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Grüne Logistik beginnt im Kopf: Eine Branche parkt um

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Wissen, wo es langgeht

Globalisierung und Logistik stehen heute für Komplexität und grenzenlose Bewegungen, die mit technologischen Innovationen verbunden sind, haben enorme Auswirkungen auf Mensch, Umwelt und Gesellschaft und sind Kern des modernen Marktes.

Dabei geht es um mehr als nur um Container, Straßen, Schienen oder Staus - es geht nicht nur um Materialfluss, sondern auch um Organisation, Kooperation, das Bewusstsein und das Wissen, wo es „langgeht". Logistik beginnt zuerst im ganzheitlichen Denken. Alles andere würde in eine Einbahnstraße führen.

Die Liberalisierungsprozesse in der EU haben den Transportsektor neu geprägt. Städte sind zum Brennpunkt geworden, weil hier alle Trends zusammenlaufen.

Schon die Historie verweist auf zahlreiche Verzweigungen und Nebenwege des Themas, die berücksichtigt werden müssen, wenn es um die Zukunft der Bewegung geht:

Bereits die „Logistiker" im alten Rom verwalteten die Vorräte der Stadt in Lagerhallen. Hier taucht seit den Schriften des byzantinischen Kaisers Leontos (um 900) das Wort Logistik immer wieder im Kontext mit der militärischen Versorgung auf.

In der Wirtschaftsgeschichte waren vor allem Unternehmen erfolgreich, „denen es gelang, den Materialfluss am Laufen zu halten." Das bemerkte der Journalist Wolf Lotter schon vor sieben Jahren (Brand eins 3/2010).

Das Wesen der Logistik im 21. Jahrhundert

Der „neue" Begriff der Logistik heißt Supply Chain Management (SCM). Es beinhaltet nicht nur, dass die Beziehungen zu den Lieferanten auf Aspekte wie Produktqualität und Pünktlichkeit geprüft werden, sondern auch, dass Rahmenbedingungen der Produktion und der Logistik mit eingeschlossen sind.

Effiziente Lieferketten sind ein entscheidender Faktor für den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen.

Im heutigen Komplexitätszeitalter wird das Wesen der Logistik neu definiert, die durch die Digitalisierung weiter an strategischer Bedeutung gewinnen wird, denn ohne sie wird buchstäblich nichts mehr „laufen".

Beispielsweise ermöglicht sie optimierte Planungen auf Echtzeitdatenbasis und führt zu prozessoptimierten, energieeffizienten und sicheren Abläufen.

Mit vernetzten Services soll Kunden beispielsweise geholfen werden, noch produktiver und wettbewerbsfähiger zu werden.

Dabei werden künftig auch durch die Weiterentwicklung intelligenter Transportlösungen neue Geschäftsfelder erschlossen.

Voraussetzungen für einen umweltfreundlichen Transport und wettbewerbsfähige Industrien sind neben der Digitalisierung auch transportvorauseilende und - begleitende Informationsflüsse sowie die Weiterentwicklung von alternativen Fahrzeug- und Antriebstechnologien im Verbund mit vernetzten Assistenzsystemen.

Nachfrage nach Grüner Logistik nimmt zu

Die Globalisierung führt zu einem steigenden Wettbewerb auf dem Markt, „aber in Summe auch zu mehr Emissionen von Treibhausgasen. Dazu verbraucht der Transport von Menschen und Gütern wertvolle Ressourcen", sagt Ulrich Wolter, Director Marketing bei der DKV MOBILITY SERVICES Group.

Die Warenflut führt heute nicht nur zu Staus auf den Straßen, sondern belastet auch das Klima. „Der Verkehr ist der einzige Sektor, der seine Emissionen seit 1990 nicht mindern konnte", bemerkt Maria Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamtes („Alles Schiebung", Süddeutsche Zeitung, 2./3.7.2016).

Eine massive Verringerung von Treibhausgasen ist nur möglich, so ein Kurzdossier des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) gGmbH, wenn der europäische Kohlendioxid-Markt fehlerfrei arbeitet.

Ein Mindestpreis für die gehandelten CO2-Zertifikate würde die derzeitige Unsicherheit der Marktteilnehmer abbauen, ihre Preiserwartungen verbessern und so die Glaubwürdigkeit des Marktes wieder herstellen.

Vor dem Hintergrund der Megatrends Globalisierung, demografischer Wandel, Urbanisierung, Nachhaltigkeit und Ressourcenknappheit schaffen nachhaltige Mobilitätsdienstleistungen in Kombination mit wirtschaftlichem Handeln nicht nur Wettbewerbsvorteile, sondern setzt auch „Zeichen für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt sowie der Gesellschaft", sagt Ulrich Wolter.

Auch Branchenexperten gehen davon aus, dass die Beachtung des CO2-Ausstoßes künftig bei der Gestaltung von Transportketten ein entscheidender Wettbewerbsfaktor sein wird, da das Bewusstsein über die ökologischen Zusammenhänge und die Nachfrage nach „Grüner Logistik " stetig zunimmt.

Führend werden laut Wolter vor allem Logistikanbieter sein, die die strategische Bedeutung ihres Angebots für den Klimaschutz erkennen und ihr Profil mit nachhaltigen Lösungen schärfen.

