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Mark Zuckerbergs „Hingabe": Die schönste Anrufung der digitalen Zukunft

Veröffentlicht: Aktualisiert:
MARK ZUCKERBERG
MONEY SHARMA via Getty Images
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Im Management des Mittelmaßes wird häufig von Motivation und Begeisterung gesprochen, aber weniger von Hingabe. Vielleicht, weil Hingabe keine laut tönenden Vorgaben braucht, sondern nur ein bewegtes Herz und die Einsicht, dass Begeisterung allein nur ein Kick ist, dem meistens ein Kater folgt.

Ja, Begeisterung ist gut, weil sie zeigt, dass wir lebendig sind, aber sie ist nicht nachhaltig, weil sie ein schneller und kurzfristiger Weg zur Hingabe ist.

Hingabe setzt voraus, dass jemand entschlossen mit ganzem Herzen handelt und sich fokussiert einer Sache verschreibt. Gelassenheit und Freude sind ihm dabei gute Wegbegleiter.

Mark Zuckerberg hat der Welt in diesen Tagen gezeigt, was Hingabe ist: Anlässlich der Geburt seiner Tochter Max kündete er in einer Selbstverpflichtung an, dass er seine Vision, grundlegende Menschheitsprobleme zu lösen, auch außerhalb von Facebook vorantreiben möchte.

Fast sein gesamtes persönliches Vermögen werde er spenden, indem er 99 Prozent seiner Facebook-Aktien in eine wohltätige Stiftung überführt (aktueller Gesamtwert: 45 Milliarden Dollar).

In seinem Brief an die neugeborene Tochter beschreibt er seine „Verantwortung": „Wie alle Eltern wollen wir, dass du in einer besseren Welt aufwächst."

Er ist davon überzeugt, dass Technologie und das Internet die Welt retten kann, dass es darum geht, eine soziale Mission zu erfüllen, indem die Welt offener, vernetzter und transparenter gemacht wird.

Das hat für ihn nichts mit blindem Denken zu tun, sondern mit klarem Handeln. Es heißt, dass er seit seinem 30. Geburtstag am 14. Mai 2014 nachdenklicher, reflektierter und entspannter geworden sei. Er spendete bereits in den vergangenen Jahren für Bildungsprogramme und medizinische Forschung, bezog aber auch Stellung zu politischen Themen und sprach sich für die Homo-Ehe aus.

In seinem Essay „Ist Netzanbindung ein Menschenrecht?" (2013) schrieb er:

„Indem wir alle Menschen online bringen, verbessern wir nicht nur Milliarden von Leben, sondern auch uns selbst, indem wir von neuen Ideen und Produktivität profitieren, die damit in die Welt kommen."

Sein Weltveränderungswille halten viele Kritiker allerdings für leeres Geschwätz und PR, das bei ihnen sogar „Grusel" auslöst. Statt selbst anzupacken und die Welt zu verbessern, schimpfen sie über jene, die es einfach tun und nicht nur um sich selbst kreisen.

Kritik ohne Lösungswillen macht blind - und sie nimmt auch anderen das Licht der Veränderung.

Gewiss geht es Zuckerberg & Co. nicht um reines Gutmenschentum, und natürlich werden wirtschaftliche Ziele verfolgt - aber Ökonomie, Ökologie und Soziales sind kein Widerspruch.

Genau dieser Dreiklang macht Nachhaltigkeit aus. Aber auch Optimismus, der für viele Deutsche wie etwas Fremdes und Grelles wirkt, das ins eigene Lebensgebäude nicht eingelassen werden darf, weil es das schmucklose Haus zum Erleuchten bringen könnte. Es ist ja schließlich keine Kathedrale.

Die „Priester des Fortschritts" (Wirtschaftswoche 50 / 4.12.2015) aus dem Silicon Valley sind vielen deshalb suspekt. So ist auch die Frage nicht ungewöhnlich, wo die Quellen ihrer uferlosen Zuversicht liegen, einen positiven Einfluss auf die Welt nehmen zu können.

„Esoterik plus Kapital mal Technologie gleich Zukunft - das ist die anspruchslose Weltformel der Sozialingenieure aus dem Silicon Valley", schreibt der Journalist Dieter Schnaas in der WirtschaftsWoche. Sie würden uns die „Wiederverzauberung der Welt" versprechen.

Dass diese Kritik zu kurz greift und dem Gesamtthema nicht gerecht wird, zeigt ein Blick in die Publikationen und Interviews von Tim Leberecht. Der internationale Business- und Marketingexperte kommt aus Deutschland, lebt und arbeitet aber seit Jahren im Silicon Valley.

Er zeigt, dass es nicht um romantischen Kerzenschein geht, sondern um das, was uns heute wieder selbst ins Handeln bringt, uns für etwas Größeres brennen lässt, um auch andere zu entzünden - im Bewusstsein, dass der Rausch der Begeisterung allein nicht reicht.

Nachhaltigkeit braucht zuerst Hingabe. Das zeigen uns die „Lichtgestalten" aus dem Silicon Valley auf eine wunderbare Weise - nicht nur zur Weihnachtszeit.

