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Nebenjob Weltreisen: Wie der Entrepreneur und Globetrotter Stephan Behringer seinen Traum vom Glück lebt

11/08/2017 11:44 CEST | Aktualisiert 11/08/2017 11:44 CEST

Der Würzburger Entrepreneur und Globetrotter Stephan Behringer www.polyglott-wanderlust.de hat Weltreisen zum Nebenjob erklärt und trotz durchgehender beruflicher Tätigkeit alle Kontinente bereist. Mit Ende 24, einen Tag nach dem Diplomball seines BWL-Studiums, stellte er sich die Frage, ob er die nächsten 40 Jahre ein „normales" Leben führen oder lieber etwas Verrücktes wagen sollte. Herausgekommen ist sein damals schier unerreichbares Ziel, innerhalb der folgenden 10 Jahre insgesamt 10 Sprachen zu sprechen und 100 Länder zu bereisen.

In dieser Zeit entdeckte er nahe und ferne Länder, lernte viele Menschen und Kulturen kennen und erlebte Höhepunkte wie die Große Mauer, Osterinsel, Galapagos, Transsibirische Eisenbahn, Great Barrier Reef, Taj Mahal, Iguazu, Ho Long Bay - ohne sein Leben daheim in Deutschland aufzugeben. Zudem absolvierte er Sprachreisen auf Kuba, in Russland, Brasilien, Portugal, Italien, Syrien, Schweden, Kroatien und der Türkei. Land Nr. 100 war Vietnam, das er punktgenau an seinem 35. Geburtstag im Dezember 2016 erreichte.

Darüber berichteten u.a. BR, WDR, SWR, NDR sowie internationalen TV- und Radiosender (u.a. CNN) sowie Print- und Onlinemedien. In seiner Railshow „Nebenjob Weltreisen" erzählt er nun davon, wie jeder Mensch mehr Reiseabenteuer in seinen Alltag integrieren kann. Vor großem Publikum erzählt er kundig aus dem Nähkästchen, anekdotenreich und nah am Leben. Als Polyglott, Frequent Traveller, Babbel Testimonial und Esperanto-Jünger richtet sich seine Show an alle, die gern mit leichtem Gepäck reisen, verweilen, wo es schön ist und Couchsurfer nicht zwingend von Global Playern trennen. Auf seiner Railshow „Nebenjob Weltreisen" lädt er seine Zuschauer ein, sich von seiner Geschichte und seinen Erlebnissen inspirieren zu lassen und möchte somit ihr Verlangen nach Weltreisen und neuen Sprachen entfachen.

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Foto und Copyright. Stephan Behringer

Herr Behringer, was macht Sie zum Grenzgänger?

Wenn ich zurückblicke, bin ich irgendwie im Leben meist den schwierigen Weg gegangen und habe mich bei vielen Dingen durchbeißen müssen, das prägt natürlich sehr. Angefangen hat dies bereits in der Kindheit, wo ich als ältester von drei Söhnen regelmäßig die Grenzen der Eltern austesten musste. Seitdem teste ich regelmäßig meine Grenzen. Im Geschäftsleben in meinen ersten Berufsjahren im internationalen Vertrieb - gefolgt vom Schritt in die Selbständigkeit und später noch der Gründung einer GmbH mit Angestellten. Im Privaten, indem ich ständig Grenzen überquere, um neue Länder zu entdecken, neue Sprachen lerne und natürlich auch im Sport, wo ich gerne an meine Grenzen gehe.

Erinnern Sie sich an eine bestimmte Grenzsituation (Krise)?

