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Kein Gesellschaftsspielchen! Das ist nachhaltige Verantwortung im Fußball

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Themen wie Nachhaltigkeit und CSR im Fußball brauchen einen besonders langen Atem, weil sie sich auf den ersten Blick nicht sofort erschließen - geht es doch vor allem um Spielbetrieb, Wettbewerb und Talentförderung.

Schon der Begriff Corporate Social Responsibility wirkt für viele wie ein Plastikwort. Dass es als Marketingfloskel häufig missbraucht wird, kommt erschwerend hinzu.

Der Journalist Ronny Blaschke widmet sich in seinem aktuellen Buch "Gesellschaftsspielchen. Fußball zwischen Hilfsbereitschaft und Heuchelei" dieser Thematik, zeigt aber auch anhand zahlreicher positiver Beispiele, was das Thema im Fußball wirklich bedeutet, mit welchen Herausforderungen und Chancen es verbunden ist - und warum Vereine und Organisationen, die keine gesellschaftliche Verantwortung übernehmen, heute schnell ins Abseits geraten können.

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Auch dem 1. FC Nürnberg ist ein längerer Passus in diesem Buch gewidmet - er ist deshalb so bedeutsam, weil er an aktuelle Entwicklungen anschließt:

Ende September 2016 stellte der Club seine CSR-Initiative „NÜRNBERG GEWINNT" vor. Damit will er in Nürnberg, Franken und über seine Grenzen hinaus einen Denkanstoß geben, Vorbild sein und sein gesellschaftliches Engagement - gemeinsam mit Mitgliedern, Fans und Partnern - ausbauen.

Bei der offiziellen Vorstellung waren neben dem 1. FCN-Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Thomas Grethlein die beiden Vorstände Michael Meeske und Andreas Bornemann anwesend sowie ein prominent besetztes Kuratorium, dem unter anderem Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly, ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein, Hockey-Olympiasieger Max Müller und der ehemalige Club-Trainer Hans Meyer angehören. Sie unterstützen künftig die Initiative NÜRNBERG GEWINNT.

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Copyright: 1. FC Nürnberg

CSR bedeutet beim 1. FCN mehr als bloß „Charity". Das Thema durchdringt das gesamte Kerngeschäft. Neben der professionellen Organisation des Vereins, seiner Mitarbeiter sowie der Profi- und Jugend-Mannschaften sieht der 1. FCN Ansatzpunkte durch Konzepte der Sportförderung in Schulen und Amateurvereinen sowie durch Projekte zur Bildung und Integration durch Fußball in der Region.

Viele Vereine haben (wie auch Ronny Blaschke in seinem Buch nachweist) längst erkannt, dass auch der Fußball eine Verantwortung in gesellschaftlichen und sozialen Themen hat und stellen sich dieser Verantwortung.

Im Oktober 2015 trafen sich deshalb die CSR-Verantwortlichen der Klubs auf Initiative der Bundesliga-Stiftung zum gemeinsamen Austausch in der BayArena in Leverkusen.

Katharina Fritsch vom 1. FCN, die auch zu Deutschlands Gesichtern der Nachhaltigkeit gehört, ist hier in den CSR-Arbeitskreis „Soziales und gesellschaftliches Engagement" der DFL gewählt worden. Sie arbeitet seit 2007 beim 1. FC Nürnberg und ist heute Leiterin Unternehmenskommunikation & CSR-Management sowie Ansprechpartnerin für Medien für Kommunikationsthemen rund um die Marke des Vereins.

2014 hat sie sich bei der IHK für Mittelfranken zur CSR-Managerin fortgebildet. Seither baut der Club seine Tätigkeitsfelder um den Bereich CSR weiter aus.

Immer wieder bekam sie im Vorfeld allerdings zu hören, dass der Fußball gesellschaftliche Probleme nicht lösen kann. Oder: „Nur weil wir Regentonnen aufstellen, gewinnen wir keine Fußballspiele."

Doch gerade Fußballvereine und Fußballspieler können ihrer Meinung nach etwas bewirken, „weil sich Botschaften in einem emotionalen Umfeld sehr gut transportieren lassen und in jedem Milieu wirken".

Dabei geht es nicht um die gesellschaftliche Unterstützung durch Spenden oder Sponsoring, sondern um die Integration von ethischen, sozialen und ökologischen Aspekten in das Kerngeschäft.

Entscheidend ist die Art und Weise, WIE ein Unternehmen wirtschaftet (und nicht, WAS es alles tut).

