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Deutschland ist bei der Digitalisierung nur Mittelmaß

29/07/2017 15:10 CEST | Aktualisiert 29/07/2017 15:11 CEST
Petar Chernaev via Getty Images

Der Innovationsindikator 2017, der die Innovationsstärke von 35 Volkswirtschaften untersucht hat, bescheinigt Deutschland zwar einen vierter Platz in der internationalen Innovationslandschaft, dennoch bleibt der Abstand zu den Anführern Schweiz, zu Singapur und zu Belgien groß.

Erstmals wurde hier der Digitalisierungsbereich untersucht. Das Ergebnis: Deutschland liegt weit abgeschlagen auf Platz 17 und bleibt hinter anderen Industrienationen wie den USA oder Großbritannien zurück - ob digitale Wirtschaft (Rang 12), Bildung (Rang 17) oder digitale Forschung/Technologien (Rang 16) - die Ergebnisse fallen in keinem Digitalbereich besonders gut aus. Dies gilt auch für die digitale Infrastruktur, wo Deutschland international nur Rang 19 belegt.

Mehr zum Thema: Bernd Westphal (SPD): „Die Digitalisierung bringt eher Chancen als Risiken"

Dennoch: "Deutschland bleibt international ein wichtiger und angesehener Innovationsstandort und verbessert sich im Vergleich zum Innovationsindikator 2015 um einen Platz", so Univ.-Prof. Dr. Marion A. Weissenberger-Eibl, Institutsleiterin des Fraunhofer ISI. Allerdings sollte das Ergebnis nicht darüber hinwegtäuschen, dass die anführenden Länder weitaus innovationsfähiger sind.

Deutschland muss, um wettbewerbsfähig zu bleiben, vor allem bei der Digitalisierung aufholen.

Das bedeutet, dass

• künftig kleine und mittlere Unternehmen (KMU) stärker einbezogen werden müssen

• die Aus- und Weiterbildung mehr in Richtung Digitalisierung ausgebaut werden muss und die Grundprinzipien von und die Arbeit mit Systemen in dem jeweiligen Berufsfeld gelernt werden müssen

• bestehende Berufe neu gedacht und neue Berufsfelder definiert werden müssen, in denen Mensch und Maschine sinnvoll und leistungsstark zusammenarbeiten können

• die Fertigkeiten verstärkt ausgebildet werden, die weniger gut von künstlichen Systemen erledigt werden können

• bei Organisationen an erster Stelle das richtige Verständnis von Innovation stehen muss

• die IT-Sicherheit gestärkt wird

• die öffentliche Verwaltung fit gemacht

• der Breitbandausbau vorangetrieben wird

• der digitale europäischen Binnenmarkt verwirklicht wird.

"Deutschland muss im Innovationswettbewerb deutlich zulegen", bemerkt auch BDI-Präsident Dieter Kempf, der zugleich fordert, dass die Politik Investitionen in Innovationen vorantreiben und zügig die steuerliche Forschungsförderung einführen muss, „die es fast überall in Europa bereits gibt." (Quelle: Fraunhofer ISI)

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Neben dem digitalen Binnenmarkt und einem nationalen Kompetenz-Monitoring empfehlen acatech und BDI der Politik, das Innovationsprinzip bei neuen Gesetzen einzuführen. Erforderlich sei zudem eine neue nationale MINT-Strategie mit den Schwerpunkten Qualitätssicherung, Talentförderung und Bildung in der digitalen Transformation.

Der Innovationsindikator ist eine regelmäßige, vergleichende Studie zur Innovationsstärke, die im Jahr 2000 zum ersten Mal erschien. Er erfasst die Innovationsbedingungen am Wirtschaftsstandort Deutschland und vergleicht sie in einem Ranking in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung, Staat und Gesellschaft sowie in einem Gesamtindikator mit den weltweit führenden Industrieländern und aufstrebenden Staaten. Auf diese Weise entsteht eine Grundlage für innovationspolitische Entscheidungen. Der Innovationsindikator ist eine Kooperation von acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und dem BDI. Die Studie wird vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) erstellt. Der Innovationsindikator wurde vom BDI gemeinsam mit der Deutsche Telekom Stiftung initiiert, bevor 2015 acatech Kooperationspartner wurde.

Die Publikation kann hier heruntergeladen werden.

Weitere Informationen: CSR und Digitalisierung. Der digitale Wandel als Chance und Herausforderung für Wirtschaft und Gesellschaft. Hg. von Alexandra Hildebrandt und Werner Landhäußer. SpringerGabler, Heidelberg Berlin 2017.

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