Das erste Jahr meiner Selbständigkeit. Ich hatte wie wohl wie viele anderen auch die Einnahmen über- und die Kosten unterschätzt. Und dann lebte ich plötzlich eine Zeit lang im Büro meiner Mutter, dass zum Glück eine Miniküche und Duschmöglichkeit hatte, wo ich noch ein knappes Jahr zuvor in 5 Sterne Hotels logiert habe, in Airport Lounges ein und ausging und an Millionen Geschäften beteiligt war. Ganz ehrlich - ohne den staatlichen Gründerzuschuss hätte ich mich damals wieder anstellen lassen müssen. Was ich im Nachhinein daraus gelernt habe ist, in ähnlichen Situationen auf mein Umfeld zu hören bzw. die Meinung einiger erfahrenen Menschen einzuholen, die idealerweise schon vergleichbare Situationen durchgemacht haben.

Welche Grenze würden Sie nie überschreiten?

Den Glauben an sich selbst verlieren - selbst, wenn vieles schief läuft oder am Ende scheinbar alles verloren ist, kann man, solange man an sich selbst glaubt, jede Krise überwinden. Ich selbst bin zum Glück noch in keine existentiell bedrohlichen Situationen verwickelt gewesen, aber jeder kennt Beispiele von berühmten Menschen oder auch aus dem Freundeskreis, aus welchen Situationen Menschen wieder heraus gefunden haben, die heute besser dar stehen als je zuvor.

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Stephan Behringer als Co-Pilot eines Gyrokopters

Foto und Copyright: Stephan Behringer

Welche Tugenden sollte ein Grenzgänger haben?

Unerschütterliches Selbstvertrauen, Durchhaltevermögen, Mut und die Fähigkeit, in Grenzsituationen mit Klarheit und Vernunft die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Was ist für Sie das Bedrohliche an einer Grenzsituation?

Ich denke, wenn man sich dauerhaft mit Grenzsituationen auseinandersetzt, besteht die Gefahr, dass man irgendwann einmal in eine Situation kommt, in der man alleine zumindest für den Moment keinen Ausweg oder Lösung mehr sieht. Hier sollte man unbedingt den Austausch mit Familie, Freunden oder Gleichgesinnten suchen, um nicht noch tiefer in ein Loch zu fallen.

Wie gehen Sie mit Ihrer Angst um?

Ich muss sie als beständigen als Teil des Lebens akzeptieren, auch wenn ich das - wie wohl jeder von uns - natürlich per se nicht unbedingt will. Ich denke, hier geht es meist auch um die individuelle Komfortzone. Wenn ich oft genug durch meine Angst hindurchgehe und dadurch diese Zone erweitere, wird die Angst vor dem Neuen bei jedem Mal ein bisschen weniger. Aber es wird nie ein Leben völlig ohne Angst geben.

Wo sind Ihre Grenzen?

Wenn mein Körper mir eindeutig signalisiert, dass er mir jeden weiteren Schritt physisch oder psychisch übelnehmen wird, schalte ich einen Gang runter. Auch wenn ich dadurch temporär scheinbar einen Nachteil in Kauf nehmen muss, ist mir nichts wichtiger als meine körperliche und geistige Gesundheit möglichst bis ins hohe Alter hinein zu erhalten. Auch habe ich wie vermutlich die meisten von uns ethische und moralische Grundsätze, an denen ich um meine Integrität zu bewahren immer festhalten werde.

Lassen sich die Grenzen durch Bildung und Erfahrung erweitern und verändern?

Zwei meiner größten Leidenschaften sind das Reisen und das Lernen bzw. Sprechen von Fremdsprachen. Hier haben sich die folgenden zwei Leitsprüche tief in meine Gedanken eingeprägt : „Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben." (Alexander Freiherr von Humboldt) Ich denke, durch das Reisen und die Beschäftigung mit anderen Ländern und Kulturen lassen sich nicht nur bildlich Grenzen überqueren, sondern auch die eigenen Grenzen erweitern und verändern. Wenn ich heute an zurück denke an die Zeit vor meinen vielen Reisen, hatte ich damals sicherlich viel engere Grenzen, und meine damaligen Grenzerfahrungen erscheinen aus heutiger Sicht wie Peanuts.

