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Lebenslang! Warum wir großartige Lehrer brauchen

26/05/2017 17:13 CEST | Aktualisiert 26/05/2017 17:16 CEST
Mlenny via Getty Images

„Großartige Lehrer sind lebenslang Lernende." (Karin Helle und Claus-Peter Hiem)

Obama sagte beim Kirchentag 2017 in Berlin: "Lehrer sein ist einer der wichtigsten Berufe." In Skandinavien werden die besten Universitätsabsolventen Lehrer - hier lehren die Großartigsten. Kinder werden in frühester Zeit am meisten „geprägt" (nicht nur erzogen!) - von ihren ersten Bezugspersonen, den Eltern, den ersten Erziehern, den ersten Lehrern, später von Professoren und Vorgesetzten. Wer in den ersten Schuljahren von guten Lehrern für das Lernen begeistert werden kann, hat es später leichter. Wenn Professoren und Mentoren an Hochschulen und Universitäten bei ihren Studenten die Liebe für eine bestimmte Fachrichtung entflammen können, ist der richtige Weg geebnet. Wer in einem Unternehmen gefördert und respektvoll behandelt wird, bringt außergewöhnliche Leistungen und bleibt.

Claus-Peter Niem und Karin Helle arbeiteten nach ihrem Studium der Pädagogik, Psychologie und Soziologie arbeiteten zunächst als Lehrer. 1999/2000 gründeten sie die Agentur Coaching for Coaches in Dortmund und arbeiten seither mit zahlreichen prominenten Sportlern zusammen, unter ihnen Jürgen Klinsmann, Joachim Löw, Stefan Kuntz und Sebastian Kehl.

Da Kinder oft nicht wissen, wo ihre Stärken liegen, haben Karin Helle und Claus-Peter Niem das Kinderbuch „Jojo kommt ins Team. Camp Castle - Entdecke deine Stärken" geschrieben, wo sie auf Storytelling setzen und eine Botschaft mit einer Geschichte als Beispiel illustrieren. Sie entfaltet ihre Wirkung allerdings erst, wenn sie spannend erzählt wird:

„Durch eine kraftvolle Sprache, einen gelungenen Einstieg, eine persönliche Anekdote - von Sieg und von Niederlage und was man daraus gelernt hat. All das erzeugt Gefühle, Spannung, Konzentration und Fokussierung."

Johanna („Jojo") liebt Bücher und erscheint ihren Mitmenschen wie ein wandelndes Lexikon, was sie zu einer Außenseiterin macht. Auf dem Pausenhof möchte sich niemand mit ihr umgeben. Da gewinnt sie einen Aufenthalt auf Camp Castle - eine Burg, wo Kinder ihre Talente entdecken und neue Freunde gewinnen. Als sie spürt, dass sie auch dort nicht wirklich von den anderen Kindern angenommen wird, ist sie frustriert. Doch dann kommt Coach K., Nationaltrainer der deutschen Fußballmannschaft, und nimmt sich ihrer an. Nach und nach entdeckt sie ihre Begabung und ihre Begeisterung für den Sport.

Die Autoren geben ihren jungen Leserinnen und Lesern aber auch viele praktische Hinweise, die sie selbst ausprobieren können. Bei diesem Buchprojekt stand Christoph Metzelder mit seiner Stiftung als Pate zur Verfügung! „Starke Mädchen und Jungs sind mir wichtig!", sagte er damals und unterstützte Camp Castle, wo Kinder ihre Stärken herausfinden konnten: durch Singen, Tanzen, Schreiben, Basteln, Bauen, Rechnen, Sport treiben - und noch vieles mehr.

Mit Hilfe der Bundesliga-Stiftung ging Christoph Metzelder zwischen November 2013 und Dezember 2014 mit dem Buch auf deutschlandweite Lesereise und animierte während dieser Zeit mehrere hundert Kinder, sich mit ihren Stärken und Talenten auch sprachlich auseinanderzusetzen.

Die letzte Etappe führte nach Essen-Kupferdreh. Während der dreistündigen Lesung entdeckten die Kinder gemeinsam mit dem Ex-Nationalspieler die Burg „Camp Castle" und stellten ihm Fragen. Im praktischen Teil erkundeten sie in Kleingruppen die Talentbereiche „Sprache", „Kreativität", „Räumliches Denken", „Logisches Denken" und „Musikalität". Ihre Ergebnisse präsentierten sie auf der großen „Camp Castle Bühne". Highlight jeder Lesung war das Coaching von „Metze" im Talentbereich "Sport" und das gemeinsame Torwandschießen.

