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Keine Frage von Größe! Warum CSR nicht nur etwas für Global Player ist

07/05/2017 17:17 CEST | Aktualisiert 07/05/2017 17:17 CEST
simonkr via Getty Images

Neun von zehn Unternehmen sind Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten. Der Autor und CSR-Experte Wolfgang Keck hat darüber ein Buch geschrieben, in dem er zeigt, das CSR-Management und Nachhaltigkeitsorientierung nicht nur ein Thema für Großunternehmen ist.

Auch Kleinst- bzw. Ein-Personen-Unternehmen (EPU) profitieren von der strategischen Verankerung von CSR im Kerngeschäft.

Keck gilt als einer der Vorreiter in der Diskussion um Corporate Social Responsibility in kleinen und mittleren Unternehmen und bricht die Thematik erstmals auf die kleinsten Wirtschaftseinheiten herunter.

Herr Keck, was hat Sie zu diesem ungewöhnlichen Buchprojekt veranlasst?

Am Anfang meiner Beschäftigung mit Corporate Social Responsibility klopfte mir mal ein Unternehmensberater auf die Schulter und meinte: „Herr Keck, was wollen Sie denn mit ihren kleinen und mittleren Unternehmen - CSR ist doch nur was für Global Player!"

Zu dieser Zeit begann ich in Wien in einem Pilotprojekt damit, das komplexe Thema CSR auf mittelständische Unternehmen herunter zu brechen. Für mich war klar, dass gelebte Unternehmensverantwortung keine Frage von Größe, Wichtigkeit oder Wissen sein kann.

Erst mit der Zeit stieß der Zusammenhang von CSR und Mittelstand in der Fachwelt nicht mehr auf Verwunderung. Ich blieb am Mittelstand dran und sehe mich jetzt wieder in einer ähnlichen Situation wie damals in Wien: Kleinstunternehmen und Ein-Personen-Unternehmen werden oft nicht ernst genommen, wenn sie sich nachhaltig ausrichten.

Weshalb gehören CSR und Kleinstunternehmen zusammen?

Wenn CSR überhaupt eine Chance haben soll, im großen Stil zu funktionieren, dann muss es logischerweise auch im Kleinen möglich sein.

Mit großem Stil meine ich aber nicht nur Konzernstrategien, CSR-Budgets und damit einhergehende Beraterwelten. Viele Kleinstunternehmen können auch sauberen Mist machen, und der Haufen ist nicht unbedeutend, wenn man sich nur mal die Zahlen ansieht: Neun von zehn Unternehmen in der Europäischen Union zählen zur Gruppe der Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten.

CSR kann in jeder Branche und Unternehmensgröße funktionieren, denn CSR ist ja nichts anderes, als Entscheidungen an ökonomischen, ökologischen und sozialen Werten auszurichten, und entscheiden muss jedes Unternehmen und jeder Mitarbeiter.

Ein-Personen-Unternehmen können Verantwortung beispielsweise nicht an Mitarbeiter delegieren, sondern müssen in jedem Fall und für alle Risiken alleine gerade stehen und diese verantworten.

Was weiß der Leser, wenn er Ihr Buch gelesen hat? Und wen möchten Sie damit ansprechen?

Der Leser sollte, wenn er selber Kleinstunternehmer ist, durch das Buch Mut und klare Orientierungshilfen bekommen, um sich im Bereich CSR inspirieren zu lassen und sich selbstbewusst zu positionieren.

Wichtig war mir, CSR für Kleinstunternehmen aus verschiedensten Perspektiven darzulegen, und durch 20 Fachbeiträge von 30 Autorinnen und Autoren bündeln sich in dem Buch weitaus mehr Erfahrungen und Expertisen, als es ein Autor alleine aufbereiten kann.

CSR ist ja kein Korsett, in das man sich einfügen muss, sondern CSR ist viel lebendiger, wenn Unternehmen authentisch agieren und hier sind die kleinen und dynamischen Unternehmen klar im Vorteil.

Nicht zuletzt ist das Buch für Leser konzipiert, die sich wirtschaftspolitisch oder auch akademisch damit beschäftigen, CSR an Kleinstunternehmen zu vermitteln. In der Fachliteratur finden sich zu CSR und Kleinstunternehmen noch sehr wenige Ansätze, deshalb auch unser neues Buch.

Nach welchen Kriterien wurden die Autoren ausgewählt?

Bei der Auswahl der Autorinnen und Autoren des Buches war es mir besonders wichtig, Brücken zwischen CSR-Welten und der betrieblichen Realität von Kleinstunternehmen zu bauen. Einige Autoren und übrigens auch ich als Herausgeber arbeiten in Teilzeit oder Vollzeit als Mitarbeiter oder Unternehmer in Kleinstunternehmen.

Sie sichern im Buch quasi die Bodenständigkeit ab. Auf der anderen Seite sind Autoren eher aus dem akademischen Umfeld oder der Wirtschaftsförderung, die eine ausgewiesene und langjährige Expertise im CSR-Bereich besitzen, bei denen es mir wichtig war, dass sie globale, gesellschaftliche oder anders komplexe Zusammenhänge von CSR verständlich herunter brechen können.

Das Buch ist zwar ausschließlich mit deutschsprachigen Autoren entstanden, aber für mich sind alle Beteiligten auch Übersetzer.

Es liegt doch an uns, CSR für Unternehmen verständlich zu machen! Wer meint, dass Kleinstunternehmen CSR nicht begreifen würden, sollte einmal über seine eigene Ausdrucksweise nachdenken.

