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Logistik ohne Nachhaltigkeit? So wären wir geliefert!

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LOGISTIK
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Wie wir unbeschädigt in die Zukunft kommen

Deutschland ist Logistikweltmeister. Die Weltbank hat diesen Titel erneut verliehen. Nach der Automobilwirtschaft und dem Handel ist Logistik der drittgrößte Wirtschaftsbereich. Drei Millionen Beschäftigte sorgen hier für 240 Milliarden Euro Umsatz. Dennoch gehört der Innovationstreiber Logistik zu den am meisten unterschätzten Industrien in Deutschland, was sich auch in der Medienberichterstattung widerspiegelt.

Doch ohne nachhaltige Logistik wären wir geliefert. „Sich selbst unbeschädigt in die Zukunft zu transportieren, das ist die Herausforderung der Zeit", schrieb Miriam Meckel kürzlich in der WirtschaftsWoche.

Doch was braucht es dafür? Welche Rahmenbedingungen und Prozesse sind nötig, um den gegenwärtigen und künftigen Herausforderungen gewachsen zu sein?

Wirtschafts- und Logistikprozesse werden immer schneller, effizienter, kundenorientierter. Zunehmende Komplexität, Unsicherheiten auf dem Weltmarkt und die Digitalisierung ändern die Rahmenbedingungen für eine Branche, die sich auf ein anspruchsvoller gewordenes Risikoumfeld einstellen muss.

2015 haben die großen Logistiker zwar mehr Gewinn erwirtschaftet, doch wurden weniger Waren transportiert und Umsatz gemacht (vgl. Bilanzcheck der Deutschen Verkehrszeitung). Die Lastwagenspediteure profitieren zwar von den niedrigen Spritpreisen, doch bei der Luft- und Seefahrt nagen niedrige Frachtraten an den Margen.

Das sind nur einige der großen Herausforderungen, mit denen sich Logistikunternehmen heute auseinandersetzen müssen.

Hinzu kommen ein brutaler Kosten- und Preisdruck (bei dem Anstand und Respekt buchstäblich auf der Strecke bleiben) sowie steigende Kundenanforderungen, die zunehmend die schärfere Konkurrenzsituation auf dem Transportmarkt bestimmen.

Dass Markt und Wettbewerb zu gnadenloser Härte zwingen, stimmt allerdings nur auf den ersten Blick. Wer sein eigenes Geschäftsmodell auf Kosten anderer aufbaut, wird langfristig nicht zu den Gewinnern zählen, wie auch aktuelle Beispiele aus der Autoindustrie zeigen (z.B. brutale Methoden gegen ihre Zulieferer).

Gewiss setzen Angebot und Nachfrage einen entsprechenden Steuerungsmechanismus in Gang, aber ein Navigationssystem zum ehrbaren Handeln bietet der Markt nicht. Deshalb wird die unsichtbare Grenze zwischen Gut und Böse häufig erst erkannt, wenn es zu spät ist.

Kein Unternehmen kann sich gegen alle Risiken absichern, aber es ist möglich, rechtzeitig entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen, die ein solides Fundament für langfristiges und faires Wirtschaften sind. Auch braucht es entsprechende regulatorische Weichenstellungen, ohne die es nicht gehen wird.

Die Logistik der Zukunft wir nachhaltig sein - oder gar nicht

Der Aktionsplan Güterverkehr und Logistik der Bundesregierung ist ein strategisches Konzept und enthält konkrete Maßnahmen für die künftige Ausrichtung des Güterverkehrs. Auch in den Innenstädten sollen nachhaltige und effiziente Strukturen für die Logistik der Zukunft geschaffen werden. Insbesondere die „Initiative für Logistik im städtischen Raum" will im Rahmen des Aktionsplans die Verteilung von Gütern in Städten und Ballungsräumen auf der letzten Meile flüssiger und umweltfreundlicher zu gestalten

Ganzheitliches Transportmanagement umfasst:

• Trends und Auswirkungen auf den Transportmarkt wie Digitalisierung (Spediteure sollen z.B. in Echtzeit einsehen können, wo sich ihre Wagen gerade befinden, wie lange der Fahrer noch am Steuer sitzen muss und wie seine Verbrauchsdaten aussehen)
• Kostenstrukturen und Preisbildung im Straßengüterverkehr
• Transportkostenmanagement bei Logistikdienstleistern und Verladern
• Optimierungsansätze im Transport- und Frachtenmanagement (teilautonomes Fahren, intelligente Verkehrssteuerung, Fahrerassistenzsysteme)
• CO2-Management im Transportbereich (denn mögliche strengere Regulierungen von CO2-Emissionen zur Erreichung internationaler Klimaschutzziele werden vor allem im Straßengüterverkehr spürbare Auswirkungen haben)
• Personalmanagement im Transportbereich (vor allem im Hinblick auf den drohenden Fachkräftemangel und die besonderen Arbeitsbedingungen der Branche).

Das zeigt, dass auch ökologische und soziale Anforderungen eine ebenso bedeutende Rolle spielen wie das interdisziplinäre, holistische und lösungsorientierte Denken.

Ausgezeichnete Beispiele und Lösungen

Es genügt nicht, heute nur über Nachhaltigkeitspreise zu berichten und die Gewinner aufzuzählen. Ein „Nachbericht" hat kaum einen Mehrwert für den Leser.

Worauf es heute ankommt, ist, „ausgezeichnete" Themen einzuordnen, miteinander in Beziehung zu setzen, Hintergrundinformationen zu liefern und auf die Zwischentöne und Randgeschichten solcher Veranstaltungen zu achten, deren Inhalte für viele Menschen Relevanz haben.

