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Informieren statt unterhalten: Warum wir dringend Klartext brauchen

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Der diesj├Ąhrige Gewinner des Eurovision Song Contest, der Jazz-S├Ąnger Salvador Sobral aus Portugal, setzte mit seiner Ballade "Amor pelos dois" auf eine minimalistische Performance. "Wir leben in einer Welt v├Âllig austauschbarer Musik - Fast-Food-Musik ohne jeden Inhalt", erkl├Ąrt er nach der ├ťbergabe der ESC-Troph├Ąe: "Musik ist kein Feuerwerk. Musik ist Gef├╝hl. Lasst uns versuchen, etwas zu ├Ąndern und die Musik zur├╝ckzubringen!"

Das hat eine enorme Symbolkraft in einer Zeit der lauten Bilderflut und des Immer-mehr. Was f├╝r die Musik gilt, sollte auch f├╝r Medien und Kommunikation gelten. Gegen Hysterie und ÔÇ×alternative Fakten", Reize und Signale, die unser Verstand nicht mehr verarbeiten kann, hilft nur eines: Klartext.

W├Ąhrend Sobrals ESC-Auftritts kam mir das letzte Interview des Autors und Publizisten Roger Willemsen ("Ich w├╝rde gerne glauben") in den Sinn. Der 60. Geburtstag am 15. August 2015 war f├╝r ihn Anlass f├╝r einen Blick zur├╝ck. Zu diesem Zeitpunkt wusste er noch nicht von seiner Krebserkrankung (ein halbes Jahr sp├Ąter war er tot). Er spricht in diesem Interview mit dem Domradio ├╝ber die ganz ger├╝hrten, innigen Momente seines Lebens, die ihm zuweilen auch die Sprache verschlagen haben. Stille, ÔÇ×ein Loch in einer Fernsehsendung", empfand er als Kostbarkeit, weil sich hier die Gedanken seines Gegen├╝bers gesammelt haben und nichts abgesprochen war.

Da er sein Leben und seine Arbeit im Kommunikationsbereich als sehr privilegiert empfand, wollte er etwas tun, das anderen hilft und die gegebene Frist sinnvoll nutzen. Da f├╝r ihn zu den gr├Â├čten Gl├╝ckszust├Ąnden der Zustand der Produktivit├Ąt geh├Ârte (etwas ÔÇ×hervorzubringen"), richtete sich sein Fokus vor allem auf das, was er noch hervorbringen wollte: ÔÇ×Ich m├Âchte weniger unterhalten als informieren." Das sind seine letzten ├Âffentlichen S├Ątze - und sein Verm├Ąchtnis an uns.

Information stammt vom lateinischen Verb informare ab, das so viel bedeutet wie formen, bilden oder gestalten (f├╝r Willemsen war es ÔÇ×hervorbringen"). Darin ist der Gedanke enthalten, dass wir aus einer Menge von Informationen etwas anderes werden lassen, das gr├Â├čer sein k├Ânnte als die Summe der einzelnen Teile - wir sind eben nicht nur informierte Wesen, ÔÇ×sondern in der Lage, Informationen zu transformieren in etwas, das wir dann Wissen nennen", sagt die Philosophin Ina Schmidt. Durch ÔÇ×informieren" erhalten wir einen klaren Blick f├╝r das, was eine kluge Entscheidung ausmacht, denn es braucht einen Ma├čstab, der hilft, in lauten und un├╝bersichtlichen Zeiten die eigene Existenz neu auszurichten.

Weitere Informationen.

Ina Schmidt: Das Ziel ist im Weg. Eine philosophische Suche nach dem Gl├╝ck. Verlag Bastei L├╝bbe, K├Âln 2017.

Alexandra Hildebrandt: Kopf oder Bauch? Wie wir heute die richtigen Entscheidungen treffen. von Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.

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