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Klimawandel: Warum wir die Wahrheit leugnen

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KLIMAWANDEL
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Wenn es um den Klimawandel geht, schauen wir zwar hin, haben aber meistens scheinbar Wichtigeres zu tun, als uns um so ein abstraktes Thema zu kĂŒmmern. Wir nehmen DĂŒrren, Hungersnöte, Überschwemmungen und Artensterben zur Kenntnis, aber all das bleibt nicht lange im Bewusstsein und lĂ€sst uns emotional abstumpfen.

Auch die Medien tun sich schwer, ein solches Thema durchgehend prĂ€sent zu halten. Einige sprechen sogar von „MitleidsmĂŒdigkeit".

Die kanadische Journalistin, Autorin und Globalisierungskritikerin Naomi Klein hĂ€lt uns in ihrem akribisch recherchierten und packenden Buch „Die Entscheidung. Kapitalismus vs. Klima (S. Fischer, 2015) einen Spiegel vor, denn wir neigen wohl alle dazu, die Wahrheit zu leugnen, wenn sie zu viel kostet.

Sie zitiert dazu Upton Sinclair: „Man kann einen Mann nur schwer dazu bringen, etwas zu verstehen, wenn sein Gehalt davon abhĂ€ngt, dass er es nicht versteht!"

Sie zeigt anhand konkreter Beispiele auch aus Deutschland, wie wichtig es ist, im großen Maßstab zu denken, aber tief unten anzusetzen „und die ideologischen PfĂ€hle weit weg vom erdrĂŒckenden Marktfundamentalismus einzuschlagen, der sich als grĂ¶ĂŸter Feind fĂŒr das Wohlergehen der Erde entpuppt hat".

„Weckruf fĂŒr die Zivilisation"

Wird unser kultureller Kontext auch nur ein wenig verschoben, dann tut sich ein winziger Spielraum fĂŒr nachhaltige Reformen auf, „durch die sich der Kohlendioxidanteil in der Luft zumindest in die richtige Richtung bewegen wĂŒrde".

Der Klimawandel ist fĂŒr sie ein „Weckruf fĂŒr die Zivilisation", bei dem es vor allem darum geht, auch unsere Denkweise zu Ă€ndern. Wir sagen uns, dass wir im Großen ohnehin nichts tun können - also kaufen wir weiter auf Bio-MĂ€rkten ein, teilen Dinge statt sie zu besitzen, pflegen unsere GĂ€rten, aber wir tun nichts, um das System zu Ă€ndern, das die Krise unausweichlich macht.

Um es zu reformieren, mĂŒssen wir verstehen, wie unsere Wirtschaft strukturiert ist. Denn nur wer versteht und selber denkt, ist auch handlungsfĂ€hig.

Anhand zahlreicher Beispiele belegt Naomi Klein, dass der Klimawandel ein Katalysator fĂŒr einen positiven Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft werden kann. Ihr Buch fĂŒhrt uns vor Augen, wer wir sind - nĂ€mlich keine Zuschauer, sondern normale Menschen, die eine Krise ausrufen können, die sich kollektiv nutzen lĂ€sst, um den Sprung in eine bessere Welt zu wagen.

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Pressemitteilungen wie die folgende vom Institute for Advanced Sustainability Studies e.V. (15.7.2015) brauchen einen entsprechenden Kontext, der nicht nur Experten einbezieht, sondern alle Menschen. Naomi Kleins „Entscheidung" kann ihnen auch zwischen den Zeilen ein guter Wegweiser sein.

Climate Engineering in naher Zukunft keine Option fĂŒr Klimapolitik

Gezielte Eingriffe in das Klima („Climate Engineering" oder „Geoengineering") sind kein Ersatz fĂŒr die Verminderung von Kohlendioxidemissionen und fĂŒr die Umsetzung von Anpassungsstrategien angesichts der negativen Folgen des Klimawandels.

Ob es ĂŒberhaupt möglich wĂ€re, eine der vorgeschlagenen Climate-Engineering-Techniken so weit zu entwickeln und dann in einem Maßstab umzusetzen, welcher den Klimawandel spĂŒrbar bremsen wĂŒrde, ist bislang unklar. Dies sind zentrale Schlussfolgerungen des European Transdisciplinary Assessment of Climate Engineering (EuTRACE; europĂ€ische transdisziplinĂ€re Bewertung von Climate Engineering).

Generell ist offen, ob die gesellschaftlichen und ökologischen Folgen, die mit einzelnen Techniken verbunden sind, als Preis fĂŒr eine Minderung der globalen ErwĂ€rmung akzeptiert wĂŒrden und wie diese Akzeptanz oder Ablehnung demokratisch ermittelt werden sollte.

Climate-Engineering-Techniken weiterhin zu erforschen, um ihr Potenzial als partielle Gegenmaßnahme zum Klimawandel in der zweiten HĂ€lfte des Jahrhunderts und in fernerer Zukunft auszuloten und um zu verstehen, welche gesellschaftlichen und ökologischen Auswirkungen sie im Einzelnen hĂ€tten, ist zwar vernĂŒnftig, aber es wĂ€re unklug zu erwarten, dass Climate-Engineering in der Klimapolitik des nĂ€chsten Jahrzehnts, wahrscheinlich sogar der nĂ€chsten Jahrzehnte, eine Rolle spielen wird.

Verantwortliche Entscheidungen fÀllen

„Es ist wichtig, die mit den Climate-Engineering-VorschlĂ€gen einhergehenden Möglichkeiten und Probleme zu erkennen, um verantwortungsbewusste Entscheidungen fĂ€llen zu können. Nach unseren derzeitigen Kenntnissen wĂ€re es aber unverantwortlich damit zu rechnen, dass Climate Engineering in den nĂ€chsten Jahrzehnten nennenswert zur Lösung des Problems des Klimawandels beitragen kann.

