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Sei einzig, nicht artig! Warum Nachhaltigkeit Individualität und Selbstbestimmung braucht

12/10/2015 10:21 CEST | Aktualisiert 12/10/2016 11:12 CEST
Thinkstock

Das neue Volksleiden: Fremdbestimmung

Das neue Buch von Martin Wehrle „Sei einzig, nicht artig!" trägt mehr zum Verständnis von Nachhaltigkeit bei als eine umfangreiche "grüne" Bibliothek, weil es das Wesen des Themas auf den Punkt bringt und dort ansetzt, wo Veränderung jederzeit möglich ist: bei uns selbst.

Er erklärt anhand zahlreicher Beispiele aus seiner Praxis als Karriere- und Persönlichkeitscoach sowie aus seiner eigenen Vita, wie Menschen aus der Fremdbestimmtheit ausbrechen können und wieder lernen, häufiger NEIN zu sagen. Denn wer nicht Nein sagen kann, ist auch manipulierbarer und kümmert sich nicht um sein inneres Wachstum.

Wehrle spricht von unserer Gegenwart als einem Zeitalter der Gleichschaltung: Von klein auf werden wir in eine Maske gepresst und sind bestrebt, die Erwartungen anderer zu erfüllen.

Stimmige Entscheidungen, die mit einem klaren Bild von der Zukunft verbunden sind, zeichnen sich durch ihre „Ökologie" aus: „durch einen 360-Grad-Blick auf die möglichen Folgen".

Dieser Blog dient u.a. der Erarbeitung eines Nachhaltigkeitsalphabets der Gegenwart. Eine erste Zusammenstellung findet sich im Beitrag über das Buch von Georg Schweisfurth „NACHHALTIG LEBEN FÜR ALLE".

Das Alphabet mit Belegen aus dem Buch von Martin Wehrle ergänzt diese Sammlung und verbindet meine HuffPost-Blogbeiträge zu den entsprechenden Themen.

Denn Nachhaltigkeit heißt auch, Verknüpfungen herzustellen, gemeinsame Ansätze zu teilen, damit sie sich verstärken - und damit auch das „Ja" zu etwas Größerem.

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Kurzes Nachhaltigkeitsalphabet

Alle Zitate von Martin Wehrle (Quellenangabe am Ende des Textes)

Achtsamkeit:

Tickendes Understatement. Was Uhren über uns aussagen

„Achtsamkeit schafft Lebensqualität, auch bei alltäglichen Arbeiten."

Arbeit:

Design Your Life! Leben und Arbeit neu gestalten

„Wer seinen Job als notwendigen Übel sieht, als Hindernis zwischen sich und seiner Erfüllung, verschwendet sein kostbarstes Gut: Lebenszeit!"

„Gerne führen sie den Begriff ‚Work-Life-Balance' im Mund, obwohl er eine Mogelpackung ist - denn wenn die Arbeit und das Leben zwei getrennte Kategorien sind, würde das bedeuten: Während der Arbeitszeit ist man tot! Zumindest sehen viele die Arbeit als schweren Ballast, der den Lebensballon täglich nach unten zieht, bis der Feierabend wieder für Aufwind sorgt."

Besitz:

Verzehrt Wachstum unseren Wohlstand?

Abschöpfung statt Wertschöpfung

„Und wie steht es mit Ihrem Besitz, welche Gegenstände aus der Welt des Habens sind verzichtbar? Kleider, die Sie nicht mehr tragen? CDs, die Sie nicht mehr hören? Geschirr, das nur im Schrank steht? Brauchen Sie mehrere Fahrräder, unausgepackte Umzugskisten im Keller, und muss das Auto wirklich sein?"

Bewegung:

Bewegte Zeiten. Warum das Fahrrad unsere Sehnsucht nach Selbstbestimmung stillt

„Was Bewegung bewirkt, verblüfft sogar Mediziner: Wenn ein Depressiver dreimal pro Woche joggt oder (als älterer Mensch) walkt, schützt er sich dadurch gegen seine Krankheit ebenso gut wie durch Medikamente."

Charakter:

Charakter in Mode. Warum wir keine glattgebügelten Vorbilder brauchen

Warum die Echten immer Gesicht und Gewicht haben

„Anders verhält es sich, wenn Sie mit sich selbst im Einklang leben. Dann werden Sie Ecken und Kanten zeigen. Dann werden Sie die Erwartungen der anderen mal erfüllen, weil sie sich mit Ihren Überzeugungen decken; und mal dagegen verstoßen, weil Sie sich dafür verbiegen müssten. Dann sind Sie kein bequemer Zeitgenosse mehr, aber ein ehrlicher."

Energie:

Was hat Energiesparen mit Freundschaft zu tun?

„Gefährlich sind Menschen, die Ihnen mehr Energie rauben als schenken und damit Ihre Entwicklung blockieren - oft Menschen aus Ihrer Vergangenheit."

Freundschaft:

Freundschaft und Liebe. Was wirklich wichtig ist

„Wer behauptet, Dutzende von Freunden zu haben, hat im Zweifel keine."

„Nur wer mit sich selbst befreundet ist, kann mit anderen befreundet sein."

Gesunder Menschenverstand:

Keine Täuschung: Warum wir mit gesundem Menschenverstand bessere Führungskräfte sind

Maßstab im Herzen. Warum wir den gesunden Menschenverstand brauchen

„Wann immer Sie gegen Ihr Herz entscheiden, wann immer Sie Ihre Werte brechen, wann immer Sie sich mit zweifelhaften Menschen einlassen - Ihre Intuition merkt es!"