Er verweist in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung und jährliche Auslobung des europäischen Eco Performance Awards für Nachhaltigkeit in der Transport-und Logistikbranche.

Damit werden besonders nachhaltig wirtschaftende Unternehmen im gewerblichen Güter- und Werkverkehr ausgezeichnet, die sowohl innovative als auch anwendungstaugliche Wege in Richtung Zukunft gehen.

Die Kooperation mit dem Lehrstuhl für Logistikmanagement der Universität St. Gallen bietet aufgrund seiner fundierten Fachkompetenz das Know-how zur unabhängigen Prüfung und Auswertung der eingereichten Konzepte.

Wolter ist davon überzeugt, dass die Logistikbranche in einer zunehmend nachhaltigkeitsorientierten Gesellschaft viel „bewegen" kann.

Ökonomische und ökologische Aspekte im Unternehmen zusammen zu führen ist ihm ein wichtiges Anliegen, das sich klimaneutral engagiert und mit myclimate zusammenarbeitet, einem der weltweit führenden Anbieter von Kompensationsmaßnahmen.

Für 2015 konnte die Unternehmensgruppe beispielsweise ihre CO2-Bilanz deutlich verbessern: Die Emissionen sanken um 45 Prozent auf 2383 Tonnen CO2. Zurückzuführen ist das Ergebnis laut Ulrich Wolter auf den Einsatz der CO2-Kompensationskarte DKV CARD CLIMATE bei allen Firmenfahrzeugen.

„Pro Liter wird ein zusätzlicher Betrag in zertifizierte Klimaschutzprojekte investiert. Zudem verbrauchte die DKV Group weniger Papier und Drucksachen, weil Anfang 2015 europaweit auf elektronischen Rechnungsversand umgestellt wurde. Indem die DKV BOX in mehreren Ländern eingesetzt werden kann, lassen sich zudem die Produktion und der Versand einzelner Länderboxen vermeiden", so Wolter.

Ab 2017 möchte der DKV sogar mit komplett recyclebaren Produkten an den Markt gehen.

Auch „63 Prozent der Logistikkunden sind der Meinung, dass sich Lagerung und Transport von Waren zu einem strategisch wichtigen Hebel entwickeln, um CO2 zu vermeiden" (manager magazin spezial, Februar 2011).

Gesamtstrategien statt Einzelmaßnahmen

Sogar immer mehr Event- und Tourneeveranstalter stellen sich der Herausforderung, den CO2-Ausstoß reduzieren zu wollen. Es gibt allerdings gleichzeitig zu dieser positiven Entwicklung auch eine große Verunsicherung in der Branche in Bezug auf Umweltmanagement, konkreter Umsetzung, Zertifikate und der Kosten.

Darauf verweist Stefan Lohmann, Talent Buyer und Artist Relations Manager, in einem aktuellen Interview. Es seien hier vor allem verlässliche und erfahrene Experten gefragt, denn der Druck auf Firmen, Veranstalter und die Regierung steigt.

Beim Pariser Klimagipfel wurden klare Vorgaben verabschiedet, die nun umgesetzt werden müssen. Dafür sind umfangreiche verkehrs- und energiepolitische Maßnahmen sowie technologische Veränderungen erforderlich.

Aus einer Studie der Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Supply Chain Dervices SCI geht hervor, dass CSR-Maßnahmen von Logistikdienstleistern im Bereich Fuhrpark und Transport derzeit häufig nur punktuelle und oft unkoordinierte Einzelmaßnahmen sind, die ohne strategische Verankerung umgesetzt werden.

Die Verpflichtung, dass ab 2017 Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern Nachhaltigkeitsberichte vorlegen müssen, ist deshalb ein wichtiger Schritt in Richtung nachhaltiger Gesamtstrategien.

Damit Nachhaltigkeit langfristig den Unternehmenserfolg in der Transport- und Logistikbranche befördern kann, braucht es laut Ulrich Wolter folgende Voraussetzungen:

• strategische Ausrichtung in den Unternehmenszielen
• ganzheitliches Verständnis und klares Bekenntnis zur Nachhaltigkeit der Führungsverantwortlichen
• Handlungskompetenz für die praktische Umsetzung
• intelligente Logistikmodelle und Prozesssteuerung
• unternehmensinterne und -übergreifende Kooperationen.

Zur Person:

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Foto: Ulrich Wolter

Ulrich Wolter, Jahrgang 1956, ist seit Januar 2011 bei der DKV MOBILITY SERVICES Group als Director Marketing tätig. Seit Anfang des Jahres ist er zusätzlich für den neu geschaffenen CSR Bereich der DKV MOBILITY SERVICES Group verantwortlich. Vorher hatte er Marketing-Führungspositionen bei führenden internationalen Unternehmen (u.a. Bayer, BP, Castrol, Deutsche Post DHL, TOSHIBA und Sandvik Coromant) inne. Zudem zeichnete er als Geschäftsführer großer deutscher Inhouse-Werbeagenturen (Aral und Metro) verantwortlich.

Weitere Informationen:

Können aus eigenem Antrieb

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