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Sei dein Wort! Was sich hinter dem Satz ÔÇ×Wir schaffen das" verbirgt

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
MANAGEMENT
Thomas Barwick via Getty Images
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Kein Satz h├Ąlt Deutschland seit dem 31. August 2015 mehr in Atem als Angela Merkels ÔÇ×Wir schaffen das." Es ist die gr├Â├čte Aufgabe f├╝r Deutschland seit der Wende. Dahinter steckt eine Philosophie des Handelns in einer K├Ânnensgesellschaft, ohne die eine reine Wissensgesellschaft verloren w├Ąre.

ÔÇ×Cucula" ist ein afrikanisches Wort und bedeutet ÔÇ×Wir schaffen das". So hei├čt auch ein Berliner Verein, der eine Werkstatt betreibt, in der sich Fl├╝chtlinge handwerkliches K├Ânnen aneignen, indem sie M├Âbel bauen.

Wir alle m├╝ssen K├Ânner werden und immer wieder ├╝ben, um anschlie├čend die Probleme der Gegenwart meisterhaft bew├Ąltigen zu k├Ânnen. Schlie├člich geht es heute um die dringliche Frage, wer in der Lage ist, die Probleme der Gegenwart zu l├Âsen: erfahrene Menschen mit K├Ânnen und Ideen. Der Managementexperte Niels Pfl├Ąging nennt sie ÔÇ×K├Ânner".

Das wird man allerdings nicht allein durch Wissen und B├╝ffeln, sondern durch reflektierte Erfahrung in Form von disziplinierter Praxis. Dazu braucht es einen Meister, einen gestandenen Handwerker seines eigenen Lebens, der schon ein echter K├Ânner ist (ihn erkennt man daran, dass er das eigene K├Ânnen nicht ├╝bersch├Ątzt und die Kompetenzen anderer nicht untersch├Ątzt) und in der Lage, andere anzuleiten.

Das Thema Handwerk ist nicht nur in diesem HuffBlog ein durchgehender roter Faden, sondern wird auch von namhaften Managementvordenkern gegenw├Ąrtig immer wieder aufgegriffen.

So stellt Hermann Scherer in seinem neuen Buch ÔÇ×Fokus!" die Frage, was w├Ąre, wenn es das Handwerk nicht g├Ąbe. - ÔÇ×Keine H├Ąuer. Keine R├Ąder. Keine Maschinen. Keine Werkzeuge. Es g├Ąbe gar nichts."

Wer sich mit dem Fl├╝chtlingsthema und dem afrikanischen Wort ÔÇ×Cucula" (ÔÇ×Wir schaffen das.") besch├Ąftigt, wird das Buch von Hermann Scherer durch seine ÔÇ×Anschlussf├Ąhigkeit" als wertvolle Erg├Ąnzung empfinden.

Sei dein Wort!

Scherers Buch reflektiert (wenngleich ohne konkrete Bezugnahme) auch aktuelle Gemeinschaftsinitiativen wie die von Valerie Niehaus, ihrer Schauspielkollegin Christina Hecke und der Fotografin Steffi Henn. AUF EIN WORT l├Ądt dazu ein, dass sich jede und jeder Beteiligte zu ihrem bzw. seinem pers├Ânlichen Wort bekennt und sich damit ablichten l├Ąsst.

ÔÇ×Sei dein Wort!" ist das Pl├Ądoyer von Hermann Scherer. Denn es geht heute darum, ein Versprechen einzuhalten, das man aus freien St├╝cken mit sich selbst eingegangen ist.

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Foto und Copyright: Hermann Scherer

ÔÇ×... ein wesentlicher Grund, warum die meisten Menschen ihr Leben vor dem Tod nicht wirklich leben, liegt darin, dass sie ihren Fokus nicht auf ihr eigenes Wort legen."

Ich unterst├╝tze diese Gemeinschaftsinitiative mit meinem Wort ÔÇ×begreifen". Die aktuelle Scherer-Lekt├╝re machte mir noch einmal seine Bedeutung bewusst, die viel weitreichender ist, als ich es in diesem Zusammenhang beschrieben habe. Es gibt einen Text, der lange vorher entstand, und ebenfalls ber├╝cksichtigt werden sollte, wenn es ums Begreifen geht:

Krisen und Grenzen: Warum wir (unter)scheiden m├╝ssen

Warum die Welt Grenzen braucht

Auch Hermann Scherer verweist auf die Bedeutung der Grenze als Abgrenzung bzw. als Ergebnis einer Trennung:

ÔÇ×Nach dieser Trennung k├Ânnen wir das eine vom anderen unterscheiden und den beiden getrennten Dingen Begriffe zuordnen. Erst dann k├Ânnen wir sie begreifen."

