BLOG

Eine offene Plattform fĂĽr kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Dr. Alexandra Hildebrandt Headshot

Menschen des neuen Weges: Warum sie glauben und echte Macher sind

Veröffentlicht: Aktualisiert:
LUTHER
robertmandel via Getty Images
Drucken

Heiliger Geist und Unternehmergeist

Die Nachfolger Jesu wurden auch „Menschen des neuen Weges" genannt. Neue Wege geht auch Papst Franziskus, der Klartext in einfachen Worten spricht und eine Kirche vertritt, die verbinden soll, was in der Welt aus den Fugen geraten ist. Bei der Darstellung des Pfingstwunders (Apg 2) in der Bibel wird die Übertragung von Gottes Botschaft in alle Sprachen der Erde anschaulich geschildert: „Da wurden sie alle vom heiligen Geist erfüllt und begannen in fremden Sprachen zu reden, gerade, wie der Geist es ihnen eingab." (Apg 2,4). Zu Pfingsten ist das Gründungsfest einer Kirche, die uns lehrt, auch in Verzweiflung ungeahnte Kräfte freizusetzen, Vielfalt nicht zu fürchten und immer wieder Neues zu wagen.

Dabei müssen sich Heiliger Geist und Unternehmergeist nicht ausschließen. Am Anfang steht Luthers Übersetzung des Begriffs „Beruf" - er führte „vocatio interna" und „vocatio externa" zusammen. Aus der ursprünglichen Berufung wurde „Beruf" - „Verinnerlichung" menschlichen Tuns.

Entstanden aus der Passion für das Schaffen und getrieben von der Utopie, ein neues Zeitalter des Unternehmertums zu initiieren, bewegt sich die Initiative Kreatives Unternehmertum (KU) nach eigenen Worten in den Zwischenräumen unserer Gesellschaft. KU hat sich dem Machertum verschrieben - Menschen, die durch ihr Tun gestalten, inspirieren, handeln, scheitern, wieder aufstehen und weiter tun. Für die Akteure ist Unternehmertum Ursprung gesellschaftlicher und sozialer Innovationen, was von der bisher „zu selten ausgesprochenen Vielfalt und Relevanz der wahren Unternehmer und Unternehmerinnen unserer Gesellschaft" herrührt. Der permanente Wille, durch Tun Mehrwert(e) zu schaffen, ist deren höchstes Credo.

Die Initiative Kreatives Unternehmertum möchte all jenen Raum bieten, die MACHEN, Mut und Standfestigkeit auch in unsicheren Zeiten beweisen, die Überzeugung über das Risiko stellen und ihre Stärken zum Nutzen der Gesellschaft einsetzen.

„Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen", schrieb der Theologe Dietrich Bonhoeffer 1943 aus dem Gefängnis. Aber: „Es gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf IHN verlassen." Auch er selbst spürte diese Kraft, auf die auch das Kreative Unternehmertum setzt.

Manifest des Kreativen Unternehmertums


Wir glauben an EINE UNENDLICHE GESTALTER- UND SCHĂ–PFUNGSKRAFT im Menschen.

Wir glauben an ein neues Unternehmertum, das MIT leuchtenden Augen VISIONEN FĂśR EINE BESSERE WELT umsetzt.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Wir glauben an ein neues Unternehmertum, das fĂĽr DIE Gesellschaft SINNSTIFTENDE FORMEN DER ZUSAMMENARBEIT schafft.

Wir glauben an ein neues Unternehmertum, das sich in den Zwischenräumen der Gesellschaft bewegt UND dabei NEUE FORMEN DES ARBEITENS UND LEBENS erfindet.

Wir glauben an ein neues Unternehmertum, das AUS DER KREATIVEN SCHĂ–PFUNG HERAUS vor allen Dingen MACHT.

Wir glauben an Unternehmerinnen und Unternehmer, die MACHEN, SCHEITERN, WEITERMACHEN und dabei immer die Verantwortung fĂĽr sich selbst UND die Gesellschaft spĂĽren.

Wir werden in diesem Feld die PIONIERE SEIN, die forschen, bilden, gestalten und neue sinnstiftende Unternehmungen umsetzen.

Wir werden das MIT vielen Menschen aus der Gesellschaft tun.
Mit jungen Menschen und mit alten Menschen.
Mit MENSCHEN, die Unternehmer sind und mit Menschen, die Unternehmer werden.

Wir werden IN die KULTUR, die POLITIK UND die WIRTSCHAFT hinein mit all' den Menschen GEMEINSAM wirksam werden.

Wir werden das MIT Freude, Geist, Humor, LEIDENSCHAFT UND MUT tun.

KLASSISCH UNKONVENTIONELL.

KONSTANT UNERSCHROCKEN.

Damit sind für die KU-Akteure auch folgende Fragen verbunden: Woran glaubt unsere Gesellschaft heute? Woran glaubt der Einzelne? Wofür möchte er in seinem Leben stehen? Braucht unsere Gesellschaft eine neue Glaubensüberzeugung, einen Glauben mit Passion? Ist nicht kein Glaube auch keine Lösung?

KU „glaubt" an die Utopie eines neuen Zeitalters - des Gesellschaftsgestaltertums. Die Motivation dieses Glaubens ist die Überzeugung, dass das Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Visionen unsere Gesellschaft in Bewegung bringen.

