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Glanz und Gift: Wie Pistolenaufsätze und Chemiekeulen die Kulturtechnik des Putzens verdrängen

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Aufgewirbelte Diskussion

Über Schmutz wird in unserer Konsumgesellschaft viel zu wenig nachgedacht, sagt der Journalist und Autor Titus Arnu. Oh, Mann! Ein Blick in die Haushaltabteilungen der Drogeriemärkte bestätigt, dass es heute zum Putzen keine Handarbeit mehr braucht - „Staubmagnete", „Dampfbesen", „Wischroboter" und Regale voller Chemiekeulen und Reinigungsmittel mit Pistolenaufsätzen suggerieren, dass der Krieg gegen den Schmutz mit Leichtigkeit zu gewinnen ist. Gesellschaftlich wird das Putzen heute immer mehr verdrängt, bestätigt auch Prof. Nicole C. Karafyllis in ihrem philosophischen Universalreiniger für klare Verhältnisse: „Putzen als Passion". Es ist für sie eine Kulturtechnik, die gelernt sein will.

Schmutz ist nichts, vor dem sich Menschen fürchten müssen. Leider sieht die Realität anders aus: Die Bereitschaft zum Selberputzen nimmt heute immer mehr ab, und wenn geputzt wird, dann mit vollem militärischen Einsatz: In Deutschland werden jährlich etwa 220.000 Tonnen Haushaltsreiniger sowie circa 260.000 Tonnen Geschirrspülmittel verkauft. Die in diesen Produkten enthaltenen Chemikalien können Umwelt und Gesundheit belasten. Viele Inhaltsstoffe wie Phosphonate, optische Aufheller, Polycarboxylate, Koservierungsmittel, Silicone, Paraffine, Duftstoffen und Farbstoffe sind biologisch oft schwer oder nicht vollständig abbaubar, können sich in der Umwelt und in Organismen anreichern und die Gewässer belasten. Zusätzlich tragen bestimmte Inhaltstoffe (z. B. Phosphor- oder Stickstoffverbindungen) zu einer Überdüngung der Gewässer (Eutrophierung) bei.

Haushaltsreiniger gelangen früher oder später ins Abwasser. Was der Verbraucher so selbstverständlich im Alltag einsetzt, ist für die Gewässer allerdings eine große Belastung. Die Haushaltschemikalien können Wasserorganismen schädigen und zur Eutrophierung (Überdüngung) der Gewässer beitragen. Aber nicht nur dort können sie Schaden anrichten und sich anreichern. Viele handelsübliche Reinigungsmittel enthalten allergene Duftstoffe und Konservierungsmittel, die auch die Gesundheit gefährden können.

Die Verbraucher Initiative e.V. weist jedoch darauf hin, dass es auf dem Markt viele Reinigungsmittel gibt, die Gesundheit und Umwelt weniger belasten. Viele nachhaltige Produkte sind am EU-Umweltzeichen (Euroblume) zu erkennen. Auch der Blaue Engel ist eine gute Entscheidungshilfe beim Kauf von Reinigern. Beide Standards verzichten weitestgehend auf den Einsatz gefährlicher Stoffe, die waschaktiven Substanzen müssen biologisch abbaubar sein.

Viele nachhaltige Produkte sind am EU-Umweltzeichen (Euroblume) zu erkennen. Verzichtet werden sollte jedoch auf chlorhaltige Santärreiniger und WC-Reiniger mit anorganischen Säuren, da sie als umweltbelastend zu betrachten sind. Stark saure oder stark alkalische Reiniger können bei unsachgemäßer Anwendung Hautreizungen oder sogar Verätzungen verursachen. Auch der Blaue Engel ist eine gute Entscheidungshilfe beim Kauf von Reinigern.

Ökologische Reinigungsmittel verzichten auf synthetische Konservierungsmittel, chlorchemische Zusätze und synthetische Duftstoffe. Auch werden viele Bio-Putzmittel, die zudem völlig ökologisch abbaubar sind, aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. Verantwortungsvolle Unternehmen setzen auf leistungsstarke Wirkstoffe aus der Natur wie Essig, Soda oder Orangenöl. Gleichzeitig wird auf umweltschädliche Chemikalien wie Phosphate, Borate, Formaldehyd, PVC oder halogenorganische Verbindungen verzichtet. Auch verwenden die meisten wieder verwertbare Verpackungen oder bieten Nachfülllösungen an.

