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Klimaschutz: Wir brauchen eine Politik, deren Denken einen weiten Horizont hat

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CLIMATE PROTECTION
Kraivuttinun via Getty Images
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Klimaschutz im Großen

Seit 7. November beraten im marokkanischen Marrakesch im Rahmen der neuen UN-Klimakonferenz (die COP 22) Vertreter aus knapp 200 Ländern über die konkrete und wirkungsvolle Umsetzung des 2015 in Paris beschlossenen globalen Klimaabkommens. Dort einigten sich die teilnehmenden Länder darauf, die globale Klimaerwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Ebenso verständigten sich alle 193 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen auf einen Katalog gemeinsamer Nachhaltigkeitsziele.

Nun ist unter anderem zu klären, wie die Industrienationen Entwicklungsländer beim Klimaschutz und den Anpassungsmaßnahmen unterstützen können, wie die Emissionserfassung der Länder so organisiert wird, dass sie umfassend und vergleichbar ist.

Zudem müssen Regeln zur Berichterstattung über die Unterstützung für arme und vom Klimawandel besonders betroffene Länder ausgearbeitet werden. Im Fokus steht ebenfalls die Frage, welche Ansprüche an die Klimaschutzpläne der Staaten zu stellen sind und wie sie sich vereinheitlichen lassen.

Vor allem muss die Richtung für die notwendigen Verhandlungsergebnisse so festgelegt werden, dass diese 2018, wenn die kommende Verschärfungsrunde stattfindet, erreicht werden können. Das bedeutet, dass dann alle Länder ihre aktuellen Klimaschutzfortschritte präsentieren und ihre bisherigen Klimaschutzzusagen verschärfen sollen.

Allerdings reichen die bisherigen Ziele der Staaten nicht aus, um eine Erwärmung von deutlich unter zwei Grad oder gar 1,5 Grad zu erreichen.

Die Bundesregierung hat sich am 11. November endlich auf ihren "Klimaschutzplan 2050" verständigt, um den seit Frühjahr ein großes Gezerre gab.

Er soll Wege aufzeigen, um bis Mitte des Jahrhunderts weitgehende Treibhausgasneutralität zu erreichen und enthält konkrete Zielvorgaben, wie viele Tonnen CO2 im Jahr pro Wirtschaftssektor 2030 noch ausgestoßen werden dürfen:

Demnach muss

• die Energiewirtschaft ihren Ausstoß auf 175 bis 183 Millionen Tonnen CO2 mindern (61 bis 62 Prozent weniger als 1990)
• die Gebäudewirtschaft um 66 bis 67 Prozent auf 70 bis 72 Millionen Tonnen CO2 mindern
• die Industrie um 49 bis 51 Prozent auf 140 bis 143 Millionen Tonnen verringern
• der Verkehrssektor die Emissionen bis 2030 um 40 bis 42 Prozent auf 95 bis 98 Millionen Tonnen verringern
• die Landwirtschaft um 31 bis 34 Prozent auf 58 bis 61 Millionen Tonnen und sonstige Bereiche, vor allem die Abfallwirtschaft, um 87 Prozent auf fünf Millionen Tonnen mindern.

"Eine große Blamage für Deutschland ist gerade noch abgewendet worden", erklärte der politische Geschäftsführer von Germanwatch, Christoph Bals. Klimaschützer kritisierten bereits den Entwurf dazu scharf, weil er ihrer Darstellung nach in entscheidenden Fragen zu unkonkret blieb. Sie fordern klare nationale Maßnahmen und die Vorgabe konkreter CO2-Sparziele für alle Wirtschaftsbereiche für die Etappen bis 2030, 2040 und 2050, damit die gewünschten Strukturveränderungen greifen.

Klimapolitische Weichenstellungen

Auch braucht es klare klimapolitische Weichenstellungen für die Wirtschaft. Hier greifen bereits viele Einzelmaßnahmen. Ein Beispiel, das stellvertretend für viele andere steht, ist der DKV Euro Service, der seit über 80 Jahren zu den führenden Dienstleistern für das Logistik- und Transportgewerbe gehört.

Der DKV gehört zur DKV MOBILITY SERVICES Group mit 800 Mitarbeitern. Diese erwirtschaftete 2015 einen Umsatz von 5,8 Mrd. Euro und ist in 42 Ländern vertreten. Aktuell sind über 2,5 Mio. DKV CARDs und On Board Units bei über 130.000 Kunden im Einsatz. 2016 wurde die DKV CARD bereits zum zwölften Mal in Folge als beste Marke, Kategorie Tank- und Servicekarten, ausgezeichnet.