Aufgrund der „schriftsprachlichen Darstellung" der Geschichte und der „spontansprachlichen Auseinandersetzung" mit den Kindern, die durch Empowerment, Wertschätzung, Toleranz und gegenseitigem Respekt „geprägt" waren, hat die Deutsche Gesellschaft für Sprachheilpädagogik (dgs) Christoph Metzelder, Karin Helle und Claus-Peter Niem den Preis „Gute Sprache 2016".

In ihrem aktuellen Managementbuch „One touch" zeigen die beiden, dass auch erfolgreiche Trainer lebenslang lernen und anders trainieren: Sie sind eher ruhig und bestimmt, denken strategisch und suchen bei Niederlagen niemals die Schuld bei anderen, sondern hinterfragen sich selbst. Das Bauchgefühl basiert bei ihnen auf einem großen Erfahrungsschatz, und sie sind Experten auf ihrem Gebiet, die Übungen und Abläufe präzise in einzelne Bestandteile zerlegen.

Sie betreuen Spieler - wie auch Jürgen Klinsmann - ganzheitlich in ihrem Umfeld: mental und emotional. Für Bundestrainer Jogi Löw wird aktives Lernen nicht in Minuten oder Stunden gemessen, „sondern in der Zahl der guten Versuche und in der Zahl der Wiederholungen", weil es nur so zu neuen Verknüpfungen im Gehirn kommt - was bedeutet: lernen und wachsen.

Die Autoren verweisen in diesem Zusammenhang auch Erfahrungen des Kommunikations- und Motivationstrainer Dale Carnegie, der schon vor fast 100 Jahren schrieb:

„Das Geheimnis, Menschen zu beeinflussen, liegt weniger darin, ein guter Redner zu sein, als darin, ein guter Zuhörer zu sein." Zuhören ist auch für die Coaches der beste Weg, etwas zu lernen.

Helle und Hiem betonen allerdings auch die Notwendigkeit von Kooperationen mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen und verweisen darauf, dass Manager und Führungskräfte Verantwortung für ihr Tun übernehmen und lernen müssen, im Komplexitätszeitalter mit widersprüchlichen Anforderungen und Fehlern umzugehen. Damit beschäftigt sich ebenfalls Univ.-Prof. Dr. Marion A. Weissenberger-Eibl, Leiterin des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI in Karlsruhe und Inhaberin des Lehrstuhls Innovations- und TechnologieManagement iTM am Karlsruher Institut für Technologie KIT.

Zur Innovationskultur gehört für sie neben Kreativitäts- und Lernkultur auch eine konstruktive Fehlerkultur, „die erkannte Schwächen und Mankos nicht ignoriert oder sogar vertuscht, sondern vielmehr zur Weiterentwicklung und Optimierung nutzt." Ein solches Lernen basiert für die Wissenschaftlerin auf dem offenen Umgang mit Fehlern, deren Analyse und dem strukturierten Ableiten von Verbesserungspotenzialen.

Das ist ein wichtiges Anliegen von „One touch": zu zeigen, dass Nachhaltigkeit im Kleinen beginnt und mit lebenslangem Lernen zu tun hat, ja dass durch kontinuierliche Verbesserung am Ende große Dinge geschehen, so wie es der US-amerikanische Basketballspieler und -trainer John Wooden treffend zum Ausdruck bringt:

„Sehnen Sie sich nicht nach der großen, schnellen Verbesserung. Streben Sie nach der kleinen Verbesserung, ein Tag nach dem anderen. Das ist der einzige Weg, wie es passiert - und wenn es passiert, hält es für eine lange Zeit an."

Eine demokratische Gesellschaft, die sich zukunftsfähig aufstellen will, ist auf reflexions-, innovations-, urteils- und handlungsfähige Menschen angewiesen, die den Weg dorthin durch ihr Denken und Tun verantwortlich gestalten und ihre Potenziale für die Gesellschaft zu nutzen wissen. Deshalb ist lebenslanges Lernen vom Kindesalter bis ins hohe Alter hinein so wichtig.

Weiterführende Literatur:

Claus-Peter Niem, Karin Helle: One touch. Was Führungskräfte vom Profifußball lernen können. Mit Einwürfen von Jürgen Klinsmann, Joachim Löw & Co. Campus Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2016.

Claus-Peter Niem und Karin Helle: Jojo kommt ins Team. Camp Castle - Entdecke deine Stärken. Velber Buchverlag 2013.

Persönlichen Gestaltungsraum ausbauen. Interview mit Marion A. Weissenberger-Eibl. In: PERSONALquarterly 1 (2016), S. 6-9.

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