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Mit Kosmetikpinseln vom eBay Powerseller zum globalen Multimillionen-Unternehmen

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COSMETIC
Tom Merton via Getty Images
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Interview mit Zoe Boikou, Gründerin der Beauty-Marke ZOEVA

Zoe Boikou ist Entrepreneurin im besten Sinne: In Griechenland geboren, als 10-Jährige mit ihrer Familie nach Deutschland ausgewandert, hat Zoe Boikou nach ihrem ersten Job über eBay Kosmetikpinsel vertrieben.

Von der kritischen Kundin wurde sie zur Unternehmerin. Von der Einzelkämpferin zur Managerin. Die Idee zum eigenen Unternehmen entstand aus ihrer persönlichen Unzufriedenheit mit dem vorherrschenden Angebot auf dem deutschen Markt.

Heute führt sie in Frankfurt am Main ein international agierendes Beauty-Unternehmen mit mehr als 70 Mitarbeitern. Ihre Produkte - mittlerweile neben Kosmetikpinseln auch dekorative Kosmetik - werden an mehr als 600 Verkaufspunkten in über 80 Ländern der Welt angeboten.

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Copyright: ZOEVA


Frau Boikou, konnten Sie sich jemals vorstellen, einmal ein so erfolgreiches internationales Beauty-Unternehmen zu führen?

Nein. 2008 habe ich meine Firma aus meinem Wohnzimmer in Frankfurt gegründet. Und ganz ehrlich: Ich hätte nie gedacht, dass der eBay Shop so ein Erfolg wird. Das Gefühl, etwas Eigenes zu schaffen, hat mich aber damals schon motiviert.

Das Erlebnis, als das erste Mal eine größere Lieferung des Pinsel-Produzenten ankam - das vergesse ich nie. Ich habe den Karton mit ein paar hundert Pinseln selbst beim Zoll abgeholt und konnte es kaum erwarten, ihn zuhause aufzumachen.

Ich habe die Pakete an die Kundinnen dann selbst gepackt und zur Post gebracht und danach Mails bekommen, wie begeistert sie waren. Es kamen Folgebestellungen und das hat mich natürlich darin bestärkt, weiterzumachen.

Warum ausgerechnet Pinsel?

Weil ich mich geärgert habe. Unglaublich teure Pinsel konnte ich mir nicht leisten - und will das bis heute auch nicht. Die preiswerten Pinsel, die ich benutzte, haben jeden Morgen im Waschbecken zig Haare gelassen. Nicht jedem ist es egal, was ein Pinsel kostet und wie lange er hält. Und selbst wenn: Ich finde einfach ein Produkt, das jeden Tag benutzt wird, muss auch jeden Tag benutzt werden können, ohne dass es auseinanderfällt. Ich habe Produzenten gesucht und in Kanada gefunden.

Pinsel, die ganz genau so waren, wie ich sie mir gewünscht habe. Und ich wollte sie ja nicht nur für mich alleine. Über eBay habe ich sie verkauft, das war anfangs eine tolle und vor allem unkomplizierte Plattform für mich, denn ich wollte die Preise für meine Pinsel niedrig halten.


Viele Gründer verlieren vor lauter Kreativität das Kaufmännische aus den Augen - Sie also nicht?

Ich bin konservativ, wenn es um Geld geht. Bis heute sind mir Rücklagen sehr wichtig. Den eigenen Webshop habe ich begonnen, als ich es mir leisten konnte. Bis heute ist ZOEVA ohne Kredite, ohne Beteiligungen und ohne Investoren ausgekommen. Dabei habe ich immer auf langsames Wachstum gesetzt. Qualität geht immer vor. Ich liebe es, kreativ zu sein, habe dabei aber die Ausgaben immer im Blick.

Um mein erstes Geld zu verdienen, habe ich eine bodenständige Ausbildung beim Bayerischen Münzkontor als Bürokauffrau gemacht. Buchhaltung war für mich eigentlich unerträglich (lacht). Aber ich habe es durchgezogen. Ich hatte ein Ziel. Wenn ich etwas beginne, habe ich den Ehrgeiz, es auch erfolgreich zu beenden.


Kosmetik-Themen spielen eine wichtige Rolle in den sozialen Netzwerken. Welchen Fokus haben Instagram, YouTube und Facebook für Ihr Unternehmen?

Die Online Community ist für uns sehr wichtig. Auf Instagram und Facebook erreichen wir Millionen von Fans. Darüber hinaus arbeiten wir mit vielen Influencern zusammen. Die Produktplatzierungen werden aber nicht über Sponsorings erzeugt. Diese Authentizität ist mir persönlich wichtig. Ich will, dass sich die Blogger und YouTuber ihr eigenes Bild machen und wenn sie dann wirklich überzeugt sind, ihre authentische Empfehlungen abgeben. Diese Transparenz schätzen auch unsere Kundinnen.

