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Green Finance: Hinkt Deutschland im internationalen Vergleich hinterher?

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Warum Green Finance dringlich ist

Die Bedeutung von sogenannten ESG-Informationen (Environmental, Social, Governance) nimmt im Rahmen der mittel- bis langfristigen Prognose von unternehmerischen Erfolg seit der Finanzkrise stetig zu. Unternehmen werden von Investoren, Kunden, Analysten und Regulatoren verstärkt dazu aufgefordert, neben den klassischen Finanzkennzahlen auch ESG-Informationen transparent zu machen. Nach einer Studie des Institute for Sustainable Investing von Morgan Stanley sind weltweit bereits rund ein Sechstel aller Assets under Management nach nachhaltigen Kriterien investiert (ca. 6,6 Billionen US-Dollar).

Aber auch internationale Initiativen wie die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung, die Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen, und das Pariser Weltklimaabkommen setzen neue Rahmenbedingungen, die von der Wirtschaft neue Lösungen erfordern. Auch der Fokus der G20 auf Green Finance unter deutscher Präsidentschaft widmet sich dieser Thematik.

Der deutsche Finanzsektor ist für eine effektive Begleitung der Transformation noch nicht gerüstet. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie von Prof. Henry Schäfer von der Universität Hohenheim, der dies am Beispiel Klimaschutz zeigt. Der Begriff Dringlichkeit, der etwas anderes als wichtig ist und sich immer dann zeigt, wenn die Erkenntnis herrscht, sofort gemeinsam handeln zu müssen, spielt hier eine wichtige Rolle:

Neben dem Auf- und Ausbau der erforderlichen Kompetenzen und Kapazitäten auf Fachebene sei es besonders „dringlich", dass die Akzeptanz des Wandels in den Führungsebenen von Banken und Sparkassen gestärkt wird.

Der Bericht entstand in Zusammenhang mit der G7 Working Group on Green Finance and Small and Medium Enterprises (SMEs). Diese Bestandsaufnahme belegt, dass der deutsche Finanzsektor im europäischen und internationalen Vergleich in Sachen Green Finance den Anschluss zu verlieren droht. Begrüßenswert ist vor diesem Hintergrund die Initiative des hessischen Wirtschaftsministeriums zur Schaffung eines bundesweit wirkenden Green Finance Cluster Frankfurt, das zum Ziel hat zu klären und zu entwickeln, wie die Finanzwirtschaft in Deutschland zu den Klimazielen der Landes- und Bundesregierung sowie der EU beitragen kann.

Mit der Umsetzung der 140 „prioritären Maßnahmen", die zwischen 2017 bis 2019 begonnen werden sollen, sind konkrete Schritte zur weiteren Reduzierung der Treibhausgasemissionen und zur Anpassung an den Klimawandel verbunden. Die Auswahl basiert auf Empfehlungen von Steuerungskreis und Arbeitsgruppen im Rahmen des Beteiligungsprozesses, der Bewertung des wissenschaftlichen Konsortiums sowie Ergänzungen aus der interministeriellen Arbeitsgruppe und den beteiligten Ressorts.

Am 23. Mai 2017 startet die Deutsche Börse die Sustainable Finance Initiative (Auftaktkonferenz) in Frankfurt. Ziel ist es auch hier, gemeinsam mit rund 100 hochrangigen Akteuren des Finanzplatzes neue fachübergreifende Strukturen für nachhaltiges Unternehmertum zu etablieren und neue Geschäftsfelder auszuloten. Als Dialogplattform will die Initiative hier Fragen rund um die Zukunftsfähigkeit des Finanzsystems diskutieren und weitere konkrete Initiativen und Projekte anstoßen. Im Mittelpunkt stehen Aspekte, inwiefern Kapitalmärkte innovative Investmentstrategien fördern und wie es gelingt, ein mittel- bis langfristiges Chancen- und Risikomanagement zur Sicherung von systemischer Stabilität zu etablieren.

Das Thema Nachhaltigkeit wird auch für die Gruppe Deutsche Börse immer wichtiger - sie ist als Teilaspekt ihrer Wachstumsstrategie Accelerate fest verankert. „Mit einem entsprechenden Gremium wird die gruppenweite Nachhaltigkeitsstrategie entlang der gesamten Wertschöpfungskette weiterentwickelt. So wächst auch das Produktangebot im Bereich der nachhaltigen Investments." (Quelle: deutsche-boerse.com). Über ihre Indextochter STOXX bietet die Deutsche Börse ein breites Angebot an Nachhaltigkeitsindizes.

Was jeder Einzelne tun kann

Es gibt inzwischen viele Banken, deren Geldgeschäfte fair, ethisch und ökologisch sind. Dazu gehören die Bank für Gemeinwohl, Bank für Kirche und Caritas eG, Bank für Kirche und Diakonie, Bank für Orden und Mission (Zweigniederlassung der vrbank Untertaunus eG), Bank im Bistum Essen eG, Bankhaus Schelhammer & Schattera, DKM Darlehnskasse Münster eG, EthikBank, Evangelische Bank eG, Freie Gemeinschaftsbank, GLS Bank, Pax-Bank eG, ProCredit Bank AG, Steyler Bank GmbH, Triodos Bank N.V. Deutschland und die UmweltBank AG. Hier steht nicht die Gewinnmaximierung im Fokus. Mit den Kundeneinlagen werden beispielsweise nachhaltig ausgerichtete Projekte sowie zukunftsorientierte Unternehmen finanziert.

Claudia Behringer ist Generationenberaterin IHK, Fachberaterin für nachhaltiges Investment und unabhängige Finanzberaterin/Finanzmaklerin mit Schwerpunkt ethische Finanzplanung sowie Partnerin und Gesellschafterin der MehrWert GmbH in Bamberg. 2013 wurde sie zur Wirtschaftsrätin der Deutschen Umweltstiftung benannt. Sie kennt den Finanzdienstleistungsmarkt und seine Schwächen, deshalb setzt sie auf transparente Information. Sie ist sich bewusst, dass sie ihre Vision, die Welt zu verbessern, nicht von heute auf morgen verwirklicht werden kann, sondern nur Schritt für Schritt. Doch sie ist sich sicher: „Wenn viele ‚kleine' Menschen an vielen kleinen Orten kleine Dinge tun, kann sich das Gesicht der Welt verändern."

Das ist keine Frage des Geldes.

Weitere Informationen:

Alexandra Hildebrandt: Mit kleinen Schritten die Welt verbessern: Nachhaltig denken und handeln von A bis Z. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.

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