Martin Luther als Ăśbersetzer des Glaubens und der Nachhaltigkeit

Gott nimmt den Menschen schon im Paradies in die Pflicht, der Erde mit Ehrfurcht zu begegnen und schonend mit ihr umzugehen: „Dann legte Gott im Osten, in der Landschaft Eden, einen Garten an. Er ließ aus der Erde alle Arten von Bäumen wachsen. Es waren prächtige Bäume und ihre Früchte schmeckten gut. Dorthin brachte Gott den Menschen, den er gemacht hatte. (...) Er übertrug ihm die Aufgabe, den Garten zu pflegen und zu schützen." (1. Mose 2, 8-15)

Mit diesem Gebot ist in der Bibel ein Urtext von Nachhaltigkeit formuliert. Der Mensch ist verantwortlich, die Erde zu bebauen, d. h., sie zu kultivieren, zu einem bewohnbaren Lebensraum zu gestalten und als solchen zu bewahren (1. Mose 2,15).

Viele Texte in der Bibel werben für eine kluge Haushalterschaft. Das, was den Menschen von Gott an materiellen Ressourcen anvertraut ist, soll nicht gehortet, sondern zur Sicherung und Pflege des eigenen Lebens und zum Nutzen aller in wirtschaftlicher Weise eingesetzt werden. Dem Theologen Johann Gottfried Herder war der biblische Begriff von „Haushalt", nämlich „oikos", Haus Gottes, bewusst. Nachhaltigkeit beruht auf dem Vertrauen in das „Vermögen der Erde" zur „Organisation und Erhaltung der Geschöpfe", und zwar „in Permanenz".

Nachhaltigkeit und Glauben gehören zusammen - ein gemeinsames Fundament ist die Bibel, die vom Reformator Martin Luther in eine theologisch mutige Sprache übersetzt wurde. Auch er war ein Mensch des neuen Weges war, der sich bemühte, „rein und klar zu dolmetschen", rang um den geeigneten Ausdruck, um den Sinn des Urtextes vollständig zu erfassen und übertrug in mehreren Monaten oft nur wenige Zeilen. Dem Text sah man dann später die „Wackersteine und Klötze" nicht mehr an, die zuvor im Wege lagen: „Es ist gut pflügen, wenn der Acker bereinigt ist."

Die erstmals 1534 gedruckte Bibelübersetzung Martin Luthers war ein Meilenstein des deutschen Buchwesens, sie veränderte den Lauf der Welt und legte den Grundstock für die hochdeutsche Sprache. Die zweibändige Faksimile-Edition von TASCHEN mit all seinen kunstvollen Initialen, farbigen 128 Holzschnitten, allegorischen Symbolen und Ornamenten aus der Werkstatt Lucas Cranachs des Älteren würdigt diese Jahrhundertleistung, gibt dem Leben „seine Weihe" und macht lässt die Bibel 21.0 in ihrem Ursprung lebendig werden.

2017-06-02-1496414509-6769548-valuther_bible_2nd_edcover_44610.jpg

Buchcover (Copyright. TASCHEN)

Die UNESCO-Generalkonferenz in Abu Dhabi erklärte am 9. Oktober 2015 vierzehn Manuskripte, Briefe und Originaldrucke von Martin Luther zum Weltkulturerbe. Dazu gehört die hier vorgelegte Ausgabe der ersten vollständigen Bibelübersetzung von Luther, die zu den bedeutendsten Dokumenten der Frühen Neuzeit gehört. Für den Druck wurde das einzigartige Exemplar der Herzogin Anna Amalia Bibliothek aus Weimar ausgewählt, das ein Mitarbeiter vor den Feuerflammen im Jahre 2004 gerettet hat.

2017-06-02-1496414470-101190-valuther_bible_2nd_edimage_04_44610.jpg

Der Evangelist Lukas blickt durch das geöffnete Fenster auf den Gekreuzigten. Links im Bild Lukas' Attribut, der Stier. (Copyright: TASCHEN)

Diese Luther-Bibel veränderte die Weltgeschichte nachhaltig. Sie machte die Bibel für Laien zugänglich und markierte gleichzeitig eine Zäsur in der Geschichte des Christentums. Sie führte im Folgenden zur Kirchenspaltung und Bildung des Protestantismus. Auf der Grundlage des kostbaren Originals der Herzogin Anna Amalia Bibliothek, das heute zum UNESCO-Weltdokumentenerbe zählt, ist nicht nur eine unschätzbare Quelle der frühen Druck- und Buchkunst und ein wichtiges Zeugnis der Reformation, sondern ist auch deshalb so bedeutsam, weil sich hier das Wechselverhältnis von Geistes-, Theologie- und Mediengeschichte dargestellt. Schließlich hätte sich die Reformation ohne den nur zwei Generationen zuvor erfundenen Buchdruck nicht auf diese Weise durchsetzen können.

Luther hat aufgrund der Dringlichkeit seiner Themen immer alles sofort publiziert. Er wäre heute vielleicht der größte Blogger.

2017-06-02-1496414408-8052791-valuther_bible_2nd_edimage_01_44610.jpg


Luther-Bibel, Blatt 9, Gottvater als Weltschöpfer (Copyright: TASCHEN)

Literatur:

Die Luther-Bibel von 1534. Hardcover, 2 Bände mit Begleitheft im Schuber. Mit einer kulturhistorischen Einführung von Stephan Füssel. TASCHEN Verlag. Köln 2017.

Alexandra Hildebrandt: Tiefe des Glaubens: Warum wir ganz unten nicht verloren sind von Amazon Media EU S.Ă  r.l. Kindle Edition 2017.

____

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform fĂĽr alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.