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Können wir dem Zeitgeist astrologisch nahekommen?

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Interview mit Thomas Otto Schneider

Thomas Otto Schneider, Jahrgang 1958, gehört zu Deutschlands Gesichtern der Nachhaltigkeit. Er arbeitete viel Jahre als Texter und Konzeptioner für internationale Werbeagenturen und als Autor und Co-Moderator für RTL („Guten Morgen Deutschland") sowie RTL Plus. Nach der anfänglich hobbymäßigen Beschäftigung mit der Astrologie begann er eine 7-jährige Ausbildung an der Münchner Schule für Astrologie (Wolfgang Döbereiner) und eröffnete Ende der 1980er Jahre eine astrologische Praxis in Köln. Hier berät er heute Klienten aus dem In-und Ausland. Schneider ist Vater von zwei Söhnen.

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(Foto: Kristina Mehlem)

Herr Schneider, gibt es eine astrologische Möglichkeit, den Zeitgeist zu analysieren?

Ja, da gibt es sogar mehrere. Bereits bei Platon erfahren wir in der weltgeschichtlichen Konzeption des "Großen Jahres" von der Bedeutung der Umläufe der Planeten. Heute achten wir in der so genannten Mundan-Astrologie dabei hauptsächlich auf die Langsamläufer wie Saturn, Uranus, Neptun oder Pluto. Besonders Pluto ist dazu geeignet, einen übergeordneten Zeitgeist zu kennzeichnen. Und Pluto steht noch bis 2024 im Zeichen Steinbock.

Was bedeutet das, und inwieweit wirkt das auch in ein individuelles Leben hinein?

Bezogen auf das Weltgeschehen bedeutet das, die Dinge neu ordnen zu wollen. Im Moment formiert sich eine neue Weltordnung. Und vielleicht begreifen wir das erst wirklich im Rückblick. Es gibt aber noch eine weitere Möglichkeit, dem Zeitgeist nahe zu kommen. Das ist die Große Konjunktion: Wenn sich die Planeten Jupiter und Saturn gradgenau auf dem Tierkreis treffen (und das tun sie circa alle 20 Jahre), dann zeugen sie eine neue Ära. Viele Experten vermuten, dass eine solche Konjunktion der Stern von Bethlehem zur Geburt von Jesus Christus war. Bezüge zum individuellen Horoskop lassen sich über die so genannten Transite herstellen. Angenommen Sie haben einen 19 Grad-Steinbock-Aszendent, und der laufende Pluto erreicht auf dem Tierkreis - wie er das gerade tut - diese 19 Grad: Dann berührt Sie das Weltgeschehen eventuell stärker als andere. Dann regt Sie eine Gestalt wie der amerikanische Präsident Donald Trump einfach mehr auf.

Was können Sie zum Thema Zukunftsprognose sagen?

Mit der Zukunftsprognose ist das so eine Sache in der Astrologie, zumal ja dieser Aspekt genau der ist, das die Astrologie in der Moderne in Verruf gebracht hat. Ich sage nicht, das die Prognose theoretisch nicht möglich ist. Ich betone „theoretisch". Es gibt in der Astrologie sogar zahlreiche Prognosetechniken, doch kenne ich keinen Astrologen in der Geschichte der Astrologie, der diese Techniken derart beherrscht hätte, um Zukunftsereignisse treffsicher konkret voraus zu sagen. Vielleicht bräuchte es dazu die Erfahrung eines dreimal so langen Lebens und einem sehr viel weiter entwickelten Geist, um aus den kosmischen Zeichen und den empirischen Beobachtungen die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen.

Astrologen, die sich heutzutage noch auf das Glatteis der konkreten Prognose begeben, sind meist keine wirklichen Astrologen, sondern fragwĂĽrdige UnterhaltungskĂĽnstler, die sich mit dem Anschein oder dem Dekor der Astrologie schmĂĽcken, um einen Euro zu machen. Dabei kann es auch schon mal zu Voraussagetreffern kommen. Aber da sage ich nur: Ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn.

Sprechen Sie nicht selbst von Siebenjahresphasen?

Davon ist auch schon in der Bibel die Rede: die sieben fetten und sieben magere Jahre. Das sind zeitqualitative Bezeichnungen. Aus der Erfahrung der Astrologie vollzieht sich das menschliche Leben in Siebenjahresrhythmen: 7, 14, 21, 28, 35, 42 und so weiter. Wir alle befinden uns in unserem Leben in einer dieser Phasen, und mit Hilfe eines individuellen Horoskops lassen sich diese Phasen definieren und beschreiben. Das kann im Einzelfall zu einem tieferen Verständnis für Lebensereignisse führen, die in der jeweiligen Phase stattfinden oder stattgefunden haben. Und das ist im Zweifelsfalle viel mehr wert, als wenn mir ein Astrologe voraussagt, dass mir in drei Wochen ein Hund ins Bein beißt.

In welchen Zusammenhängen wird in der Astrologie über Nachhaltigkeit gesprochen?