Die Folgen des Klimawandels werden wir nur begrenzen können, wenn sich alle Staaten auf dem Klimagipfel in Paris und darĂŒber hinaus zu drastischen Absenkungen ihrer CO2-Emissionen verpflichten und diese Verpflichtung in den Folgejahren einhalten", betont Professor Mark Lawrence, Projektkoordinator von EuTRACE und wissenschaftlicher Direktor des IASS Potsdam.

EuTRACE wurde von der EU finanziert und fĂŒhrte Wissenschaftler aus 14 europĂ€ischen Partnerinstituten mit breiter Expertise zum Thema Climate Engineering zusammen.

Wesentliche Bewertungsergebnisse

Die Metastudie liefert einen Überblick zu einem breiten Spektrum an Climate-Engineering-Techniken sowie zu der Frage, was sie leisten können und was nicht. Sie beleuchtet zahlreiche Probleme und Bedenken im Hinblick auf Climate Engineering und konzentriert sich dabei auf drei beispielhafte Techniken: Bioenergie mit CO2-Abscheidung und -Speicherung (BECCS), EisendĂŒngung des Ozeans (OIF) und stratosphĂ€rische Aerosolinjektion (SAI).

Die Forschung zu Climate Engineering beschrÀnkte sich bisher meist auf Klimamodelle und kleine Feldversuche.

Dabei zeigte sich nicht nur das Potenzial der Entfernung von Treibhausgasen und möglicherweise der Albedomodifikation als langfristiger Beitrag zum Kampf gegen den Klimawandel, sondern es wurden auch zahlreiche Probleme deutlich, sowohl bei Kosten, Technologien und Umweltfolgen als auch im Hinblick auf die gesellschaftlichen Auswirkungen sowie die Entwicklung von Regulierung und Governance.

Eine wissenschaftliche Herausforderung, die sich fĂŒr Techniken zur Treibhausgas-Entfernung und zur Albedomodifikation stellt, ist die Erforschung zahlreicher schĂ€dlicher Folgen fĂŒr Ökosysteme, die Climate Engineering nach sich ziehen könnte und die derzeit weitgehend unklar oder unbekannt sind. Andere Herausforderungen beziehen sich auf einzelne Techniken innerhalb der folgenden beiden Kategorien:

Techniken zur Entfernung von Treibhausgasen stehen vor zahlreichen wissenschaftlichen und technischen Problemen, unter anderem:

- die KlÀrung, ob die Techniken, ausgehend von heutigen Prototypen, einsatzreif gemacht werden können und wie hoch die Kosten wÀren;

- die KlĂ€rung, welche Grenzen dem Verfahren aufgrund verschiedener technikabhĂ€ngiger Faktoren, wie etwa der verfĂŒgbaren Biomasse, gesetzt sind;

- die Entwicklung umfangreicher Infrastrukturen und Energieinputs sowie der finanziellen und rechtlichen Rahmenbedingungen, die fĂŒr die Mehrzahl der Techniken benötigt wĂŒrden. Nach derzeitigem Kenntnis- und Erfahrungsstand könnte es viele Jahrzehnte dauern, ehe eine der Techniken spĂŒrbaren Einfluss auf die globalen CO2-Konzentrationen hĂ€tte.

VorschlĂ€ge zur AbkĂŒhlung der ErdoberflĂ€che durch Erhöhung der Albedo, also des Anteils an Sonnenlicht, der von der Erde ins Weltall zurĂŒck reflektiert wird, stehen ebenfalls vor erheblichen wissenschaftlichen und technischen Herausforderungen.

Es ist unklar, ob auch nur eine der vorgeschlagenen Techniken jemals technisch realisierbar sein wird. Zu den Herausforderungen, die als erstes gelöst werden mĂŒssten, gehören:

- umfangreiche und kostspielige Infrastrukturen fĂŒr landgestĂŒtzte Techniken;

- Ausbringungsmechanismen fĂŒr Aerosolinjektionen (wie Flugzeuge oder angebundene Ballons) und dazugehörige DĂŒsentechnologien;

- sehr viel fundiertere Kenntnisse der zugrundeliegenden physikalischen Prozesse, wie etwa die Mikrophysik von Partikeln und Wolken, und die KlĂ€rung der Frage, wie deren VerĂ€nderung regional und global das Klima beeinflussen wĂŒrde.

Gesellschaftlicher Kontext sowie Regulierungen und Governance

Eine Hauptaufgabe der EuTRACE-Metastudie war es, die möglichen Auswirkungen verschiedener Climate-Engineering-Techniken auf die Sicherheit fĂŒr den Menschen sowie auf Konfliktrisiken und gesellschaftliche StabilitĂ€t zu beleuchten.

Derzeit ist keines der bestehenden internationalen Vertragsorgane in der Lage, Techniken des Climate Engineerings insgesamt umfassend zu regulieren.

Die Studie betont daher, wie wichtig es ist, die Öffentlichkeit in diese Debatte einzubeziehen. Sie regt an, dass EU-Staaten eine gemeinsame Position zu verschiedenen Techniken oder allgemeinen Aspekten des Climate Engineerings entwickeln könnten, insbesondere wenn diese mit der hohen Bedeutung in Einklang gebracht werden könnte, die das EU-PrimĂ€rrecht dem Umweltschutz beimisst.

Quelle: Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS Potsdam)

Kontakt: corina.weber@iass

EuTRACE-Bericht

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