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"Hot Jobs": Wie Frauen in Technikberufen heute Karriere machen

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Thomas Barwick via Getty Images
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Allein unter Männern

Frauen erhalten seltener als Männer "Hot Jobs", die mit mehr Geld, mehr Personalverantwortung und schnelleren Aufstiegsmöglichkeiten verbunden sind, weil ihnen weniger zugetraut wird und/oder weil sie die dafür angeblich notwendigen Bedingungen nicht erfüllen können.

Vielleicht, weil den Entscheidern dabei ihr Frauenbild in die Quere kommt, schreibt Cornelia Edding in ihrem aktuellen Buch "Herausforderung Karriere", in dem sie sich mit Strategien für Frauen auf dem Weg "nach oben" beschäftigt.

Verwiesen wird im Buch auch auf verschiedene bekannte Initiativen, die die ungleiche Arbeitssituation verändern sollen: z. B. mehr Frauen in die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) zu "locken" oder mit Veranstaltungen wie dem "Girl's Day", um Frauen an "Männerberufe" heranzuführen. Eddings Ergebnis ist allerdings ernüchternd, da sich die Unterschiede nur langsam annähern.

Ein Grund dafür ist nach Ansicht der Managementexpertin, dass sich die geschlechtsspezifische Teilung des Arbeitsmarktes unternehmensintern fortsetzt, weil es hier nicht nur eine vertikale Arbeitsteilung (Männer oben, Frauen unten) gibt, sondern auch eine horizontale:

So würden sich in Arbeitsbereichen wie Personal und Verwaltung Frauen "sammeln", und in anderen die Männer, die in technischen Bereichen eine "organische Allianz" bilden, in der das Weibliche den Kontrast bildet.

Für Technikerinnen sei es schwer, ein Selbstkonzept zu entwickeln, das Beruf und Weiblichkeitsvorstellungen gut miteinander in Einklang bringt. Viele Technikerinnen sind deshalb häufig nicht so stark mit ihrem Beruf identifiziert wie ihre männlichen Kollegen. Indem sie innerlich Distanz halten, schützen sie sich zwar, aber dies würde auch ihren Erfolg behindern.

Zudem führt die Häufung vieler kleiner Regelungen, Prozesse, Entscheidungen und Vorlieben zu dieser Teilung, die bereits in der Schule beginnt:

So würden sich laut OECD-Studie 2015 Mädchen im Fach Mathematik weniger zutrauen, auch wenn sie nicht weniger können als die Jungen.

Später setzt sich die Teilung mit der Wahl des Studienfachs oder des Ausbildungsberufs fort: "Mit der Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Position und mit den unterschiedlichen Gehaltsvorstellungen von Frauen und Männern".

Verstärkt setzen Unternehmen heute darauf, die Vereinbarkeit zwischen Familie und Beruf zu verbessern. Edding verweist in diesem Zusammenhang auch auf den vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) herausgegebenen "Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit" (2013).

Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören Arbeitszeitflexibilisierung, Elternzeit/Elternförderung, Einarbeitungsprogramme für Wiedereinstieg, Kinder-/Angehörigenbetreuung, temporäre Arbeitszeitverkürzung, und Familienservice.

Die Stärken der Frauen

In Deutschland führen jährlich über 600 Unternehmen aller Branchen, Größen und Regionen eine umfangreiche Great-Place-to-Work-Mitarbeiterbefragung durch, welche die Arbeitsplatzqualität misst sowie Stärken und Schwächen aufdeckt.

Im Fokus stehen zentrale Arbeitsplatzthemen, berufliche Entwicklungsmöglichkeiten, Vergütung, Gesundheitsförderung und Work-Life-Balance. Zudem wird die Qualität der Maßnahmen der Personal- und Führungsarbeit in den Betrieben bewertet.

Zu den vielfach ausgezeichneten Unternehmen gehört auch die Neumüller Unternehmensgruppe, die in Nordbayern zu den zehn großen Personaldienstleistern gehört und seit 2003 Ingenieure und Akademiker für Kunden über die Arbeitnehmerüberlassung mit Option zur Übernahme rekrutiert.

Der Frauenanteil in den MINT-Fächern ist leider sehr niedrig in diesen Studiengängen (ca. 5%), die auch einen Schwerpunkt der Neumüller Unternehmungen bilden (ca. 70%).

Allerdings ist die Frauenquote bei Neumüller selbst deutlich höher - angefangen beim Spitzenmanagement (die weibliche und männliche Geschäftsführung haben Regina und Werner Neumüller), über das obere Management (je ein Mann und eine Frau bis zum Mutterschutz) und das mittlere (mehr Frauen als Männer) bis zur Belegschaft, wo der Frauenanteil in den MINT-Fächern etwa doppelt so hoch ist, wie bei den Kunden von Neumüller.

Intern werden jene Frauen gefördert und ermutigt, die sich für eine weiterführende Aufgabe interessieren. So sind z.B. die ehemalige Buchhalterin oder Empfangsdame mittlerweile beide Führungskräfte im HR-Umfeld.

Jährlich nimmt das Unternehmen am bundesweiten "Boys & Girls-Day" teil - auch mit dem Ziel, die Frauenquote in technischen bzw. der Männerquote in kaufmännischen Berufen zu steigern.

