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Guter Handel: Klimaschutz geht uns alle etwas an

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HANDEL KLIMASCHUTZ
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Was Verbraucher wirklich interessiert

„Umweltverträglichkeit und Versandhandel schließen sich aus?" Mit dieser Frage wirbt UPS in einer aktuellen Anzeige mit dem Titel „Grüner wird's nicht". Zur Umstellung der gesamten Lieferkette auf Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit wird der Geschäftsführer zitiert: „Wir haben viel unternommen, um unser Unternehmen grüner zu gestalten."

Dann folgen Hinweise auf die Umstellung auf Ökostrom, die Einführung klimaneutraler Eigenmarken und der Satz (im Zusammenhang der Umstellung auf UPS carbon neutral Versand): „Jetzt wollen wir auch unsere Geschäftspartner in unsere Nachhaltigkeitsstrategie einbinden".

Jetzt? Nachhaltige Geschäftsstrategien binden ihre Geschäftspartner von Beginn an in ihre Prozesse ein. Sie sind verbunden mit einem ausgeprägten Verantwortungsbewusstsein auf Unternehmens- und Gesellschaftsebene, die sich auch in der Organisationsstruktur wiederspiegelt - ebenso im Leitbild Nachhaltigkeit, im internen Kennzahlensystem (Erfassung der ökonomischen, ökologischen und sozialen und kulturellen Leistungen) und in der Gesamtkommunikation.

Solche Anzeigen sind kein Einzelfall. Leider tragen sie kaum dazu bei, dass Klimaschutz die Verbraucher wirklich interessiert. Das Thema braucht Nähe und Greifbarkeit im besten Wortsinn.

Viele, die sich nachhaltig für den Klimaschutz engagieren, werben allerdings im beschriebenen Sinne nicht laut damit, sondern wollen aufgrund ihres Handelns „erkannt" werden.

Mittelständische Unternehmen haben zudem nicht die finanziellen Möglichkeiten, teure Anzeigen zu schalten und können darin auch keinen Sinn erkennen, weil ihre Arbeit und deren Kommunikation immer inhaltlich geprägt ist.

Das gilt vielfach auch für Großunternehmen, deren Kerngeschäft an Nachhaltigkeitskriterien ausgerichtet ist. Dazu gehört beispielsweise die Otto Group, eine weltweit agierende Handels- und Dienstleistungsgruppe.

Selbst wenn Unternehmen auf laute Werbung verzichten, so ist es dennoch wichtig, dass sie auch das WIE und WARUM ihres Handelns zeigen, denn Produkte werden heute immer austauschbarer.

Ă–kologische Versandhandelsunternehmen wie die memo AG in GreuĂźenheim nutzen vor allem ihren Nachhaltigkeitsbericht, um transparent und detailliert ĂĽber diese Themen zu berichten.

In der aktuellen Ausgabe heißt es: „Wir haben das Thema Nachhaltigkeit zu unserem Kerngeschäft gemacht und setzen es ganzheitlich im Unternehmen um." Was folgt, ist keine Aufzählung dessen, was alles getan wird, sondern wie Prozesse ineinandergreifen und nachhaltig wirken.

Wenn ein Thema wie Klimawandel auf diese konkrete Ebene heruntergebrochen wird, ist der Verbraucher auch interessierter daran.

Ein Beispiel:

Die vom Kunden bestellten Waren werden hier schnell und in der entsprechenden Qualität am korrekten Bestimmungsort zur Verfügung gestellt. Neben dem herkömmlichen Versandkarton werden ihnen bereits seit 1998 die Zustellung ihrer Ware im ökologischen Mehrweg-Versandsystem („memo Box") angeboten.

Über das eigene Warenwirtschaftssystem errechnet das Unternehmen automatisch die für den jeweiligen Kundenauftrag optimale Größe des Versandpaketes und reduziert dadurch Verpackungsabfall. Als Füllstoff zur Produktsicherung wird ausschließlich Recyclingpapier verwendet.

Wesentlichen Einfluss auf die CO2e-Emissionen der Versandsysteme haben die Transportemissionen. Die unvermeidbaren Treibhausgase kompensiert memo durch Investitionen in anerkannte, ökologisch sinnvolle Klimaschutzprojekte, unabhängig davon, ob die Waren in der „memo Box" oder im Karton versendet werden.

Mit dem „Wertstoff-Box"-System wird den Kunden bereits seit 1992 ein bequemes Rücksendeverfahren für ge- und verbrauchte Produkte angeboten. Das System kann beispielsweise zur Rücksendung von leeren Großbehältern zur Nachfüllung von Reinigungs mitteln, Tonermodulen oder Inkjet-Druckköpfen sowie alten Leuchtstoffröhren, Energiesparlampen oder CDs /DVDs verwendet werden.

Dieses Beispiel zeigt, was die Globalisierungskritikerin Naomi Klein meint, wenn sie von umfassenden MaĂźnahmen spricht, die Verbrauchern klimafreundliche Entscheidungen leichter machen.

Zudem fordert sie in ihrem aktuellen Buch „Die Entscheidung" u.a. Programme, „die Hersteller für den Elektroschrott verantwortlich machen, den sie produzieren, und eingebaute Redundanz und Veralterung drastisch reduziert". Detaillierte Informationen zu den von ihr angesprochenen Themen finden sich im Unternehmenskontext ebenfalls im Nachhaltigkeitsbericht des Öko-Versandhändlers.

Klimafreundlich einkaufen

Bezüglich der Auswirkungen auf Klima und Umwelt besteht die relativ weit verbreitete Meinung in der Öffentlichkeit, dass Onlineshopping zwar für den Verbraucher bequem, für die Umwelt aber schädlich sei, was vor allem auf die relativ hohen Retourenquoten im Onlinehandel zurückgeführt wird.

