BLOG

Eine offene Plattform f├╝r kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Dr. Alexandra Hildebrandt Headshot

Millennials und die Bedeutung von Vorbildern - eine Generation auf der Erfolgsspur

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
Drucken

Interview mit Jonathan Sierck

Jonathan Sierck, Jahrgang 1993, ist Gr├╝nder und Gesch├Ąftsf├╝hrer der Inspired World GmbH. Er hat einige der erfolgreichsten Vertreter seiner Generation getroffen und ihre Geschichte, Mentoren und F├Ârderer, Schl├╝sselmomente, ├ťberzeugungen und Tipps in seinem Buch ÔÇ×Junge ├ťberflieger. Millennials - eine Generation auf der Erfolgsspur" (Redline) zusammengetragen, das in diesen Tagen erscheint. Es enth├Ąlt u.a. Interviews mit Unternehmerin Lencke Steiner, Rapper Kontra K, Comedian Chris Tall, Fu├čballer Joshua Kimmich, Fitness-Ikone Sophia Thiel, dem Au├čenminister ├ľsterreichs Sebastian Kurz, Handball-Europameister Andreas Wolff, Deutschlands j├╝ngsten Sternekoch Philipp Stein, Comedian Chris Tall, Fashion-Bloggerin Masha Sedgwick, Westwing-Gr├╝nderin Delia Fischer, Schriftstellerin und Lebensk├╝nstlerin Jannike St├Âhr.

2017-09-08-1504862301-3738248-IMG_4529Jonathan_SierckNilsSchwarz.jpg

Jonathan Sierck (Foto: Nils Schwarz)


Lieber Jonathan Sierck, was waren entscheidende Kriterien bei der Auswahl Ihrer portr├Ątierten Personen?


Ein wesentlicher Grund ist die Bedeutung, die ein positives Beispiel bzw. ein Vorbild f├╝r uns Menschen haben kann - zu sehen, wozu andere in der Lage sind, wie sie an den Punkt gelangten, an dem sie heute stehen und vor allem auch, wie sie mit schwierigen Phasen umgegangen sind, kann zu der ├ťberzeugung f├╝hren: Wenn diese Person das kann, dann kriege auch ich das irgendwie auf die Reihe. So war es tats├Ąchlich auch bei einigen ÔÇ×Jungen ├ťberfliegern" aus dem Buch: Sie haben in ihren Traum investiert und jahrelang daran gearbeitet, weil sie bei anderen gesehen haben, was man alles durch Einsatz und Hartn├Ąckigkeit erreichen kann. Ich hoffe, das ├╝bertr├Ągt sich auch auf den Leser.

Worauf haben Sie bei der Auswahl besonders geachtet?

Vor allem auf drei Dinge:

1. Befl├╝gelnde Geschichte: Mir war es wichtig, dass der Leser allein durch die verschiedenen Geschichten angeregt wird und dadurch einiges f├╝r sich mitnimmt. Die Hintergr├╝nde der Personen, die im Buch dargestellt werden, sind sehr pers├Ânlich und zeigen auch die schwierigen Phasen der Protagonisten auf. Das kann viel Mut machen und Zuversicht f├╝r eigene Vorhaben sch├╝ren.

2. Vorbildfunktion: Ich wollte nicht einfach gro├če Namen mit riesigem Social-Media Following dabei haben, sondern Menschen, die sich f├╝r das einsetzen, woran sie glauben, wof├╝r ihr Herz schl├Ągt und was sie als gut und richtig ansehen. Stellenweise sind auch ÔÇ×Hidden Champions" im Buch dabei, die meine Testleser besonders fasziniert haben, weil sie beachtliche Arbeit leisten, die von der ├ľffentlichkeit kaum wahrgenommen wird.

3. Best├Ąndigkeit: Ich habe genau darauf geachtet, dass bei niemandem von Erfolg ├╝ber Nacht die Rede sein kann. Mir ging es darum, zu zeigen, dass obwohl die Personen selbst noch sehr jung sind, sich schon seit mehreren Jahren mit ihrem Thema und ihrer Arbeit befassen und sich ihre beachtlichen Resultate immer wieder bew├Ąhrt haben.

Was macht f├╝r Sie ein Vorbild aus?