Sie haben Ihren Vater um ein Grußwort zum Buch gebeten. Was bedeutet Ihnen dies?

Dass ich meinen Vater darum gebeten habe, liegt daran, dass wir im Familienbetrieb beide selbst für mehrere Jahre ein Kleinstunternehmen waren. Ich denke, viele Kleinstunternehmer stehen früher oder später vor der Frage der Unternehmensnachfolge. Das Kleinstunternehmen meines Vaters würde ich heute liebend gerne übernehmen.

Doch in der damaligen Zeit, im Alter von Anfang, Mitte 20, da war es für mich zu früh, ich war vielleicht zu umtriebig und griff nach den Sternen statt nach dem, was an sich schon da und gut war. Heute gibt es unser Kleinstunternehmen nicht mehr. Ich bin also kein gutes Beispiel für Unternehmensnachfolge. Nun aber konkret zu dem Grußwort meines Vaters.

Das ist nämlich ein Dialog oder auch ein Kreis, der sich schließt. Denn vor wenigen Jahren durfte ich im Buch „Gesichter der Nachhaltigkeit" meine eigene Nachhaltigkeitsmotivation niederschreiben und habe das als Brief an meinen Vater getan. Der Brief wurde dann im besagten Buch veröffentlicht - und kam auch bei ihm an. Sein Grußwort wiederum begleitet mich in meinem Buch.

Wie verbinden Sie dieses Buch mit Ihren anderen Aktivitäten?

Wenn das Buch zu Kleinstunternehmen weitere Kreise zieht, dann kann das auch zu konkreten Aktivitäten führen, in die ich mich einbringe. Ein besonderes Potenzial sehe ich bei den rund 30 Autorinnen und Autoren, die sich in dem Buch mit CSR und Kleinstunternehmen auseinander setzen. Sie für eine Arbeitsgemeinschaft zum Thema zu gewinnen, ist ein großer Wunsch von mir.

Grundsätzlich bin ich freiberuflich als CSR-Trainer und Kommunikationsberater aktiv sowie im Bildungsbereich als CSR-Dozent. Dort sind Kleinstunternehmen noch eher eine kleinere Gruppe, was Teilnehmer in Kursen betrifft.

Als Auftraggeber sehe ich Kleinstunternehmen eher kaum, aber durchaus bei Kooperationen. Auf meinem anderen beruflichen Standbein, einer Teilzeitanstellung zur Entwicklung des CSR-Kompetenzzentrum Ostwestfalen-Lippe an der GILDE-Wirtschaftsförderung Detmold, spielen Kleinstunternehmen durchaus eine gewichtige Rolle, weil Wirtschaftsförderungen vor allem in den Regionen für solche Betriebe oft erster oder auch einziger Ansprechpartner und Impulsgeber sind. Ich freue mich, dass die GILDE-Geschäftsführung als auch als CSR-Autorenteam für das Buch engagiert ist!

Was planen Sie als nächstes?

Die schon erwähnte Arbeitsgemeinschaft zu CSR und Kleinstunternehmen, basierend auf den Autorinnen und Autoren des Buchs und erweitert um interessierte Mitstreiter, ist mein großer Wunsch und Plan für die kommenden Monate.

Mein Ansatz dabei ist ein transdisziplinäres und sehr praxisorientiertes Kompetenzteam, das den Diskurs um CSR und Kleinstunternehmen weiter voranbringen will.

Ich bitte alle Interessierten, sich mit mir jederzeit in Verbindung zu setzen! Weiter in die Zukunft gedacht schließe ich eine Unternehmensgründung oder auch Mitgründung überhaupt nicht aus. Ziemlich sicher ist dabei nur, dass es als Kleinstunternehmen beginnt und gerne auch dabei bleiben darf!

Zur Person:

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Foto: Julia Brunner

Wolfgang Keck kam nach seiner kaufmännischen Ausbildung und Mitarbeit im Familienbetrieb ab 2004 in Wien als Leiter eines EU-Pilotprojekts zum Thema CSR. Mit dem „CSR Trainingshandbuch" legte er 2006 eine Pionierarbeit in der Fachliteratur zur beruflichen Qualifizierung in CSR und Nachhaltigkeit vor.

In Folge entwickelte Keck als Projektleiter bei der GILDE-Wirtschaftsförderung der Stadt Detmold die Wissensplattform „www.csr-training.eu" mit und unterstützte bundesweit kleine und mittlere Unternehmen bei der Erarbeitung eigener CSR-Strategien. Seit 2015 engagiert er sich mit der GILDE beim Aufbau des regionalen „CSR-Kompetenzzentrum OWL".

Den Deutschen Industrie- und Handelskammertag begleitete Keck bei der Konzeption und Einführung des Lehrgangs „CSR-Manager/in (IHK)". Der Altop-Verlag veröffentlichte 2016 sein Tagebuch über Kleinstunternehmen mit dem Titel „7 Tage CSR vom Kleinsten".

Vielen Dank für das Gespräch.

Literatur:

Wolfgang Keck (Hg.): CSR und Kleinstunternehmen. Die Basis bewegt sich! SpringerGabler. Berlin Heidelberg 2017.

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Wolfgang Keck ist auch vertreten in: Alexandra Hildebrandt: CSR-Manager gesucht! Ein Berufsbild zwischen Wunsch und Wirklichkeit von Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.

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