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Gemeinwohl ist, was uns alle angeht

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Ende Oktober 2015 wurde der erste GemeinwohlAtlas 2015 für Deutschland veröffentlicht. Er stellt den Gemeinwohlbeitrag von 127 deutschen und internationalen Organisationen dar und bringt sie in eine Rangliste.

Der amerikanische Psychologe Seymour Epstein identifizierte in einer vergleichenden Studie vier menschliche Grundbedürfnisse, auf denen auch die vier Gemeinwohl-Dimensionen fußen, die im GemeinwohlAtlas betrachtet wurden: Aufgabenerfüllung, Zusammenhalt, Lebensqualität und Moral. Sie können in keine Hierarchie gebracht werden können, sondern stehen gleichberechtigt nebeneinander.

Auf den Plätzen 1 bis 3 sind die Feuerwehr, das Technisches Hilfswerk und der Weiße Ring. Auf den hintersten Rängen sind die Deutsche Bank und die Bild-Zeitung.

Prof. Timo Meynhardt, Managing Director des Center for Leadership and Values in Society der Universität St.Gallen (CLVS-HSG) und Inhaber des Dr. Arend Oetker Lehrstuhls für Wirtschaftspsychologie und Führung an der HHL Leipzig Graduate School of Management, leitete die Studie, deren Ergebnisse hier zusammengefasst sind:

• Gemeinwohl wird an menschlichen Grundbedürfnissen gemessen.
• Das Wohl des Einzelnen hängt auch vom Gemeinwohl ab.
• In einer funktionierenden Gesellschaft ist Gemeinwohl das Band, welches das Gemeinwesen zusammenhält und Richtschnur bei der Lösung von Konflikten und Ressourcen für den Einzelnen ist.
• Gemeinwohl liegt im Auge des Betrachters.
• Gemeinwohl wird dann geschaffen, wenn ein Individuum das soziale Kollektiv positiv erlebt.
• Gemeinwohl wird erst dann geschaffen, wenn es in den Köpfen und Herzen der Menschen ankommt.

Wie deutsche Unternehmen zum Gemeinwohl beitragen

Gemeinwohlbelange werden auch für Unternehmen zunehmend immer wichtiger. Der eigene Gemeinwohlbeitrag und seine Kommunikation sind wesentliche Argument im Marketing, Vertrieb und der Arbeitgeberattraktivität. Denn niemand arbeitet gern für ein Unternehmen, dessen man sich schämt.

Regina und Werner Neumüller (Neumüller Gruppe) leiten jeweils mehrere Unternehmen im Umfeld der Personal- und Ingenieurdienstleistung mit insgesamt mehr als 350 Mitarbeiterinnen.

Sie sind spezialisiert auf das Research und die Rekrutierung von anspruchsvollen Qualifikationen über den Weg der Personaldienstleistung - auch in Premiumsegmenten, die von hoher Nachfrage geprägt sind (Ingenieure, Betriebswirte, Naturwissenschaftler).

„Gerne nehmen wir unsere Verantwortung an, dem System, in dem wir Erträge erwirtschaften, wieder etwas von diesen Erträgen ‚sinnvoll(er)' zurückzugeben", sagen die Unternehmer, die gute Geschäfte machen und dann teilen wollen.

Das ist für sie in einzigartiger Weise mit ausgewählten Attributen wie Ehrlichkeit, Fleiß und Nachhaltigkeit (DNA des Unternehmens) verbunden, aber auch mit dem Gefühl der wirksamen Teilhabe an einer sozialen Bewegung.

Die Kulturförderung ist für sie als Mittelständler ebenso selbstverständlich wie soziales Engagement. Unterstützt werden Ärzte ohne Grenzen, Kinderpatenschaften bei World Vision und SOS Kinderdorf, aber auch regionale Organisationen wie "Tröster Teddys", die Aktion Schutzbengel der Rummelsberger Diakonie, die Consilatio Stiftung, die Stiftung Kinder in Not, die Reiner Meutsch Stiftung, die Emanuel Wöhrl Stiftung sowie Kindergärten und Krankenhäuser im Raum Nürnberg.

Die in mehrere Bereiche aufgeteilten Spenden unterliegen keinem Gießkannenprinzip, sondern sind in dieser unterschiedlichen regelmäßigen Verteilung beabsichtigt. Es geht um die Notwendigkeit der Unterstützung im Ganzen - nicht um persönliche Betroffenheit im Kleinen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang die aktuelle Diskussion einer Gruppe von Wissenschaftlern um den Moralphilosophen Peter Singer (Princeton University) und William MacAskill (Universität Oxford). Aus ihrer Sicht sei es zwar nachvollziehbar, dass wir beeinflussen wollen, was uns berührt, aber ökonomisch sei dies aus ihrer Sicht nicht richtig.

Die WirtschaftsWoche brachte dazu kürzlich ein Beispiel: Wenn jemand Leben retten will, liegt es zwar zunächst nahe, Arzt zu werden - doch MacAskill empfiehlt einen radikaleren Weg, den auch der Amerikaner Jason Trigg ging:

Er wurde nicht Entwicklungshelfer, sondern Programmierer, der bei einem Hedgefonds weit mehr verdiente, um möglichst viel zu spenden. Er verfolgt die Strategie des Verdienens-um-zu-spenden (aerning to give), die auch MacAskill selbst umsetzt. Er spendet 60 Prozent seines Jahreseinkommens.

