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Minimalismus 21.0: Warum Menschen weniger haben, aber mehr sein wollen

29/03/2017 10:37 CEST | Aktualisiert 29/03/2017 10:37 CEST
Ben Queenborough via Getty Images

„Mehr ist nicht besser." So lässt sich der Song „Irgendwas" auf dem neuen Album „Guten Morgen Freiheit" von Yvonne Catterfeld zusammenfassen. Lebensqualität heißt für die Sängerin und Schauspielerin, sich auf Qualität zurückbeziehen. Ein älterer Schauspielkollege, erzählte sie kürzlich in einem Interview, lebt nach dem Prinzip der Reduktion - und das in sämtlichen Lebensbereichen. Auch Fotos habe er nur wenige aufgehoben, deshalb die Zeile im Song: „Sammeln Fotos, aber uns fehlt die Erinnerung."

Beim Minimalismus 21.0 geht es nicht darum, möglichst viele Dinge zu besitzen und zu zählen, sondern darum, für die wesentlichen Dinge Platz im Leben zu schaffen, die uns wirklich wichtig sind. Davon erzählt die Kreativdirektorin und Autorin Lina Jachmann in ihrem Buch „Einfach leben". Dabei bestimmt jeder selbst, wie viel es wovon sein darf, denn feste Regeln gibt es nicht, auch kein schwarz-weiß. Das Thema ist bunt, lebendig und individuell. Für viele Menschen ist Minimalismus heute eine Chance, das eigene Leben wieder in den Griff zu bekommen, Überblick und Kontrolle darüber zu gewinnen.

Damit verbunden sind folgende Fragen:

Wie, mit wem und womit möchte ich leben? Macht mich das glücklich?

Womit verbringe ich meine Zeit?

Wie viel Geld gebe ich dafür aus?

Wie kann ich mein Leben entrümpeln und mich von Überflüssigem befreien, um mich wieder fokussieren und innere Autonomie erlangen zu können?

Was brauche ich wirklich?

Kennt die Welt da draußen nur noch Preise, aber nicht mehr den Wert der Dinge?

Auch DIY ist unter Minimalisten ein großer Trend, der zeigt, wie sich das Credo „möglichst viel, möglichst billig" zu „gut und langlebig" wandelte und warum es wichtig ist, sich für Dinge bewusst zu entscheiden. Sie haben für uns eine tiefere Bedeutung, weil sie mit Geschichten und Emotionen aufgeladen sind, die menschliche Seele berühren sowie identitäts- und sinnstiftend sind.

Allen Büchern, die sich derzeit mit dem Thema beschäftigen, ist eines gemeinsam: Sie möchten dazu beitragen, dass die Leser eine innere Haltung finden, die sie heute trotz der Verunsicherung trägt, und einen Lebensstil, der ihnen Freude bereitet. Sie tragen aber auch dazu bei, sich mit nachhaltigen Produkten zu beschäftigen: Was macht sie aus? Wo sind sie zu finden? Was kann jeder tun, um das Leben mit der Auswahl der richtigen Dinge etwas besser zu machen?

Der durchschnittliche Europäer besitzt etwa 10.000 Gegenstände. Ob sie wirklich alle notwendig sind, ist fraglich.

„Immer mehr Menschen überdenken ihre Konsumgewohnheiten und wollen ein bewussteres Leben führen. Für die einen ist weniger mehr. Die anderen achten gezielter auf das, was sie kaufen, wie und wo es hergestellt wurde und welche Folgen der tägliche Gebrauch hat", sagt die Nachhaltigkeitsexpertin Claudia Silber.

Das Thema Dinge beschäftigt uns heute deshalb verstärkt, weil wir häufig das Gefühl verspüren, es nicht mehr im Griff zu haben. Bücher über den Wert der Dinge tragen dazu bei, unsere eigene kleine Welt wieder zu überschauen und nachhaltig zu gestalten.

„Dinge, die sich besser anfühlen, die besser aussehen und besser gemacht wirken, sind auch besser." (Wolfgang Schmidbauer)

Literatur

Lina Jachmann: Einfach leben. Der Guide für einen minimalistischen Lebensstil. Mit Fotografien von Marlen Müller. Knesebeck Verlag, München 2017.

Wolfgang Schmidbauer: Enzyklopädie der Dummen Dinge. Oekom Verlag München 2015.

Claudia Silber und Alexandra Hildebrandt: Von Lebensdingen: Eine verantwortungsvolle Auswahl. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

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