen und Meeren. Was fehlt sind einfache, schnell umsetzbare und kostengünstige Technologien. „Wenn wir die Probleme lösen wollen, müssen wir neue Wege beschreiten", sagt Diplom-Ingenieur Ralf Steeg, Geschäftsführer der LURI.watersystems.GmbH.

Das forschende Ingenieurbüro mit Sitz in Berlin war Teilnehmer der Architekturbiennale Venedig, der Expo Shanghai und wurde vom Rat für nachhaltige Entwicklung (RNE) als Werkstatt N-Projekt ausgezeichnet, stand auf der Shortlist für den deutschen Nachhhaltigkeitspreises und wurde in einer internationalen Ausschreibung zur Reinigung des Ganges short gelistet.

Das Ingenieurbüro hat 2013 das weltweit erste - als Bauteilsystem konzipierte Regenüberlaufbecken mit einer Größe von 10 x 50 m - im Gewässer umgesetzt.

Die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und in Zusammenarbeit mit der TU Berlin entwickelte Anlage wurde in der Spree errichtet und hat 2015 den zweijährigen Probebetrieb erfolgreich absolviert. 2016 wurde sie an die Berliner Wasserbetriebe verkauft. Bereits im Zuge dieser im Jahr 2008 begonnenen Forschungen wurde die Kombination der Anlagen mit Aggregaten zur Abwasserreinigung untersucht und die Entwicklung zur im Gewässer installierten Kläranlage verfolgt.

Tipps zum Wassersparen im Alltag von A bis Z

Gemeinsam mit der Nachhaltigkeitsexpertin Claudia Silber, die bei der memo AG die Unternehmenskommunikation leitet, entstand die Kindle Edition „Gut zu wissen... wie es grüner geht: Die wichtigsten Tipps für ein bewusstes Leben", das HORIZONT e.V. zugute kommt. Der Verein wurde 1997 von der Schauspielerin Jutta Speidel gegründet und hilft wohnungslosen Müttern und deren Kindern schnell und unbürokratisch. Hintergrundinformationen und Tipps zum Thema Wasser haben wir daraus für diesen HuffBlog zusammengestellt.

Duschen

Eine zehnminütige Dusche verbraucht etwa 150 bis 170 Liter Wasser. Weniger lange zu duschen oder einen Sparduschkopf zu verwenden verringert den Wasserverbrauch erheblich.

Garten

Regenwasser sammeln spart Geld und ist gut für die Pflanzen. Eine Regenwassertonne mittels Adapter an eine Regenrinne angeschlossen, macht nicht viel Arbeit. Das Wasser ist weicher als vielerorts aus der Leitung, weniger kalt als aus dieser und kostenlos noch dazu. Es gibt sogar spezielle Tanks, die im Garten oder der Einfahrt eingegraben werden können und Regenwasser sammeln.

Beim Wässern im Sommer gilt: Weniger gießen, dafür reichhaltig, denn wenn mehr Wasser auf die Pflanzen gegossen wird, gelangt die Feuchtigkeit auch gründlicher ins Erdreich und die Pflanzen bilden tiefere Wurzeln. So reichen sie bis in jene Tiefen, die auch nach einem warmen Sommertag nicht gleich völlig ausgetrocknet sind.

Körperpflege

Peelings, Duschgels und Zahncremes enthalten häufig kleinste Plastikkügelchen („Mikroplastik"). Weil die Kläranlagen dieses nicht ausreichend filtern können, gelangt es fast ungehindert in die Gewässer. Dort reichert es sich mit Umweltgiften an, landet in den Mägen von Wildtieren und ist nicht mehr aus der Natur zu entfernen. Dabei sind die Plastikteilchen in Pflegeprodukten völlig überflüssig! Vermeiden Sie deshalb beim Kauf Produkte mit folgenden Inhaltsstoffen: „Polyethylen" (PE), „Polypropylen" (PP), „Polyamid" (PA) oder „Polyethylenterephtalat" (PET). Zertifizierte Naturkosmetik-Produkte dürfen kein Mikroplastik enthalten - deshalb sollte auf bekannte Bio-Siegel geachtet werden.

Spülmittel

Es sollten vor allem umweltfreundliche Spülmittel verwendet und das Wasser erst gewechselt werden, wenn der Schaum vollständig verschwunden ist. Auch beim Geschirrspüler sollten biologisch abbaubare Mittel bevorzugt werden.

Trinkwasser

Statt auf Mineralwasser in Plastikflaschen zu setzen, sollte in einen Wassersprudler investiert werden. Damit kann eigenes Mineralwasser gemacht werden, mit genau so viel „Zisch", wie jeder es mag. Noch besser ist das Wasser aus der Leitung, das überall in sehr guter Qualität frei Haus erhältlich ist.

Wäschewaschen

Die Waschmaschinenladung sollte voll angesammelt sein, dann kann das völlig ausreichende 40°C-Programm ohne Vorwäsche gewählt werden. Mit wenigen Handgriffen lässt sich auch ein wassersparender Duschkopf montieren. Für ein Vollbad braucht man übrigens 150 Liter Wasser, beim Duschen nur 50 Liter. Wird beim Einseifen das Wasser abgestellt, sind es nur noch 20 Liter. (So viel haben weltweit über 1 Milliarde Menschen pro Tag überhaupt zur Verfügung.)

Wasserhahn

Durch einen normalen Wasserhahn fließen pro Minute sechs bis zwölf Liter Wasser. Durch die Verwendung eines Wasserhahnaufsatz, der den Durchfluss verringert, können bis zu 50% eingespart werden. Bei einer vierköpfigen Familie sind das bis zu 47 500 Liter pro Jahr. Bei einem tropfenden Wasserhahn werden pro Tag bis zu 20 Liter Wasser vergeudet.

WC

Es sollte nichts ins WC geworfen werden, was nicht dafür vorgesehen ist - wie Essensreste, Hygieneartikel, Chemikalien und Medikamente. Insbesondere chemische Substanzen und Arzneimittel belasten das Abwasser: Viele Kläranlagen können diese Rückstände nicht vollständig herausfiltern, und so gelangen diese in die Gewässer. Einigen Forschern zufolge können Medikamentenrückstände die Entwicklung von Fischen schädigen. Abgelaufene Medikamente sollten deshalb im Restmüll entsorgt oder in der Apotheke abgegeben werden.

WC-Reinigung

Auf chlorhaltige Reinigungsmittel und WC-Reiniger mit Salz- oder Salpetersäure sollte verzichtet werden.

WC-Spülkasten

Alte Spülkästen verbrauchen bis zu 14 Liter bei jedem Spülvorgang. Neue Spülkästen verbrauchen etwa neun Liter, mit einer Spartaste sind es nur drei bis vier Liter.
Sind bei einem Spülkasten der Dichtungsring defekt, laufen bis zu 200 Liter Wasser unnötig in die WC-Schüssel.

Weiterführende Literatur:

Ernst Bromeis: Jeder Tropfen zählt. Schwimmen für das Recht auf Wasser. Rüffer & Rub Sachbuchverlag GmbH, Zürich 2016.

Sandra Prechtel: Der Wassermann. Ralf Steeg und sein Kampf für den sauberen Fluss. F. A. Herbig Verlagsbuchhandlung GmbH, München 2015.

Claudia Silber und Alexandra Hildebrandt: Gut zu wissen... wie es grüner geht: Die wichtigsten Tipps für ein bewusstes Leben. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.