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Meister im 21. Jahrhundert: Könner, die in der Lage sind, andere richtig anzuleiten

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Interview mit Daniel G. Bieber, Geschäftsführender Gesellschafter der StrategieMentoren GmbH

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Daniel Bieber (Foto: Olga Podiganova)

Herr Bieber, was verbinden Sie mit dem Begriff Meister?

In der heutigen Zeit wird der Begriff „Meister" sehr inflationär verwendet, so dass sich Wertigkeit und Bedeutung je nach Situation, Gesellschaftskreis, Branche usw. stark unterscheiden können. Zudem hat der disruptive Wandel und die Globalisierung dazu geführt, dass uns einerseits - wie etwa dem Handwerk - die Meister ausgehen, während an anderer Stelle wie im Hochschulbereich Akademiker als scheinbare Meister ihres Fachs wie Pilze aus dem Boden sprießen.

Für mich persönlich ist ein Meister stets ein Mensch gewesen, der eine bestimmte Fähigkeit nicht nur in höchster Perfektion beherrscht (= Könner), sondern sie auch zu 100 Prozent lebt.


Auf welchen Erfahrungen basiert Ihre Erkenntnis?

Leider stelle ich immer wieder fest, dass sehr viele Menschen in ihrem beruflichen Alltag etwas tun, was ihnen im Grunde zwar gefällt, sie aber nicht wirklich erfüllt. Fragt man dann genauer nach, warum sie ihre Leidenschaft nicht einfach leben, dann stößt man häufig neben einem Orientierungsproblem auf diverse, hinderliche Glaubenssätze, die sie vom Tun abhalten.

In der Konsequenz bedeutet das?

Man entwickelt sich zunehmend zu einem scheinbaren Meister des „Durchwurschtelns". Meiner Ansicht nach ist das ein nicht wirklich erstrebenswertes Ziel, da die latente Unzufriedenheit ein Leben lang mit im Gepäck bleibt.

Wer den Meister auf der inneren Ebene verwirklicht hat, der hat meiner Auffassung nach alles, was er braucht, um den Meister auf der äußeren Ebene erfolgreich realisieren zu können.

Was braucht es Ihrer Meinung nach, um ein echter Meister werden zu können?

Um den in meinen Worten „erstrebenswerten Meister" in sich entfalten zu können, wovon unsere Gesellschaft definitiv zu wenig hat, braucht es mehr als im Volksmund gesagt nur „Übung" (Übung macht den Meister). Zunächst muss man sich einmal ganz ehrlich fragen, was man wirklich im Leben will. Durchwurschteln oder sein inneres Potenzial 100% entfalten und das Hamsterrad der latenten Unzufriedenheit wirklich verlassen.

Entscheidet man sich für Letzteres, dann ist das richtige Mindset essenziell, um ein Meister werden zu können.

Wie lässt sich ein solches Mindset entwickeln?

Um entsprechende Resultate zu erzielen, ist es meiner Erfahrung nach sehr hilfreich, zunächst die Art, sich selbst zu fragen, anzupassen. Denn wenn ich mich beispielsweise frage, „Wie kann ich meine Passion realisieren", dann ist ein NEIN in der Antwort bereits ausgeschlossen und man wechselt direkt in den Kreativitäts-Modus. Um diesen voll ausschöpfen zu können, braucht es Orientierung und Fokus. Orientierung, um zunächst einmal herauszufinden, wo genau die innere Leidenschaft tatsächlich liegt. Und dabei geht es viel weniger um das Tun einer bestimmten Sache selbst als um die Motivation dahinter.

Was meinen Sie damit?

Jeder Mensch hat eine oder mehrere besondere Qualitäten in sich, bei deren Ausleben er höchste Freude erfährt und am leichtesten die Offenheit anderer Menschen gewinnt. Ich nenne das die persönliche Schlüsselqualität. Hat man diese gefunden, lassen sich dazu in der Regel mehrere berufliche Aktivitäten identifizieren, die einen nicht immer zwingend in die Selbständigkeit treiben müssen, um seine Passion zu realisieren und ein Meister seines Fachs werden zu können.

Wie haben Sie Ihren Weg zum Meister bestritten?

Fokus, Fokus, Fokus! Und dabei sind die größten Feinde die latenten, innerlichen Glaubenssätze, die einem vom Tun abhalten. Um diese erfolgreich auflösen zu können, ist die eigene Stimmung entscheidend. Denn wenn wir Menschen uns gut fühlen, dann machen wir uns in der Regel viel weniger Sorgen und Gedanken. Das fördert wiederum die eigene Intuition hinsichtlich der nächsten Schritte und treibt uns voran.

Was tun Sie persönlich für Ihre gute Stimmung im Alltag?

Ich bin stets bestrebt, Chancen und Potenziale in sämtlichen Momenten, die ich erlebe, zu erkennen statt Situationen ständig verändern zu wollen, um mich wohl zu fühlen. So werte ich beispielsweise auftretenden Unannehmlichkeiten nicht als unangenehm, sondern als „Chancen-Weckruf" für mein Wachstum.

Haben Sie ein konkretes Beispiel der Umsetzung?

Jedes Mal, wenn etwas passiert, dass mir nicht gefällt, versuche ich, drei definierte Fokuspunkte abzurufen, mit denen ich Unannehmlichkeiten in Chancen des persönlichen und geschäftlichen Wachstums verwandeln kann. So frage ich mich:

1. Wie kann ich in dieser Situation meinen inneren Schweinehund überwinden?

2. Wie lässt sich aus dieser Situation heraus eine Geschäftsidee oder Marketingidee entwickeln?

3. Wie kann ich diese Situation nutzen, um meine Netzwerke und Beziehungen auszubauen?

Beispielsweise stand ich in diesen Tagen in einer Druckerei und habe dort geschlagene 45 Minuten warten müssen, um drei einfache Kopien zu erledigen. Sicherlich eine Situation, wo einem der Kragen platzen kann.

Durch mein zwischenzeitlich tief verwurzeltes Potenzial-Mindset war ich jedoch in der Lage, meine Stimmung und die Atmosphäre im Raum zu drehen und so einige der wartenden Menschen für eine Veranstaltung von mir zu gewinnen.

Sie sind also ein Meister in der Potenzialaufdeckung ...

Ja, ganz bestimmt. Denn wenn man eine solch Denkweise zu einer festen Gewohnheit gemacht hat, dann freut man sich regelrecht auf Unannehmlichkeiten. Diese in Chancen zu verwandeln, wird dann fast schon zu einem „Fanatismus", ohne den man im Leben nicht mehr Glücklich sein kann. Wer diese Fähigkeit entwickelt hat, den würde ich schon als einen „Potenzial-Meister" bezeichnen.

Dabei ist es nicht mein Ziel, ständig gute Laune zu haben und nicht mehr hinzufallen. Vielmehr geht es mir darum, emotionalen Tiefs als auch ein negatives Gedankenkarussell schnell und einfach stoppen zu können. Dadurch werde ich freier in der Entscheidung, wie ich mich fühlen möchte. Und das wiederum stärkt signifikant meine Power im Alltag.

Vielen Dank für das Gespräch.

Weiterführende Informationen über Daniel Bieber in:

Alexandra Hildebrandt: TUN! Warum wir Könner brauchen, um die Zukunft meisterlich zu gestalten. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.

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