Genauso l├Ąuft der Erkenntnis- und Sch├Âpfungsprozess ab: ÔÇ×zuerst abgrenzen, dann benennen, dann begreifen und erkennen, dann sich freuen."

Um die Welt begreifen zu ÔÇ×k├Ânnen", schafft der Mensch Grenzen. Daraus werden M├Âglichkeiten des Denkens, Handelns und Lebens gewonnen.

Auch das ist eine Erkenntnis des Wortes ÔÇ×Cucula" (ÔÇ×Wir schaffen das."): dass auch eine ÔÇ×Willkommenskultur" Grenzen hat und endlich ist, ja ÔÇ×dass Deutschland ein Land der begrenzten F├Ąhigkeiten ist. Moralisch. Wirtschaftlich. Nervlich." (WirtschaftsWoche 33/12.8.2016)

Manchmal braucht es Meister, die das sehen, aussprechen und den K├Ânnern die Augen ├Âffnen, damit sie handlungsf├Ąhig bleiben.

Als Frank-J├╝rgen Weise Leiter des Bundesamtes f├╝r Migration und Fl├╝chtlinge wurde, ├╝bernahm er diese Aufgabe zus├Ątzlich zu seinem Amt als Chef der Bundes-Arbeitsagentur (BAMF).

In dieser Funktion gab er dem Journalisten und Autor Mario M├╝ller-Dofel vor einigen Jahren ein Interview, das sich in seinem Buch ÔÇ×Karriere ohne Studium" findet: Junge Menschen sollten sich das Handwerk unbedingt wieder genauer anschauen, sagt Weise und wirbt zugleich f├╝r mehr Praxisbezug an den Hochschulen, damit sich Akademiker zum Start ihres Berufslebens richtig einsch├Ątzen und schnell produktiv werden k├Ânnen.

Auch Weise hat keinen akademischen Weg ÔÇ×absolviert", sondern ist ihn handfest und pragmatisch ÔÇ×gegangen". Vielleicht kam ihm der Fokus auf das Wesentliche, das auch im Mittelpunkt von Scherers Buch steht, zugute.

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So mussten in kurzer Zeit im Fl├╝chtlingsmanagement vor allem strukturelle Grundlagen verbessert werden - in den Prozessen und in der F├╝hrung. Bezogen auf das Fl├╝chtlingsmanagement sagte Weise k├╝rzlich in einem Interview mit der WirtschaftsWoche (12.8.2016):

ÔÇ×Nat├╝rlich schaffen wir das. Bezogen auf die Integration in den Arbeitsmarkt f├╝ge ich hinzu: und wir machen etwas daraus."

Interessant ist auch hier eine Parallele zum Scherer-Buch, in dem es hei├čt: ÔÇ×Wenn ich einen Weg habe, werde ich ihn einschlagen. Wenn ich aber keinen Weg habe, dann werde ich einen finden. Und wenn ich keinen finde, dann werde ich einen machen."

Das ist echtes Commitment: nicht nur etwas k├Ânnen, wollen oder d├╝rfen, sondern es ÔÇ×au├čerdem auch tun werden" (Hermann Scherer). Das w├Ąre meisterhaft.

Buchempfehlungen:

Hermann Scherer: Fokus! Provokative Ideen f├╝r Menschen, die was erreichen wollen. Campus Verlag, Frankfurt a.M. 2016.

Mario M├╝ller-Dofel: Karriere ohne Studium. Zum Umdenken und Mut machen: Zehn Interviews mit erfolgreichen Nichtakademikern und renommierten Personalexperten. Springer Fachmedien Wiesbaden 2015.

Niels Pfl├Ąging, Silke Hermann: Komplexithoden. Clevere Wege zur (Wieder)Belebung von Unternehmen und Arbeit in Komplexit├Ąt. Redline Verlag, M├╝nchen 2015.

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