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Nachhaltige Zahlen: Damit ist in Wirtschaft und Politik zu rechnen

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BUSINESS
Henrik Sorensen via Getty Images
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Zahlen stehen fĂŒr Vernunft, feste Strukturen und Kontrolle. Doch Zukunft lĂ€sst sich weder messen noch planen, sagen Zahlenkritiker. Die „Rechnung" stimmt - allerdings bleibt unterm Strich auch eine wichtige Erkenntnis: dass alle Beteiligten im Zuge der heutigen Unternehmensdemokratisierung die Sicherstellung und ZugĂ€nglichkeit relevanter Daten und deren Interpretation benötigen. Ansonsten ist der Wunsch nach VerantwortungsĂŒbernahme und Teilhabe nur eine Phantasmagorie.

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Vor diesem Hintergrund ist auch die aktuelle Kritik der GrĂŒnen am Jahreswirtschaftsbericht (JWB) zu sehen, der seit 1968 erscheint und in diesen Tagen vorgelegt wird.

Er sei „ökologisch blind und sozial gleichgĂŒltig", weil er nur auf materielles Wachstum abzielt und Umwelt und Gesellschaft vernachlĂ€ssigt, so Kerstin Andreae, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der GrĂŒnen. Was die Öffentlichkeit in Krisenzeiten besonders interessiert, sei nicht „Eigenlobprosa", sondern solides Zahlenwerk.

Die GrĂŒnen werden ein Gegenkonzept vorlegen.

Die GrĂŒnen werden ein Gegenkonzept vorlegen, das auch den „richtigen Umgang mit dem Human- und dem Sozialkapital sowie dem vorhandenen Naturkapital" (Der Spiegel 4/2016) berĂŒcksichtigt.

Zu den Kernindikatoren ihres Jahreswohlstandsberichts gehören: Ökologischer Fußabdruck im VerhĂ€ltnis zur BiokapazitĂ€t, Artenvielfalt und LandschaftsqualitĂ€t, Einkommensverteilung, BildungsabschlĂŒsse der Bevölkerung, Nationaler Wohlfahrtsindex und BIP, Anteil von UmweltschutzgĂŒtern an den Industriewarenexporten, subjektive Lebenszufriedenheit und Governance-Index.

Zahlreiche Aspekte professioneller Nachhaltigkeitsberichterstattung fließen hier ein. Vor dem Hintergrund der EU-Berichtspflicht wird die Diskussion darum in den nĂ€chsten Jahren zunehmen:

„Wir beobachten, dass die systematische Auseinandersetzung mit Einzelthemen dadurch sowohl in Großunternehmen, als auch bei MittelstĂ€ndlern zunimmt und sicher weiter zunehmen wird", bestĂ€tigt Marie-Lucie Linde, verantwortliche Redakteurin der Nachhaltigkeitsplattform N-Kompaß.

Allerdings sei in diesem Zusammenhang angemerkt, dass in den 1980er und 1990er Jahren vor allem MittelstĂ€ndler die Pioniere mit den ersten Umweltberichten waren, die wesentlich zu einer „Weiterentwicklung der Unternehmensberichterstattung" beigetragen haben.

Bereits seit 2003 gibt die memo AG alle zwei Jahre einen Nachhaltigkeitsbericht heraus, der als Vorbild und Beispiel des Reportings nachhaltig wirtschaftender Unternehmen gilt.

Von N-Kompaß positiv hervorgehoben wird beispielsweise, dass er offen und konstruktiv „Herausforderungen und Zielkonflikte bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen" thematisiert, systematisch die Sortimentsgestaltung und deren Orientierung an ökologischen und sozialen Kriterien darstellt, aber auch „durch seine umfassende Erörterung der Mitarbeiterinteressen" ĂŒberzeugt.

Die Nachhaltigkeitsberichterstattung wurde deshalb mehrmals ausgezeichnet: 2005 und 2006 mit dem „Deutschen Umwelt Reporting Award" (DURA) und dem European Sustainability Award" (ESRA).

2009 und 2012 belegte der Nachhaltigkeitsbericht des Unternehmens jeweils den 1. und 2. Platz im Ranking der Nachhaltigkeitsberichte fĂŒr kleine und mittelstĂ€ndische Unternehmen - durchgefĂŒhrt von der Unternehmensinitiative future e.V. und dem Institut fĂŒr ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW). (Pressemitteilung memo AG, 22.1.2016).

An Nachhaltigkeitsberichten zeigt sich nicht nur das Ganze, das ein VerhĂ€ltnis zum GrĂ¶ĂŸeren bildet, sondern ebenso, dass die Pioniere des nachhaltigen Wandels auch vor Zahlen Respekt haben. Und dass richtiges Management sowie eine sinnvolle Neubesinnung in unserer Lebens- und Wirtschaftsweise nicht nur Herz und „AnfĂ€nger-Geist", sondern auch professionelle MaßstĂ€be und Standards braucht.

Literatur:

Martin Kleene/Gregor Wöltje/Tina Teucher: Externe Kommunikation und Nachhaltigkeitsbericht. NWB Verlag, Herne 2016.

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