"Frauen machen anders Karriere als ihre männlichen Kollegen", sagt der Geschäftsführer und Diplom-Ingenieur Werner Neumüller, denn sie sind "mehr kollegial, weniger egoistisch. Leider wird das heute vielfach noch immer nicht angemessen gewürdigt."

Bei den Neumüller Unternehmungen sei die Gleichbehandlung von Frauen und Männern selbstverständlich: "Alle werden entsprechend ihrer Qualifikationen und Fähigkeiten entlohnt, unabhängig ob Mann oder Frau".

Angeboten wird familienverträgliche Teilzeitarbeit für Mütter, Teams von Voll- und Teilzeit-MA/innen garantieren gegenseitige Vertretung, Aufgaben werden nach Absprache familienfreundlich umorganisiert.

Zusätzlich wird über Work Life Efficiency berufliche Entwicklung, familiäre Verpflichtungen und persönlich Nötiges verstärkt in Einklang gebracht. "Somit entstehen nicht nur zusätzliche berufliche Erfolgserlebnisse, sondern es wird auch das persönliche Wohlbefinden gefördert das sich sicher wieder auf das Wohlergehen in familiärer Hinsicht positiv auswirkt", so der Geschäftsführer, dessen Unternehmen 2014 als TOP ARBEITGEBER Gewinner des Strategie-Awards (Auszeichnung für kluge Strategien bei der Frauen- und Familienfreundlichkeit) war.

Warum Unternehmen gute Gene brauchen

Einzelmaßnahmen machen jedoch noch kein erfolgreiches Unternehmen und zufriedene Mitarbeiter aus. Entscheidend ist die DNA. Dass sich Werner Neumüller der Symbolik des Perlenketten-Molekül namens DNA (Desoxyribonukleinsäure) bedient und davon spricht, dass sich die gelebte Unternehmens-DNA ("ehrlich, fleißig, nachhaltig") als Grundlage des unternehmerischen Handelns ableitet, ist kein Zufall. Bereits die Natur gibt die richtige strukturelle Verankerung vor:

Die Herstellung von Genen ist, ebenso wie ihre "Inbetriebnahme", ein kooperatives "Unternehmen". Gene (bzw. ihre DNA) benötigen, um sich zu verdoppeln und um abgelesen zu werden, eine Vielzahl von Helfermolekülen. Diese sind Eiweißstoffe (Proteine), zu deren Herstellung wiederum Gene benötigt werden.

Sie funktionieren als biologische Kooperatoren und Kommunikatoren, ja können ihre Funktion nur im engen Zusammenspiel mit zahlreichen externen Faktoren wahrnehmen.

Zur "Umwelt" im Kontext der Gene gehört nach Ansicht des deutsche Molekularbiologen und Neurobiologen Joachim Bauer:

• die Situation innerhalb der jeweiligen Zellen
• die Situation des Körpers als Ganzes
• die aufgenommene Nahrung
• die ökologische Qualität unserer Lebenswelt
• unser Lebensstil
• die aktuelle zwischenmenschliche Situation, "die vom Gehirn in biologische Signale übersetzt wird, die einen starken, wissenschaftlich nachgewiesenen Effekt auf die Regulation von Genen haben" (Prinzip Menschlichkeit, 2008).

Eine auf Kooperation aufgebaute Ordnung, die sich auch auf den Unternehmenskontext übertragen lässt, muss die Freiheit des Einzelnen bewahren und die Kreativität und Produktivität wirksam fördern - aber vor allem auch wirtschaftlich "funktionieren".

Damit ist die Ebene des Managements und die Unternehmenskultur angesprochen, die nicht in männlich oder weiblich unterteilt ist, sondern überall gleich oder sehr ähnlich sein muss, weil eine Kultur der Leistung, der Professionalität und der Effektivität - die der Managementexperte Fredmund Malik "Kulturwerte des Funktionierens" nennt - sonst nicht möglich ist.

Effektivität ist das Fundament des Erfolges (klüger arbeiten statt mehr vom selben), das sich richtigem Management verdankt, dessen Aufgabe es ist, "Ressourcen in Resultate umzuwandeln".

Zu den zentralen Kulturbestandteilen, die nicht verordnet, sondern nur von innen gelebt werden können, gehören für Werner Neumüller Wertschätzung, Offenheit, Zuverlässigkeit und Mitbestimmung.

Dafür braucht es eine effektive Entscheidungskultur und Rahmenbedingungen, innerhalb derer Mitarbeiter und Führungskräfte ihr Handeln als sinnvoll erachten.

Symbolisch drückt sich dies unter anderem darin aus, dass die Neumüller Unternehmensgruppe im Oktober 2014 die Charta der Vielfalt unterzeichnete. Bundeskanzlerin Angela Merkel ist Schirmherrin der Unternehmensinitiative zur Förderung von Vielfalt in Unternehmen und Institutionen, die von der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Aydan Özoğuz, unterstützt wird.

Vielfalt kennt keine Kategorien wie männlich und weiblich, Alt und Jung, schwarz und weiß.

Um als Frau heute "richtig" Karriere zu machen, sind im Kontext des Edding-Buches und des Beispiels der Neumüller Unternehmen heute vor allem folgende Aspekte entscheidend:

• die Rekrutierungs- und Auswahlverfahren der Unternehmen
• die Haltung der Vorgesetzten
• die Bezahlung
• die Einstellung zu Teilzeit
• die Verteilung von Chancen
• die Bewertung der Arbeit.

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