Es ist f├╝r mich vor allem ein Mensch, der sich einer Sache hingibt und f├╝r etwas arbeitet, woran er glaubt und was er aus eigener ├ťberzeugung macht. Was in vielen Gespr├Ąchen durchkam, war der Ansatz, dass das eigene Tun dadurch Sinn und Bedeutung gewinnt, dass es einen Mehrwert f├╝r andere schafft und das eigene Selbst ├╝bersteigt. Dieser Ansatz gef├Ąllt mir sehr gut und spiegelt sich in jedem meiner pers├Ânlichen Vorbilder auch wider: Jedes meiner Vorbilder setzt mit etwas auseinander, was es als seine Aufgabe betrachtet und was es gleichzeitig als gut und richtig einstuft, weil es einen gro├čen Mehrwert bietet.

Inwiefern pr├Ągte Sie die Geschichte des legend├Ąren Surfers Jay Moriarity, die im Film ÔÇ×Mavericks" nacherz├Ąhlt wird?

ÔÇ×Mavericks" ist einer meiner Lieblingsfilme, weil ich die Geschichte von Jay sehr bewegend finde. Am Ende des Films sagt Jay: "You gotta enjoy everything around you and enjoy everything that's going on. And don't take anything for granted because one minute it can be there and the next minute it's not and it happens so quick. You just got to appreciate everything. Just have a good time, enjoy everything you get. That's one of the most important things in life: just really appreciating it, because you know we only get to do this once and it's not for a long time so enjoy it."

Weil Jay das auch wirklich so gelebt hat, ist das Motto ÔÇ×Live like Jay" sehr beliebt unter Surfern. Jay lebt daf├╝r, die gr├Â├čten Wellen der Welt zu surfen. Er liebt das mehr als alles andere und so lebt er auch. Er ist bereit, alles daf├╝r in Kauf zu nehmen. Das mag sehr extrem wirken, verleiht ihm aber ein ansteckendes Gef├╝hl des Lebendig-Seins. Mich spricht das sehr an, deswegen kriege ich auch jedes Mal bei diesem Film G├Ąnsehaut - und das obwohl ich ihn bestimmt schon sechs bis sieben Mal gesehen habe.

Warum tritt Ihrer Meinung nach der Mentor nur in unser Leben, wenn der Mentee die n├Âtige Vorbereitung geleistet hat?

Die Beziehung zwischen Mentor und Mentee ist nie eine Einbahnstra├če. Wenn ein Mentor merkt, er gibt viel von seinem Wissens- und Erfahrungsschatz weiter, ohne dass etwas zur├╝ckkommt, fruchtet die Beziehung nicht. Im Buddhismus hei├čt es: ÔÇ×Der Lehrer tritt dann auf, wenn der Sch├╝ler soweit ist." ├ähnlich ist es mit Mentoren. Wer von den besten lernen und gef├Ârdert werden will, der muss in Vorleistung gehen und dem Mentor einen Grund geben, wieso es sich auch f├╝r ihn lohnt, Zeit in den Mentee zu investieren. Jay Moriarity dient ├╝brigens als wunderbares Beispiel hierf├╝r: Weil er sich schon einiges selbst angeeignet hat und um jeden Preis lernen wollte, hat er die n├Âtigen F├Ârderer finden und f├╝r sich gewinnen k├Ânnen.


Wer waren Ihre Mentoren, und inwiefern wurden sie von ihnen nachhaltig beeinflusst?

Dass ich das Buch Dr. John Demartini gewidmet habe, liegt an der Bedeutung, die er in meinem Leben gespielt hat bzw. spielt. Was ich von John lernen durfte, wie er mich herausgefordert und welche Erkenntnisse und Erfahrungen er mit mir geteilt hat, als ich gerade einmal 17 Jahre alt war, war von unsch├Ątzbarem Wert. Eine der sch├Ânsten Definitionen eines Mentors, die ich bisher geh├Ârt habe, lautet: Ein Mentor ist jemand, der eine gr├Â├čere Vision f├╝r dich und dein Leben hat, als du selbst. Dem ist John mehr als gerecht geworden.

Ein anderer Mentor von mir ist Emilio Galli-Zugaro, der auch das Vorwort vom Buch geschrieben hat. Emilio hat eine besondere F├Ąhigkeit, die richtigen Fragen im richtigen Moment zu stellen, er h├Ârt verdammt gut zu und kann durch seine Erfahrung jungen Menschen viel wertvolles Gedankengut mit auf den Weg geben.

