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Leben und Geben: Wie die Millennials das Beste aus sich machen

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MILENNIALS
Anchiy via Getty Images
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Warum so viele Millennials erfolgreich sind

Wer sich als Autor auf seinem Buchcover nicht selbst präsentiert, sondern den Fokus auf den Inhalt richtet, zeigt damit auch, wie wichtig ihm das „Innenliegende" ist. Wenn es nach Medienberichten geht, ist von den Millennials kaum zu erwarten, dass sie sich selbst zurücknehmen, um einem Anliegen Raum zu geben, das über die eigene Person hinausreicht.

Nach der Lektüre der „Jungen Überflieger" von Jonathan Sierck entsteht allerdings ein völlig anderes Bild der viel beschriebenen Generation Y, das sich maßgeblich von allen vorangegangenen unterscheidet.

Das Bild dieser Generation wurde bislang entweder von jenen gezeichnet, die als Vorgängergeneration über sie geschrieben haben oder von der Generation Y selbst stammen, die im ständigen Präsentationsmodus auszog, um der Welt zu erklären, wer sie ist und was sie will.

Ganz anders zeigt sich die Generation der „jungen Überflieger": Sie nimmt sich zurück, um ihrer Aufgabe zu folgen und zeigt dadurch, wie sie ist.

Jonathan Sierck, Jahrgang 1993, und selbst ein Millennial, hat ein Buch geschrieben, das die Reife einer Generation zeigt, die jene erröten lassen sollte, die ihnen an Jahren voraus sind und sich auch dann noch um sich selbst drehen, wenn sie das Rad des Lebens in eine andere Richtung wirft.

Viele Ex-Manager, die ihre Geschichte des „Scheiterns" medial ausbreiten, fragten sich nach ihrem Statusverlust, was sie ohne ihre Funktion sind und betonen heute, dass sie bessere Vorstände und Geschäftsführer wären. Den jungen Überfliegern geht es im Gegensatz zu ihnen darum, bessere Menschen zu werden und die Welt nachhaltig zu gestalten.

Die Lebensklugheit, Kraft und Inspiration, die von diesem Buch ausgeht, ist schwer zu beschreiben, weil man dieses Buch (er)leben muss.

Wer sie sind und was sie tun

Jonathan Sierck, Gründer und Geschäftsführer der Inspired World GmbH, hat einige der erfolgreichsten Vertreter seiner Generation getroffen und ihre Geschichte, Mentoren und Förderer, Schlüsselmomente, Überzeugungen und Tipps zusammengetragen. Sein Buch enthält u.a. Interviews mit Unternehmerin Lencke Steiner, Rapper Kontra K, Comedian Chris Tall, Fußballer Joshua Kimmich, Fitness-Ikone Sophia Thiel, dem Außenminister Österreichs Sebastian Kurz, Handball-Europameister Andreas Wolff, Deutschlands jüngsten Sternekoch Philipp Stein, Comedian Chris Tall, Fashion-Bloggerin Masha Sedgwick, Westwing-Gründerin Delia Fischer, Schriftstellerin und Lebenskünstlerin Jannike Stöhr.

Das Vorwort schrieb Emilio Galli-Zugaro, langjähriger Kommunikationschef der Allianz und inzwischen Senior Advisor bei FTI Consulting, der ebenfalls betont, dass sich der Autor „erfrischend" zurücknimmt, die Leser aber an seinen Meinungen und seinem Wissen teilhaben lässt. Dabei bleibt er nicht „im Abstrakten", sondern erzählt Geschichten von denen, die das Beste aus sich gemacht haben.

