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Greenery: Wie die Farbe des Jahres 2017 unseren Alltag prägt

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Je mehr die grüne Welt draußen schrumpft, desto mehr hält sie Einzug in unser Zuhause, in dem Alltagsobjekte wie Aufbewahrungsorte einer intakten Natur erscheinen. Angesichts der wachsenden Untergangsszenarien wird der Ruf nach einem grünen Leben und grüner Dekoration immer lauter. Die schöne neue Ding- und Motivwelt wird zum Appell, „den Tag zu pflücken" (Horaz), was zu einem elementaren Prinzip des glücklichen Lebens gehört.

Die eigenen vier Wände sind nicht nur Rückzugsort, sondern auch Beziehungsort. Was wir in der Natur vermissen oder verlieren, möchten wir wenigstens in unserer kleinen Welt wiederfinden. Und so erobert die laubgrüne Pflanzenwelt derzeit alles, was sich greifen und begreifen lässt: dunkelgrüne Biomüll-Eimer, Vlies-Tapeten, Sessel, Bettwäsche, Bettvorleger, Fußmatten, Kissenbezüge, Stühle, Teppiche und Accessoires. Designer lassen sich für ihre Muster durch ihren Garten inspirieren.

Der amerikanische Food-Philosoph Michael Pollan beschreibt in seinem Buch „Meine zweite Natur", dass dieser grüne Raum die Möglichkeit andeutet, dass es vielleicht doch einen Ort gibt, an dem wir uns mit der Natur auf halber Strecke treffen könnten: Im Garten finden wir alle „einigen Anlass zur Hoffnung", auch wenn die Zeiten nicht rosig sind.

Greenery ist die Farbe des Jahres 2017. Sie steht für Natur und Hoffnung und ruft bei den meisten Menschen eine positive Grundstimmung hervor, weil sie an Grasgeruch, Wald oder an grüne Äpfel erinnert werden.

Festgelegt hat das die US-Farbfirma Pantone und Beatrice Eiseman, die Psychologie, Mode und Innendesign studiert hat und für das Unternehmen arbeitet. Alles begann mit Anfragen von Journalisten zur Jahrtausendwende, als sie immer öfter das Pantone-Institut kontaktierten und wissen wollten, was die Farben des neuen Milleniums seien.

Seitdem erhält jedes neue Jahr auch eine neue Nuance. 2002 war es beispielsweise „True Red", 2004 „Tiger lily", 2006 „Sand Dollar", 20011 „Honeysuckle" - und 2017 „Greenery" - die Nummer 15-0343.

Green Leader, Unternehmen bzw. ökologische Vorreiter, die aus sich heraus und seit Jahrzehnten das Thema Nachhaltigkeit in ihre Unternehmensphilosophie und -kultur verankert haben, fallen allerdings nicht durch einen äußeren grünen Anstrich auf. Grün gehört zu ihrer DNA. Dazu gehören etwa VAUDE, die memo AG, HiPP, Sonnentor oder Zotter. Nachhaltigkeit hat hier Tradition, und ein grünes bzw. nachhaltiges Image wird ihnen auch ohne äußere Farbgebung attestiert. Was sie eint, ist das umfassende Nachhaltigkeitsverständnis und -management.

Dennoch: Greenery-grün hat eine starke Symbolkraft, die auch in vertikalen Gärten zu finden ist, die eine Antwort auf die Beschleunigungsneurosen der Stadtbewohner sind. Die Farbe ist deshalb wie das „tiefe Luftholen in einer atemlosen Gesellschaft" (Maren Keller), die dadurch wieder zu sich selbst findet.

Weiterführende Informationen:

Claudia Silber und Alexandra Hildebrandt: Gut zu wissen... wie es grüner geht: Die wichtigsten Tipps für ein bewusstes Leben. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2016.

Claudia Silber und Alexandra Hildebrandt: Gartenzeit: Wie wir Natur und Kultur wieder in Gleichklang bringen. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.

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