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Warum Gott für eine Architektin ein Anagramm von LEBEN ist

19/02/2017 18:31 CET | Aktualisiert 19/02/2017 18:31 CET

Nina Schmid ist Architektin mit einem Blick für Einheit und Fülle - nicht nur bei ihren Gebäuden, sondern auch im Leben. Sie schöpft ihre Kraft aus der Überzeugung, dass es unglaublich viel Schönes auf unserer Welt gibt, das nur darauf wartet, entdeckt und wahrgenommen zu werden.

Sie hat in Frankreich und Österreich studiert, in Italien gelebt und verschiedenste Architekturauszeichnungen erhalten. Sie möchte mit ihrem Wirken Menschen ermutigen, mit sich selbst und mit dem Leben ins Gespräch zu kommen. Die Philosophie als Lebenskunst ist dabei ein wichtiger Wegweiser in einer Zeit, in der sich viele alte Identitäten auflösen und neue bestenfalls nur verschwommen in Sicht sind.

Für viele Menschen entsteht deshalb ein Vakuum, das auf unterschiedliche Weise gefüllt wird. Der gesellschaftliche Wertewandel ist eine Reaktion auf diese Entwicklung, deren drängende Probleme und entscheidende Fragen der Gegenwart nicht gelöst und beantwortet werden können ohne eine bewusste Auseinandersetzung mit dem guten Leben.

Das erklärt auch das gestiegene Interesse an Philosophie. Raus aus dem Elfenbeinturm, rein in den Alltag - das ist die Idee hinter Street Philosophy, dessen Mit-Inhaberin Nina Schmid ist. Sie lebt mit ihren zwei Töchtern und ihrem Hund in Hamburg.

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Nina Schmid (Copyright: Christian Rudni)

Frau Schmid, "THE ANAGRAM OF GOD IS DOG" ist ein ungewöhnlicher Buchtitel, der möglicherweise einige Leser verwirrt. Was haben sie damit beabsichtigt?

Ich möchte nicht, dass dieser Titel als respektlos empfunden wird, obwohl er sich für einige Menschen vielleicht so anfühlen mag und vielleicht sogar als verletzend empfunden wird. Doch ich sehe es genau andersherum: Der Titel bezieht sich auf die Tatsache, dass GOTT ein Anagramm von LEBEN ist - genau so, wie es Julia Engelmann in ihrem Gedicht „One Day/ Reckoning Text" ausdrückt. Wenn man genau hinsieht, ist MUT ein Anagramm von GLÜCK.

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Foto und Copyright: Nina Schmid

HOOMY ist für sie eine Hündin die großgeschrieben werden muss. Warum?

Nicht nur wegen ihrer Größe, sondern vor allem wegen ihres Zaubers und ihrer zarten weisen Seele. Sie hat in das Leben einer traumatisierten und verängstigten Familie gefunden, dort Wunden geheilt und das Lachen und die Hoffnung zurück in das Herz von zwei kleinen Mädchen und ihrer Mutter gezaubert. HOOMY ist nicht nur ein HUND, sie ist eine Weise. Ihre Geheimnisse öffnen jedes Herz.

In welchen Momenten ist Ihnen Ihr „Zauberhund" besonders „bewusst"?

Wenn ich an das Leben denke, und wie man ein wahrhaftig gutes Leben lebt. Demnach ist GOD wirklich ein Anagramm von DOG - im denkbar besten Sinne und mit tiefem Respekt vor dem Leben selbst.

Warum ist - im Sinne Loriots - ein Leben ohne HOOMY möglich, aber sinnlos?

Es wäre einfach deutlich weniger heiter!

Was weiß der Leser, wenn er das Buch gelesen hat?

Dann ist er eingeweiht in die "7 Geheimnisse für ein wahrhaftig gutes Leben". Denn es geht in diesem Buch weit weniger um einen Hund, als um das Leben selbst. Die Fragen die wir uns alle oft stellen, sind doch genau die: Wie kann man ein wahrhaftig gutes Leben leben? Was gehört dazu? Was macht es aus? Und vor allem: Wie komme ich dahin?

Nicht weil wir hier unter so schrecklichen Lebensumständen leben, sondern weil das so viel beschriebene Glück oft so abstrakt ist und sich im Alltag das Glücksgefühl, wenn man nicht achtsam ist, oft nicht von alleine einstellt.

Das Buch erzählt Ihre eigene Geschichte aus der Katastrophe, aus der Lähmung heraus. Weshalb haben Sie sich so tief für andere geöffnet?

Vielleicht kann das Buch für den einen oder anderen Leser ein sanfter Wegweiser sein für ein bisschen mehr Mut, für etwas mehr Anfängergeist, für das Gefühl von Verbundenheit, für das Wissen um die Einheit, für bessere Gesundheit, für mehr Schönheit und für mehr Leben im Leben.

Was verbindet Ihr Buch mit Street Philosophy?

Fünf Jahre lang hatte ich keinen Kontakt zu meiner Mutter, was für uns beide eine schmerzhafte Erfahrung war. Als wir uns langsam wieder angenähert haben, haben wir anfangs einen großen Bogen um eventuelle schwierige schmerzhafte Themen gemacht, um das langsam und sanft wieder entstehende Vertrauen nicht zu gefährden und gegebenenfalls alte Wunden aufzureißen. Wir haben deshalb über Bücher gesprochen - eine Leidenschaft die uns schon immer geeint hat.

Nach und nach stellten wir in unseren Gesprächen fest, dass wir in den kontaktarmen Jahren zur exakt selben Zeit, die exakt selben Bücher gelesen hatten, dieselbe Philosophie-Zeitschrift abonniert hatten, uns die exakt selben Fragen keine Ruhe ließen, und die Philosophie in unser beider Leben eine wichtige Komponente geworden war.

Zu der Zeit hatte meine Mutter Street Philosophy mit einer befreundeten Philosophin in München bereits gegründet, und ich hatte mir gerade ein Jahr Auszeit von der Architektur genommen, um selbst ein Buch zu schreiben. Seit Ende 2014 machen wir Street Philosophy nun gemeinsam.

Können Sie die Essenz davon zusammenfassen?

Die Lebens-Maxime des von uns sehr bewunderten Benediktiner-Mönchs David Steindl-Rast fasst den Grundgedanken vielleicht am besten zusammen. Es sind nur drei Worte: „STOP. LOOK. GO." Wir haben festgestellt, dass das Innehalten und Wahrnehmen wirklich wichtig ist, vor allem in einer Zeit, in der sonst meist nur das GO im Vordergrund steht. Wir bieten mit Street Philosophy den nötigen Rahmen für STOP und LOOK - um Fragen zu stellen, ohne dass es vorweggenommene vorgegebene Antworten gibt.

Einige Leser Ihres Buches verwiesen nach der Lektüre auf das Gefühl, dass aus Schmerz Licht wird. Haben Sie ähnliches während des Entstehungsprozesses gespürt? Was hat das Schreiben mit Ihnen gemacht?

Es war ein Gang durch das Feuer der Transformation in der tiefen Gewissheit, dass der Schmerz nur die Verpackung des darunter liegenden großen Geschenks ist. Jede Seite soll ein kleines Universum sein, in das der Leser eintauchen kann, um etwas zu finden, das universell ist. Dabei ist es völlig bedeutungslos, ob man Hundebesitzer ist oder nicht.

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Foto und Copyright: Nina Schmid

Literatur:

Nina Schmid: the anagram of god is dog. Mindshift Publishing, Hamburg 2016.

Alexandra Hildebrandt: Tiefe des Glaubens: Warum wir ganz unten nicht verloren sind. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.

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