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Nachhaltigkeit 2030: Wie Deutschland die 17 Sustainable Development Goals (SDGs) umsetzen will

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Im September 2015 haben die Vereinten Nationen in New York die globale Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung beschlossen. Herzstück sind die 17 Sustainable Development Goals (UN SDGs) mit insgesamt 169 Unterzielen, die bis zum Zieljahr 2030 (bzw. einige bis 2020) erreicht werden sollen.

Die Ziele decken das umfangreiche Spektrum der Bedürfnisse von Mensch, Umwelt und Wirtschaft ab: von der Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern, Bildung und Gesundheit, Frieden, Gerechtigkeit, dem Kampf gegen Armut, über den Klima- und Artenschutz bis hin zu nachhaltigem Konsum und einer verantwortungsvollen Wirtschaft. Die Ziele richten sich an die Regierungen weltweit sowie an die Zivilgesellschaft, die Privatwirtschaft und die Wissenschaft.

Die SDGs haben universelle Gültigkeit (alle Länder) und sind mit ihren umfangreichen Anforderungen an Datenmanagement (Indikatorik, Indices, Monitoring) auch Teil von Digitalisierungsstrategien. Denn nur mit dieser Grundlage und dem entsprechenden konsequenten Kompetenzaufbau ist es für die Akteure möglich, die Nachhaltigkeitsziele in, mit und durch ihre Länder zu realisieren. Neben technologischen Fragestellungen braucht es jedoch auch eine Stärkung des Nachhaltigkeitswissens in der Gesellschaft (nicht nur bei den Verbrauchern).

Zahlreiche Unternehmen arbeiten bereits mit Systemen, die eine Bewertung von Nachhaltigkeitskriterien im Entwicklungsprozess ermöglichen - diese Systeme gilt es nun noch breiter zu etablieren und konsequent zu nutzen. Zudem wird das Thema Nachhaltigkeit für Investoren als Bestandteil einer Risikoanalyse immer wichtiger. Von zunehmender Relevanz ist für sie, ob und wie auch Produkte und Dienstleistungen von Unternehmen einen direkten Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung leisten.

Rating- und Research-Informationen, die ausschließlich auf das Management und gute Geschäftsführung von Unternehmen ausgerichtet sind, greifen deshalb zu kurz. Erforderlich ist eine Ergänzung durch eine präzise und detaillierte Analyse des jeweiligen Produktportfolios.

Hinzu kommt, dass für die Erreichung der 17 Ober- und 169 Unterziele bis 2030 zusätzlich zwei bis drei Billionen Euro jährlich benötigt werden - das ist jedoch nicht möglich, wenn Unternehmen keinen aktiven Beitrag leisten.

Auch die Bundesregierung hat sich zur Umsetzung der Agenda 2030 verpflichtet. Sie bietet eine Plattform, in der die wissenschaftliche Begleitung der Umsetzung der SDGs gebündelt wird. Ihre Arbeit wird systematisch in den weiteren Steuerungs-, Dialog- und Umsetzungsprozess der Agenda 2030 eingebunden, um im engen Austausch zwischen Wissenschaft, Gesellschaft und Politik die Fortschritte und Defizite bei der Umsetzung der SDGs hier aufzuzeigen und damit die Debatte über die Nachhaltigkeitspolitik wissenschaftlich fundiert bearbeiten zu können.

Der Chef des Bundeskanzleramtes Peter Altmaier und Bundesforschungsministerin Johanna Wanka haben gemeinsam die Wissenschaftsplattform Nachhaltigkeit 2030 gegründet. Gemeinsamer Ausgangspunkt sind die Zielkonflikte zwischen legitimen Ansprüchen und Nachhaltigkeitszielen. Johanna Wanka wird die Wissenschaft künftig noch stärker an der Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie beteiligen.

Dafür hat sie Ende April 2017 die neue Wissenschaftsplattform Nachhaltigkeit 2030 vorgestellt, die als Forschungsverbund, Think-Tank und Dialogforum entsprechende Empfehlungen erarbeiten wird. Sie setzt sich aus 26 führenden Vertretern aus Wissenschaft und Gesellschaft zusammen und wurde auf Initiative des Kanzleramts geschaffen. Aus Themen wie Landnutzung und Ernährung, nachhaltiger Konsum und Produktion, Zukunft der Arbeit in der Digitalisierung oder Urbanisierung werden zunächst Bereiche ausgewählt, mit welchen die breite Öffentlichkeit zum Handeln bewegt werden kann.