Als sich Jonathan Sierck mit 17 Jahren, parallel zu seinem Studium, selbstständig machte und begann, Vorträge und Seminare für Universitäten, Unternehmen und Forschungseinrichtungen anzubieten, wurde er wegen seines Alters belächelt. Als er mit 18 Jahren das erste Mal vor Vorständen eines größeren Unternehmens sprach, saßen sie ihm mit verschränkten Armen gegenüber:

„Was will der Jungspund mir denn bitte erzählen?" Er erzählte einem seiner Mentoren davon und erhielt einen der wertvollsten Ratschläge seines Lebens, der sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht: „Nimm dich selbst nicht allzu ernst. Richte deinen Fokus immer auf den Wert, den du bieten kannst, und auf das, was du vermittelst, und nicht auf dich selbst."

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Jonathan Sierck (Foto: Nils Schwarz)

Seitdem sucht er nach jungen Menschen, die schon früh Beachtliches geleistet haben, Verantwortung übernahmen, sich für das Gemeinwohl einsetzten, schwierige Zeiten meisterten und trotz Rückschlägen ihren Weg (weiter)gingen. Er wollte wissen, was sie ausmacht, was sie denken, welche Überzeugungen sie haben, was sie antreibt, wie sie mit Tiefs und Kritik umgehen, wie sie arbeiten und wie sie als Person sind. Er fand junge Überflieger in den Bereichen Politik, Sport, Wirtschaft, Wissenschaft, Mode, Blogging, Gastronomie, Musik, Fernsehen, Sozialunternehmertum, Schriftstellerei und Journalismus, Fotografie sowie Entertainment.

Die Millennials wählen den Weg der Nachhaltigkeit

• Sie suchen nicht nach dem schnellsten und einfachsten Weg, um Erfolg zu haben. Er stellt sich bei ihnen durch beständiges, konsequentes Handeln ein, was nur dann geschieht, wenn sie ihren eigenen Überzeugungen und Prioritäten treu sind.

• Ihr Wirken gibt dem Leben Sinn und Bedeutung, weil ihr Tun nicht nur auf sie selbst reduziert ist. Ihr Ziel ist immer größer als sie selbst.

• Sie fühlen sich glücklicher und erfüllter, wenn sie das Leben anderer bereichern.

• Erfolg und Moral sind für sie untrennbar miteinander verbunden.

• Sie wollen von den Besten lernen. Deshalb suchen sie nach Menschen, die sie weiterbringen können.

• Eltern, Lehrer, Trainer, Mentoren und andere Vorbilder spielen für sie eine zentrale Rolle, denn sie bereichern ihr Leben oft dadurch, dass sie Dinge in ihnen sehen, die ihnen selbst noch nicht bewusst sind, erkennen Potenziale in ihnen und haben eine größere Vision für ihr Leben als sie selbst.

• Sie vergleichen sich nicht mit anderen, weil sie ihre Aufgabe und Erfüllung gefunden haben.

• Nur das konstante, intensive Training macht sie besser und erhöht die Chancen, zu den Besten auf einem bestimmten Gebiet zu gehören. Dafür braucht es nicht nur Fertigkeiten, sondern auch langfristige Hingabe.

• Auch wenn sie ein großes Ziel vor Augen haben, so lassen sie dabei das Naheliegende nicht außer Acht.

• Sie packen Gelegenheiten beim Schopf und warten nicht auf den „perfekten Moment", so dass sie sich später nicht fragen müssen, wo die Zeit geblieben und was aus ihren Träumen geblieben ist. Es geht ihnen ums Handeln. Jetzt!

Wie sie nutzen, was ihnen gegeben wurde

Bereits mit 16 Jahren sammelte Philipp von der Wippel genügend Geld, um einen Kindergarten in Ruanda zu bauen. Knapp vier Jahre später arbeiten über 100 Menschen für die gemeinnützige Organisation ProjectTogether, die Menschen zum Mitgestalten anregt und kostenfreies Telefon-Coaching für soziale Ideen in der Frühphase anbietet, um die Gruppe an Engagierten in Deutschland zu vergrößern.

