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"Manipulierte Waschmaschinen": Stiftung Warentest belegt arglistige Täuschung

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STIFTUNG WARENTEST
ullstein bild via Getty Images
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Immer wieder wurde in diesem Blog über Stefan Schridde, Gründer der Initiative MURKS? NEIN DANKE! e.V., berichtet. Sein Engagement trägt wesentlich zur Debatte über die schadhaften Folgen von geplanter Obsoleszenz in ganz Europa bei. Er steht dazu in direktem Austausch mit Ministerien, Behörden, Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Gewerkschaften, NGO und weiteren befreundeten Netzwerken.

Aktuell verweist er auf einen Bericht der Sächsichen Zeitung vom 25.04.2016, in dem über "Manipulierte Waschmaschinen" geschrieben wird. Laut Erkenntnissen der Stiftung Warentest (StiWa) würden Hersteller Kunden bewusst täuschen.

Holger Brackemann, Cheftester der Stiftung Warentest, stellt in seinem Beitrag fest, "dass die Industrie Einfluss nehmen darf, was und wie getestet wird." 60-Grad-Waschprogramme werden oft nur mit 30 Grad ausgeführt. Brackemann verweist darauf, dass bei Tests herausgefunden wurde, dass Hersteller die Temperatur drosseln, damit die Geräte fürs Aufheizen weniger Strom verbrauchen.

Prüfzertifikate haben kaum Aussagekraft

Brackemann bestätigt jedoch, dass Prüfzertifikate kaum Aussagekraft besitzen, da Hersteller maßgeblich Einfluss auf die Testbedingungen nehmen.

Stefan Schridde stellt sich nun die Frage, ob man dem Konstrukt "Stiftung Warentest" selbst noch vertrauen kann. Denn dort würden ebenso Hersteller direkt in Gremien mitwirken und indirekt z.B. über "Clearingstelle Warentest" beim Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) Einfluss nehmen.

Dort werden z.B. zusammen mit der Industrie die Produktreihen bestimmt: Experten werden für die Testgremien ausgewählt und Probleme besprochen. In der Zusammenarbeit der Sachverständigen der Industrie bei der StiWa würden den BDI insbesondere Sachverhalte interessieren, "bei denen aus Ihrer Sicht die an Sachkunde, Objektivität und Neutralität orientierte Arbeit der StiWa auf der Ebene der Bestimmung des Prüfdesigns und der Testdurchführung noch verbessert werden kann.

Dies gilt auch für die Frage nach der Transparenz der Stiftungsarbeit gegenüber der anbietenden Wirtschaft." (Quelle: BDI-Leitfaden für die Sachverständigen der Industrie bei der Stiftung Warentest)

Schriddes Frage, warum allerdings die Stiftung Warentest keine Anzeige wegen arglistiger Täuschung erstattet, da die Hersteller nachweislich den Kaufinteressenten mit der Vorgabe von falschen Produkteigenschaften (hier: angebliche Waschleistung 60 Grad) täuschen und dann noch durch überlange Waschdauern die Maschine vorzeitig verschleißen (geplante Obsoleszenz), bleibt unbeantwortet..

Weitere Informationen:


Kein Murks! Woran wir Qualitätsprodukte erkennen

Stefan Schridde: Murks? Nein danke! Was wir tun können, damit die Dinge besser werden. Oekom Verlag München 2014.

Hat die Weiße Ware eine weiße Weste?

Wer sich für das ganzheitliche Denken im Sinne einer life-cycle Orientierung interessiert, dem sei die 2014 verteidigte Dissertation von Sylvia Wölfel empfohlen, die Argumente und Ergebnisse zu nachhaltigen Produktinnovationen liefert und nun im Münchner oekom Verlag erschienen ist.

Sie widmet sich Wissensformen und Praktiken der Produktentwicklung in Ost- und Westdeutschland angesichts der Herausforderung, dass ökologische Folgewirkungen von Technikentwicklung mitbedacht werden müssen.

Die Verbrauchswerte von Kühlschränken oder Waschmaschinen wurden seit den 1970er-Jahren stark gesenkt.

Haushaltsgroßgeräte, deren Fertigung, Nutzung und Entsorgung unweigerlich Umweltkosten verursachen, sind nach Ansicht von Sylvia Wölfel keine Umweltschutztechnik (auch wenn dies die Hersteller gern kommunizieren):

"Sie waren 2009 mit etwa 33 Milliarden Kilowattstunden für gut ein Drittel des gesamten Privatverbrauchs an elektrischem Strom in Deutschland verantwortlich."

Im Mittelpunkt stehen zentrale Fragestellungen, die auch Stefan Schridde beschäftigen:

Hat die Weiße Ware also eine weiße Weste? Welche grundlegenden Probleme sind mit der Entwicklung der Geräte verbunden, wenn neben effizienten Verbrauchswerten auch der Lebenszyklus von Haushaltsgeräten in den Blick genommen wird?

Literatur:
Sylvia Wölfel: Weiße Ware zwischen Ökologie und Ökonomie. Umweltfreundliche Produktentwicklung für den Haushalt in der Bundesrepublik Deutschland und der DDR. Oekom Verlag, München 2016.

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