„Die Messung und Kompensation unserer CO2-Emissionen sind für uns eine wichtige Grundlage. Wir werden daran arbeiten, unsere CO2-Emissionen in den kommenden Jahren kontinuierlich zu senken", bemerkt Ulrich Wolter, Director of Marketing und verantwortlich für Nachhaltig und CSR, im aktuellen Nachhaltigkeitsbericht des Unternehmens.

Der buchstäblich nachhaltige Grundstein ist nach Unternehmensangaben der klimaneutrale Firmensitz in Ratingen.

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Copyright: DKV MOBILITY SERVICES Group

Hier wird geothermische Energie genutzt und so ein signifikanter Teil der Wärme mit einem regenerativen Energieträger abgedeckt. Seit 2013 werden sämtliche CO₂-Emissionen kompensiert.

Dazu wird in zertifizierte Klimaschutzprojekte der bekannten Klimaschutzorganisation myclimate Deutschland GmbH investiert. Zu den damit geförderten Klimaschutzprojekten zählen zum Beispiel der Bau von Windenergieanlagen in der Türkei und der Einsatz von Biomasse-Kochern in China.

2015 konnten etwa 1.931 Tonnen CO₂ eingespart werden, was einer Einsparung von ca. 45 Prozent entspricht. Zurückzuführen sei dies laut Nachhaltigkeitsbericht auf den Einsatz der CO₂-Kompensationskarte DKV CARD CLIMATE bei allen Firmenfahrzeugen.

Klimaschutz im Kleinen

All diese Maßnahmen sind ein Teil fürs Ganze. Bereits im Vorfeld des letzten Klimagipfels hatte die päpstliche Enzyklika Laudato si einen ähnlichen Ton angeschlagen. „Wir brauchen eine Politik", hieß es, „deren Denken einen weiten Horizont umfasst und die einem neuen, ganzheitlichen Ansatz zum Durchbruch verhilft".

Ungehemmt vergeuden wir natürliche Grundstoffe aller Art und konzentrieren zugleich alle Kraft darauf, die Erderwärmung zu stoppen - doch sind wir blind für den großen Zusammenhang: Die einseitige Fixierung auf die Treibhausgase verstellt uns den Blick für die dringend notwendige radikale Reduzierung des Rohstoffverbrauchs.

Dabei ist ein intelligenter und nachhaltiger Umgang mit den Ressourcen unseres Planeten längst möglich, sagt Prof. Friedrich Schmidt-Bleek. Der Pionier der Ressourcenwende und Erfinder des Faktor 10-Konzeptes ist Gründungsvizepräsident des Wuppertal Institutes, arbeitete als Abteilungsleiter in der OECD und im IIASA und ist außerdem Initiator des World Resources Forum Davos und des Factor 10 Institute. 2001 wurde er mit dem Takeda World Environment Award ausgezeichnet.

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Foto: Prof. Friedrich Schmidt-Bleek

Er erarbeitete „Die 10 Gebote der Ökologie", die nicht nur für Wirtschaft und Politik, sondern auch für jeden Einzelnen gelten:

1. Du sollst die Lebensräume aller Lebewesen achten

2. Du sollst natürliche Ressourcen sparen

3. Du sollst auf den ökologischen Rucksack achten

4. Du sollst an die Natur denken, bevor du kaufst

5. Du sollst nur besitzen, was du wirklich brauchst

6. Du sollst um Faktor 10 reduzieren

7. Du sollst Abfall und Emissionen vermeiden

8. Du sollst ökologisch essen

9. Du sollst dich ökologisch fortbewegen

10. Du sollst dich informieren

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Da das Wissen um die wirkliche Bedeutung der natürlichen Ressourcen bei Politik und Medien noch immer sehr mangelhaft ist, also auf die Politik nicht genug Druck ausgeübt wird, möchte er damit die Menschen erreichen und ihnen zeigen, wie sie ökologisch zukunftsorientiert handeln und damit auch ihrerseits die Politik zu zukunftsorientierten Handeln veranlassen können:

„Jeder einzelne kann in seinem persönlichen Leben dazu beitragen, dass der Zerstörung unserer Umwelt Einhalt geboten wird."

Auch das Buch „Mit kleinen Schritten die Welt verbessern" (Kindle Edition) zeigt anhand zahlreicher Beispiele aus dem Arbeits- und Lebensalltag, wie wir Freude am nachhaltigen Handeln haben. Es richtet sich an eine an Sinnfragen interessierte breite Leserschaft und soll dazu beizutragen, eine innere Haltung zu finden, die uns trotz der Verunsicherung heute trägt. Auch das ist Nachhaltigkeit.

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