Im Buch beschreibt er sein „Antriebserlebnis", sich gesellschaftlich zu engagieren: An den „Effekten" des Wirkens seiner Lehrerin erkannte er schon früh, „was entstehen kann, wenn sich jemand für das einsetzt, woran er glaubt und als richtig und gut erkannt hat."

Von der Wippel betont, wie wichtig es ist zu beginnen, sich von der gängigen Arroganz zu lösen, dass wir noch ewig hier sein werden. Das Bewusstmachen der begrenzten Lebenszeit führt dazu, dass der Tatendrang zunimmt und Unentschlossenheit keinen Platz mehr hat. „In dieser Welt ist fast alles möglich, wir müssen nur nutzen, was uns gegeben wurde."

2016 wurde Paula Schwarz vom Forbes Magazine zu den wichtigsten Sozialunternehmern unter 30 gewählt. Sie ist die Gründerin von Startup-Boat und Startup-Aid, arbeitet mit Google, AirBnB und Cisco sowie dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen. Zudem rief sie sie das Migration Hub, einen Co-Working-Space für soziale Start-ups, ins Leben. Sie gründete eine private Akademie in Griechenland und programmierte eine App für Flüchtlinge.

Bildung ist für sie ein nachhaltiger Hebel für Veränderung. Deshalb ging sie für ein Projekt nach Tansania und überlegte sogar, nach Kenia zu ziehen, um dort an den Themen Start-up, Unternehmertum und Bildung zu arbeiten. Die Idee für Start-up-Boat (einen schwimmenden Think-Tank auf dem Mittelmeer, der Menschen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zusammenbringt, um gemeinsam humanitäre Lösungen für die Herausforderungen und Probleme der Welt zu finden und aus diesen Ideen Unternehmen zu gründen) kam ihr zu dieser Zeit.

Doch wie viele andere Überflieger möchte sie sich dabei als Person zurücknehmen: „Dieses Ego-Ding bringt niemandem etwas. Es geht nicht um mich. Und wenn du dein Ego außen vor lassen kannst, dann kannst du auch visionszentriert denken und gehst dadurch viel offener durch die Welt und erreichst mehr Menschen, weil sich der andere mitgenommen fühlt."

Auch Lencke Steiner spricht davon, Fußstapfen zu hinterlassen und eine sinnvolle Arbeit leisten zu wollen. Für sie, Philipp von der Wippel und Philipp Stein war und ist auch das Team entscheidend: „Egal wie gut jemand ist, wir stellen keine Arschlöcher ein", sagt die Unternehmerin, deren Firmenkultur darauf ausgelegt ist, durch Harmonie Erfolg zu haben, „anstatt zu schauen, wer die dicksten Ellbogen hat."

Wie ein Schlag ins Gesicht der Millenials mutet dagegen der Satz von Reiner Calmund an, den der ehemalige Manager von Bayer Leverkusen einmal anlässlich der Proteste der Fans und der Kritik von Journalisten bezüglich des Trainerwechsels von Reinhard Saftig zu Dragoslav Stepanovic äußerte: „Lieber einen erfolgreichen Drecksack als Trainer, als einen lieben Jungen ohne Erfolg". Für Delia Fischer heißt Erfolg nicht, viel Geld zu machen - wesentlich ist, einen Grund zu haben, morgens aufzuwachen und in den Tag starten zu wollen - „du brauchst ein Motiv zum Aufstehen, sonst kannst du nicht erfolgreich sein.

Das Buch von Jonathan Sierck ist ein Weckruf an uns alle, unsere Möglichkeiten sinnvoll zu nutzen.

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Jonathan Sierck: Junge Ăśberflieger. Millennials - eine Generation auf der Erfolgsspur. Redline Verlag, MĂĽnchen 2017.

Weitere Informationen ĂĽber JonathanSierck und Philipp von der Wippel in: Alexandra Hildebrandt: Generationenwechsel @: Fragmente und Momente einer Gesellschaft im Ăśbergang. Amazon Media EU S.Ă  r.l. Kindle Edition 2017.