Die neue Wissenschaftsplattform versteht sich als Forschungsverbund, Think-Tank und Dialogforum. Beteiligt sind auch auch die Bundesministerien für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, BMUB, für Bildung und Forschung, BMBF, für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung BMZ, für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) sowie das Bundeskanzleramt. Das BMBF fördert die Plattform mit 1,3 Millionen Euro. Sie soll auch in den kommenden Jahren vom Bund finanziert werden.

Die Wissenschaftsplattform wird vom Lösungsnetzwerk für nachhaltige Entwicklung Deutschland (Sustainable Development Solutions Network Germany, SDSN Germany), dem Deutschen Komitee für Nachhaltigkeitsforschung (DKN Future Earth) sowie dem Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) getragen und von einem breit besetzten Lenkungskreis gesteuert. Ihm gehören 26 Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft und Gesellschaft an, die Empfehlungen und Handlungsoptionen erarbeiten werden. Darunter die Innovationsforscherin Univ.-Prof. Dr. Marion A. Weissenberger-Eibl, Inhaberin des Lehrstuhls Innovations- und TechnologieManagement iTM am Karlsruher Institut für Technologie KIT und Leiterin des Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI in Karlsruhe, Hans-Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), Stephan Lessenich vom Münchener Lehrstuhl für Soziologie, vom Rat für Nachhaltige Entwicklung sind die Ratsmitglieder Olaf Tschimpke und Alexander Müller sowie Generalsekretär Günther Bachmann dabei.

Wanka erhofft sich Ideen und Vorschläge, wie Städte und Gemeinden, auch die Wirtschaft, beim klimafreundlichen Verkehr vorankommen oder weltweit der Zugang zu sauberem Wasser garantiert werden kann. Im Kern gehe es darum, „Prioritäten für politisches Handeln zu benennen." Die SDG-Wissenschaftsplattform gilt als wichtiger „Baustein in der neuen Architektur der Nachhaltigkeit", denn sie baut auf bestehender Forschung auf, stellt aber auch Fragen dort neu, wo bestehende Ansätze bislang noch keine Antworten geben. Es geht also nicht darum, das Rad neu zu erfinden, da es die meisten Bausteine einer nachhaltigen Wirtschaftsordnung bereits gibt - vielmehr kommt es darauf an, sie zusammenzuführen und sie effektiv miteinander zu verknüpfen.

Die Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsagenda kann maßgeblich vorangebracht werden, wenn Investitionen und politische Maßnahmen auf die Förderung von Synergieeffekten zwischen Zielen ausgerichtet werden. Dies geht auch aus dem internationalen Bericht „A Guide to SDG Interactions: from Science to Implementation" hervor, den das International Council for Science (ICSU) jetzt vorgelegt hat. Daran mitgewirkt haben Forschende des Potsdamer Instituts für trans-formative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) und des Kieler Exzellenzclusters „Ozean der Zukunft". Zum ersten Mal werden die Synergien und Konflikte zwischen den 17 Nachhaltigkeitszielen beziffert. Der Bericht liefert eine detaillierte Analyse zu vier Zielen: Nahrungssicherheit und nachhaltige Landwirtschaft (SDG 2), Gesundheit und Wohlbefinden (SDG 3), bezahlbare und nachhaltige Energie (SDG 7) sowie Meeresschutz (SDG 14). Laut Studie haben die meisten Ziele positive Auswirkungen auf andere Ziele, jedoch in unterschiedlichem Maß. Einen starken Effekt auf die Bekämpfung von Meeresmüll, einem der Unterziele von SDG 14, haben beispielsweise nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster an Land (SDG 12). Andere Elemente des Meeresschutzes, etwa ein Wandel im Tourismus, der Fischerei und der küstennahen Landwirtschaft, können Arbeitsplätze schaffen und Einkommensarmut verringern (SDG 1).

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