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Linksherum denken mit Erich Sixt! Warum wir immer alles infrage stellen sollten

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THINKER
Richard Drury via Getty Images
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Der Unternehmer Erich Sixt sprach kürzlich im Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL über seinen Aufstieg zu einem der größten Autoverleiher Europas und bezeichnete sich als einen „Schüler" von Karl Valentin, der alles linksherum denkt und das Leben und sich selbst immer wieder infrage stellt.

Das bedeutet auch, Altbekanntes aufzugeben und Neues zuzulassen. Die Energie dafür verdankt er seinen Visionen, die etwas anderes als Pläne sind. Sie haben ihn - wie alle großen Denker - niemals überzeugt, weil sie Denken und Handlungsmöglichkeiten einschränken.

In seiner berühmten Rede anlässlich des Marsches auf Washington für Arbeit und Freiheit am 28. August 1963 in Washington D.C. vor dem Lincoln Memorial sprach Martin Luther King auch nicht von einem Plan, sondern von einem „Traum".

Ohne Träume und Visionen, Bildern und Gefühlen von etwas, das sein wird, geht für Erich Sixt gar nichts. Wer Visionen hat, ist buchstäblich nicht berechnend, er setzt auf Herz und Geist.

Die größten Visionäre sind allerdings auch die größten Skeptiker. Erich Sixt ist davon überzeugt: Wer in der Wirtschaft wirklich etwas erreichen will, sollte Psychologie und Philosophie studieren - Fächer, die auch Skepsis und Zweifeln lehren.

Beides hängt miteinander zusammen: Der alte, aus der griechischen Philosophie stammende Begriff Skepsis leitet sich vom griechischen Verb skeptesthai her („umherspähen, suchen, prüfen, genau betrachten"). Ein Skeptiker ist jemand, der Dinge genau betrachtet und eine kritische Distanz zu ihnen hat. Dieser Drang zur Infragestellung hängt mit einer genauen und unvoreingenommenen Beobachtung zusammen.

Demnach wäre Erich Sixt ein Skeptiker, dem es immer um das Infragestellen des sicher Geglaubten geht. Das macht auch seinen Erfolg als Unternehmer aus. Doch ist er nicht ohne die richtigen Partner zu haben.

1982/83 lernte Sixt in einer kleinen Münchener Agentur den Werber Jean-Remy von Matt kennen und spürte das kreative Feuer in ihm. Für Werbung, sagt er, dürfen keine großen Komitees gebildet werden, denn das geht auf jeden Fall schief. Das muss „aus dem Bauch heraus" entschieden werden.

Auch dieses Thema gewinnt heute immer mehr an Bedeutung. Sogar Extremsportler raten, mehr auf das eigene Bauchgefühl zu hören:

„Die Intuition muss Grundlage für Entscheidungen sein. Denn das Unbewusste greift auf tausendmal mehr Informationen zurück, als sie der Kopf und damit die Ratio zur Verfügung haben. Der Grund: Wir nehmen unbewusst viel mehr Informationen wahr als auf bewusstem Wege." Schreibt der österreichische Bergsteiger Stefan Satt in seinem jüngst erschienenen „Survival-Handbuch Führung. Aus Extremsituationen für den Berufsalltag lernen" (Carl Hanser Verlag, 2016).

Wenn der Bauch - vor allem am Berg - seinem Kopf widerspricht und ihm sagt: „Tu das nicht", dann vertraut er immer seinem Bauchgefühl.

Der Sänger Mark Foster widmete dem Thema sogar ein Lied: „Bauch sagt zu Kopf ja, doch Kopf sagt zu Bauch nein / und zwischen den Beiden steh ich". Damit spricht er aus, was viele Menschen empfinden, aber nicht aussprechen können, weil sie sich zwischen Gefühl und Verstand gefangen fühlen. Sie wollen auf ihr Bauchgefühl vertrauen, können aber nicht loslassen, weil ihnen oft vermittelt wurde, dass es besser ist auf das zu vertrauen, was sie von außen steuert.

Da hilft ein Blick auf den 72-Jährigen Erich Sixt, von dem sich lernen lässt, dass niemand seine Selbstbestimmung verliert, wenn er skeptisch bleibt.

Weitere Informationen:

Über die große Bedeutung des guten, alten Bauchgefühls

Keine Zukunft ohne Visionäre: Warum Möglichkeitssinn wichtiger ist als Realitätssinn

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