Genau solch eine Empfehlung hat für uns einen wichtigen Durchbruch bedeutet. Ein Jahr nach unserer Gründung erhielten wir plötzlich sehr viele Bestellungen aus Italien. Ich war überwältigt, hatte keine Ahnung, was da los war und musste erst mal recherchieren - bis ich Clio entdeckte. Clio Zammatteo ist Beauty YouTuberin aus Italien.

Heute folgen ihr rund 1,4 Millionen Fans auf Instagram. Sie hatte ein Pinselset von uns empfohlen und so den Verkauf auf weit mehr als 100 Stück am Tag ansteigen lassen.


Was schätzen Ihre Kundinnen an dem, was Sie tun?

Was ich heute mache, ist das, was ich mir selber als Frau, Kundin wünsche. In der Kosmetikindustrie gibt es zum Teil riesige Abteilungen für Marketing, Produktentwicklung und Design. Es sind oft keine Produkte, die von Herzen kommen, die sich an Frauen richten, die Beauty-Enthusiastinnen sind, sondern an Konsumentinnen. Massenartikel, die über Maschinen laufen und knallhart kalkuliert werden.

Bei einem der ersten Treffen mit einem Hersteller war die wichtigste Frage: Was soll es denn kosten? Das interessiert mich nicht, wenn es um die Qualität des Produktes geht. Ich will das Beste, was möglich ist.

Wenn man es ganz pragmatisch sehen will, dann haben wir es geschafft, qualitativ hochwertige und dennoch erschwingliche Produkte zugänglich zu machen. Mir ist es auch wichtig, dass ZOEVA ein nachhaltiges Unternehmen mit hohem ethischen Anspruch darstellt. Ich möchte, dass sich jeder bei der Arbeit wohlfühlt, Talente gefördert und Einzelleistungen anerkannt werden.

Und was halten Sie persönlich für das Geheimnis Ihres Erfolges?

Wir machen nichts, was ausschließlich "trendy" ist. Qualität steht bei uns immer an erster Stelle, und gute Produkte brauchen Zeit. Ich sehe etwas, verliebe mich darin, recherchiere und gemeinsam mit dem Team entwickeln wir dann etwas. Ich bin nahezu besessen von Details. Von der Haptik, über Materialien bis zum Design.

Es muss alles zusammenspielen. Erfolg kann man nur haben, wenn man wirklich von einer Sache überzeugt ist und diese komplett durchdenkt. Ich halte nichts von Schnellschüssen. Ich will keine kratzigen Pinsel, die nur gut aussehen. Ich will keine Schutzhülsen, die dauernd abfallen und irgendwo in der Handtasche rumfliegen.

Ich kaufe auch viel von Konkurrenten und versuche zu verstehen, was sie gut oder schlecht machen. Zudem bin ich weiterhin die erste Kundin bei unseren eigenen Produkten, ich teste alles. Mein Badezimmer sieht aus wie eine Kosmetikabteilung.

Was würden Sie jungen Gründern raten?

Ich denke, ein großer Teil des Erfolges basiert auf einer starken Vision. Diese mit Selbstsicherheit in all ihren Höhen und Tiefen nie aus den Augen zu verlieren, ist eine der großen Herausforderungen, für die es sich lohnt, seinen Prinzipien treu zu bleiben.

Hat das Thema Kosmetik Sie schon immer interessiert?

Eigentlich verdanke ich die Leidenschaft für Kosmetik meiner Mutter. Sie hat sehr viel Wert auf ihr Erscheinungsbild gelegt und auch mich immer schick gemacht. Ich habe heute noch Fotos von ihr, auf dem sie ihren Lieblings-Lippenstift aufträgt. Einen davon habe ich bis heute hier im Büro als Talisman. Er ist bestimmt 30 Jahre alt.

ZOEVA ist also eine Hommage an Ihre Mutter?

Irgendwie schon. Letztendlich geht es mir aber um eine Hommage an die individuelle Schönheit der Frau. Mein Ziel war und ist es nach wie vor, sich dem Selbstbewusstsein und der Einzigartigkeit von Frauen zu widmen. Unsere Produkte sollen das Selbstwertgefühl einer jeden Kundin stärken und sie ermutigen, ihre eigene individuelle Schönheit zu entdecken.

Ein gepflegtes Äußeres macht souveräner und souveräne, selbstbewusste Frauen sind eine Bereicherung für uns alle. Wir unterstützen viele soziale Projekte, da es mir eine Herzensangelegenheit ist, mit unserem Unternehmen und unseren Produkten einen Beitrag für Mädchen und Frauen in Not zu leisten. Wir unterstützen wohltätige Organisationen lokal sowie auf nationaler Ebene.

Vielen Dank für das Gespräch.

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