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Neue Zeiten, neues Denken: Warum Spiralexperten heute unverzichtbar sind

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Die Spirale des Lebens ist offen, kontinuierlich und dynamisch. Alle Wirbel in ihr sind lebendig. Eine innere Intelligenz zieht sie zu einer hierarchischen Struktur zusammen: den Windungen des Lebens.

Spiralexperten, die die rechte und linke Gehirnhälfte miteinander verzahnen, spüren in Prozessen die untergründigen Anziehungspunkte auf, welche die Verbindungen an der Oberfläche beeinflussen. Sie sind nach Ansicht des amerikanischen Psychologieprofessors Clare W. Graves im Wesentlichen „Ingenieure, die sich nach dem Fluss der Energie, der Ressourcen und der Verteidigungsmechanismen, die innerhalb der Spirale herrschen, richten" - sie träumen wie Dichter, denken wie kreative Designer und planen wie Programmierer.

Sie haben die gesamte Spirale im Blick, was vor allem in Phasen großer Unruhe lebensnotwendig ist.

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Bild: Johanna, 9 Jahre

Eine Spiralexpertin ist auch Ruth Spiller, Jahrgang 1979, Founder bei „The Retouch Society" (zuvor „pixelchic"), Art Direction bei dem Community Projekt AUF EIN WORT (für mehr Menschlichkeit und die Vertiefung des Miteinanders), Creative Direction bei „Say No to Faceism", dem Anti-Rassimuss-Projekt, sowie Co-Founder des Charity-Projekts „Fotohelden". Seit 2015 publiziert sie zum Thema „Zukunft der Gesellschaft" aus gesamtgesellschaftlicher Perspektive, neuerdings auch für das Magazin YMAZING.

Schon als Kind war sie eine große Fragerin: Als sie acht Jahre alt war, fragte sie den örtlichen katholischen Pfarrer nach dem Sinn der Beichte mit dem anschließenden Vaterunser: Wenn man sich falsch verhielt und dann beichtete, bedeutete dies, dass eigentlich alles getan werden durfte, wenn es nur nachher bereut wurde? Ist es nicht besser, möglichst gut und vorausschauend zu handeln, indem man behutsam mit der Umwelt und den Mitmenschen umgeht als später auf die Vergebung von Missetaten zu hoffen?

So einfach dies Kindern erscheint - mit dem Größerwerden wird alles komplizierter. Ruth Spiller strebte weiter nach Einfachheit und widmete sich nachhaltigen Sinnzusammenhängen.

Parallel zu ihrer beruflichen Entwicklung im Modedesign, in Fernsehredaktionen und der Werbebranche engagierte sie sich ehrenamtlich und begegnete Menschen unterschiedlicher sozialer Herkunft und spannenden Werdegängen.

„Durch die oft ernsthaften Konfliktthemen, mit denen Ruth Spiller konfrontiert wurde, fiel ihr die unterschiedliche Rezeption der Medien dazu auf. Es begannen sich erste Disharmonien heraus zu kristallisieren: Wer oder was ist in den Medien präsent? Was bekommt offenbar kaum jemand mit? Wieso wirkt die Welt oft so düster, wenn doch auch so viel Gutes geschieht, und es so viele engagierte Menschen gibt? Wieso wird der Mensch in den Medien und der Werbung so stark typisiert dargestellt, obwohl es doch solch eine Vielfalt gibt?", bemerkt der Medienexperte und Astrologe Thomas Otto Schneider.

Mit 17 Jahren entdeckte Ruth Spiller die Gestaltungsmöglichkeiten von Bildbearbeitungs- sowie Grafikprogrammen und setzte sich in der Folgezeit in dem Projekt „MiM - Mädchen in Medien" der LAG e. V. für die Erschließung technischer Kommunikationsberufe für Mädchen ein.

Interview mit Ruth Spiller

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Foto: Marcel Kamps

Frau Spiller, was hat Sie an der Beschäftigung mit Technik gereizt, woher kam die Lust, sie mitgestalten zu wollen?

Als Kind einer Familie mit langer akademischer Tradition, aus den Bereichen Bildung und Kultur oder technisch-handwerklichen Berufen (immer „nine to five" oder im Beamtendienst), fühlte ich mich eher von Beginn an als ein Freigeist und wollte alles anders machen. So war mein Zugang zum Thema Innovation vorprogrammiert. Zudem war ich auch die erste in meiner Familie, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagte.

Was braucht Innovation?