Ökologisch reinigen von A bis Z

Abflussreinigung:

Auf chemische Abflussreiniger kann meist verzichtet werden, wenn der Abfluss mechanisch mit Saugglocke, Bürste oder Spirale gereinigt wird. Verschiedene dieser mechanischen Rohrreiniger sind mit dem Blauen Engel gekennzeichnet.

Beduftung:

Der Einsatz von Raumsprays, Duftspendern und anderen „Raumbeduftungsmitteln" sollte möglichst vermieden werden, denn Duft- und Konservierungsstoffe können Allergien auslösen. Oft hilft kurzes Lüften, um schlechte Gerüche zu beseitigen.

Bodenpflege:

Viele Produkte ökologischer Anbieter setzen auf das Wirkprinzip aus der Natur. Beim Thema Imprägnierung orientieren sie sich an Tieren und Pflanzen. In Nachhaltigkeitsberichten finden sich Informationen zu Forschungsarbeiten mit renommierten externen Instituten, mit denen Öko-Reinigerserien entwickelt wurden. Die natürlichen Wirkstoffe sorgen dafür, dass Fugen besser imprägniert werden und Schmutz auf Böden weniger gut haftet.

Dosierung:

Es genügt in der Regel eine geringere Menge des Putzmittels, das vom Hersteller angegeben wird. Wesentlich für die Entlastung der Umwelt ist deren sparsamer Gebrauch.

Fleckenentfernung:

Manchmal helfen auch alte Hausmittel: Wachs auf dem Esstisch bekommt man ganz einfach mit einem Föhn (niedrige Hitzestufe reicht völlig) weg: anwärmen und das weich gewordene Wachs mit ein paar Küchentüchern aufsaugen. Danach kann man noch mit etwas Essigwasser drüber gehen - und es ist nichts mehr zu sehen (Quelle: memolife).

Möbelpflege:

Mit Holzlasuren auf pflanzlicher Basis werden Möbel nachhaltig gepflegt. Sie sind frei von Lösemitteln und mit Wasser verdünnbar. Diese Neutralreiniger zeichnen sich durch ökologische Herstellung und Ergiebigkeit aus, sind frei von Phosphaten, Lösemitteln und Formaldehyd. PH-neutral und hautfreundlich.

Reinigungsmittel:

Viele nachhaltige Produkte sind an den genannten Umweltzeichen zu erkennen. Auf folgende Reinigungsmittel sollte verzichtet werden, da sie als umweltbelastend zu betrachten sind: chlorhaltige Sanitärreiniger, WC- Reiniger mit anorganischen Säuren. Stark saure oder stark alkalische Reiniger können bei unsachgemäßer Anwendung Hautreizungen oder sogar Verätzungen verursachen. Der Blaue Engel ist eine gute Entscheidungshilfe.

Spülmittel:

Es sollten vor allem umweltfreundliche Spülmittel verwendet und das Wasser erst gewechselt werden, wenn der Schaum vollständig verschwunden ist. Auch beim Geschirrspüler sollten biologisch abbaubare Mittel bevorzugt werden.

Staub und Schmutz:

Auf den Einsatz von Tüchern und Staubwischern, die nach dem Gebrauch entsorgt werden, sollte man verzichten. Nachhaltige Schwammtücher haben im Gegensatz zu herkömmlichen Produkten kein Synthetikgitter und kommen ohne künstliche Feuchtmacher aus. Sie sind enorm saugfähig, scheuerfest, fusselfrei, waschmaschinengeeignet (bis 60 °C) und dabei angenehm weich und griffig. Sie bestehen ausschließlich aus natürlichen Rohstoffen wie Zellulose, Baumwollfaser und Glaubersalz. 100 % verrottbar nach EMPA-Test (Quelle: memolife)

WC-Reinigung:

Auf chlorhaltige Reinigungsmittel und WC-Reiniger mit Salz- oder Salpetersäure sollte verzichtet werden.

Die Tipps wurden gemeinsam mit der Autorin und Nachhaltigkeitsexpertin Claudia Silber zusammengetragen. Weitere Informationen finden sich in den folgenden eBooks, deren Erlöse vollständig HORIZONT e.V. zugute kommen. Der gemeinnützige Verein wurde 1997 von der Schauspielerin Jutta Speidel gegründet und hilft wohnungslosen Müttern und deren Kindern schnell und unbürokratisch.

Claudia Silber und Alexandra Hildebrandt: Küchen-Kultur und Lebensart: Warum Verantwortung nicht zwischen Herd und Kühlschrank aufhört. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.

Gut zu wissen... wie es grüner geht: Die wichtigsten Tipps für ein bewusstes Leben von Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2016.

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