Als 14-j├Ąhriger hatte ich das Gl├╝ck, mich mit Marcel Hagmann anzufreunden. Uns trennen zwar nur zehn Jahre, aber in dem Alter war das enorm viel, vor allem weil Marcel schon damals sehr weit war. Von ihm durfte ich viel ├╝ber soziale F├Ąhigkeiten und mentale St├Ąrke lernen. Davon profitiere ich noch heute.

Seit letztem Jahr habe ich viel mit dem Serien-Unternehmer Marco Janezic zu tun, der auch im letzten Teil des Buchs vorgestellt wird. Marco ist ein klasse Einfluss, was Gesch├Ąftssinn, Verhandeln, Gelegenheiten erkennen und ergreifen und sein Ding dann auch knallhart durchzuziehen betrifft.
Oft ist es auch die Einstellung der Personen, die einen nachhaltigen Einfluss erzeugt.

Was ist f├╝r Sie das Sch├Âne an Mentoren-Beziehungen?

... dass keiner von ihnen eine Monogamie erwartet ´üŐ Wenn ich merke, da ist jemand, der menschlich ansprechend ist, viel erlebt hat und seine Erfahrungen gerne weitergibt, dann versuche ich alles, um davon profitieren zu k├Ânnen und sauge so viel auf wie m├Âglich.

Gibt es etwas, das Ihnen bei den ÔÇ×Jungen ├ťberfliegern" im Buch besonders aufgefallen ist?

... dass sie an einem bestimmten Punkt ihren eigenen Weg eingeschlagen haben und ihrem inneren Kompass mehr Bedeutung geschenkt haben als ├Ąu├čeren Stimmen. Wenn ich mich zu sehr von Vorbildern leiten und beeinflussen lasse, kann diese Ebene verloren gehen, und ich ordne mich unbewusst ein wenig unter.

Was hat die Macherqualit├Ąten der von Ihnen dargestellten Menschen gest├Ąrkt?

Da haben immer verschiedene Faktoren zusammengespielt: die Erkenntnis der eigenen Priorit├Ąten bzw. der eigenen Ziele, denen dann vieles untergeordnet wurde; erste Resultate, die sich eingestellt haben; oft war es auch ├Ąu├čere Anerkennung und eine gewisse Rolle, die einem zugeschrieben wird, der man dann gerecht werden will und der unbedingte Wille sein Vorhaben und den eigenen Traum zur Realit├Ąt zu machen. Und dann nat├╝rlich auch den Sprung ins kalte Wasser wagen und vom Reden ins Tun kommen. Das habe ich in mehreren Gespr├Ąchen zu h├Âren bekommen: Mehr Tun, weniger Reden.

Wen m├Âchten Sie mit Ihrem Buch erreichen?

Die urspr├╝ngliche Idee des Buches war es, jungen Menschen Mut zu machen, denen noch etwas Klarheit f├╝r ihre anstehenden Schritte fehlt und zu zeigen: Es gibt in jedem Bereich jemanden, der den Glaubenssatz ÔÇ×ich bin zu jung, um erfolgreich sein zu k├Ânnen" durch sein leuchtendes Beispiel widerlegt. Ich habe dann aber schnell gemerkt, dass das Thema des Buchs weitl├Ąufiger fasziniert. Die Frage, wie Erfolg in jungem Alter klappen kann, stellen sich auch Eltern und vor allem Arbeitgeber, die nat├╝rlich immer nach Top-Talenten Ausschau halten.

Ich hoffe deshalb, mit dem Buch jungen Menschen mit gro├čen Ambitionen als Inspirationsquelle dienen zu k├Ânnen, aber auch jungen Menschen, die noch etwas z├Âgerlich und unsicher sind, eine St├╝tze zu sein. Neben der j├╝ngeren Generation will ich auch Menschen erreichen, die F├Ârderer, Lehrer, Trainer, Mentoren von den nachfolgenden Generationen sind. Ich habe daf├╝r extra einen Teil mit ins Buch eingebaut, in dem es darum geht, welche Bedeutung diese Rollen in der Entwicklung von (jungen) Menschen haben.

Hat Sie das Buch etwas gelehrt?

Ja, mit der passenden Einstellung, dem n├Âtigen Willen und der Bereitschaft, langfristige Ziele der sofortigen Befriedigung ├╝berzuordnen, kann jeder weiter kommen, als er es sich oft selbst eingestehen und zu tr├Ąumen wagt.

____

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die HuffPost ist eine Debattenplattform f├╝r alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.

googletag.pubads().setTargeting('[cnd=cld]').display('/7646/mobile_smart_us', [300, 251],'wxwidget-ad');