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Laden statt tanken? Was Unternehmen tun, damit wir bei der Elektromobilität nicht auf der Strecke bleiben

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Walker and Walker via Getty Images
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Mit der zunehmenden Digitalisierung ist eine Revolution im gesamten Automotive und Mobilitätssektor verbunden. Gerade in der Kombination aus Elektromobilität und Automatisierung können dabei bedeutende Fortschritte entstehen, die die Lebensqualität vieler Menschen hinsichtlich nachhaltiger Verkehrslösungen weltweit verbessern können.

Die Chancen dieses technologischen Umbruchs sind ökologisch wie ökonomisch groß. Das zeigt der Beitrag „Digitale Revolution in der Mobilität. Automatisiert. Vernetzt. Elektrisch." von Frauke Goll und Isabell Knüttgen, der Anfang 2017 im deutschen Standardwerk „CSR und Digitalisierung" im Fachverlag SpringerGabler erscheinen wird. In der Kommunikation zu diesen Themen kommen wir kaum nach - deshalb werden in diesem Blog aktuelle Entwicklungen, die nicht in den Band aufgenommen werden konnten, mit den bereits vorliegenden Beiträgen regelmäßig verbunden.

In diesen Tagen haben die BMW Group, Daimler AG, Ford Motor Company und der Volkswagen Konzern mit Audi und Porsche kommuniziert, dass sie ein Joint Venture zur Errichtung des leistungsstärksten Ladenetzes für Elektrofahrzeuge in Europa planen. Hierzu unterzeichneten die Partner ein Memorandum of Understanding. Gemeinsam wollen sie möglichst zeitnah eine beachtliche Zahl an Ladestationen errichten und so die Langstreckentauglichkeit der Elektromobilität deutlich erhöhen. Für die Etablierung im Massenmarkt ist dies ein besonders wichtiger Schritt.

Die geplante Infrastruktur soll eine Ladeleistung von bis zu 350 kW unterstützen. Dies ermöglicht ein wesentlich schnelleres Laden als derzeitige Schnellladenetze. Der Aufbau soll 2017 beginnen. Im ersten Schritt sind ca. 400 Standorte in Europa geplant. Bis 2020 sollen Kunden Zugang zu Tausenden von Hochleistungsladepunkten haben.

„Die Ladestationen an Autobahnen und hoch frequentierten Durchgangsstraßen sollen öffentlich zugänglich sein und damit das elektrische Fahren über längere Strecken ermöglichen. Das Laden soll so weiterentwickelt werden, dass es in Zukunft ähnlich bequem funktioniert wie herkömmliches Tanken", heißt es in der Pressemittelung von B.A.U.M. e. V.

Prof. Maximilian Gege, Gründungsmitglied und Vorsitzender des Bundesdeutschen Arbeitskreises für Umweltbewusstes Management begrüßt das angekündigte Joint Venture und hofft, dass damit auch eine massive Belebung bei der Nachfrage nach E-Fahrzeugen einhergeht. B.A.U.M. hatte die Forderung nach einer gezielten Förderung der E-Mobilität unterstützt und wird sich im Interesse der Sicherstellung des 2-Grad-Ziels auch für eine Fortsetzung und mögliche Erhöhung der Förderung einsetzen. Zudem wäre eine verstärkte Zusammenarbeit im Interesse einer nachhaltigen, regionalen Mobilität mit Städten/Kommunen wünschenswert.

Das Ladenetz soll auf dem Combined Charging System (CCS) Standard basieren und die bestehenden technischen Standards des AC- und DC-Ladens auf die nächste Leistungsstufe gehoben werden, so dass die geplante Infrastruktur DC-Schnellladen mit einer Kapazität von bis zu 350 kW ermöglicht.

Für diese Leistung ausgelegte Fahrzeuge können dann im Vergleich zu heutigen Elektrofahrzeugen in einem Bruchteil der Zeit geladen werden. Alle Fahrzeuge, die mit dem CCS Standard ausgerüstet sind, sollen markenunabhängig das Ladenetz nutzen können. Dies soll helfen, die Akzeptanz von Elektrofahrzeugen in Europa deutlich zu erhöhen.

Die BMW Group ist nicht nur beim Joint Venture beteiligt, sondern auch mit Christian Dunckern im SpringerGabler-Band vertreten. Sein Beitrag beschäftigt sich mit „Automobilproduktion im Zeitalter der Digitalisierung". Er zeigt, dass die wirkungsorientierte Nutzung neuer Technologien gleichzeitig auch die Möglichkeit bietet, als agiles Unternehmen eine erfolgreiche Zukunft zu gestalten.