Auch im Bereich Sprache als wichtiger kultureller Bestandteil, können durch mehr Bildung vor allem Grenzen zwischen Menschen und Nationalitäten kleiner werden. „Wer fremde Sprachen nicht kennt, weiß nichts von seiner eigenen" (Johann Wolfgang von Goethe) ist mein Lieblingsspruch in Bezug auf Sprachen. Wobei die eigene Sprache für mich als Sinnbild der eigenen Kultur und damit auch des eigenes Seins steht. Und genau dieses Sein stößt immer wieder an natürliche Grenzen, die es zu überwinden gilt.

Welche Lehren ziehen Sie aus gescheiterten Unternehmungen?

Dass es noch nicht der richtige Moment war, oder es nicht die richtige Unternehmung für mich war. Ich versuche zumindest, an Erfahrung reicher zu werden. Nachdem sich der emotionale Frust gelegt hat, analysiere ich eher nüchtern die möglichen Gründe für das Scheitern und überlege mir Wege, bei der nächsten Unternehmung möglichst bereits im Vorfeld die Realisierbarkeit abzuklären und mögliche Stolpersteine frühzeitig zu identifizieren.

Was motiviert Sie? Was bringt Sie zum Handeln?

Alles, was mit meinen Leidenschaften zu tun hat und was mich glücklich macht. Für mich ist zudem das „Warum" entscheidend. Zudem stelle ich mir oft diese Fragen: Wie kann ich anderen Menschen helfen? Wie kann ich dadurch zu einer noch besseren Version meines Selbst werden? Wenn ich damit dann noch konkrete Ziele verknüpfen kann, fühlt sich das Handeln gar nicht wie ein Pflichtprogramm an, sondern ich freue mich währenddessen schon auf das zu erwartende Ergebnis. Dieses visualisiere ich täglich, um immer auf Kurs zu bleiben.

Wie finden Sie die moralischen Grundlagen dafür?

Ich wurde christlich erzogen und mir ist im Religionsunterricht vor allem der kategorische Imperativ von Kant in Erinnerung geblieben: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde." Etwas einfacher formuliert es die recht ähnliche Goldene Regel „Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst." Frei übersetzt bedeutet das: „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu." Moral sollte gerade in der heutigen Zeit von Skandalen und Betrügereien an der Spitze der Wirtschaft zumindest im täglichen Umgang im Geschäftsleben und auch darüber hinaus ein wichtiger Grundstein für menschliche Beziehung werden.

Was heißt für Sie Erfolg?

Als frischer BWL-Absolvent hätte ich damals spontan geantwortet „das in monetären Größen erfasste bzw. ausgedrückte Ergebnis des Wirtschaftens." Doch nach mittlerweile zehn weiteren Jahren an Geschäfts- und Lebenserfahrung hat Erfolg für mich deutlich mehr, vor allem nicht quantifizierbare Definitionen. Er ist vielleicht vergleichbar mit dem Glück, was jeder ja auch sehr individuell misst bzw. empfindet. Es geht um ambitionierte geschäftliche und persönliche Ziele, die vorab als fast zu groß erscheinen und nach dem Erreichen ein unbeschreibliches und dauerhaftes Erfolgsgefühl auslösen. Ich hätte mir vor fünf Jahren nie träumen lassen, eine eigene Gesellschaft aufzubauen, die damit Geld verdient, mittlerweile über 300 arbeitslosen spanischen Fachkräften eine neue und feste Perspektive bei uns hier in Deutschland anzubieten.

Was halten Sie für Ihren größten Erfolg?

Im Business war es die soeben erwähnte Vermittlung von mittlerweile über 300 Fachkräften aus Spanien, denen ich als Geschäftsführer meiner eigenen Personalberatung eine neue Heimat in deutschen Handwerksbetrieben gesucht habe. Im Privaten war es das Erreichen des von mir zunächst unmöglich gehaltenen Zieles, nach dem Studium innerhalb von 10 Jahren insgesamt 10 Sprachen zu sprechen und 100 Länder zu bereisen. Zu diesem besonderen Projekt starte ich im Herbst eine bundesweite Roadshow in mehr als zehn Großstädten. Das Besondere ist, dass ich den Vortrag neben Deutsch an einem weiteren Abend auch auf Englisch halten werde, so dass ihn auch Ausländer besuchen können.

