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Nachhaltig digital: Warum wir neu denken müssen

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DIGITAL SCHOOL
PATRICK HERTZOG via Getty Images
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Wer sich mit dem Megatrend Digitalisierung, der die Welt disruptiv verändert, auseinandersetzt, kommt nicht umhin, auch sein Denken zu erneuern.

Nichts ist im Komplexitätszeitalter mehr wie früher. Wir sind in einem dauernden strukturellen Wandel begriffen, der Hoffnungen weckt, aber auch Verunsicherungen auslöst, die für einige, die sich bislang in einem Bollwerk der Beständigkeit wähnten, sehr unbehaglich sind. „Die Digitalisierung ist eine große Chance, Freiheit und Verantwortung neu zu denken!" Schreibt Prof. Dr. René Schmidpeter, Inhaber des Dr. Jürgen Meyer Stiftungslehrstuhls für internationale Wirtschaftsethik und CSR an der Cologne Business School .

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Foto und Copyright: Prof. Dr. René Schmidpeter

Er ist auch Herausgeber der Management-Reihe Corporate Social Responsibility (SpringerGabler), in der nun das Buch „CSR und Digitalisierung" vorliegt, für das er ein Vorwort geschrieben hat. Gezeigt wird eine neue unternehmerische Sichtweise auf das Thema Verantwortung: zum einen durch neueste Erkenntnisse im Bereich der Digitalisierung, zum anderen durch konkrete Praxisbeispiele aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft. Es werden damit erstmals innovative Instrumente für den strategischen Umgang mit den Herausforderungen der Digitalisierung unter Einbezug der aktuellen Nachhaltigkeits- und CSR-Diskussion zur Verfügung gestellt.

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Digitalisierung bedeutet mehr denn je, Prozesse von einem möglichen (nicht sicheren) Ausgang her zu denken, „Variationen des Verlaufs einzubeziehen. Um dann doch damit zu rechnen, dass alles anders kommt, als gedacht", schreibt Dr. Andreas Knaut, Kommunikationschef der Bertelsmann Stiftung. Das radikal neue Denken nimmt deshalb hier einen besonderen Stellenwert ein, denn es muss heute in der Lage sein, viele Facetten und Perspektiven zu sehen, das große Ganze zu erfassen, aber auch ins Detail zu gehen und sich von alten Gewohnheiten und geistigem Ballast zu verabschieden.

Die Digitalisierung hat enorme Auswirkungen auf unser Gehirn, auf unser Denken und auf unser Handeln. Reines Merken und Erinnern von Daten und Fakten verliert an Bedeutung. Über die nachhaltige Kraft des Denkens zu schreiben ist auch der Schauspielerin Valerie Niehaus ein besonders wichtiges Anliegen in ihrem Vorwort: „Ich bin keineswegs gegen den Fortschritt und die Entwicklung in eine zunehmend digitalisierte Welt; die sich daraus ergebenden Möglichkeiten für ein gesundes Miteinander in Gesellschaft, Kultur, Welthandel und Ökologie sind begeisternd. Vielmehr fühle ich die Notwendigkeit, unsere geistig-kulturelle Entwicklung als aufgeklärte, verantwortungsbewusste Momentbesitzer auf gleiche Höhe zu heben."

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Nachhaltige Digitalisierung erfordert die Änderung von Denkmodellen. Für Unternehmen bedeutet das eine radikale Prüfung von grundsätzlichen Sichtweisen und die Betrachtung bisheriger Geschäftsmodelle. Dies erfordert ein tiefgreifendes Wissen und Verständnis im Management, neue Entwicklungen zu ermöglichen, um nachhaltige Wachstumssektoren zu finden und daraus zukünftige profitable Geschäftsfelder nutzbar zu machen. Grundlage dafür ist die Trennung und Neubestimmung bereits bestehender Denkmodelle, wenn es darum geht, bewährte Geschäftsmodelle in digitale Prozesse zu integrieren und dadurch neue Potenziale zu erschließen.

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Unter dem Motto „Nachhaltig digital - Nachhaltige Digitalisierung" standen deshalb auch die Nauener Gespräche, die econsense, Forum Nachhaltige Entwicklung der Deutschen Wirtschaft, Ende September 2017 durchgeführt hat. Die Experten waren sich darin einig, dass Digitalisierung eine Bildungs- und Kulturfrage sei. Marina Weisband verwies darauf, dass in Chancen nur denken könne, wer die Kontrolle habe.

Ohne echte Beteiligung kann es keinen intrinsischen Antrieb geben, sich bei der Digitalisierung im Unternehmen zu engagieren. Sie plädierte dafür, dass schon Kindern die 4 K vermittelt werden sollten: Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und kritisches Denken. Das sind wesentliche Grundpfeiler der Digitalisierung, für die es gute „Handwerker", weniger Regeln und mehr Kompetenz im Umgang mit dem Neuem braucht. Allerdings schrieb der Bildungsreformer Wilhelm von Humboldt bereits im Jahr 1809, dass man nur ein guter Handwerker sein kann, wenn man gleichzeitig ein aufgeklärter Mensch und Bürger ist. Dazu möchte „CSR und Digitalisierung" beitragen.

Literatur:

CSR und Digitalisierung. Der digitale Wandel als Chance und Herausforderung für Wirtschaft und Gesellschaft. Hg. von Alexandra Hildebrandt und Werner Landhäußer. SpringerGabler Verlag, Heidelberg Berlin 201

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