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Mit Gespür und Urteilskraft: Wie sich Journalisten dem Thema Nachhaltigkeit annähern

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„Nachhaltigkeit - das klingt für viele immer noch nach Tofu statt Rindfleisch oder Radtour statt Karibikurlaub, kurz: nach Verzicht statt Genuss." Heißt es in der aktuellen Pressemitteilung des 2015 gegründeten "Netzwerk Weitblick - Verband Journalismus & Nachhaltigkeit e.V.".

Nachhaltigkeit ist sehr viel mehr, denn sie befasst sich mit globalen Herausforderungen, unserem (Über-)Leben in Gegenwart und Zukunft sowie den damit verbundenen Lösungen.

Wie wichtig das Thema Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility (CSR) ist, zeigt auch der Gesetzentwurf zur Umsetzung der europäischen CSR-Richtlinie in deutsches Recht, den die Bundesregierung am 21.09.2016 beschlossen hat.

Allerdings ist die Politik bei der Einbeziehung von Lieferketten etwas zurückhaltender, als es einige Akteure erwartet hatten. Ein Grund dafür ist vermutlich die Verhältnismäßigkeit des Aufwands für Unternehmen, die über ihre Zulieferer ab 2018 auf Grundlage einer eigenen Risikoanalyse berichten müssen.

Die Kernpunkte des Gesetzentwurfes beziehen sich auf die durch das Gesetz betroffenen kapitalmarktorientierten Unternehmen, die Neuerungen zur Vorlage von Informationen zu Arbeitnehmer-, Sozial- und Umweltbelangen, zur Achtung der Menschenrechte und zur Korruptionsbekämpfung sowie Diversitätskonzepten. Außerdem beinhaltet er Erweiterungen der damit verbundenen Sanktionsmaßnahmen.

Damit diese Themen nicht abstrakt bleiben und jeden angehen, braucht es nicht nur Reichweite, sondern vor allem informierende und gut informierte Journalisten - in allen Ressorts. Denn Nachhaltigkeit ist ein Querschnittsthema - von Politik über Wirtschaft und Wissenschaft bis zur Kultur.

Der Verein Netzwerk Weitblick e.V. ist ein Service- und Vernetzungsangebot für Journalisten und Medienschaffende im gesamten deutschsprachigen Raum, die sich (auch) damit befassen oder befassen wollen.

Im Juli startete der Verein eine Bildungsinitiative für Journalisten, die realisiert wird in Zusammenarbeit mit Universitäten/Hochschulen, Journalistenschulen, Volontariatsausbildern sowie Weiterbildungseinrichtungen aus Deutschland und Österreich.

In den kommenden zwei Jahren werden Lehrkonzepte und -materialien für die Aus-, Fort- und Weiterbildung von Journalisten aus dem Netzwerk entwickelt.

Das Projekt „Entwicklung eines Qualifizierungsprogramms für Nachwuchsjournalist_innen zum Querschnittsthema Nachhaltigkeit" wird gefördert von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU).

Zu den weiteren Förderern, Spendern und Sponsoren gehören sowohl Mitglieder des Netzwerks Weitblick als auch Stiftungen, Unternehmen, Finanzinstitute und Nichtregierungsorganisationen. Das Projekt wird gefördert von ENGAGEMENT GLOBAL im Auftrag des BMZ.

Ziel ist es, Journalisten ein Gespür für das sehr sensible Thema zu geben, das zu Marketingzwecken leider auch oft missbraucht wird.

Als Multiplikatoren haben Journalisten einen erheblichen Einfluss auf die Diskussion, Meinungsbildung und Entscheidungsfindung in Wirtschaft und Gesellschaft. Projektleiter ist der Diplom-Journalist Ingo Reich, der sich bereits in seiner Zeit als Handelsblatt-Redakteur und langjähriger Wirtschaftsjournalist ausführlich mit dem Querschnittsthema Nachhaltigkeit beschäftigte.

Wichtig ist, das richtige Handwerkzeug für die damit verbundenen Fragestellungen, Herausforderungen und Lösungen zu vermitteln sowie Gespür und Urteilskraft zu stärken, damit die Journalisten „in ihrem Berufsalltag andere Fragen stellen und aus neuen Perspektiven berichten", sagt die Vorstandsvorsitzende Susanne Bergius, die auch zu Deutschlands Gesichtern der Nachhaltigkeit gehört.

Die Initiative soll Journalisten interdisziplinär befähigen, Nachhaltigkeit in ihrer Berichterstattung immer mitzudenken - als einen Aspekt von mehreren, nicht stets als Hauptthema.

Doch ohne Sachwissen über nachhaltiges Wirtschaften sowie über Modelle für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaften kann auch das beste Handwerkszeug nicht angewendet werden.

Erst durch Sachwissen ist es möglich, „Zusammenhänge zwischen Entwicklungen zu erkennen und richtig einordnen zu können", bemerkt Heike Janßen, die im Vorstand für die Qualifizierungsinitiative zuständig ist.

Zudem geht es um die Fähigkeit in einer Könnensgesellschaft, so zu berichten, dass die Leser nicht entmutigt, sondern angeregt werden, „mit Optimismus an Lösungen zu arbeiten".

Weitere Informationen:

Warum Nachhaltigkeit Journalisten mit Weitblick braucht

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

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Hier geht es zur Umfrage.

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