Globalisierung:

Starke Gemeinschaft. Warum das lokale Engagement in der Globalisierung boomt

„Wir haben im Zeitalter des Konsums, der Mediengesellschaft und des virtuellen Lebens unser Selbstvertrauen verloren. Wir globalisieren unsere Körper und Seelen."

Glück:

Zum Glück! Was uns zu besseren Menschen macht

„Suchen Sie die Quellen des Glücks in sich selbst, in Ihrer Einzigartigkeit."

„Glück besteht nicht im Erreichen von, sondern im Streben nach."

Haltung:

Krisenfest und solide. Die neue Ära des Managements

„Zahlen lassen sich teilen; Haltungen nie. Mathematik lebt von Gleichungen - Lebenskunst vom Unterschied."

Heimat:

Heimat 2.0: Sechs Gründe, warum wir eine Kultur der Nähe brauchen

„Noch vor einigen Jahrzehnten konnten die Menschen ... Widrigkeiten besser abfedern. Sie hatten Wurzeln in ihrer Heimat geschlagen."

Karriere:

Karriere ohne Studium: So stark ist unsere Könnensgesellschaft

„Können Sie nicht jeden Tag in der Wirtschaftspresse lesen, dass Karriere nichts als Aufstieg heißt? Dass ein akademischer Beruf besser als ein handwerklicher ist?"

„Was bringt es, ganz nach oben zu kommen, wenn Sie dafür Werte verraten oder Ihr Privat- und Familienleben ruinieren müssen?"

Konzentration:

Volle Konzentration! Warum Aufmerksamkeit unsere knappste Ressource ist

„Entscheidend ist, dass Sie Ihre Gedanken wie ein Laserstrahl auf die Gegenwart konzentrieren - denn immer, wenn Gedanken abschweifen, trübt sich die Laune ein."

Kreativität:

Warum wir "Wertearchitekten" statt Manager brauchen

„Positive Emotionen erhöhen unsere Kreativität, lassen uns schneller Probleme lösen und ziehen andere Menschen an."

Marathon:

Warum Laufen unsere Leistungsgesellschaft auf den Punkt bringt

Der New York Marathon - der Lauf des Lebens

„Hinter der Ziellinie kippt der Marathonläufer erschöpft um; beim Laufen ist er lebendig. Wir unterschätzen den Weg und überschätzen das Ziel."

Narzissmus:

„Ich, ich, ich!" Was Narzissten in Chefetagen mit Columbus gemeinsam haben

„Narzisstische Kränkungen lassen sich nicht durch oberflächliche Anerkennung heilen. Und wer es doch versucht, wird panisch nach immer neuen Freunden und neuen Sexualpartnern greifen, wie nach Rettungsringen, während der dennoch in Selbstzweifeln versinkt."

Selbsttranszendenz:

Was passiert, wenn Menschen Sinn finden - und was Unternehmen davon haben

„Eine Selbsttranszendenz, wie Viktor Frankl sie vorschlägt, bezieht nicht nur den Verstand, sondern auch die Intuition ein. Doch die westliche Gesellschaft erzieht uns zu Buchhaltern der Logik, als wäre die Stimme unserer Intuition nur ein Störgeräusch."

Selbstwirksamkeit:

Warum es wichtiger ist, etwas zu sein, als etwas zu leisten

„Vielmehr kommt es darauf an, dass Sie Ihre Selbstwirksamkeit entdecken: aktiv werden, sich nützliche Gewohnheiten zulegen, Dinge verändern."

Papst Franziskus:

Der Franziskus-Effekt

„Ein Chef dieses Weltunternehmens muss seine Statussymbole nutzen, um ernst genommen zu werden. Doch er, der Neue, wurde von allen Seiten mit Sympathie überschüttet - gerade weil er sich gegen diese Insignien der Macht entschied und seinen wichtigsten Wert mit Leben füllte: die Bescheidenheit. Der Name des Konzerns: katholische Kirche. Der Name des Chefs: Jorge Mario Bergoglio, bekannt als Papst Franziskus."

Scheitern:

Macht: Wieso wir Erfolg haben. Und scheitern.

„Wir hinterfragen nicht die übertriebenen Ziele und das krampfhafte Wollen, die das Scheitern heraufbeschwören."

Selbstbestimmung:

Schreiben und bleiben. Vom Luxus, selbstbestimmt zu handeln

Wie Resilienz zur Rettung der Welt beiträgt

„Selbstbestimmung bedeutet Verzicht: Sie werden weniger haben, als wenn Sie fremdbestimmt durch den Supermarkt des Lebens stolpern und wahllos alles Greifbare, ob Freunde, Produkte oder Jobs, in den Einkaufswagen stopfen - aber im Sinne Erich Fromms mehr sein. Die Entscheidung für das eine bedingt den Verzicht auf das andere."

Werte:

In unserer Macht. Warum sich Verantwortung auszahlt

„Ein Ja zu Werten kann Menschen so viel Kraft verleihen, dass sie über sich hinauswachsen - weil das, woran sie glauben, größer ist als sie selbst."

Über Martin Wehrle

Das Buch:

Martin Wehrle: „Sei einzig, nicht artig!" So sagen Sie nie mehr JA, wenn Sie NEIN sagen wollen.

Ca. 320 Seiten. Das Buch erschien am 28. September 2015 im Mosaik Verlag.

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