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TUN! Warum wir Könner brauchen, um die Zukunft meisterlich zu gestalten

18/02/2017 16:31 CET | Aktualisiert 18/02/2017 16:31 CET
Hannibal Hanschke / Reuters

Ein halbes Jahr vor der Bundestagswahl beschäftigen deutsche Medien die Frage, ob jemand ohne Abitur, der derzeit nur eine „Aktie mit Fantasie" ist, Kanzler werden kann. Die Geschichten des SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz, dem einst ersten Mann in Würselen, sind derzeit überall präsent: Er flog von der Schule, verfiel als junger Mann dem Alkohol, bekam aber als Autodidakt seinen „Richtungswechsel" noch hin - ohne Abitur und Studium. 2015 hinterfragte der Autor Mario Müller-Dofel in seinem Buch „Karriere ohne Studium" den Akademisierungstrend in Deutschland und brach damals eine Lanze für beruflich Qualifizierte: Joschka Fischer wurde Außenminister, obwohl sein einziges Ausbildungszertifikat ein Taxischein ist.

Tim Mälzer begann als Verkäufer auf der Hamburger Reeperbahn, Wybcke Meyer ging als Reiseleiterin an den Ballermann und trägt heute Verantwortung für ein Kreuzfahrtunternehmen. Guido Schmidt saniert als erfolgreicher Kleinunternehmer am Bau große Häuser. Christian Stang arbeitete als Postbeamter, ehe er von den Medien zum „Rechtschreibpapst" getauft wurde.

Müller-Dofel zeigte auch Akademikern, was sie von ihnen lernen können: komplizierte Sachverhalte zu vereinfachen, Begeisterung, Menschen auf Augenhöhe zu begegnen, bodenständig und pragmatisch zu sein - ohne sich anzubiedern. Meisterlicher Erfolg war das, was ihrem Können folgte. Es war allerdings nicht seine Absicht, Nicht-Akademiker gegen Akademiker auszuspielen, sondern das Verbindende zu zeigen, denn eine Könnens- und Wissensgesellschaft gehören zusammen.

Martin Schulz betonte in diesen Tagen, dass ihn „nicht das Denken der selbst ernannten Eliten" interessiert, „sondern das der hart arbeitenden Menschen" (DER SPIEGEL 7/2017, S. 15). Dabei nahm er in Kauf, dass seine Zuhörer die promovierte Physikerin Angela Merkel zur Elite zählen. Es finden sich in den aktuellen Medienbeiträgen zur Kanzlerkandidatur allerdings kaum Informationen über die Kompetenzen, bisherige nachhaltige Leistungen und das Können-müssen des Kanzlerkandidaten.

Vielleicht sollten wir uns zuerst die Frage stellen, was eine Könnensgesellschaft, in der das nachhaltige Tun wirksam wird, ausmacht. Zuerst kommen immer die Aufgaben und dann der Mensch, der seine Aufgabe richtig erfüllt. Wir brauchen Könner, die wissen, dass sich Risiken nicht vermeiden lassen, indem einfach so weitergemacht wird wie bisher. Wer zusammen handeln möchte, muss vorher fähig sein, komplexe Sachverhalte „zusammen" zu denken. Das gilt auch für akademische und nicht-akademische Themen. Es braucht Synthesen, gemeinsame Entschlüsse, Klarheit, Vertrauen. Und TUN.

Es gibt in Wirtschaft und Sport zahlreiche Beispiele für einen Richtungswechsel, die zeigen, warum wir keine Angst vor Veränderungen haben müssen, warum es wichtiger ist, sich über Gestaltungsmacht als über Funktionsmacht zu definieren, wie wir besser mit Krisen umgehen und mit einem vorurteilsfreien Blick eingefahrene Wege verlassen können. Opel-Managerin Tina Müller und Fußballtrainer Jürgen Klopp stehen dabei stellvertretend für viele andere, die Probleme lösen, ohne viel darüber zu reden: „Ich mache. Fertig."

Die wichtigsten Fragen zur Könnensgesellschaft

Wie kommt gesellschaftliche Veränderung „in die Gänge"?

Warum brauchen wir gestaltende Lebenshandwerker, die keine Angst vor Veränderungen haben und sich nicht über Funktionsmacht definieren?

Weshalb brauchen wir ein neues Denken, das in der Lage ist, viele Facetten und Perspektiven zu sehen und das große Ganze zu erfassen, aber auch ins Detail zu gehen?

Warum ist Achtsamkeit mit der ständigen Prüfung und Überarbeitung bestehender Erwartungen verbunden sowie mit einer erhöhten Aufmerksamkeit auf mögliche Fehler und Abweichungen?

Warum ist Überzeugung ist immer dort notwendig, wo nichts selbstverständlich ist?

Wann sind Produkte und Marken langfristig erfolgreich?

Warum benötigen Marken klare Weichen, die es ermöglichen, dass sich eine Marke aus sich selbst heraus entwickeln kann?

Hängt erfolgreiches Marketing auch davon ab, inwieweit sich ein Unternehmen auf die visionäre Markenarbeit konzentriert und sich nicht von internen Strukturen und Machtgefügen leiten lässt?

Was sind die Gründe dafür, dass in Wertschöpfungsprozessen von Unternehmen und Organisationen einiges permanent falsch läuft?

Was hat die Opel-Kampagne von Tina Müller „Umparken im Kopf" mit uns zu tun?

Wie gelingt es starken Marken, glaubhaft gesellschaftliche Themen zu besetzen?

Wie können wir Kopf und Körper zum Umparken bringen?

Was macht eine Könnensgesellschaft aus?

Warum muss Können immer wieder bewiesen werden?

Welche Rolle spielt der Glaube im Richtungswechsel des eigenen Lebens?

Was muss ein Politiker können, um sein Amt richtig auszuüben?

Was können Politiker von Managern aus der Wirtschaft lernen?

Warum brauchen Könner keine Quote?

Warum macht Übung den Meister?

Warum muss in Deutschland niemand den Kopf in den Sand stecken, weil er nicht studiert hat?

Inwiefern können Nichtakademiker dazu beitragen, Krisen zu bewältigen und Risiken zu minimieren?

Warum können wir im Digitalisierungszeitalter auf das Handwerk nicht verzichten?

Warum ist Selbstbestimmung zu einem der prägendsten Begriffe der Gegenwart geworden?

Warum ist es wichtig, sich zu ergänzen statt abzugrenzen?

Warum kann Dringlichkeit weder beschlossen noch verordnet werden? Was verbindet sie mit Verstehen, Hoffnung und Identifikation?

Wo sind die handelnden Intellektuellen geblieben?

Weiterführende Literatur:

Mario Müller-Dofel: Karriere ohne Studium. Zum Umdenken und Mut machen: Zehn Interviews mit erfolgreichen Nichtakademikern und renommierten Personalexperten. SpringerGabler Verlag 2015.

Alexandra Hildebrandt: Richtungswechsel: Warum echte Könner wie Tina Müller und Jürgen Klopp immer wieder umparken. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2016.

Alexandra Hildebrandt: TUN! Warum wir Könner brauchen, um die Zukunft meisterlich zu gestalten. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.

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