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Guter Handel: Warum nachhaltige Möbel- und Papierstrategien zusammengehören

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Wo Nachhaltigkeit beginnt

Nachhaltigkeit in der Möbelbranche bedeutet, dass beispielsweise auf den Einsatz von Tropenhölzern verzichtet und dafür auf Holz aus nachhaltiger, heimischer Forstwirtschaft zurückgegriffen wird. Die internationale, gemeinnützige Organisation Forest Stewardship Council® (FSC®) setzt sich mit ihrem gleichnamigen Zertifizierungssystem für die nachhaltige Bewirtschaftung von Wäldern ein. Sie wurde 1993 nach der Umweltkonferenz in Rio de Janeiro (1992) in Kanada mit dem Ziel einer umweltfreundlichen, sozialförderlichen und ökonomisch tragfähigen Bewirtschaftung von Wäldern gegründet.

Mit dem FSC®-Multi-Site-Audit wird die Zertifizierung mehrerer Standorte einer Unternehmensgruppe unter derselben Zertifikatsnummer ermöglicht. Holzprodukte als Erzeugnisse der FSC-zertifizierten Forstbetriebe sind durch das Umweltzeichen gekennzeichnet. Das FSC-Logo, ein stilisierter Baum, findet sich mittlerweile auf Möbelstücken, Spielzeug, Weihnachtsschmuck und Druckerzeugnissen.

Die Hamburger Otto Group bestätigt, dass der Anteil FSC-zertifizierter Produkte am gesamten Möbelsortiment des Unternehmens im Jahr 2016 auf 46 Prozent gestiegen ist. Zudem erhöhte sich der Anteil an FSC-zertifiziertem Papier auf 34 Prozent, womit bei Katalogen und anderen Werbemitteln mehr nachhaltiges Papier zum Einsatz kam als in den Jahren zuvor.

Mit seiner Möbel- und Papierstrategie unterstützt der internationale Handels- und Dienstleistungskonzern nach eigenen Angaben die von den Vereinten Nationen verabschiedeten globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs). Zugleich soll den Kunden die Möglichkeit gegeben werden, mit dem Kauf eines nachhaltigen Produkts einen Beitrag zur Lösung weltweiter Probleme zu leisten.

Im Vergleich zum Vorjahr ist der Anteil an Möbeln mit FSC-zertifiziertem Holz bei der Otto Group um drei Prozentpunkte auf 46% gestiegen. Bis 2020 beabsichtigt das Unternehmen, ausschließlich Möbelprodukte anzubieten, die den Standards des FSC® entsprechen.

Die Otto Group sieht sich auf dem Weg zu einer vollständigen FSC®-Zertifizierung des Holzmöbelsortiments allerdings auch vor Herausforderungen gestellt, die verschiedene Ursachen haben: „Zunächst ist der Anteil an FSC-zertifizierter Waldfläche in Deutschland mit ca. 10 Prozent immer noch relativ gering", sagt Andreas Streubig, Bereichsleiter Nachhaltigkeitsmanagement bei der Otto Group. Eine weitere ist die noch nicht marktgerechte Verfügbarkeit an FSC-zertifizierten Holzwerkstoffen (vor allem Spanplatten) auf dem deutschen Markt.

„Angebot und Nachfrage müssen sich treffen und zu einer planbaren, stabilen und für alle Beteiligten attraktiven Versorgungssituation führen." Aus diesem Grund arbeitet das Unternehmen mit Vertretern des FSC und weiteren Möbelhändlern in einer Arbeitsgruppe zusammen, die sich für die bessere Verfügbarkeit sowie eine erhöhte Nachfrage nach FSC-zertifizierten Holzwerkstoffen in Deutschland einsetzt.

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Copyright: Otto Group

Der verantwortungsvolle Umgang mit Holz für die Herstellung von Druckerzeugnissen ist ebenfalls ein wichtiger Hebel für den Umweltschutz. Deshalb soll auch die Papierstrategie des Unternehmens den Anteil an FSC-zertifiziertem Papier bis 2018 auf mindestens 50 Prozent erhöhen. Bei den Katalogen und Werbemitteln wurde bereits zu 34 Prozent auf nachhaltiges Papier umgestellt. Das entspricht einem Zuwachs um sechs Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr und einer Gesamtmenge von mehr als 75.000 Tonnen FSC-Papier im Jahr 2016:

„Umgerechnet entspricht dies einer nachhaltig und vorbildlich bewirtschafteten Waldfläche von über 59 Quadratkilometern, da immer nur die Holzmenge für die Papierherstellung entnommen wird, die auch nachwächst. Diese Fläche ist gleichbedeutend mit der Größe des Starnberger Sees oder des Sachsenwaldes, dem größten zusammenhängenden Waldgebiet in Schleswig-Holstein." (Quelle: Otto Group, 24.4.2017)

Auf diese Fragen sollten Unternehmen im Bereich umweltfreundliche Produktgestaltung und -sicherheit Antwort geben

• Welche Arbeitskreise/Projektteams existieren zum Thema umweltfreundliche/nachhaltige Gestaltung von Produkten?

• Welche klimaneutralen Produkte befinden sich unternehmensweit im Angebot?

• Existieren unternehmensweite Standards bzw. Richtlinien für die Produktsicherheit?

• Welche Grundsätze und Verfahren existieren, um die Sicherheit der Produkte und die richtige Anwendung durch den Kunden zu gewährleisten?

• Wie ist der betriebliche Umweltschutz mit dem Nachhaltigkeitsmanagement verzahnt?

• Existieren Selbstverpflichtungen, die das Unternehmen über die Umweltpolitik und das Nachhaltigkeitsprogramm hinaus eingegangen ist?

• Werden Mitarbeiter in Bezug auf umweltsensibles Verhalten geschult, und liegen für dieses Verhalten Handlungsvorschriften bzw. Kodizes vor?

• Wird darauf geachtet, ob Zulieferer und Partner aktiv Umweltschutz betreiben?

• Werden Umweltschutzmaßnahmen extern und intern kommuniziert?

• Welche Projekte existieren zur Senkung des Materialverbrauchs? Welche Ziele wurden gesetzt?

• Verwendet das Unternehmen Papier mit FSC-Siegel?

Weitere Informationen:

Alexandra Hildebrandt: CSR-Check für Handelsunternehmen: Die wichtigsten Fragen und Antworten aus der Praxis für die Praxis von Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.

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