Wie gelingt es Ihnen, Ihre persönlichen Wertmaßstäbe mit Ihrer Lebens- und Karriereplanung zusammenzubringen?

Es ist natürlich ein dauerhafter Challenge, aber ohne meine Werte wäre ich vielleicht immer noch ein Rädchen in einem großen Konzern und könnte meine Talente nicht so sinnvoll in die Gesellschaft einbringen, wie ich es sie als Selbständiger und Geschäftsführer der eigenen GmbH tun kann.

Gibt es für Sie auch auch eine "Karriere des Herzens"?

Menschen lagen mir schon immer am Herzen. Mein damaliger Basketballtrainer und Mentor riet mir in der Abiturzeit, aufgrund meiner Hilfsbereitschaft und Menschlichkeit einen sozialen Beruf zu ergreifen. Diesem Rat bin ich zum Glück außer der knapp einjährigen Zivildienstzeit beim Bayrischen Roten Kreuz nicht gefolgt. Ich versuche jedoch stets den sozialen Aspekt in meinem Berufsleben einzubinden und bin auch privat als Unterstützer des Vereins Straßenkinder e.V. sowie als Pate eines Kindes im Senegal seit mittlerweile fast 10 Jahren sozial engagiert.

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Mit Serigne Diop, seinem Patenkind aus dem Senegal

Foto und Copyright: Stephan Behringer

Ist es nicht ein Irrtum zu meinen, dass in der Suche nach der Gefahr ein Weg zur Erkenntnis liegt?

Ich würde es nicht unbedingt mit dem Wort Gefahr ausdrücken, aber um zu wachsen muss man eben den schwierigen Weg der Angst gehen und immer wieder seine Komfortzone verlassen, auch wenn sich diese bei jedem Schritt zu Neuem erweitert. Erkenntnisse kann ich nur erlangen, wenn ich mich in einer vorherigen Grenzsituation intensiv mit mir selbst auseinander setzen muss.

Woran erkennen Sie, dass Sie nicht weiterkommen?

Wenn ich keine Motivation habe, früh aus dem Bett zu steigen und in den Tag zu starten. Normalerweise stehe ich um sechs Uhr auf und starte energiegeladen in den Tag. Wenn dies an mehreren Tagen in Folge nicht der Fall ist, liegt der Grund oft darin, dass es eine Blockade gibt. Diese versuche ich zunächst alleine oder mit Hilfe von Familienmitgliedern oder Freunden zu lösen. Falls dies nicht ausreicht, wende ich mich an meinen Coach oder Psychologen.

Was muss sich in Ihnen ändern, damit sich die äußeren Gegebenheiten ändern?

Mir gefällt die Frage, denn sie suggeriert bereits diesen leider noch nicht allen Menschen bekannten bestehenden Zusammenhang. Meine Einstellungen zu den Dingen entscheidet, wie sich diese entwickeln und meine Interpretation der Ereignisse entscheidet, wie sich diese für mich anfühlen.

Was ist Ihre Erfüllung?

Bisher habe ich die absolute Erfüllung in meinen noch recht jungen Leben leider nicht erleben dürfen. Wenn ich sie als Traum beschreiben sollte, wäre es sicher das Reisen in noch unbekannte Länder ohne den Zeit- und Termindruck unserer immer schneller getakteten Welt. Ich würde es als ein Austeigen auf Zeit bezeichnen.

Woran glauben Sie?

Trotz aller Rückschläge nach wie vor an das Gute im Menschen.

Haben Sie einen Traum vom Glück?

Natürlich habe ich ihn, auch wenn er praktisch unerfüllbar ist. Eine Welt ohne Kriege und Armut. Von beiden habe ich auf meinen Reisen leider bereits zu viel erleben müssen.

Vielen Dank für das Gespräch.

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