Demnach stellen sich folgende Fragen:

• Ist der Onlinekauf wirklich klimaschädlicher als der Einkauf im stationären Einzelhandel?
• Welche Faktoren spielen dabei eine Rolle?
• Gibt es Unterschiede zwischen verschiedenen Produktarten?
• Welche Bedeutung kommt hierbei dem Verhalten des Endkunden zu?

Warum wir guten Gewissens online einkaufen können

Bislang gab es keine belastbare Bewertung der CO2-Emissionen in den verschiedenen Handelssegmenten, die auch das Kundenverhalten berĂĽcksichtigt wurden.

Vor diesem Hintergrund wird in der aktuellen Studie des Deutschen Clean Tech Instituts (DCTI) „Klimafreundlich einkaufen - eine vergleichende Betrachtung von Onlinehandel und stationärem Einzelhandel" im Auftrag der Otto Group und Hermes eine vergleichende Betrachtung des Transportwegs eines Produkts vom Händler zum Kunden zwischen Onlinehandel und stationärem Einzelhandel unter Berücksichtigung unterschiedlicher Käufertypen vorgenommen:

1. Die „Modernen": junge Menschen, die in urban geprägten Regionen leben. Sie sind relativ gut informiert, nicht nur im Hinblick auf die Internetnutzung, sondern auch auf das Wissen zu Klimaschutz.

2. Die „Konservativen": wohnen primär in ländlichen Gegenden und sind im Durchschnitt 64 Jahre alt. Sie kaufen generell weniger online ein im Vergleich zu den anderen Gruppen.

3. Die „Sparsamen": sind hauptsächlich Familien, die auf dem Land leben. Preis- und Produktvergleich werden von ihnen als relativ wichtig einstuft (das Preis-Leistungs-Verhältnis ist für diese Gruppe ein zentraler Aspekt). Zudem gehen sie relativ selten einkaufen.

4. Die „Konsumorientierten": kaufen relativ viel ein, am liebsten mit persönlicher Beratung. Beim Onlinekauf wird im Vergleich zu den anderen Gruppen relativ viel bestellt mit der Absicht, die Waren zurückzuschicken. Sie leben häufig in Städten.

5. Die „Bedarfsorientierten": sind etwas ältere Personen, die vor allem in der Stadt wohnen. Diese Gruppe kauft trotz eines relativ hohen Pro-Kopf-Nettoeinkommens relativ selten und wenig ein.

Um die Käufertypen beschreiben zu können, wurden im Juli 2015 1.000 Personen in Deutschland hinsichtlich ihres Einkaufsverhaltens beim Onlineshopping sowie beim Einkauf im stationären Einzelhandel befragt.

Die Studie, die besonders fĂĽr Handelsunternehmen, Logistikdienstleister und Endkunden von Interesse sein dĂĽrfte, setzt sich mit den zentralen Fragen auseinander...

• was klimaschädlicher ist: der Onlinekauf oder der Einkauf im stationären Einzelhandel,
• welche Faktoren dabei eine Rolle spielen,
• ob und in inwieweit es Unterschiede zwischen verschiedenen Produktarten gibt,
• welche Rolle das individuelle Verhalten des Endkunden spielt.

Wichtigste Ergebnisse der Studie:

Trotz hoher Retourenquote und teilweise mehrmaliger Anfahrt durch den Paketzusteller können Kunden guten Gewissens online einkaufen. Das DCTI steht für langjährige Expertise im Bereich Umwelttechnologien und Energie, fundiertes wissenschaftliches Arbeiten, politische Unabhängigkeit und Ideologiefreiheit sowie Unabhängigkeit von Lobbyinteressen.

AuĂźerdem hat das Ă–ko-Institut das methodische Vorgehen, die Annahmen und Berechnungen der DCTI-Studie 2015 einer kritischen PrĂĽfung unterzogen.

Der virtuelle Einkauf ist seine Zielgruppen mit drei wesentliche Faktoren verbunden: Zeitersparnis, Kostenersparnis und Unterhaltung: „Eine Vernetzung dieser Vorteile setzt den Onlinehandel an die Spitze des Konsumentenstroms."

Im stationären Einzelhandel sucht der Kunde gleichsam nach praktischen und kreativen Wegen, um sich seine Ware zu beschaffen. Daraus resultiert die Mission des stationären Einzelhandels, sich neu zu erfinden.

Das positive Ergebnis fĂĽr den Online-Handel ergibt sich vor allem durch den verdichteten Transport der Sendungen durch die Paketdienste, die je Anfahrt immer mehrere Kunden beliefern. Die CO2-Bilanz dieser gebĂĽndelten Verkehre ist damit der individuellen Anfahrt vieler Kunden mit dem PKW in die Innenstadt deutlich ĂĽberlegen.

„Uns war wichtig, beim Thema CO2 Transparenz zu schaffen und den Vorurteilen Fakten entgegenzusetzen" (Pressemitteilung Otto Group und Hermes, 7.10.2015), begründet Hanjo Schneider, Vorstand Services Otto Group und Vorsitzender des Aufsichtsrates der Hermes Europe GmbH, die Beauftragung der Studie, die zugleich eine Einladung zum Dialog sein soll.

Denn um die Klimabilanz beim Einkaufen weiter zu verbessern, sind alle Beteiligten gefragt - vom Verbraucher ĂĽber den Handel bis hin zu Logistikunternehmen und der Politik.

Studie des Deutschen Clean Tech Instituts

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