Dazu ein aktuelles Beispiel, das zugleich einige Anregungen zu Einzelmaßnahmen gibt, die zeigen, dass ganzheitliches Nachhaltigkeitsmanagement ständig in Bewegung ist und immer mit kleinen Schritten beginnt, die realistisch und umsetzbar sind:

Am 22. September wurde zum neunten Mal in Hannover der Eco Performance Award an Unternehmen verliehen, die im Bereich Nachhaltigkeit eine Vorreiterrolle einnehmen.

Gestiftet wird der Award als unabhängiges Gütesiegel vom DKV Euro Service und dessen Premiumpartner Knorr Bremse und PTV Group.

In der Kategorie kleine und mittelständische Unternehmen wurde die Ludwig Meyer GmbH & Co. KG für ihre Vorreiterrolle im Bereich Elektromobilität und beim Einsatz von CNG-betriebenen Lkw ausgezeichnet.

Das Unternehmen ist spezialisiert auf temperaturgeführte Lebensmitteltransporte mit Schwerpunkt Güternahverkehr und Kontraktlogistik. Außerdem unterhält es als erster Betrieb seit 2009 umweltschonende CNG-Fahrzeuge sowie Hybrid-Lkw. Durch den Einsatz eines Fuhrpark-Management-Systems wird Kraftstoff gespart, Verschleiß vermindert und so die Umwelt geschont.

Telematik erfasst zahlreiche Parameter, die Daten nutzt das Unternehmen zur Schulung seiner Fahrer (das verbessert die Effizienz und ist ökologisch sinnvoll).

In der Kategorie Großunternehmen wurden die Berliner Stadtreinigungsbetriebe geehrt, die auf Stückgut- und Sammelgutverkehre spezialisiert sind. Rund die Hälfte der Fahrzeuge wird mit klimaneutralem Biogas betankt, wodurch jährlich rund 2,5 Mio. Liter Diesel eingespart werden.

Gasbetriebene Fahrzeuge sind darüber hinaus erheblich leiser und erzeugen keinen Feinstaub. Die bei der Vergärung entstehenden Gärreste werden in der Landwirtschaft als Humusdünger genutzt.

Einen weiteren Teil des Biomethans nutzt das Unternehmen für den Betrieb eines Blockheizkraftwerkes und erzeugt damit Strom und Wärme. In Summe wird der CO2-Ausstoß um 9.000 Tonnen jährlich reduziert. Damit nimmt die Berliner Stadtreinigung eine Vorbildfunktion für die gesamte Branche ein.

Im Bereich Logistik und Transport steigt auch die Zahl engagierter Star-ups. So wurde im Rahmen der Veranstaltung auch erstmals eine besonders innovative und nachhaltige Lösung für spezielle Anforderungen abseits des Logistikkerngeschäfts mit einem Sonderpreis ausgezeichnet.

Für ihre Vorreiterrolle in Bezug auf komplett emissionsfreie Versorgungskonzepte auf der letzten Meile wurde das Team der Deutschen Post DHL für ihr Projekt Streetscooter mit dem Eco Honor Award geehrt.

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Eco Honor Award (Deutsche Post DHL, Sonderpreis)

Dr. Alexander Hufnagl (DKV Euro Service), Win Neidlinger (Streetscooter), Achim Jüchter (Deutsche Post DHL), Prof. Wolfgang Stölzle (Juryvorsitzender Eco Performance Award) und Moderatorin Gaby Papenburg. (Foto: DKV)

Die Neukonzeption eines serienreifen und günstigen Elektromobils sowie die innovative Sichtweise auf das gesamte Thema Fahrzeugentwicklung überzeugte die Fachjury.

Vor zehn Jahren Begann das Team, daran zu arbeiten - immer im Bewusstsein, auch zu scheitern oder nicht ernst genommen zu werden.

Diejenigen, die das Produkt nutzen sollen (die Postzusteller) wurden bei der Konzeption und Umsetzung aktiv eingebunden. Gerade dieser Moment der Preisübergabe, der nicht mit einer Geldprämie verbunden war, hatte etwas Berührendes, weil es um wirkliche Ehre ging, die sich aufs Selberdenken und Umsetzen bezog - und den langen Atem, den Nachhaltigkeit braucht.

Denn sie ist ein nie endender Prozess, der nicht über Bevormundung funktioniert, sondern durch logische Schritte, die für alle Beteiligten „gangbar" sind.

Viele Unternehmen haben sich auf den Weg gemacht, ihre Corporate Social Responsibility- und Nachhaltigkeitsaktivitäten noch systematischer in alle Bereiche der Unternehmenstätigkeit zu integrieren und als Investition in die eigene Wettbewerbsfähigkeit strategisch und organisatorisch zu verankern.

„CSR ist das Zauberwort", sagte die Moderatorin zu Beginn der Veranstaltung in Hannover. Aber CSR hat nichts mit Zauberei zu tun, sondern mit Arbeit, Bodenständigkeit, Können und richtigem Management in funktionierenden Organisationen, die allen Beteiligten entsprechende Werkzeuge und Navigationsinstrumente zur Verfügung stellen, um uns nachhaltig in die Zukunft zu transportieren.

Weitere Informationen:

Pickel durch Kennzahlen? Warum Nachhaltigkeit mit einem "ungesunden Hautbild" verbunden ist


Dankbarkeit: Lohn einer gelingenden Unternehmenskultur

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