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Warum Gott f├╝r eine Architektin ein Anagramm von LEBEN ist

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Nina Schmid ist Architektin mit einem Blick f├╝r Einheit und F├╝lle - nicht nur bei ihren Geb├Ąuden, sondern auch im Leben. Sie sch├Âpft ihre Kraft aus der ├ťberzeugung, dass es unglaublich viel Sch├Ânes auf unserer Welt gibt, das nur darauf wartet, entdeckt und wahrgenommen zu werden.

Sie hat in Frankreich und ├ľsterreich studiert, in Italien gelebt und verschiedenste Architekturauszeichnungen erhalten. Sie m├Âchte mit ihrem Wirken Menschen ermutigen, mit sich selbst und mit dem Leben ins Gespr├Ąch zu kommen. Die Philosophie als Lebenskunst ist dabei ein wichtiger Wegweiser in einer Zeit, in der sich viele alte Identit├Ąten aufl├Âsen und neue bestenfalls nur verschwommen in Sicht sind.

F├╝r viele Menschen entsteht deshalb ein Vakuum, das auf unterschiedliche Weise gef├╝llt wird. Der gesellschaftliche Wertewandel ist eine Reaktion auf diese Entwicklung, deren dr├Ąngende Probleme und entscheidende Fragen der Gegenwart nicht gel├Âst und beantwortet werden k├Ânnen ohne eine bewusste Auseinandersetzung mit dem guten Leben.

Das erkl├Ąrt auch das gestiegene Interesse an Philosophie. Raus aus dem Elfenbeinturm, rein in den Alltag - das ist die Idee hinter Street Philosophy, dessen Mit-Inhaberin Nina Schmid ist. Sie lebt mit ihren zwei T├Âchtern und ihrem Hund in Hamburg.

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Nina Schmid (Copyright: Christian Rudni)

Frau Schmid, "THE ANAGRAM OF GOD IS DOG" ist ein ungew├Âhnlicher Buchtitel, der m├Âglicherweise einige Leser verwirrt. Was haben sie damit beabsichtigt?

Ich m├Âchte nicht, dass dieser Titel als respektlos empfunden wird, obwohl er sich f├╝r einige Menschen vielleicht so anf├╝hlen mag und vielleicht sogar als verletzend empfunden wird. Doch ich sehe es genau andersherum: Der Titel bezieht sich auf die Tatsache, dass GOTT ein Anagramm von LEBEN ist - genau so, wie es Julia Engelmann in ihrem Gedicht ÔÇ×One Day/ Reckoning Text" ausdr├╝ckt. Wenn man genau hinsieht, ist MUT ein Anagramm von GL├ťCK.

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Foto und Copyright: Nina Schmid

HOOMY ist f├╝r sie eine H├╝ndin die gro├čgeschrieben werden muss. Warum?

Nicht nur wegen ihrer Gr├Â├če, sondern vor allem wegen ihres Zaubers und ihrer zarten weisen Seele. Sie hat in das Leben einer traumatisierten und ver├Ąngstigten Familie gefunden, dort Wunden geheilt und das Lachen und die Hoffnung zur├╝ck in das Herz von zwei kleinen M├Ądchen und ihrer Mutter gezaubert. HOOMY ist nicht nur ein HUND, sie ist eine Weise. Ihre Geheimnisse ├Âffnen jedes Herz.

In welchen Momenten ist Ihnen Ihr ÔÇ×Zauberhund" besonders ÔÇ×bewusst"?

Wenn ich an das Leben denke, und wie man ein wahrhaftig gutes Leben lebt. Demnach ist GOD wirklich ein Anagramm von DOG - im denkbar besten Sinne und mit tiefem Respekt vor dem Leben selbst.

Warum ist - im Sinne Loriots - ein Leben ohne HOOMY m├Âglich, aber sinnlos?

Es w├Ąre einfach deutlich weniger heiter!

Was wei├č der Leser, wenn er das Buch gelesen hat?

Dann ist er eingeweiht in die "7 Geheimnisse f├╝r ein wahrhaftig gutes Leben". Denn es geht in diesem Buch weit weniger um einen Hund, als um das Leben selbst. Die Fragen die wir uns alle oft stellen, sind doch genau die: Wie kann man ein wahrhaftig gutes Leben leben? Was geh├Ârt dazu? Was macht es aus? Und vor allem: Wie komme ich dahin?

