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Kein Problem! Warum junge Menschen grübeln und dennoch optimistisch sind

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„Für den Optimisten ist das Leben kein Problem, sondern die Lösung", schreibt der Businessexperte Hermann Scherer in seinem Buch „Fokus!" Jeder Anfang beginnt mit einem ersten Schritt und lebt von kleinen Taten. Das gilt auch für das Thema Nachhaltigkeit.

2016 war für Marie-Lucie Linde diesbezüglich ein spannendes Jahr: von der ersten gesetzlichen Ausgestaltung der künftigen CSR-Berichtspflicht über die Übersetzung der Sustainable Development Goals auf die Praxis bis hin zu Verhandlungen rund um den Aktionsplan „Wirtschaft und Menschenrechte" hat sich vor allem politisch viel in Bewegung gesetzt.

Dennoch stellt sie sich in ihrem Editorial des aktuellen Nachhaltigkeitsmagazins N-Kompass (4/2016) die Frage: Reicht das? Wird Nachhaltigkeit in Unternehmen mittlerweile als attraktiv und vor allem als lukrativ wahrgenommen?

Nach einem Interview mit dem Mittelstandsbeauftragten der Grünen, Dr. Thomas Gambke, war ihr eher zum Grübeln zu Mute: „Denn wie es scheint, sind wir in Deutschland noch weit davon entfernt, nachhaltiges Wirtschaften als Mainstream bezeichnen zu können." Gambke macht vor allem die fehlende Nachhaltigkeit in politischen Entscheidungen dafür verantwortlich und fordert mehr Konsequenz von führenden Politikern.

Doch dabei belässt es Marie-Lucie Linde nicht: Sie gehört zu jenen, die Nachhaltigkeit auch mit Begeisterung und Optimismus verbinden. Trotzdem.

Sie zeigt im aktuellen Heft anhand zahlreicher Beispiele, dass Mittelstand und Jungunternehmer als Leuchttürme der Wirtschaft den richtigen Weg weisen können. Dazu gehört etwa das Düsseldorfer Start-up Be Bananas, wo innovative Geschäftsideen und nachhaltiges Wirtschaften erfolgreich Hand in Hand gehen können. Das Kleine kann groß wahrgenommen werden, wenn wir es dazu machen. Deshalb wählte sie „Total Banane" als Titelstory, die sich dem Jungunternehmer Lars Peters und seinem Bananenbrot widmet.

Kaum jemand in der Nachhaltigkeitscommunity spricht vom Grübeln - gerade deshalb fällt dieses Editorial in besonderer Weise auf. Grübeln und Skepsis gehören zusammen und sollten ebenso zur Nachhaltigkeitsfamilie zugerechnet werden, die nicht nur von Umweltaktivisten, Technikern und grünen Experten geprägt sein sollte.

Wer in der Wirtschaft wirklich etwas erreichen möchte, sollte Psychologie und Philosophie studieren - Fächer, die auch Skepsis und Zweifeln lehren, bemerkte kürzlich auch der Unternehmer Erich Sixt.

Der alte, aus der griechischen Philosophie stammende Begriff Skepsis leitet sich vom griechischen Verb skeptesthai her („umherspähen, suchen, prüfen, genau betrachten"). Das ist zugleich eine schöne inhaltliche Brücke zum Titel des Editorials von Marie-Lucie Linde: „Grübeln und dennoch optimistisch nach vorne schauen"!

Wer grübelt, skeptisch ist und (auch einmal nach innen) schaut, betrachtet die Dinge genau und hat auch eine kritische Distanz zu ihnen. Der Drang, etwas sicher Geglaubtes Infrage zu stellen, hängt mit einer genauen und unvoreingenommenen Beobachtung zusammen, die Marie-Lucie Linde schon früh gelernt hat:

Nach ihrem Bachelor-Studium in Mehrsprachiger Kommunikation in Köln und ihrem Master in Europawissenschaften in Aachen, reiste sie für eine Orientierungsphase nach Mauritius und arbeitete dort in einer Nichtregierungsorganisation in verschiedenen Nachhaltigkeitsprojekten. Diese Arbeit hat sie nach ihrer Rückkehr dazu inspiriert, sich auch beruflich weiter dem Thema Nachhaltigkeit zu beschäftigen.

