BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Dr. Alexandra Hildebrandt Headshot

Macher der Gesellschaft: Darum sind Tischler gefragter denn je

Veröffentlicht: Aktualisiert:
CARPENTER
PeopleImages via Getty Images
Drucken

„Kreativität kommt vom ganzen Menschen und nicht von isolierter Denkarbeit." (Ralf Otterpohl)

In unserem von Krisen erschütterten Komplexitätszeitalter ist eine Rückkehr zu lokaler Produktion zu verzeichnen, die auch dem Erhalt des guten Lebens dient sowie „persönliche Handlungsoptionen und Freiheit" schafft. Die globale Wirtschaft hat in den vergangenen Jahrzehnten auch die Möbelproduktion industrialisiert: In den „gängigen" Läden und Märkten ist vor allem ein Spanholz-Plastik-Mix, eine Vorstufe des Sondermülls, erhältlich (die besten nachhaltigen Möbelhäuser sind hier zu finden).

„Wir können nicht unser gesamtes Vertrauen in riesige industrielle Systeme legen, weil ihnen meiner Meinung nach die Balance fehlt und sie den Kern der Selbstzerstörung schon in sich tragen", sagte Prinz Charles im Jahr 2014.

Dieses Zitat ist auch prägend für das Denken und Tun von Ralf Otterpohl, der in seinem Buch „Das Neue Dorf. Vielfalt leben, lokal produzieren, mit Natur und Nachbarn kooperieren" zeigt, wie die Zukunft sicherer und angenehmer gestalten werden kann: „Da die Politik den Fehlentwicklungen offenbar nicht schnell genug zu begegnen weiß, müssen wir selber aktiv werden."

Für eine gute Zukunft für alle braucht es nicht nur ökologische Gärtner, Bauern und Forstwirte, die den Boden erhalten, regenerieren, Humus aufbauen, sondern auch Tischler, deren Handwerk für Individualität in Form und Material steht.

Tischler, die berufliches Wissen und Können greifbar vereinen, produzieren keine Stangenware, sondern fertigen Unikate. Viele Betriebe werden heute wieder verstärkt von Privatkunden, aber auch von Architekten und Planern für die Anfertigung von Türen und Fenstern, Möbel und Küchen beauftragt.

Langlebige und hochwertige Produkte mit einer besonderen Haptik stehen bei vielen Kunden hoch im Kurs, die der Wegwerfgesellschaft den Rücken kehren wollen.

Im Digitalisierungszeitalter haben auch viele traditionelle Werkstätten überlebt, weil sie das Alte und Neue nachhaltig zu verbinden wissen, denn Hightech und Handwerk schließen sich nicht aus. „Wir haben alle noch mit Lego gespielt, wussten, wie man konstruktive Verbindungen herstellt, wie man Dinge sicher und belastbar zusammenfügt", wird im Kunden- und Mitarbeitermagazin WORK von Häcker ein Ausbildungsleiter zitiert. In der hochtechnisierten Produktion geht es zwar um das Bedienen der Maschinen - dennoch soll den Auszubildenden eine möglichst breite Basis mitgegeben und der Werkstoff Holz nahegebracht werden, um auf diese Weise ein Grundverständnis und handwerkliche Fähigkeiten mitgeben zu können. Nur mit solchen Kompetenzen kann ein gutes Leben nachhaltig gestaltet werden.

Quellen und weitere Informationen:

Ralf Otterpohl: Das neue Dorf. Vielfalt leben, lokal produzieren, mit Natur und Nachbarn kooperieren. Oekom Verlag, München 2017.

Claudia Silber und Alexandra Hildebrandt: Küchen-Kultur und Lebensart: Warum Verantwortung nicht zwischen Herd und Kühlschrank aufhört. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.

____

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die HuffPost ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.