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Green Janine: Das Gesicht der Nachhaltigkeit

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Janine Steeger gehörte zu den Hauptgesichtern von RTL. Dann kündigte sie ihren gut bezahlten Job, um sich ganz dem Thema Nachhaltigkeit zu widmen. Die Geburt ihres Sohnes 2011 hat das Bedürfnis, die Welt zu retten und zu schützen deutlich verstärkt.

Als Nachhaltigkeitsbotschafterin engagiert sie sich für den Klimaschutz, startete mit Lanius 2016 die neue Modelinie Essentials und ist u.a. in der dm-Jury von HelferHerzen. Janine Steeger ist ausgebildete Journalistin, volontierte bei ProSieben und hat eine Ausbildung zur Werbekauffrau abgeschlossen. Seit Januar 2017 ist sie Herausgeberin von ecowoman.de - das führende Online-Magazin für einen nachhaltigen Lebensstil.

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© Nadine Dilly

Frau Steeger, wann wurde Ihnen bewusst, dass Nachhaltigkeit Ihr Lebensthema ist?

So richtig klar geworden ist es mir, als ich für dieses Thema gekündigt habe, meine Festanstellung als eines der Hauptgesichter von RTL, ein unbefristeter, extrem gut bezahlter Job, der viel Aufmerksamkeit, Prominenz und Ruhm mit sich gebracht hat. Einzug gehalten in mein Leben hat die Nachhaltigkeit aber schon einige Jahre zuvor.

Da war die Frage immer lauter geworden: Wofür stehst Du eigentlich? Was treibt Dich um, was kannst Du bewegen in dieser Welt, in Deinem Leben? Als ich mir diese Frage nicht beantworten konnte, habe ich konkret nach einem Thema gesucht und die Nachhaltigkeit gefunden - oder sie hat mich gefunden.

Die Geburt unseres Sohnes 2011 hat das Bedürfnis die Welt zu retten und zu schützen deutlich verstärkt. Und so gipfelte das Ganze in der Kündigung, zu der es kam, weil ich mit dem Thema Nachhaltigkeit bei RTL nicht durchgedrungen bin. Man wollte damit nicht experimentieren, sich dem Thema widmen. Also habe ich gesagt: Dann muss ich gehen, damit ich meiner Leidenschaft folgen kann.

Was sind Sie für die größten Herausforderungen im Nachhaltigkeitsbereich?

Die Herausforderungen sind zahlreich und groß. Aber ich liebe Herausforderungen. Eine der größten ist sicherlich, den Green Lifestyle massentauglich zu machen. Dazu muss er Spaß machen, den klischeehaften Öko-Touch verlieren, Verknüpfungen mit „Verzicht" und „kostspielig" müssen verschwinden. Was als Gefühl vermittelt werden muss, ist, dass ein bewusstes Leben toll aussieht, oft Geld spart, Lebensfreude erhöht und einfach cool und sexy ist.

Um all das zu erreichen, bedarf es natürlich auch einer Präsenz des Themas in den Medien, viel mehr, als es aktuell der Fall ist. Programmplätze in intellektuellen Spartensendern kurz vor Mitternacht nützen da gar nichts. Gerade deshalb finde ich es ja so schade, dass beispielsweise RTL sich da nicht in der gesellschaftlichen Verantwortung sieht.

Eine zweite Herausforderung sind die „Hardcore-Ökos". Dass es die braucht, um immer wieder den Finger in die Wunde zu legen und um die Bemühungen der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft voran zu treiben, ist vollkommen klar.

Ich bin diesen Menschen ausgesprochen dankbar. Sie dürfen den eigenen Perfektionismus aber nicht auf die große Masse übertragen. Ich bin über jeden Schritt froh, den jeder einzelne tut. Privat oder im Unternehmen. Und wir müssen die Menschen darin bestärken anzufangen und ihnen nicht den Spaß daran nehmen, in dem wir gleich wieder mit dem erhobenen Zeigefinger konstatieren, dass das ja alles noch nicht reiche.

Und die dritte Herausforderung liegt darin, allen klar zu machen, dass das Thema unendlich wichtig ist, sogar wichtiger, als manch anderes Problem, das uns in der jeweiligen Situation beschäftigt. Und damit meine ich private Probleme ebenso wie beispielsweise politische und gesellschaftliche. Es ist ja so, dass der Klimawandel für viele so weit weg ist und der Einzelne sich auch gerne aus der Verantwortung stehlt mit dem beliebten Argument: Warum soll ich in Deutschland den Müll trennen, wenn die in China das nicht machen.

Aber so funktioniert es nicht...

Genau, in Sachen Klimawandel ist es fünf vor zwölf, und das ist freundlich formuliert. Wenn wir jetzt nicht im großen Stil handeln und vieles ändern, werden wir diese Welt irreparabel zerstören. Und dann werden alle anderen Probleme nichtig.


Was hat Sie veranlasst, die Herausgeberschaft von ecowomen, dem führende Online-Magazin für einen nachhaltigen Lebensstil, zu übernehmen?

Mit ecowomen habe ich ein Medium, mit dem ich die beschriebenen Herausforderungen in viel größerem Stil angehen kann, als es mir als Einzelperson, als Green Janine, gelingen kann. Ich habe mit dem Online-Magazin eine große Spielwiese gewonnen, die sehr ernste Themen angeht, aber auf eine Spaß bringende Weise. Und für mich fühlt sich das gerade an wie ein Paradies.

Warum?

Weil ich alle Ideen, die schon länger in meinem Kopf schwirren, jetzt angehen und vielleicht dort umsetzen kann. Als wir uns kennengelernt haben, hieß das heutige ecowoman.de noch nachhaltigleben.de Ein vergleichsweise sperriger Name, der nicht besonders gut klingt und auch nicht wirklich Lust macht. Mit ecowoman.de sind wir jetzt natürlich erst mal auf die bewusst lebenden Frauen konzentriert, wobei wir auch 30 Prozent männliche Leser haben. Und es ist nicht ausgeschlossen, dass ecoman.de folgt.