Deshalb muss CSR strategisch im Kerngeschäft verankert sein und in die Organisationsstruktur des Unternehmens implementiert werden: „Diese Aufgabe ist ein kontinuierlicher Prozess."

Gewiss ist die Wahrnehmung des Club bei Fans und Medien stark vom sportlichen Erfolg abhängig, ja der Tabellenplatz ist von entscheidender Bedeutung. Doch davon darf CSR nicht abhängen:

„Sportlicher Erfolg, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit gehören zusammen."

Dazu bedarf es einer CSR-Strategie, die auf den Leistungen und Erfahrungen der Vorjahre aufbaut, die gesellschaftliche Veränderungen und globale Trends berücksichtigt und ist fest mit der Geschäftsstrategie verknüpft ist.

Die Strategie spiegelt das Feedback der Mitglieder, Fans, Sponsoren etc. wider und legt darüber hinaus eindeutige und nachprüfbare Ziele für die Zukunft fest.

Grundlage dafür waren auch Ergebnisse einer Umfrage, die der 1. FC Nürnberg in Zusammenarbeit mit der Universität Bayreuth (Lehrstuhl für Governance und Unternehmensethik) bei Mitgliedern, Fans, Mitarbeitern und Sponsoren im Mai 2015 durchgeführt hat. Ermittelt wurde in einer Wesentlichkeitsanalyse, welche Themenfelder den Anspruchsgruppen des Club wichtig sind.

Ebenfalls wurde das das Thema Nachhaltigkeit („Verantwortungskultur") ins Leitbild aufgenommen.

Entscheidend ist jedoch, „dass Unternehmenswerte von Spielern und Mitarbeitern gelebt werden und nicht nur auf dem Papier existieren", so die CSR-Managerin.

Beim Club wurde das Leitbild deshalb in komprimierter Form an zentralen Orten der Geschäftsstelle, Kabine und Jugend-Akademie ausgehängt.

Viele Vereine und Organisationen verbinden CSR mit sozialen Einzelmaßnahmen oder Charity - aber nur mit einzelnen Fleischstückchen kann sich kein gesunder Organismus bewegen. Es braucht auch einen stabilen Knochenbau. Dazu gehört im CSR Kontext vor allem auch Corporate Governance & Compliance.

Um beim Beispiel des 1. FCN zu bleiben: Hier gewährleisten interne Richtlinien die Einhaltung ethischer Standards. Sie gelten für alle beim 1. FCN Angestellten - vom Torhüter der Profimannschaft, über die Controllerin bis hin zum Trainer der U9-Mannschaft.

Interne Richtlinien, Verhaltenskodex und Leitbild des Vereins bilden die Grundlage der verantwortungsvollen Unternehmensführung, die wiederum auf Werten basiert, die im Leitbild des Vereins verankert sind.

Zur Verantwortungskultur gehören auch Rechenschaftspflicht und Transparenz: So legt der 1. FC Nürnberg offen, ob und wie er Auswirkungen des Kerngeschäfts (Spiel- und Geschäftsbetrieb) auf Gesellschaft und Umwelt mindert und zugleich einen positiven Beitrag für die Gesellschaft leistet.

Kooperationsverträge mit Partnern orientieren sich an Nachhaltigkeitskriterien (soziales, ethisches, ökologisches Handeln).

Etliche Maßnahmen und Einzelprojekte hat Katharina Fritsch in ihrem Beitrag „Der Club steht für so vieles" und „Jenö Konrad, Franz Salomon und der Club - Der Umgang des 1. FC Nürnberg mit seiner Vergangenheit im Nationalsozialismus" (mit Bernd Siegler) im SpringerGabler-Herausgeberband „CSR und Sportmanagement. Jenseits von Sieg und Niederlage: Sport als gesellschaftliche Aufgabe verstehen und umsetzen" (2014) aufgeführt.

Entscheidend für eine „nachhaltige" Berichterstattung ist jedoch vor allem das, was allgemeingültig ist, was anderen als Muster dienen kann, um selbst ein wirksames CSR-Management aufzubauen.

Ein Kernthema sei allerdings herausgegriffen, weil es in dieser Zeit von besonderer Relevanz ist: Projekte gegen Rechtsextremismus, Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit:

„Denn Fußballvereinen kommt eine gesellschaftspolitische Bedeutung beim Abbau von Unwissenheit und Vorurteilen zu, die zumeist Nährboden für Rassismus sind", sagt Katharina Fritsch.

CSR beginnt innen.

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