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Dr. Alexandra Hildebrandt Headshot

Hier ist ein Mensch: Mit Vielfalt fĂĽr Vielfalt

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Am 30. Juni 2016 wäre der Schauspieler, Entertainer und Showmaster Peter Alexander 90 Jahre alt geworden. An diesem Tag fand in Berlin der 8. Biesalski-Cup statt. Die Veranstaltung hat eine innere Verbindung zu Peter Alexander, auch wenn es auf den ersten Blick überraschend erscheint: In diesen Tagen erlebt sein Lied „Hier ist ein Mensch" von 1982 ein Revival - auch der Schlagersänger Guildo Horn hat es in sein aktuelles Repertoire aufgenommen. Darin heißt es:

Kennst du seinen Namen
seinen Namen kennst du nicht.
Sieh zu ihm hinĂĽber
dann kennst du sein Gesicht.

Über einen langen Zeitraum haben die Schüler_innen der Zehlendorfer Biesalski-Schule Zeichnungen zum Thema Köpfe angefertigt und ihre Ergebnisse Anfang Juni in einer Ausstellung präsentiert. Sie vermittelte die Botschaft, dass jeder Mensch einzigartig ist und der respektvolle Umgang mit dem Fremden die eigene Identität nicht schwächt, sondern stärkt. Nur wer sich auch im Anderen spiegeln kann, erkennt sich selbst.

Malen ist eine „Bauchangelegenheit" - „Schreiben ist eine Kopfangelegenheit", sagt der Schauspieler Armin Müller-Stahl in seinem letzten Interview in der Süddeutschen Zeitung.

Um die Welt und sich selbst zu verstehen und zu verändern, braucht es „buchstäblich" beides. Auch dazu gibt es einen passenden Bezug im Lied von Peter Alexander:

Hier ist ein Mensch
schick ihn nicht fort.
Gib ihm die Hand
schenk ihm ein Wort.

Im Rahmen des Berliner Sportturniers beteiligten sich am 30. Juni (dem Geburtstag des Entertainers) engagierte SchĂĽler_innen und Lehrer_innen an der Gemeinschaftsinitiative AUF EIN WORT, die von der Schauspielerin Valerie Niehaus zusammen mit der Fotografin Steffi Henn und Schauspielkollegin Christina Hecke ins Leben gerufen wurde, um einen gesellschaftlichen Beitrag zu Inspiration, Kommunikation, Ă–ffnung und Vertiefung des Miteinanders zu leisten.

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Foto: Biesalski-Schule

Die Kinder ließen sich mit ihrem Wort ablichten und erklärten, warum sie sich dafür entschieden haben. Freundschaft, Familie, Liebe, Engagement, Fairness, Herzlichkeit und Glück wurden unter anderem genannt.

Auch GlĂĽck war dabei ein wichtiges Wort, das auch auf das Sportturnier und die anschlieĂźenden Kinder-Pressekonferenz ausstrahlte. Die Schauspielerin Valerie Niehaus und die Politikerin Claudia Roth stellten sich den Fragen der Kinder-Reporter_innen.

Das Lied von Peter Alexander spielt in die hier angesprochenen Themen inhaltlich hinein:

Hier ist ein Mensch
der ist allein.

Du bist es nicht. Ruf ihn herein.

Du willst das nicht hören.
Wer sich plagt
sagst du
gewinnt.

Doch du mĂĽĂźtest wissen:
auch das GlĂĽck ist manchmal blind.

Hier ist ein Mensch. Das war das Hauptanliegen von Claudia Roth, die im Rahmen der Vielfaltsdiskussion auf Artikel 1 des Grundgesetzes verwies: „Die Würde des Menschen ist unantastbar."

Es geht nicht um die Würde des Mannes, der Frau, des Deutschen, des Ausländers oder des Homosexuellen, sondern um die Würde des Menschen.

Das betont auch die Diversity-Expertin, Sportwissenschaftlerin und Ex-Bundesligaspielerin Tanja Walter-Ahrens, die Lehrerin an der Biesalski-Schule ist und das jährliche Turnier von Beginn an begleitet.

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Tanja Walther-Ahrens am Mikrofon (Foto: Biesalski-Schule)

Ihr Nachbericht für Kinder und Erwachsene zeigt sehr konkret, was im kleinen Rahmen heute möglich ist, um Vielfalt zu fördern und eine nachhaltig bunte Gesellschaft zu gestalten.

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Mit Vielfalt fĂĽr Vielfalt

Nachbericht zum 8. Biesalski Cup von Tanja Walther-Ahrens

Auf drei Feldern spielten insgesamt 21 Teams aus acht Schulen um Medaillen und Pokale. Wer gerade nicht spielte beziehungsweise gar nicht spielen wollte, konnte sich mit Riesenseifenblasen machen, Dosen werfen, BMX- oder Gokart-Parcour, Speedstacking mit der Lynar-Grundschule oder beim Kistenklettern beschäftigen und austoben - oder sich einfach durch die kulinarische Vielfalt von Essen und Trinken arbeiten.