Ich will hier gar nicht die Feministin raushängen lassen, aber Frauen können extrem viel bewegen und wenn sie einmal von etwas begeistert sind, zeigt sich ihre Stärke. Auch deshalb ist es mir ein Anliegen, die vielen „ecowomen" sichtbarer zu machen. Die sind nämlich, wie in eigentlich fast jeder Branche, immer noch sehr gut „versteckt". Und das geht mir - ganz umgangssprachlich ausgedrückt - gehörig gegen den Strich.

Zusammen gefasst: Ecowomen fördern und die Nachhaltigkeit der breiten Masse schmackhaft machen - das sind meine Kernanliegen. Und dazu benötige ich natürlich Unterstützung - von Medien, Verbänden und Unternehmen, die entsprechend kommunizieren und natürlich auch bereit sind zu investieren in dieses wichtige Thema, das uns alle betrifft.

Wie muss das Thema aufbereitet werden, damit die Medien verstärkt darüber berichten?

Positiv! Viele Menschen sind mit den vielen schlechten Nachrichten total überfordert und haben Informationen vorsorglich schon aus ihrem Leben verbannt, weil sie Angst vor der nächsten Horrormeldung haben. Nun haben wir in der „grünen Szene" das große Glück, dass wir über so viel Positives berichten können. Spektakuläre Innovationen, besondere und emotionale Lebensgeschichten von Menschen, die sich einem bewussterem Lifestyle zugewendet haben und jetzt viel glücklicher sind, große Erfolge, die es im Umweltschutzbereich ja auch schon gibt.

Auch das Stichwort Gamification spielt eine große Rolle. Insbesondere bei Kindern, die das Thema im Übrigen ganz toll finden. Denn Kinder lieben es, Neues zu lernen und im besten Fall ihre Eltern zu belehren. Wenn deren zukünftige Superhelden „grün" sind, oder wenn in ihren Handyspielen der Schutz der Umwelt plötzlich Bonuspunkte bringt, dann sind das alles Wege in die richtige Richtung.


Was bedeutet Nachhaltigkeit für Ihren Lebensalltag?

Ich habe nach und nach wirklich viel geändert und entdecke immer wieder neue Möglichkeiten, etwas anders und besser zu machen. Ich betone aber auch immer wieder, dass ich nicht perfekt bin und es auch nicht sein möchte. Eine der größten Veränderungen war sicher, dass wir das Auto abgeschafft haben.

Das geht in einer Großstadt natürlich viel leichter als auf dem Land. Wir haben energiesparende Geräte zu Hause, wir beziehen seit Jahren Ökostrom, ich reise nahezu ausschließlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln und der Bahn. Ich kaufe viel regional, saisonal und bio ein, bringe meine Taschen mit in den Supermarkt, führe meistens Trinkbecher und -flaschen bei mir. Ich habe Konten bei ethisch-korrekten Banken, ich trage überwiegend nachhaltige und faire Kleidung. Eigentlich frage ich bei allem, was ich tue oder konsumiere: Gibt's das auch in grün?

Wenn ich nach langer Recherche aber feststelle, dass es nichts gibt, was ich genauso schön, bequem, komfortabel und preislich angemessen finde, wie das nicht grüne Produkt, greife ich auch manchmal auf das Konventionelle zurück. Und während ich das schreibe, merke ich, dass mich diese Differenzierung inzwischen total nervt. Meine Traumwelt sieht so aus, dass ich mich nicht mehr fragen muss, ob etwas nach grünen Maßstäben produziert wurde. Ich will, dass es normal ist. Aber das ist noch ein langer Weg.

Vielen Dank für das Gespräch.

Im Rahmen des ersten Sustainability Gipfels des Branchenverbandes FAMAB suchten Anfang Februar 200 Entscheidungsträger aus den Bereichen Messebau, Medientechnik, Catering und Eventmanagement gemeinsam nach Wegen zu mehr Nachhaltigkeit innerhalb der Live-Kommunikation. First Climate nutzte als Gründungsmitglied des Sustainable Event Solutions Netzwerks den Branchentreff, um in persönlichen Gesprächen aktuelle Standpunkte der Teilnehmer zu erfahren.

Talent Buyer & Booking Agent Stefan Lohmann, Mit-Gründer des Netzwerks, beteiligte sich mit dem Schauspieler, Musiker, Regisseur und Mit-Gründer des Berlin Show Orchestras, Lenn Kudrjawizki sowie Dr. Christoph Brüssel, Vorstand des Senats der Wirtschaft Deutschland, an der Talkrunde zum Thema „Entertainment vs. Ecotainment". Lohmann unterstrich den Handlungsbedarf der Branche: „Jeder empfindet Nachhaltigkeit als sinnvoll, da gibt es kaum eine andere Meinung. Aber wichtig ist es, tatsächlich auch zu handeln! Für jeden gibt es in diesem wichtigen Sektor Möglichkeiten, etwas beizutragen."

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v.l.n.r. : Janine Steeger, Stefan Lohmann, Lenn Kudrjawizki und Marcus Stadler von Satis&Fy (Copyright: Stefan Lohmann)

Weitere Informationen:

Claudia Silber und Alexandra Hildebrandt: „Gut zu wissen... wie es grüner geht: Die wichtigsten Tipps für ein bewusstes Leben" und „Circular Thinking 21.0: Wie wir die Welt wieder rund machen". Beide Bücher sind bei Amazon Media EU S.à r.l. als Kindle Edition erhältlich.

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