Der rein ökonomische Ansatz hat durchaus etwas Kaltes, weil es ausschließlich um eine „optimierte Art von Altruismus" (WiWo 42/9.10.2015) geht, die kaum Gefühle zulässt und auch nicht das nachhaltige Wirtschaften des Unternehmens hinterfragt, aus dem das zu spendende Geld kommt.

Doch die Auseinandersetzung mit einem solchen Ansatz kann dazu anregen, das persönliche und unternehmerische Engagement zu hinterfragen und gegebenenfalls neu auszurichten, um überlegter und mit Langfristwirkung zu spenden.

Am Beispiel der Neumüller Unternehmungen zeigt sich besonders deutlich, dass das Geschäftsmodell und persönliche Engagement eine Einheit sein muss, wenn die Wirkung des eigenen Tuns nachhaltig sein soll.

Mit Leidenschaft und Hingabe

Sport kann aufgrund seiner kulturellen Dynamik, seiner integrativen Kraft und sinnstiftenden Funktion mit dazu beitragen, Impulse für eine nachhaltige Entwicklung liefern. Das Sankt Paul „Haus der Athleten" in Nürnberg bietet jungen Nachwuchstalenten im Leistungssport ein pädagogisch begleitetes Wohnen in gemeinschaftlicher Atmosphäre.

Trainer, Sozialpädagogen und Erzieher gewährleisten eine individuelle Betreuung der jungen Sportler, die in den unterschiedlichen Sportarten aktiv sind.

Sie begleiten die Jugendlichen in sportlicher und medizinischer Hinsicht, leisten Hilfestellung für Schule und Ausbildung und stehen ihnen auch am Wochenende sowie in den Ferien für Fragen zur Verfügung. Außerdem arbeitet das Internat mit den Sportmedizinern der Universität Erlangen-Nürnberg zusammen.

Gerade in jungen Jahren ist es für Sportler oft finanziell schwierig, weil das Training teuer ist und sie neben dem Sport oft nicht arbeiten können. Bis die ersten großen Erfolge eintreten, kann es lange dauern. Gerade in dieser Phase braucht es Sponsoren.

Werner Neumüller ist „Gold-Sponsor" der Initiative „Junge Leidenschaft", die der 1. FCN und IHK-Präsident Dirk von Vopelius ins Leben gerufen haben. Für Dagmar Wöhrl, die sich als Kuratoriumsvorsitzende für Sankt Paul „Haus der Athleten" engagiert, bedeutet „Junge Leidenschaft", wenn „aus Disziplin Hingabe" wird - ein Begriff, der im Nachhaltigkeitskontext immer wichtiger wird.

Werner Neumüller plädiert mit diesem Engagement gleichzeitig an alle anderen Unternehmer, die in der Region verwurzelt sind: Man könne nicht „immer nur jammern oder die Standortvorteile nutzen". Es sei auch wichtig, vor Ort Verantwortung zu übernehmen und zu handeln.

Er sieht darin auch positive Entwicklungen für sein Unternehmen:

„Im Sport werden Ideale gelebt: Teamgeist, Gemeinschaft, Leistung - junge Leidenschaft eben. Genau diese Vorbilder benötigen wir heute in unserer Gesellschaft, und gerade diese zielorientierten Jugendlichen müssen wir unterstützen und möchte ich in meinem Unternehmen haben. Champions und Siegertypen tun Franken und unserem Selbstverständnis gut, und wir alle wissen, dass Wirtschaft zu einem Großteil aus Psychologie besteht."

Ein solches Engagement bietet Unternehmen Zugang zu leistungsorientierten jungen Menschen, stellt engen Kontakt zu werbewirksamen Sportlern von morgen her und strahlt besonders auf junge Menschen im eigenen Unternehmen aus.

Die Neumüller Unternehmensgruppe bietet jungen Nachwuchssportlern in Sankt Paul auch Ausbildungsplätze an, die sich in den sportlichen Alltag integrieren lassen.

Ein wichtiger Partner des Haus der Athleten ist der 1. FCN ist mit seinem Nachwuchs Leistungs Zentrum (NLZ) www.fcn.de/nachwuchs/nachwuchsleistungszentrum. Der 1. FCN liegt Werner Neumüller besonders am Herzen, weil „der Club zu Nürnberg gehört wie die ‚Drei im Weckla', die Fans den Club brauchen und es nicht nur in München einen Erstligaverein geben darf". Damit schließt sich der Kreis zum GemeinwohlAtlas 2015.

Auch Fußballclubs leisten einen Gemeinwohlbeitrag

Im GemeinwohlAtlas 2015 schlagen Borussia Dortmund und Bayer 04 Leverkusen den FC Bayern München! Ein solches Ergebnis ist in der Bundesliga undenkbar. Und auch hier polarisiert der FC Bayern von allen Clubs am stärksten.

„Während der Verein im Kerngeschäft die beste Arbeit leistet, wird er jedoch abgestraft, wenn es um die Bewertung von Anstand und Moral geht. Dies zeigt nicht nur die differenzierte Betrachtung des Gemeinwohlbeitrags durch die Befragten, sondern auch, dass eine Gemeinwohlverträglichkeit auch im Hinblick auf Bundesliga-Vereine als bedeutsam eingestuft wird."

Wir alle sind Fußball.

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