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Warum die Generation Z mit beiden Beinen auf dem Sattel steht

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Viele Mitglieder der Generation Z, die zwischen 1995 bis 2010 geboren wurden, machen die Erfahrung, dass sie sich in einer unüberschaubar gewordenen Welt nicht konzentrieren und angemessen entwickeln können. Aufmerksamkeit ist für sie deshalb ein wichtiger Aspekt in ihrem Wertesystem.

In der 17. Shell Jugendstudie 2015, die sich auf eine repräsentativ zusammengesetzte Stichprobe von 2.558 Jugendlichen im Alter von 12 bis 25 Jahren aus den alten und neuen Bundesländern zusammensetzt, legen 64 Prozent großen Wert auf Respekt und wollen fleißig und ehrgeizig sein.

Damit verbunden ist der ausgeprägte Wunsch, sich verstärkt dem gezielten Üben (purposeful practise) zu widmen. Die Zunahme von Quantität und Qualität des fokussierten Übens führt zu einer ständigen Leistungssteigerung.

Durch die „Aneinanderreihung einer Vielzahl winziger Schritte erreichen sie ein langfristiges Ziel", wie es auch K. Anders Ericsson und Robert Pool in ihrem Buch „TOP. Die neue Wissenschaft vom bewussten Lernen" beschreiben, ohne allerdings auf die Generation Z und entsprechende aktuelle Beispiele Bezug zu nehmen.

Auf dem Rad statt unterm Rad

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Der 17-Jährige Clemens Bodt vom SV 05 Rehbrücke, einer von neun Kunstrad-Vereinen in Brandenburg, fiel vor zehn Jahren in der Schule auf, weil er unkonzentriert war. Ihm wurde deshalb sportliche Betätigung empfohlen. Durch einen Zufall kam er zum Kunstradfahren.

Diese Sportart benötigt volle Konzentration, Körperspannung, Ausdauer und Ehrgeiz. Kunstradfahrer fahren innerhalb eines definierten Feldes und zeigen in fünf Minuten 30 Übungen.

Von dieser Sportart geht auch eine enorme Symbolik aus, weil sie zugleich für die Lebenskunst dieser Generation steht.

Ein Kunstradfahrer lernt nie aus. „Ich will neue Übungen fahren", sagt Bodt. Ein neues Element ist beispielsweise der „Dornstandsteiger rückwärts":

Hier steht er mit einem Fuß auf dem Dorn des Hinterrades und fährt nur auf dem Hinterrad rückwärts.

„Das bringt gut Punkte." (Je nach Schwierigkeitsgrad und Ausführung vergeben die Punktrichter ihre Wertung.)

Am Anfang trainierte er zweimal pro Woche, mittlerweile übt er vier bis fünf Mal für etwa ein bis zwei Stunden.

Mittlerweile gehört Clemens Bodt, der heute viel ruhiger und ausgeglichener geworden ist, zu den besten Kunstradfahrern Deutschlands: Seit 2010 verteidigt er den Titel des Brandenburgischen Meisters. 2015 wurde er in den Nationalkader berufen.

Sein Traum ist, dass dieser Sport noch bekannter und als olympische Disziplin anerkannt wird.

„Man lernt, wie man fällt", sagt er. Die blauen Flecken gehören für ihn und seine Generation ebenso zum Training wie der Blick für die eigenen Möglichkeiten und die Freude daran, sich zu messen und zu üben, um das Leben „athletisch" zu meistern.

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Literaturempfehlung:

K. Anders Ericsson, Robert Pool: TOP. Die neue Wissenschaft vom bewussten Lernen. Droemer Knaur GmbH & Co. KG, München 2016.

Weiterführende Informationen:

Bewegte Zeiten. Warum das Fahrrad unsere Sehnsucht nach Selbstbestimmung stillt

Volle Konzentration! Warum Aufmerksamkeit unsere knappste Ressource ist

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