Nicht weil wir hier unter so schrecklichen Lebensumst├Ąnden leben, sondern weil das so viel beschriebene Gl├╝ck oft so abstrakt ist und sich im Alltag das Gl├╝cksgef├╝hl, wenn man nicht achtsam ist, oft nicht von alleine einstellt.

Das Buch erz├Ąhlt Ihre eigene Geschichte aus der Katastrophe, aus der L├Ąhmung heraus. Weshalb haben Sie sich so tief f├╝r andere ge├Âffnet?

Vielleicht kann das Buch f├╝r den einen oder anderen Leser ein sanfter Wegweiser sein f├╝r ein bisschen mehr Mut, f├╝r etwas mehr Anf├Ąngergeist, f├╝r das Gef├╝hl von Verbundenheit, f├╝r das Wissen um die Einheit, f├╝r bessere Gesundheit, f├╝r mehr Sch├Ânheit und f├╝r mehr Leben im Leben.

Was verbindet Ihr Buch mit Street Philosophy?

F├╝nf Jahre lang hatte ich keinen Kontakt zu meiner Mutter, was f├╝r uns beide eine schmerzhafte Erfahrung war. Als wir uns langsam wieder angen├Ąhert haben, haben wir anfangs einen gro├čen Bogen um eventuelle schwierige schmerzhafte Themen gemacht, um das langsam und sanft wieder entstehende Vertrauen nicht zu gef├Ąhrden und gegebenenfalls alte Wunden aufzurei├čen. Wir haben deshalb ├╝ber B├╝cher gesprochen - eine Leidenschaft die uns schon immer geeint hat.

Nach und nach stellten wir in unseren Gespr├Ąchen fest, dass wir in den kontaktarmen Jahren zur exakt selben Zeit, die exakt selben B├╝cher gelesen hatten, dieselbe Philosophie-Zeitschrift abonniert hatten, uns die exakt selben Fragen keine Ruhe lie├čen, und die Philosophie in unser beider Leben eine wichtige Komponente geworden war.

Zu der Zeit hatte meine Mutter Street Philosophy mit einer befreundeten Philosophin in M├╝nchen bereits gegr├╝ndet, und ich hatte mir gerade ein Jahr Auszeit von der Architektur genommen, um selbst ein Buch zu schreiben. Seit Ende 2014 machen wir Street Philosophy nun gemeinsam.

K├Ânnen Sie die Essenz davon zusammenfassen?

Die Lebens-Maxime des von uns sehr bewunderten Benediktiner-M├Ânchs David Steindl-Rast fasst den Grundgedanken vielleicht am besten zusammen. Es sind nur drei Worte: ÔÇ×STOP. LOOK. GO." Wir haben festgestellt, dass das Innehalten und Wahrnehmen wirklich wichtig ist, vor allem in einer Zeit, in der sonst meist nur das GO im Vordergrund steht. Wir bieten mit Street Philosophy den n├Âtigen Rahmen f├╝r STOP und LOOK - um Fragen zu stellen, ohne dass es vorweggenommene vorgegebene Antworten gibt.

Einige Leser Ihres Buches verwiesen nach der Lekt├╝re auf das Gef├╝hl, dass aus Schmerz Licht wird. Haben Sie ├Ąhnliches w├Ąhrend des Entstehungsprozesses gesp├╝rt? Was hat das Schreiben mit Ihnen gemacht?

Es war ein Gang durch das Feuer der Transformation in der tiefen Gewissheit, dass der Schmerz nur die Verpackung des darunter liegenden gro├čen Geschenks ist. Jede Seite soll ein kleines Universum sein, in das der Leser eintauchen kann, um etwas zu finden, das universell ist. Dabei ist es v├Âllig bedeutungslos, ob man Hundebesitzer ist oder nicht.

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Foto und Copyright: Nina Schmid

Literatur:

Nina Schmid: the anagram of god is dog. Mindshift Publishing, Hamburg 2016.

Alexandra Hildebrandt: Tiefe des Glaubens: Warum wir ganz unten nicht verloren sind. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.

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