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Marie-Lucie Linde (Copyright: Omran Sherzay)

Seit nunmehr vier Jahren arbeitet sie für den N-Kompass und ist dort verantwortliche Produktmanagerin. Zudem ist sie verantwortliche Redakteurin für das N-Kompass Magazin und zuständig für die neu entstandene N-Kompass-Praxisreihe, bestehend aus Fachdossiers rund um die nachhaltige Unternehmensführung.

Vor allem der intensive Austausch mit Praxisexperten und Unternehmen, aber auch die tiefgehende Beschäftigung mit den Einzelthemen rund um nachhaltige Unternehmensführung bereiten ihr in meinem Arbeitsalltag viel Freude.

An ihrer Person zeigt sich der Optimismus einer sehr pragmatischen Generation. Das bestätigt auch die 17. Shell Jugendstudie www.shell.de/jugendstudie (2015): „Die junge Generation befindet sich im Aufbruch. Sie ist anspruchsvoll, will mitgestalten und neue Horizonte erschließen", sagt Studienleiter Professor Dr. Mathias Albert von der Universität Bielefeld.

Insgesamt lässt sich die Jugend nicht von ihrer positiven Grundhaltung abbringen. 61 Prozent der Befragten blicken optimistisch in die persönliche Zukunft, das sind noch einmal mehr als in den Jahren 2010 und 2006. Die Zuversicht der Jugendlichen aus sozial schwachen Schichten hingegen stagniert. Erstmals seit den 1990er Jahren beurteilte eine Mehrheit der Jugendlichen (52 Prozent) auch die gesellschaftliche Zukunft optimistisch.

Die Optimisten weigern sich nicht, die negativen Seiten zur Kenntnis zu nehmen - sie weigern sich lediglich, „sich diesen Seiten zu unterwerfen", wie es Hermann Scherer zu Recht formuliert.

Mit N-Kompass weist Marie-Lucie Linde auch vielen Mittelständlern und Start-ups einen hoffungsvollen Weg in die Zukunft. Vielleicht wird auch diese Initiative hier einmal vorgestellt werden, damit sich der gemeinsame optimistische Ansatz nachhaltig multipliziert:

Am 15. Oktober 2016 begann die „Startup-Teens-Challenge 2017" von Startup-Teens, einer Nonprofit-Initiative, die 2015 von sechs erfolgreichen Unternehmern gegründet wurde. Seit diesem Zeitpunkt können sich Teenager für die Teilnahme registrieren lassen und sich auch dort melden, wenn sie sich zur Unterstützung ihrer Geschäftsidee Hilfe durch eine/n Mentor/in wünschen.

Ziel ist es, Schüler_innen mit dem Thema Unternehmertum und Gründen in Kontakt zu bringen und deren Interesse dafür zu wecken. Die Startup-Teens Challenge ist ein Businessplan-Wettbewerb, bei dem sich Jugendliche, die zwischen 14 und 19 Jahre alt sind, bewerben und einen Businessplan einreichen können. Dazu gibt es online Video-Tutorials, die zeigen, wie solch ein Plan erstellt werden kann.

Beim Wettbewerb gibt sieben Kategorien: Spiele und Unterhaltung, Technik und Wissenschaft, Gesundheit und Sport, Energie und Umwelt, Beauty und Fashion, Essen, Gastronomie und Soziales Engagement. Jedes Siegerteam erhält in jeder Kategorie mit 10.000 Euro.

Bereits zum Start haben sich bundesweit 200 Persönlichkeiten bereit erklärt, Startup Teens ehrenamtlich als Mentor/in zu unterstützen.



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