Stimmen zu Zuckerbergs Spende

In diesem Blog nehme ich immer wieder Gastbeiträge und Kommentare der Generation Y auf, weil es nicht nur mich interessiert, wie ihre Vertreter denken und fühlen, oder was sie gerade beschäftigt. Patrick Bungard ist ein engagierter Mitstreiter im Nachhaltigkeitskontext. Er schrieb u.a. Autorenbeiträge für die SpringerGabler-Reihe „CSR und Sportmanagement" (2014) sowie „CSR und Energiewirtschaft" (2016) und ist ein Gesicht der Nachhaltigkeit.

Der Experte für Nachhaltigkeitsmanagement und Philanthropie arbeitet mit unterschiedlichen Organisationen aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft daran, deren individuelle Wirkungspotenziale zu identifizieren, Umsetzungsstrategien zu entwickeln und diese zu implementieren. Er ist an unterschiedlichen Universitäten und Fachhochschulen als Dozent für Wirtschaftsethik und Corporate Social Responsiblity tätig und unterstützt zusammen mit dem Heldenrat e.V. ehrenamtlich kleine soziale Initiativen und Vereine in Köln.

Über sieben Jahre arbeitete er in der Unternehmens- und Non-Profit-Beratung, unter anderem bei Accenture und dem Centrum für soziale Investitionen. Er studierte europäische Unternehmensführung (Master in internationalem Management) und ließ sich zum Stiftungsmanager an der European Business School in Oestrich-Winkel ausbilden.

Die öffentliche Kritik an der 99%-Spende von Mark Zuckerberg beschäftigt und verärgert ihn sehr, weil sie seiner Meinung nach unsachlich und ungerecht in den Medien diskutiert wird. Vor diesem Hintergrund erscheint sein nachfolgender Gastkommentar.

Patrick Bungard: Warum ich die Kritik an Mark Zuckerbergs Spende ungerechtfertigt finde

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Vorab seien einige Beiträge vorangestellt, die mich sehr befremdet haben, darunter der Tagesthemen-Kommentar und die Artikel „So scheinheilig ist die Zuckerberg-Spende", „Wir können uns nicht von Milliardären abhängig machen" sowie Twitter: „Ein absurd amerikanisch besoffener Post an sein Baby".

Es wird Zuckerberg unterstellt, immer noch genug Geld übrig zu haben (ja und, ist doch gut so). Es wird grundsätzlich kritisiert, dass Privatpersonen Geld für das Gemeinwohl geben, weil das nicht demokratisch sei (dieser Ansatz ist wesentlich demokratischer als jede westliche Politik).

Es wird behauptet, die Wirkung wäre größer, wenn das Geld an den Staat ginge (ein Blick in aktuelle Forschungen des Philanthropischen/Dritten Sektors beweist das Gegenteil). Außerdem geht von diesem Geld sehr viel an Steuern an den Staat. Das ist ein Fakt, der im minimalen Rechercheaufwand der Kritiker nicht berücksichtigt wird.

Zuckerberg wird vor allem vorgeworfen, aus steuerlichen Gründen zu spenden. Die Menschen kennen anscheinend den Unterschied zwischen SPENDEN, STIFTEN und INVESTIEREN nicht. Mir fehlt hier das notwendige Mindestmaß an Grundlagenwissen des Sozialen Sektors. Willkürlich wird aus dem Bauch heraus kritisiert.

Zuckerberg bringt weit mehr ein als nur "Geld": Zur Hingabe gehört für ihn auch das Vermitteln von Sinn, ohne den es keine gesellschaftlichen Innovationen gibt.

Wir sollten Zuckerberg anhand der "Wirkung" bewerten, nicht anhand von Vermutungen, welche Intention er verfolgt. Das steht niemandem zu, der ihn nicht wirklich kennt. Seiner Wirkung ist zu verdanken, dass er weitere potenzielle Philanthropen zur Nachahmung inspiriert. Es geht hier auch um Symbolcharakter. (Dass er in Elternzeit geht, hat im leistungsorientierten Silicon Valley ebenfalls eine enorme Symbolkraft).

Wir brauchen solche Philanthropen wie Zuckerberg, weil er in Strukturen und soziale Investitionen INVESTIERT!!! Zur Rettung der Erde ist ein Zusammenspiel von Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft unabdingbar. Deshalb ist diese Kritik an Zuckerberg für mich untragbar.

Meinungsmache an sich finde ich teilweise sehr problematisch. Hier wird sie auf Basis von Unwissenheit betrieben, das ist ernsthaft gefährlich für unsere Gesellschaft.

Die Nachricht an potenzielle Philanthropen dieser Welt, die durch diese Kritik entsteht, ist: „Behaltet bloß Euer Geld, denn sonst werdet ihr sozial geächtet, und es wird Euch das Gegenteil unterstellt von dem. was ihr tun wollt!"

Ich bin sicher, Zuckerberg sucht nach den effektivsten und nachhaltigsten Wegen, sein Geld in die Zukunft des Planeten zu INVESTIEREN.

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