Vor allem Mut und eine Portion Intuition sowie Unterstützung und Unterstützer, damit gute neue Ideen Zeit haben zu wachsen. Nur so können nicht mehr in die Zeit passende Formen aufgelöst und erneuert werden. In der Natur findet dies unablässig statt. Der Fortschritt liegt also in unserer Natur, wobei altbewährte und sinnvolle Prozesse immer beibehalten werden. Doch die Natur beutet sich niemals selbst aus. Wir sollten es auch nicht tun.

Was ist so schwierig im "Prozess Mensch", und welche Bedeutung hat dabei der Begriff der „Meme" (im Englischen reimt sich „meme" auf „theme" - „Thema"!), den Richard Dawkins eingeführt hat und den Mihaly Csikszentmihalyi in seinem Buch "The Evolving Self" den "Genen" gegenüberstellt, um den Ursprung menschlichen Verhaltens im Gegensatz zu dem der physischen Eigenschaften zu bezeichnen?

Wir kommen zur Welt - wachsen auf - werden mehr oder weniger erzogen - bekommen unsere Meme eingepflanzt und prallen auf eine ganze Menge äusserer Reize, die ebenfalls zu unserem Prozess „Mensch" beitragen, der bestenfalls nach gesamtgesellschaftlichen Ansichten damit endet, einen guten Job gehabt zu haben, wie ein erfolgreiches Leben. Soweit - so linear. Aber so linear läuft es meist nicht. Das kann damit anfangen, dass wir feststellen, dass die uns beigebrachten Meme so gar nicht unserem eignen Wesen entsprechen.

Ist z.B. das Familien-Prinzip „Leistung/Disziplin" und stellt man selber fest, dass das eigene Prinzip aber eher "Leidenschaft/Freiheit" bedeutet - passt dies schon mal nicht zusammen. Nun haben wir ein neues Element, was im alten System irgendwie nicht implementierter ist. Zudem kommt Angst dazu. Unverständnis vor dem „so anderes tickenden Kind" von Elternseite aus, wie „Unverständnis" von Kinderseite aus, hier benannt „neues System - Kind 2.0".

Das es so ist, hat einen Sinn - der nennt sich Weiterentwicklung. Dieser Prozess ist nicht aufzuhalten oder steuerbar und wie bereits erwähnt - nicht linear.

Das heißt?

Man kann es nicht planen - es passiert, wenn es passieren soll bzw. muss. Dies bedeutet nicht, dass das System oder Konzept, welches die davor liegenden Generationen verfolgt haben, schlecht ist, aber es ist eben nun an der Zeit, es anzupassen, da eben auch die äusseren Umstände ständig transformieren.

Nicht linear ist es ausserdem, weil durchaus die besten Dinge aus dem alten System übernommen werden können.

Welche Bedeutung hat in diesem Zusammenhang unser Gehirn?


Es ist ein innovatives Ding, das ständig neue Verknüpfungen bildet und alte löscht. Es entwickelt sich weiter, wenn wir es füttern und alles gesund ist. Dinge, die wir „können", landen in den Tiefen auf einer energiesparenderen und platzsparenderen Ebene und sind jeder Zeit abrufbar, wenn wir sie brauchen. Dann ist es zudem auch noch mit einer Gefühlswelt verknüpft, die maßgeblich dazu beiträgt, wie wir uns etwas, wie gut merken.

Sehr komplex und nicht sonderlich linear, eher abstrakt. Dieser Prozess entsteht immer aus dem „Inneren" heraus, welches in ständiger Kommunikation mit dem Aussen ist. Kinder sind hierbei besonders kreativ und innovativ.

Wieso versuchen wir also Innovationsprozesse immer linear von oben nach unten an zu gehen? Wieso die Käseglocke, die von oben über das alte System gestülpt werden muss, um es zu reformieren? Wieso nicht mal wirklich innovativ sein und sich den natürlicheren Prozess der Natur zu nutze machen und das Ganze mal anders angehen.

Was ist dazu nötig?

In jedem Falle eine Menge Reflexion. Was kann so eine nicht-lineare Innovation am Ende? Sie bringt einen Nutzen für jeden einzelnen Teilnehmer dieses Systems, einen individuellen Wert in diesem zu haben. Und damit sollten die großen Ängste eigentlich bereits beiseite geschafft werden, denn das ist der Sinn der meisten Menschen, wenn sie zur Welt kommen: das sie für irgendwas gut sind und einen Wert haben, einer, der von ihnen aus geht, nicht einen, den sie übergestülpt bekommen. Einen Wert den sie sich selbst erschaffen. Also ist es wichtig, alle an diesem Prozess zu beteiligen. Und das muss Ziel Nr. 1 sein - Innovation anzukurbeln. Möglichkeiten schaffen, alle teilhaben zu lassen. Das wäre innovativ.

Vielen Dank für das Gespräch.

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