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Minimalismus 21.0: Warum Menschen weniger haben, aber mehr sein wollen

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MINIMALISMUS
Ben Queenborough via Getty Images
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„Mehr ist nicht besser." So lĂ€sst sich der Song „Irgendwas" auf dem neuen Album „Guten Morgen Freiheit" von Yvonne Catterfeld zusammenfassen. LebensqualitĂ€t heißt fĂŒr die SĂ€ngerin und Schauspielerin, sich auf QualitĂ€t zurĂŒckbeziehen. Ein Ă€lterer Schauspielkollege, erzĂ€hlte sie kĂŒrzlich in einem Interview, lebt nach dem Prinzip der Reduktion - und das in sĂ€mtlichen Lebensbereichen. Auch Fotos habe er nur wenige aufgehoben, deshalb die Zeile im Song: „Sammeln Fotos, aber uns fehlt die Erinnerung."

Beim Minimalismus 21.0 geht es nicht darum, möglichst viele Dinge zu besitzen und zu zĂ€hlen, sondern darum, fĂŒr die wesentlichen Dinge Platz im Leben zu schaffen, die uns wirklich wichtig sind. Davon erzĂ€hlt die Kreativdirektorin und Autorin Lina Jachmann in ihrem Buch „Einfach leben". Dabei bestimmt jeder selbst, wie viel es wovon sein darf, denn feste Regeln gibt es nicht, auch kein schwarz-weiß. Das Thema ist bunt, lebendig und individuell. FĂŒr viele Menschen ist Minimalismus heute eine Chance, das eigene Leben wieder in den Griff zu bekommen, Überblick und Kontrolle darĂŒber zu gewinnen.

Damit verbunden sind folgende Fragen:

Wie, mit wem und womit möchte ich leben? Macht mich das glĂŒcklich?

Womit verbringe ich meine Zeit?

Wie viel Geld gebe ich dafĂŒr aus?

Wie kann ich mein Leben entrĂŒmpeln und mich von ÜberflĂŒssigem befreien, um mich wieder fokussieren und innere Autonomie erlangen zu können?

Was brauche ich wirklich?

Kennt die Welt da draußen nur noch Preise, aber nicht mehr den Wert der Dinge?

Auch DIY ist unter Minimalisten ein großer Trend, der zeigt, wie sich das Credo „möglichst viel, möglichst billig" zu „gut und langlebig" wandelte und warum es wichtig ist, sich fĂŒr Dinge bewusst zu entscheiden. Sie haben fĂŒr uns eine tiefere Bedeutung, weil sie mit Geschichten und Emotionen aufgeladen sind, die menschliche Seele berĂŒhren sowie identitĂ€ts- und sinnstiftend sind.

Allen BĂŒchern, die sich derzeit mit dem Thema beschĂ€ftigen, ist eines gemeinsam: Sie möchten dazu beitragen, dass die Leser eine innere Haltung finden, die sie heute trotz der Verunsicherung trĂ€gt, und einen Lebensstil, der ihnen Freude bereitet. Sie tragen aber auch dazu bei, sich mit nachhaltigen Produkten zu beschĂ€ftigen: Was macht sie aus? Wo sind sie zu finden? Was kann jeder tun, um das Leben mit der Auswahl der richtigen Dinge etwas besser zu machen?

Der durchschnittliche EuropÀer besitzt etwa 10.000 GegenstÀnde. Ob sie wirklich alle notwendig sind, ist fraglich.

„Immer mehr Menschen ĂŒberdenken ihre Konsumgewohnheiten und wollen ein bewussteres Leben fĂŒhren. FĂŒr die einen ist weniger mehr. Die anderen achten gezielter auf das, was sie kaufen, wie und wo es hergestellt wurde und welche Folgen der tĂ€gliche Gebrauch hat", sagt die Nachhaltigkeitsexpertin Claudia Silber.

Das Thema Dinge beschĂ€ftigt uns heute deshalb verstĂ€rkt, weil wir hĂ€ufig das GefĂŒhl verspĂŒren, es nicht mehr im Griff zu haben. BĂŒcher ĂŒber den Wert der Dinge tragen dazu bei, unsere eigene kleine Welt wieder zu ĂŒberschauen und nachhaltig zu gestalten.

„Dinge, die sich besser anfĂŒhlen, die besser aussehen und besser gemacht wirken, sind auch besser." (Wolfgang Schmidbauer)

Literatur

Lina Jachmann: Einfach leben. Der Guide fĂŒr einen minimalistischen Lebensstil. Mit Fotografien von Marlen MĂŒller. Knesebeck Verlag, MĂŒnchen 2017.

Wolfgang Schmidbauer: EnzyklopĂ€die der Dummen Dinge. Oekom Verlag MĂŒnchen 2015.

Claudia Silber und Alexandra Hildebrandt: Von Lebensdingen: Eine verantwortungsvolle Auswahl. Amazon Media EU S.Ă  r.l. Kindle Edition 2017.

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

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