Die von ihm dargestellten Beispiele sind eine Momentaufnahme einer rasanten Entwicklung - doch sie bestätigen, wie ein nachhaltig orientiertes Unternehmen für alle Interessensgruppen interessante Angebote macht: „Mit dem Menschen im Mittelpunkt gewinnt die Digitalisierung einen Gestalter für diesen Transformationsprozess, der geführt werden will."

In ihrem Beitrag „Die Verbindung von Wärme-, Strom- und Mobilitätsnetz am Beispiel der Digital Energy Solutions (DES)" weisen Ulrich Schmack, Thorsten Nicklaß und Tina Teucher nach, dass Flexibilität heute die neue Währung ist, mit der Unternehmen ihre CSR-Aktivitäten ausweiten können, „indem sie effizienter wirtschaften, Erneuerbare Energien besser implementieren und Elektromobilität in ihren Fuhrpark integrieren".

Es wird künftig nur der erfolgreich sein können, der auch gesellschaftliche und ethische Gesichtspunkte dieses digitalen Wandels in den Blick nimmt. Das ist der Tenor aller Autorenbeiträge im Herausgeberband, in dem auch die Kraft der kleinen Beispiele wirkt, die eine Gesellschaft im Großen zusammenhält.

Preisverleihungen sind zwar oft nur ein Zeichen, aber eines mit einer starken Symbolik und Tragweite. Im Beitrag „CSR als Wertschöpfungs- und Vernetzungsfaktor im digitalen Zeitalter am Beispiel der DKV MOBILITY SERVICES Group" von Ulrich Wolter, der hier den Bereich Marketing und CSR verantwortet, wird auf den vom Unternehmen initiierten Eco Performance Award (EPA) verwiesen.

Der DKV Euro Service gehört seit rund 80 Jahren zu den führenden Dienstleistern für das Logistik- und Transportgewerbe. Von der bargeldlosen Unterwegsversorgung an über 60 000 markenübergreifenden Akzeptanzstellen über Mautabrechnung bis zur Mehrwertsteuer-Rückerstattung bietet der zur DKV Mobility Services Group gehörende DKV zahlreiche Dienstleistungen zur Kostenoptimierung und zur Steuerung von Fuhrparks auf Europas Straßen.

2016 wurde im Rahmen des Eco Performance Awards erstmalig der Eco Honour Award verliehen. Mit ihm werden Unternehmen geehrt, deren Konzeptansatz nicht im klassischen Kerngeschäft der Logistik angesiedelt ist, aber eine besonders große Innovationskraft ausstrahlt.

Für ihre Vorreiterrolle in Bezug auf komplett emissionsfreie Versorgungskonzepte auf „der letzten Meile" wurde das Team der Deutschen Post DHL für ihr Projekt StreetScooter ausgezeichnet. Die Neukonzeption eines serienreifen und günstigen Elektromobils sowie die innovative Sichtweise auf das gesamte Thema Fahrzeugentwicklung begeisterte die Fachjury.

Die StreetScooter GmbH in Aachen wurde 2010 von Achim Kamker und Günther Schuh als privatwirtschaftlich organisierte Forschungseinrichtung an der RWTH Aachen gegründet. Gemeinsam mit 80 mittelständischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen entwickelten sie das erste Elektrofahrzeug für den Kurzstreckenverkehr. Das Konzept war so überzeugend, dass die Deutsche Post AG das Unternehmen im Dezember 2014 kaufte.

Im April 2016 gab das Unternehmen bekannt, dass mit der Serienfertigung des StreetScooters begonnen wird. Bis Ende 2016 sollen die ersten 2000 Fahrzeuge hergestellt werden. Neben der Post, die langfristig 20 000 ihrer 32 000 Fahrzeuge auf Elektrobetrieb umstellen will, bestellten auch die Stadt Aachen, die Städteregion Aachen und die Sparkasse Aachen Elektrofahrzeuge bei StreetScooter.

An dieser „letzte Meile" zeigt sich auf nachhaltige Weise, dass es sich lohnt, den langen und manchmal schwierigen Weg zur Elektromobilität zu wählen - damit wir nicht auf der Strecke bleiben.

Literatur:

CSR und Digitalisierung. Der digitale Wandel als Chance und Herausforderung für Wirtschaft und Gesellschaft. Hg. von Alexandra Hildebrandt und Werner Landhäußer. Verlag SpringerGabler, Heidelberg Berlin 2017.

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