Nachhaltigkeit ist ein Prinzip von vernünftiger Ressourcennutzung und aus astrologischer Sicht ein Unterbegriff der Vernunft. Diese wiederum wird per Definition dem Prinzip der Jungfrau zugeordnet. Im astrologischen Lehrbuch steht dazu „Beobachtung, Wahrnehmung und Nutzung von Bedingungen." Die Nachhaltigkeit wirft auch die Frage nach der Grenze auf, ab wann bei der Nutzung der Raubbau anfängt, und wie man eine natürliche Regeneration wieder herstellt. Da Menschen heutzutage oft zu wenig Aufmerksamkeit darauf verwenden, wie es um die Balance der Energieressourcen in der eigenen Person steht, kommt es immer häufiger zu dem neuzeitlichen Burnout-Syndrom. Darin unterscheidet sich der Mensch in Sachen Nachhaltigkeit vom Wald. Reicht es in der nachhaltigen Forstwirtschaft aus, zum Beispiel rechtzeitig ausreichend junge Bäume nachzupflanzen, muss sich der Mensch fragen, ob er, nachdem er an seinem Arbeitsplatz physisch oder psychisch zusammengebrochen ist, noch an der richtigen Stelle ist.

Bei der Nachhaltigkeit beim Menschen selbst - und damit hat man es in der Astrologie am ehesten zu tun - geht es vor allem um die Kunst, für das Richtige zu „brennen", das heißt, seine Lebensenergie nicht an das reine Funktionieren zu verschwenden, an ein Abarbeiten ohne inhaltlichen Bezug oder gar ohne Liebe für das, was man tut. Schon der französische Philosoph Michel de Montaigne warnte eindringlich: „... lasst euch nicht aus euch selbst vertreiben. Sie wollen euch zu Markte bringen und verbrauchen."

Wie und wann sind Sie auf die Astrologie gekommen?

Ich bin zu ihr gekommen wie die Jungfrau zum Kinde: Anfang der 1980er Jahre arbeitete ich als junger Werbetexter in einer Agentur in Düsseldorf. Als ich damals ernsthaft erkrankte, legte mir eine Kollegin einen Astrologen ans Herz, den sie privat kannte und für kompetent hielt. Nach einigem Zögern - schließlich war mir die Astrologie nur als höchst unglaubwürdige Zeitungsastrologie bekannt - entschloss ich mich, den Astrologen zu besuchen. Die Deutung meines Horoskops war sensationell.

Nie in meinem Leben hatte ich mich von einem Menschen besser verstanden gefühlt - und das, obwohl wir uns doch niemals zuvor begegnet waren. Die Befolgung der Ratschläge, die sich aus dem Gesagten ergaben, führte schließlich dazu, dass meine Erkrankung nach wenigen Monaten abheilte - und zwar ohne die OP, zu der mir Fachärzte geraten hatten. Als ich den Astrologen daraufhin anrief, um zu fragen, ob seine Erkenntnisse über mich wirklich etwas mit den Sternen zu tun hätten, versicherte er mir dies und riet mir, wenn ich - wie er meinen bohrenden Fragen entnahm - der Sache auf den Grund gehen wolle, es selber zu lernen. So habe ich zum ersten Mal erfahren, dass die Astrologie ein übertragbares Wissen ist, das jeder lernen kann.

Erst einmal kommen sich Menschen durch die Astrologie der Frage näher: "Wer bin ich wirklich?". Sie lernen also von der Astrologie etwas über sich selber. Wenn Sie sich in den Erfahrungsbildern der Astrologie wieder erkennen, kann eine unglaubliche tiefe seelisch-geistige Berührung geschehen und damit verbunden eine Aussöhnung mit Ihnen als Person oder sogar mit Ihrem Schicksal. Ihr eigenes Leben wird möglicherweise für Sie leichter annehmbar. Ebenso kann sich das Verständnis für Ihre Mitmenschen enorm verbessern. Wenn sich dann Ihre Erwartungen, die Sie von Ihren Lieben haben, daran neu aussteuern, kann dies viel Leid und auch viele Enttäuschungen verhindern. Sie merken, ich sage immer „kann", denn lernen „müssen", müssen wir von der Astrologie gar nichts. Es ist eine völlig freiwillige Angelegenheit. Was die Astrologie uns außerdem geben kann, ist ein Gefühl auf wundersame Art, mit dem kosmischen Geschehen um uns herum verbunden zu sein. Das ist sinngebend und reicht bis an das Religiöse heran, auch wenn die Astrologie nicht als Religion zu betrachten ist.

Sie werden oft gefragt, ob Sie an die Sterne glauben...

... die Astrologie ist aber keine Glaubenssache, sondern beruht einzig und allein auf Erfahrung. Schauen Sie: Neulich war ich in meinem Copyshop, und der Besitzer sah, dass ich ein paar Horoskope kopierte. Er sagte: „Ah, Astrologie!" Dann erzählte er mir von einem anderen Kunden, der vor ein paar Tagen da war und seinen Personalausweis kopierte. Dabei sah er, dass der Kunde und er am selben Tag und im selben Jahr geboren waren. So kamen sie ins Gespräch und entdeckten einige überraschende Gemeinsamkeiten wie besondere Hobbies und Charaktereigenschaften. Sie machten also zufällig eine astrologische Erfahrung. So einfach funktioniert das Ganze im Grunde genommen. Astrologie ist kein Hexenwerk.

Weshalb nehmen Zukunftsforscher die Astrologie so wenig in den Blick? Warum wäre es wichtig?

Weil es sich bei der Zukunftsforschung um eine wissenschaftliche Disziplin handelt. Dabei hätte die Astrologie hier einiges zu bieten, spätestens seit der Begründung der Münchner Rhythmenlehre, die Inhalte und ihre Entwicklung in die Zeit wie Wellen eines ins Wasser geworfenen Steins versteht, aus denen sich zukünftige Entwicklungen schlussfolgern lassen.

Vielen Dank für das Gespräch.

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