Angeleitet durch die Teamer der Fritz-Karsen-Schule trafen sich die Teams der Grundschule zum Turnier im soccer court. Neben den erzielten Toren waren hier die Fairplay-Punkte am Ende des Spiels entscheidend.

Den Fairplay-Pokal teilten sich die beiden Heimteams der Biesalski- und der Quentin-Blake-Schule. Nach Toren und Punkten gewann die Toulouse-Lautrec-Schule das Turnier vor der Schilling- und der Marianne-Buggenhagen-Schule.

In der Halle wetteiferten die Teams beim Rollstuhlfußball um Medaillen. Die Teams der Fritz-Karsen- und Quentin-Blake-Schule mussten neidlos anerkennen, dass der Rollstuhl als Sportgerät gar nicht so leicht zu handhaben ist.

Beide Teams belegten abgeschlagen die letzten Plätze. Platz 3 erkämpfte sich das Team 1 der Schilling-Schule. Im Endspiel konnte das gastgebende Team der Biesalski-Schule den Heimvorteil voll ausnutzen und gewann gegen die Toulouse-Lautrec-Schule.

Auf dem großen Feld, in der Mitte des Schulhofes, wurde das Turnier der Oberstufe ausgetragen. Hier konnte das Team der Marianne-Buggenhagen-Schule seine Klasse ausspielen und gewann das Turnier vor der Carl-von-Linné- und der Katholischen Schule St. Hildegard.

Der 8. Biesalski-Cup, der unterstützt wurde vom Berliner Fußball-Verband, denns, Bio Company, Campina, DFB-Stiftung Egidius Braun, memo AG, Bio Lüske und dem Förderverein der Biesalski-Schule, hat eine neue Schirmfrau: Claudia Roth, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages.

Unterstützt wurde sie bei der Siegerehrung durch Gerd Liesegang, Vizepräsident des Berliner Fußball-Verbandes, der von Beginn an das Turnier begleitet.

Das Trio Politik, Sport und Kultur wurde durch die Schauspielerin Valerie Niehaus vervollständigt. Eingestimmt durch die Tanz AG der Biesalski-Schule wurden alle Spieler_innen für ihre Leistungen geehrt.

Nahtlos schloss sich das Turnier der Alba Rollstuhl Basketball Schulliga an die Siegerehrung an sowie die KinderPresseKonferenz (KidsPK) - fĂĽr alle, die lieber einmal diskutieren wollten, was denn der Sport eigentlich mit Politik und Kultur zu tun hat:

25 Kinderreporter_innen stellten ihre Fragen an Claudia Roth und Valerie Niehaus. Die Kids-PK, die von Dr. Alexandra Hildebrandt und Dennis Mielke moderiert wurde, stand unter dem Motto "Wir sind Vielfalt!"

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Kinder-Pressekonferenz (Foto: Biesalski-Schule)

Claudia Roth sagte gleich zu Beginn:

"Ich will nicht in einer Welt leben, in der Menschen schlechter behandelt werden, weil sie anders aussehen, aus einem anderen Land kommen, einen anderen Glauben haben oder anders lieben."

Sie forderte alle auf, sich dafĂĽr einzusetzen, dass alle Menschen die gleichen Rechte haben.

Valerie Niehaus hatte zuvor schon bei ihrer Fotoaktion "Auf ein Wort!" viele SchĂĽler_innen der Biesalski-Schule kennen gelernt und konnte diese dann auch gleich beim Namen nennen.

Sie plauderte über ihr Leben als Schauspielerin, über verschiedene Filmpartner (manche netter, manche weniger nett) - Näheres wurde aber nicht verraten - und ihre ersten Rollen. Ihr Tipp für Schüler_innen, die sich auch für Schauspielerei interessieren: "Glaub an dich selbst!" Ein bisschen Glück gehört allerdings auch dazu.

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Valerie Niehaus und Kids-PK-Moderator Dennis Mielke (Copyright: Biesalski-Schule)

Auf die Initiative "Auf ein Wort!", bei der die unterschiedlichsten Menschen ihr Lieblingswort in einer Porträtaufnahme präsentieren, ist sie gekommen, weil es sie gestört hat, dass alle immer genau wissen, was sie NICHT wollen und was sie NICHT mögen.

Sie wollte lieber wissen: Was ist dir wichtig, was magst du, was willst du? Am wichtigsten sei ihr der Austausch mit den Menschen, was auch im Gespräch mit den Reporter_innen der KidsPK deutlich wurde.

Worte brauchen auch Orte, an denen sie nachhaltig wirken können. Der Biesalski-Cup ist ein gutes Beispiel dafür.

Weitere Informationen:

Umparken im Kopf: Warum Gemeinschaftsinitiativen zum Thema Vielfalt Schule machen


Profis, Profile und Profite. Warum Erfolg nicht ĂĽber alles geht


AUF EIN WORT: Gemeinschaftsinitiative von Valerie Niehaus