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Hinterm Horizont: Eine Zwischenbilanz aus Äthiopien

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HUNGER IN ETHIOPIA
Siegfried Modola / Reuters
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Mit dem gesellschaftlichen Engagement in Äthiopien wird vor allem das Lebenswerk von Karlheinz Böhm und seiner 1981 gegründeten Hilfsorganisation Menschen für Menschen (MfM) verbunden. Doch seit drei Jahren ist der Gründer, der seine Popularität in den Dienst dieser Lebensaufgabe stellte, tot - und die Stiftung kämpfte ohne ihn ums Überleben.

Heute kümmert sich MfM-Vorstand Peter Renner um die Organisation und hilft beim Aufbau einer lokalen Infrastruktur und Zivilgesellschaft. „Die Zahlen haben die Umarmung des Gründers ersetzt", bemerkt Bernd Dörries in DIE ZEIT - das ist keine Negativbewertung, sondern zielt auch auf das wichtige Prinzip von modernen (Hilfs-)Organisationen: Transparenz. Denn die Organisationen müssen bereit sein, ihre Prozesse, Leistungen und Wirkungen auch nach außen gegenüber ihren Stakeholdern und der Öffentlichkeit sichtbar zu machen.

Dessen ist sich auch Reiner Meutsch bewusst, der ab 1979 das väterliche Busunternehmens MESO-Touristik leitete und von 1989 bis Juni 2009 Geschäftsführender Gesellschafter des Reisedirektanbieters Berge & Meer Touristik GmbH war. Im Zusammenhang mit seiner Weltumrundung gründete er im Juni 2009 die „Reiner Meutsch Stiftung FLY & HELP", die gezielt und nachhaltig Bildungsprojekte für Kinder in Entwicklungsländern finanziert. Hauptziel der Stiftung die Förderung von Schulbildung.

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Mit Hilfe der Spender errichtet die Stiftung hauptsächlich neue Schulen in Entwicklungsländern. Mit Hilfe der Spenden errichtet die Stiftung neue Schulen in Entwicklungsländern. Bis Ende 2016 hat die Stiftung schon 137 Schulen gebaut. 2017 kommen weitere 52 Projekte hinzu.

Alle Spendengelder fließen 1:1 in die Bildungsprojekte, da Reiner Meutsch sämtliche Kosten der Stiftung privat übernimmt bzw. diese durch Sponsoren abgedeckt werden. Auch die Reisekosten zahlt jeder Reiseteilnehmer selbst. Die Stiftung erstellt jedes Jahr einen Jahresbericht, der sich auch auf der Website findet. Online sind ebenfalls die Geschäftsberichte hinterlegt: Der Jahresabschluss wird jedes Jahr von einem Wirtschaftsprüfer geprüft. Zudem trägt die Stiftung das DZI Spenden-Siegel für seriöse Spendenorganisationen. Es belegt, dass eine Organisation mit den ihr anvertrauten Geldern sorgfältig und verantwortungsvoll umgeht.

Im Juni 2017 reiste er mit einer Delegation nach Äthiopien und weihte dort zwei Schulen ein. Vor den Zahlen kommt für ihn die Umarmung. Beides gehört zum Grundprinzip seines Engagements: Er reist durch viele Länder, um die Schulprojekte seiner Stiftung auszuwählen, die Bauarbeiten zu kontrollieren oder die fertigen Schulen einzuweihen.

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Reiner Meutsch mit äthiopischen Kindern

Obwohl er schon viel Armut auf der Welt gesehen hat, hat ihn die aktuelle Lage in Äthiopien sehr schockiert: Äthiopien ist der bevölkerungsreichste Binnenstaat der Welt und gehört zu den ärmsten Ländern dieser Erde. Etwa 50% der Bevölkerung sind unterernährt. Kinderarbeit ist weit verbreitet, und in den großen Städten leben mehrere Hunderttausend Straßenkinder: „Durch die schlimme Trockenzeit der letzten Monate hat sich die Lage vor Ort noch verschärft. In Äthiopien leiden 5,6 Millionen Menschen akut an Hunger. Der Projektpartner von FLY & HELP vor Ort, die Welthungerhilfe, kümmert sich seit Monaten intensiv darum, die Hungersnot zu bekämpfen."

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Die Reiner Meutsch Stiftung FLY & HELP hat insgesamt bereits fünf Schulen in Äthiopien gebaut, wovon zwei Schulen während der Reise eingeweiht wurden. Die Gruppe wurde von vielen hunderten Kindern und deren Eltern innig an den Schulen empfangen, die im Hochland auf ca. 3.300 Metern Höhe liegen. „Obwohl die Menschen dort nichts besitzen, ist die enorme Herzlichkeit und Gastfreundschaft bewegend", sagt er rückblickend.

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Reiner Meutsch bei der Schuleinweihung

Das Haupt-Fortbewegungsmittel im äthiopischen Hochland sind Esel. Manche Kinder kommen zu dritt auf einem Esel zur Schule geritten, weil der Fußweg sonst zu weit wäre.

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Neues Schulgebäude in Filla

Meutsch fragte, warum in der Schule in Filla mitten im Klassenraum eine Ziege steht. Der Lehrer erklärte ihm, „dass das Kind nachts immer bei der Ziege im Stall schläft und die Ziege das Kind deshalb auch tagsüber nie alleine lassen würde".

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Reiner Meutsch im Klassenraum in Filla

Reiner Meutsch reiste von Äthiopien aus weiter nach Ruanda, um dort weitere Schulprojekte zu besuchen. Das Lebenswerk geht weiter.

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Einen Überblick über die Gesamtaktivitäten der Reiner Meutsch Stiftung FLY & HELP gibt die Kindle Edition "Antrieb der Wohtäter" von Werner Neumüller und Alexandra Hildebrandt, deren Erlös komplett an die Stiftung geht.

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