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Nachhaltiger Tourismus: Warum Kurzurlaube im Trend sind

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Immer mehr Menschen nutzen die Möglichkeit, für kurze Zeit den Alltag hinter sich zu lassen, ohne gleich eine längere Reise planen zu müssen. Energie lässt sich vor allem dann tanken, wenn sie sich mit einem Feiertag oder einem Wochenende kombinieren lässt. Für 2016 ermittelte die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) in Deutschland ca. 33 Millionen Kurzurlaubseidende, die für zwei bis drei Tage mit leichtem Gepäck unterwegs waren.

Viele Menschen sehnen sich heute nach der Leichtigkeit des Seins. „Sag nein zu totem Gewicht" lautet ihre Devise. Das Gefühl, autark zu sein, nimmt ihnen die Sorge, sich in der komplexen Außenwelt zu verlieren. Vor allem die Generation Y sieht kritisch auf das Sicherheitsdenken der „Älteren", die oft zu viel einpacken und die Verzichtsangst des "Was wäre wenn..." nicht ablegen können.

Ein gesundes und produktives Leben sowie neue Denk- und Handlungsräume können nur durch sorgfältigen Minimalismus bzw. „freiwillige Einfachheit" (der Begriff wurde vom Sozialphilosophen Richard Gregg 1936 geprägt, wenngleich die damit verbundene Lebensweise so alt ist wie die Menschheit selbst) erschlossen werden.

Einen radikalen Ausdruck fand der Minimalismus bereits beim Kyniker Diogenes, der in selbst gewählter Armut lebte, um zu zeigen, dass ein freies und sinnerfülltes Leben mit den konventionellen Kriterien des Wohlstands wenig zu tun hat.

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Vor 200 Jahren wurde der amerikanische Dichter, Philosoph, Landvermesser und Lehrer Henry David Thoreau geboren. Der Sohn eines Bleistiftfabrikanten, der in Harvard studierte und die antiken Klassiker im Original las, wird gerade wiederentdeckt - auch von jungen Menschen.

Als Gegner der Sklaverei und der Prügelstrafe an den Schulen plädierte er für ein Leben im Einklang mit der Natur. In seinem Werk „Walden oder Leben in den Wäldern" (1854) beschrieb er sein zweijähriges einfaches und unabhängiges Leben in der Natur. („Walden" ist auch der Name des ersten Outdoormagazins für Männer, das seit 2015 erscheint.)

Das erste Aussteigerbuch der Moderne reiht sich in eine lange Tradition selbstaufklärerischen Denkens ein. Der menschliche Reichtum lässt sich an den Dingen messen, „die er entbehren kann, ohne seine gute Laune zu verlieren", schrieb in seinem Klassiker. Ein berühmter Vorfahre ist beispielsweise Sokrates, der der Athener Bevölkerung Fragen nach dem Sinn ihres Lebens stellt:

„Ich zog in den Wald, weil ich den Wunsch hatte, mit Überlegung zu leben, dem eigentlichen, wirklichen Leben näherzutreten, zu sehen, ob ich nicht lernen konnte, was es zu lehren hatte, damit ich nicht, wenn es zum Sterben ginge, einsehen müßte, daß ich nicht gelebt hatte."

Zwei Jahre, zwei Monate und zwei Tage lebte Thoreau spartanisch in einer kleinen Holzhütte, in der er herausfinden wollte, ob ein Leben mit der Natur möglich ist, und ob das Denken freier fließt, wenn auf zivilisatorischen Ballast verzichtet wird.

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Das folgende Zitat ist auch das Leitmotiv für den "Club der toten Dichter":

"Ich zog in den Wald, weil ich den Wunsch hatte, mit Überlegung zu leben, dem eigentlichen, wirklichen Leben näher zu treten, zu sehen, ob ich nicht lernen konnte, was es zu lehren hätte, damit ich nicht, wenn es zum Sterben ginge, einsehen müsste, dass ich nicht gelebt hatte."

Thoreau wurde zur Ikone der Umweltaktivisten. Sein konsumkritischer Ansatz findet sich auch im Song "Leichtes Gepäck" von Silbermond:

„Eines Tages fällt dir auf,
dass du 99% nicht brauchst.
Du nimmst all den Ballast
und schmeisst ihn weg,
Denn es reist sich besser,
mit leichtem Gepäck."

Quellen und weitere Informationen:

Henry David Thoreau. Waldgänger und Rebell. Biographie von Frank Schäfer. Suhrkamp, Berlin 2017.

Alexandra Hildebrandt: Das Gute in der Nähe finden: Urlaub ist... wo wir uns im richtigen Leben aufgehoben fühlen von Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.

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